EISERNE GARDE


Corneliu Codreanu


Corneliu Codreanu | 1899 - 1938

Zum 70. Todestag von Corneliu Codreanu


INHALTSÜBERSICHT

VORWORT

An die  Legionäre

DER EINTRITT INS LEBEN

Im Dobrina-Wald, März 1919
Auf der Universität Jassy, Seplember 1919
Eine Revolution wird vorbereitet
Die Garde des nationalen Bewußtseins
Constantin Pancu
Wir besetzen die Tabakregie
Die Trikolore weht über den Nicolina-Werken
Der national-christliche Sozialismus. Die nationalen Gewerkschaften
Die „Führer“ der rumänischen Arbeiterschaft
Die Haltung der jüdischen Presse
Der erste Studenten-Kongreß nach dem Krieg in  Klausenburg
Die Eröffnung der Universität Jassy im Herbst 1920
Das Universitätsjahr 1920/21
Für immer von der Universität Jassy ausgeschlossen
Das Dekanat der Juristischen Fakultät
Vorsitzender des Verbandes Juristischer Studenten
Der Besuch an der Czernowitzer Universität
Die Gründung der „Vereinigung Christlicher Studenten“
Am Ende des Hochschulstudiums
Der Sommer 1922
In Deutschland


DIE STUDENTENBEWEGUNG

Der  10. Dezember 1922


DIE JUDENFRAGE

Die Zahl der Juden
Das Problem des rumänischen Bodens
Das Problem der Städte
Das Problem der rumänischen Schule
Das Problem der führenden Schicht Rumäniens
Das Problem der nationalen Kultur
Rückkehr in  die Heimat
In Bukarest
In Klausenburg
Gründung der „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“
Der 4. März
Andere antisemitische und nationale Organisationen
Meine Tätigkeit in der Sludentenbewegung und in der Liga
Die Zuerkennung der politischen Rechte an die Juden
Meine erste Verhaftung
Der Generalstreik der Studentenschaft
Die Pläne des Judentums gegenüber dem rumänischen Volk und Boden
Die Verschwörung des Judentums gegen Blut und Boden
Die Pläne der Juden gegen die Studentenbewegung
Haltung und Argumente der Juden
Die Führerberatung der Studentenbewegung
Der Kimpolunger Gautag der „Liga“
Die Studenten-Verschwörung im Oktober 1923
Außerhalb der  Kerkermauern
Gedanken um ein neues Leben
Die Bestrafung des Verräters und der Prozeß
In Jassy


EIN JAHR HARTER PRÜFUNGEN / Mai 1924 - Mai 1925

Für unser neues Heim
Das erste Arbeitslager, Mai 1924
Ein neuer Schlag
Niedergeknüppelt
Im Arbeitszimmer des Präfekten
Auf dem Rareu
Der Versuch, unsere feste Gemeinschaft zu zerschlagen
Verlobung
Der Prozeß Motza-Vlad
Die Öffentlichkeit zu den Ereignissen in unserem Garten
Der Unglückstag: der 25. Oktober
Hungerstreik
Allein in Galata
Verlegung des Prozesses nach Focsani
In Turnu-Severin
Die Verhandlung
Nach Jassy
Meine Hochzeit
Zu neuer Arbeit
Gefahren, die einer politischen Bewegung drohen
Wer soll eine Bewegung führen?
Eine Gewissensfrage
Studium in Frankreich
In Grenoble
Parlamentswahlen, Mai 1926
In den Alpen
In Bukarest. Zusammenbruch der Liga
Was war geschehen?
Unser Eingreifen


DIE LEGION „ERZENGEL MICHAEL“

Die Gründung
Die Materie
Das Geistige
Gegen die Niedertracht
Die ersten Anfänge unseres Legionärlebens
Unser Programm
Bilder aus dem öffentlichen Leben Rumäniens
Gedanken um Welt und Zukunft
Die Entwicklungsstufen der Legion
Selbstlosigkeit im Kampf
Zucht und Liebe
Der Kampf um den Bestand unserer Zeitung
Die nationale Bewegung und die Diktatur
Die ersten Anfänge unserer Organisation
Der Eid der ersten Legionäre
Eine neue Schlacht
Frage der Geldmittel
Sommer
Im Kampf mit Sorge und Not
Professor Gavenescul empfängt die heilige Erde der Ahnen
Der 3. und 4. Januar 1929


DER WEG IN DIE VOLKSMASSEN

Bei den Motzen in Siebenbürgen
Sommer 1929
Unser Entschluß, ins Volk vorzustoßen. 15. Dezember 1929
In Maros-Ludos in Siebenbürgen
In Bessarabien
Wieder in Bessarabien
Unruhen in der Provinz Maramuresch
Der Maisch nach Bessarabien. 20. Juli 1930
Die Auflösung der Legion „Erzengel Michael“ und der ,,Eisernen Garde“
Die Verhandlung am 27. Februar 1931
Die Legionärsbewegung zum ersten Male im Wahlkampf!
Der Kampf von Neamlz


DEMOKRATIE GEGEN NATION

Im Parlament
Einiges von der Demokratie
Wahl, Auslese und Erblichkeit
Der Einzelne, die Volksgemeinschaft, die Nation
Das Volk
Die Monarchie und ihr Gesetz
Die Schlacht von Tutova
Die abermalige Auflösung der „Eisernen Garde“
Neuwahlen im ganzen Lande Juli 1932
Zum zweitenmal im Parlament


IM TROMMELFEUER DER VERLEUMDUNGEN

„Eine anarchistische und terroristische Bewegung“
„Im Dienste fremder Staatsmächte!“
„Sie werden von Hitler bezahlt!“
Der Damm  von Visani


NACHWORT

Die Partei „Alles für das Vaterland“
Die rumänische Kirche
Gefallen für die Idee
Der Aufbruch der Legion
Der Mordplan gegen Codreanu
Der Staatsstreich vom 12. Februar 1938
Auf Befehl schuldig gesprochen
Am 30. November 1938
Corneliu Zelea Codreanu

DIE GEFALLENEN SEIT 1933

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MÄRSCHE DER EISERNEN GARDE (MP3)

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Codreanu | Eiserne Garde | Titelseite

Für die rumänischen Ortsnamen
wurde die in Deutschland gebräuchliche Form gewählt.
Alle Rechte vom Verlag gewahrt Printed in Germany
Copyright 1939 by Brunnen-Verlag / Willi Bischoff / Berlin
Druck: Poeschel
& Trepte, Leipzig.


Der vorliegende Band enthält die Erzählung
meiner Jugendzeit vom 19. bis zum 34. Lebensjahre,
mit ihren Gefühlen, Bekenntnissen, Gedanken, Taten
und Fehlern.

CORNELIU ZELEA CODREANU

Rechtschreibung wie im Original beibehalten!


VORWORT ZUR WELTNETZAUSGABE

Corneliu Zelea Codreanu (1899-1938)
Mann und Mythos

Seit Jahren nimmt das Interesse am Gründer und Führer der Legion Erzengel Michael (ab 1930: Eiserne Garde, Garda de fier) zu. Codreanus postume Strahlkraft greift dabei weit über Rumänien hinaus und hat Nationalisten in ganz Europa erfaßt und auf sein Leben und Werk aufmerksam werden lassen. Es bahnt sich – soweit man diesen Vergleich als nahe liegend ansehen möchte – eine ähnliche Entwicklung wie hinsichtlich des Ernesto „Che“ Guevara (1928-1967) an, der zum Idol der Linken geworden ist, und zwar unter Vernachlässigung des kulturellen Kontextes in dem dieser wirkte.

Man kann den Capitan, wie Codreanu von seinen Anhänger ehrfurchtsvoll genannt wurde, nur in Zusammenhang mit der von ihm gegründeten und unter größten Schwierigkeiten aufgebauten Organisation deuten und verstehen. Der am 24. Juni 1927 in Jassy (Iasi) gegründeten Legion Erzengel Michael und der daraus hervorgehenden Eisernen Garde, oftmals zusammenfassend als Legionärsbewegung bezeichnet, galt sein Leben, ihr allein wies er die Aufgabe der Errettung des Vaterlandes aus Krise und Chaos zu. Es ist bezeichnend, daß die Eiserne Garde, sobald diese ohne seine Führung sich mehr und mehr zu einer bloß politischen Kraft entwickelte, den Weg des Scheiterns ging. Codreanus Märtyrertod in einem Waldstück an der Landtrasse Ploesti-Bukarest wurde zwar, wie hundertmal verhießen, vom Schicksal mit dem Sieg der Legionärsbewegung belohnt, die 1940 zusammen mit den Militärs unter General Ion Antonescu (1882-1946) Rumänien als „national-legionärer Staat“ regierte und das Erbe ihres Führers wach zu halten und seinen Prinzipien zu folgen versuchte. Die Verstrickung in das Spiel der Macht, das sich immer mehr durchsetzende Verständnis von der Organisation als politischer Machtfaktor und weniger als Kraft spiritueller Erneuerung mußte jedoch zwangsläufig zum Niedergang der Legion und ihrer fast völligen Vernichtung führen. Diese geschah 1941, als Codreanus Nachfolger Horia Sima (1906-1993), die erreichte Machtverteilung im Staat völlig unterschätzend, einen Aufstand gegen die Militärs wagte und ein Blutbad anzettelte. In diesen Tagen sinnlosen Bruderkriegs wurde das Erbe Codreanus, längst nicht mehr in vollem Umfang gewürdigt und als Verpflichtung verfolgt, im profanen Machtkampf verspielt. Der Capitan hatte bereits 1937 weitsichtig vor einem Sieg der Eisernen Garde als bloßem Machterwerb und Machtverteilung gewarnt, dies den Märtyrertod der vielen Legionäre vor Augen, den er als eherne und heilige Verpflichtung empfand. Dieser Sieg nämlich, konnte und mußte nur als Gestaltungsaufgabe zur Errettung des Volkes betrachtet werden, der sich unter den gleichen Gesetzen zu entfalten sollte, die die Eiserne Garde hatten groß werden, schließlich siegen und ehrenvoll triumphieren lassen. Dazu der Capitan: „So oft wir Angesicht zu Angesicht eines legionären Opfers standen, sagte ich mir: Wie furchtbar wäre es, wenn sich über dem heiligen und höchsten Opfer der Kameraden eine siegreiche Kaste erheben würde, der sich die Tore öffnen würden zu einem Leben der Geschäfte, der Coups, der Diebstähle, der Völlerei und der Ausbeutung anderer. Das würde bedeuten, daß die einen starben, um den Trieben der Bereicherung, des bequemen Lebens und des Lasters anderer zu dienen (…) Ihr, die Ihr die ersten Anfänge dieser Elite repräsentiert, werdet Euch auf Eid verpflichten, Euch in solcher Weise zu betragen, daß Ihr wirklich der gesunde Anfang einer großen Zukunft werdet und daß Ihr die ganze Legionärsbewegung zu beschützen habt, auf daß sie nicht in die Abwege der Geschäfte, des Luxus, des Wohllebens, der Unmoralität, der Befriedigung persönlicher Ambitionen oder des menschlichen Größenwahns abgleitet.“ (12. Februar 1937)

Wie sind, über diese klare und strikte Mahnung hinaus, das geistige Erbe und die Prinzipien Codreanus zu verstehen?

Codreanu wollte die vollständige Macht, um revolutionär gestalten zu können. Er wollte diese jedoch nicht durch eine Überrumpelung oder durch einen Putsch gegen die Machthaber jedweder Couleur. Der heilige Sieg sollte am Ende eines durchdringenden und nachhaltigen Wachstums stehen und die Grundlage zu Höherem bilden.

Dazu führte er aus: „Die Legionärsbewegung kann nur durch die Vollendung eines innerlichen Gewissensprozesses unseres Volkes siegen (…) Der Sieg, den wir auf diese Weise erwarten ist so groß, so glänzend, daß wir es niemals hinnehmen könnten, ihn durch einen billigen und vergänglichen Sieg zu ersetzen, entstanden durch Komplott oder Staatsstreich.“ Den Mächtigen, den korrupten Staatsparteien und der dekadenten Königsclique, rief er, eingedenk dieser auf einen heiligen Sieg in der Ferne ausgerichteten Haltung, trotzig und zugleich mutig zu: „Nun aber, nach zehn Jahren, können wir die Bilanz all dieser Machenschaften, Quälereien, Erniedrigungen und Vernichtungsversuche ziehen und unsere Feinde fragen: Was habt ihr durch eure zehnjährigen Machenschaften erreicht? Wir sind eine Million! Wo ist euer Sieg? Und wo wird euer Sieg sein? Denn wenn ihr auch Fünf nicht überwinden konntet, wie wollt ihr zweihunderttausendmal Fünf vernichten?“ (18. Juni 1937).

Im Mittelpunkt stand dabei der Omul nou, der neue Mensch. Dieser sollte in den Reihen der Garde zielgerichtet erschaffen werden und heranwachsen, Träger eines neuen Bewußtseins und damit Garant für die unwiderrufliche Umgestaltung der Gesellschaft unter der Führung Codreanus sein. Dieser neue „heldische, adlige Mensch“ (Eiserne Garde, 1939, S.276), legionärer Kämpfer und Führer seines Volkes, mußte jedoch erst in den Reihen der Bewegung erzogen werden, sich schließlich einer neuen Elite zur Verfügung stellen und als Lebensinhalt nur die Errettung des Volkes und Vaterlandes kennen. In einem bemerkenswerten Artikel über Codreanu und die Legion heißt es hierzu sehr treffend: „Codreanu verfolgte eine Langzeitstrategie: er wollte erst einen Heldentypus schaffen, der das Fundament einer neuen Gesellschaft bilden sollte. Dies wäre ihm möglicherweise sogar gelungen, wenn er die Zeit und die weltpolitisch wirklichen Mächtigen auf seiner Seite gehabt hätte. Die Praktizierung des bewußten Opfers wurde im Jahre 1933 perfektioniert: immer mehr junge Legionäre fielen im ungleichen Kampf mit den völlig entfesselten skrupellosen Staatsorganen. Um die Wahlpropaganda [die Eiserne Garde war als politischer Arm der Legion gegründet worden. Den Weg der Teilnahme an Wahlen beschritt Codreanu anfangs nur mit größtem Bedenken, wurde sich dann aber bewußt, daß nur auf diesem Wege das weitere Wachsen und Vordringen der Bewegung in ganz Rumänien sicher zu stellen war – H.O.] effektvoller gestalten zu können, wurde eine neue Truppe geschaffen, die ordensgleich, mit hohen Auflagen (unverheiratet, fest im Glauben erprobte Kämpfer) ihren passionierten Dienst versah – die ‚Echipa Mortii’. Der Terminus bedeutet (ähnlich den Gladiatoren) ‚Jene, die den Tod nicht fürchten’ (…) Die ‚Echipa Mortii’ waren alles andere als Terroristen, unbewaffnet stellten sie sich in Todesverachtung dem Gegner. Sie bildeten somit eine spirituelle Elite innerhalb der Elite, sie waren ein Beispiel übernatürlichen Heldentums“. [Neue Ordnung 2/2004]

Der Aufbau einer wirklichen heldenmütigen Elite, die Gestalt und Wesen eines Ordens besaß, ist wohl einer der großen Errungenschaften, die Codreanu noch zu Lebzeiten verwirklichte. Hier muß auch noch an den Orden Mota und Marin (benannt nach den Spanienkämpfern und Legionären der ersten Stunde, Ion Mota und Vasile Marin, gefallen im Januar 1937) erinnert werden, der ganz bewußt als erster geistlicher Ritterorden der Neueren Geschichte gegründet und unter ähnlich strikten Zugangsbedingungen der auf den Wahlkampf ausgerichteten Echipa mortii zur Seite gestellt wurde. Die Märtyrer sollten wegweisendes und leuchtendes Beispiel sein und veranlaßten Codreanu zum erbitterten Kampfruf: „Ihr aber, Legionäre aus diesem ganzen Lande der verfaulten Politiker, wisset, daß das Geheimnis Eures Sieges in der Geste dieser Kameraden liegt: wie sie werdet Ihr, alle bereit zum Tode, die Machenschaften zahlloser Schurken überwinden. Womit wollen sie uns besiegen? Womit?

Da wir bis zum letzten Legionär bereit zum Tode sind?“ (8. Januar 1937) 

Der große Philosoph Julius Evola, der Codreanu zweimal in Bukarest zu einer Aussprache traf, war insbesondere vom wiederbelebten Ordensgedanken und dem Wirken des von ihm so vehement geforderten adeligen Geistes in diesem, stark beeindruckt. Dieses Wiedererwachen, das Evola als Rückkehr zu den essentiellen Kulturmustern des Indogermanentums ansah, stellte er bei dieser Bewegung der Neuzeit mit Befriedigung fest.

Gerade weil es sich bei Codreanu eher um einen „religiösen Mystiker“ (Stanley Payne) als um einen politischen Führer bzw. Ideologen handelte, der mit seiner Bewegung „geistige und transzendentale Endziele“ statt kleinmütiger politischer Veränderungen verfolgte, ist die akademisch zweckmäßige Einordnung der Eiserne Garde als faschistischer Bewegung, so zutreffend diese hinsichtlich gewisser ihr innewohnender Phänomene auch sein mag, jedoch verkürzt und stößt in ihrer Aussagekraft an Grenzen. Der deutsche Historiker Ernst Nolte geht in seinem Standartwerk „Der Faschismus in seiner Epoche“ [Zu beachten ist insbesondere die Neuausgabe des Standardwerkes im Jahr 2003: Ernst Nolte: Faschismus. Von Mussolini zu Hitler – Mythos und Realität: Texte, Bilder, Dokumente. Edition Antaios. Schnellroda] explizit auf Codreanu ein, in einer früheren Ausgabe heißt es über den Capitan und seine Bewegung: „Aber nicht nur zum Freunde, sondern auch zum Gegner zeigen die Faschismen ein tief ambivalentes Verhältnis. Am wenigsten trägt ein Mann wie Codreanu die Züge des Gegners im eigenen Gesicht. Hitlers >>Weltanschauung<< ist dagegen unter gewissen Gesichtspunkten nichts anderes als ein Spiegelbild der jüdischen Auffassung, wie er sie sich vorstellte. Und Mussolini war vor dem Ersten Weltkrieg einer der wichtigsten Persönlichkeiten des europäischen Sozialismus gewesen: die Nachwirkung von 15 marxistischen Jahren läßt sich bei ihm auf Schritt und Tritt aufzeigen[Ernst Nolte: Der Faschismus in seiner Epoche. Action francaise. Italienischer Faschismus. Nationalsozialismus. 5. Aufl. 2000. S.50].

An Noltes Deutung, dem die religiöse Dimension fern lag, zeigt sich aber bereits, daß es sich beim rumänischen Faschismus um etwas genuin anderes, nicht mit akademischen Schemata genau zu erfassendes Phänomen handelte. Zwar war Codreanu politisch unbestritten ein Kind der großen anti-modernen und national-sozialistischen Strömungen der Zeit; sehr genau erfaßte er noch als junger Führer der nationalen Studentenbewegung die ersten großen politischen Eruptionen dieser Strömung (Gründung der Fasci di combattimento durch Benito Mussolini in Mailand 1919, Marsch auf Rom 1922, Hitler-Putsch in München 1923, Machtergreifung der NSDAP 1933) und begrüßte diese, jedoch muß festgehalten werden, daß er ganz zielstrebig einen eigenen Weg verfolgte, der eben nicht als „nur politisch“ angesehen werden darf. Es ist geradezu bezeichnend, daß die Feinde der Eisernen Garde dieser in erster Linie nicht ihre Politik vorwarfen, sondern sie als „anarchische und archaische Bewegung“ verdammten. Viele erkannten mit Schaudern die anti-moderne Sprengkraft, die dieser neuen spirituellen Kraft bereits von Beginn an innewohnte. Die legionäre „Heterodoxie“ (= Wirken vieler religiöser Lehren) [Stanley Payne], das Zusammenfließen verschiedener mehr spirituell-religiöser als politischer Substrate ist somit das unbedingt neue, daß so, wenn überhaupt, nur in weitaus geringerem Maße bei den anderen Faschismen zu beobachten ist (auch wenn es hier ähnliche, allerdings nur zaghafte Nebenentwicklungen gab, wie z.B. die Gründung der „mystischen Schule des Faschismus“ in Italien, der Ordensgedanke der SS oder das SS-Ahnenerbe im Deutschen Reich).

Auf dieser Spur befinden sich bereits viele Deuter der Legionärsbewegung, so heißt es in einer Rezension der deutschen Neuausgabe des Handbuchs für die Nester [2006, Regin-Verlag]: „Der ‚Stil des Lebens’, der der durch die ‚innere Hierarchie’ im einzelnen Legionär, wie in der kleinsten gemeinschaftlichen Einheit, dem ‚Nest’, und schließlich im gesamten Volk ausgeprägt wird, ist im Falle Rumäniens, nach Terracciano [vgl. Claudio Terracciano: Vorwort zu der italienischen Ausgabe des Handbuchs für die Nester. Edizioni di Ar. 1981] durch nicht weniger als fünf religiöse Traditionen geprägt: das orthodoxe Christentum, der Zoroastrismus, der römische Mithraskult, der Schamanismus und der Islam [!]. Daß diese spirituellen Elemente, die im Verlauf der Jahrhunderte Dakien geprägt haben, sich ergänzen und schließlich in einem einzelnen Mann ihre abschließende Synthese finden konnten, ist nur im Geist der ‚integralen Tradition’ erklärbar und wird Anhängern eines sterilen völkischen Isolationismus immer unbegreiflich sein. Die seltene Qualität der Eisernen Garde ist jedoch das Beispiel einer „gleichsam totalen, vollständigen, eindeutigen Hingabe an eine Idee und an den Führer, der sie inkarniert“ [Quelle: eisernekrone.blogspot.com, 2006]. Diese Deutung unterstreicht den Ansatz, die Legionärsbewegung zuerst als spirituelle Kraft anzusehen, die ganz deutlich auch auf vorchristlichen Glaubensinhalten und Anschauungen fußt. Nehmen wir noch den bereits erläuterten Ordensgedanken hinzu, der uns an die Ritterorden des Hoch- bzw. Spätmittelalters erinnert (Gründung des Templerordens 1128), dann sehen wir einen mächtigen geistig-ideellen Strom vor uns, der aus vielen erhabenen europäischen Quellen gespeist, sich über die Gestaltungs- und Integrationskraft eines Mannes zur reißenden Urgewalt entwickelte und dabei fähig wurde, die morschen Geistesgebäude der Moderne hinweg zu reißen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu einer genauen Überprüfung der These Terraccianos ansetzen, dafür fehlen mir die religionswissenschaftlichen Kenntnisse und der Platz, den ein Vorwort nicht über Gebühr beanspruchen sollte.

Jedoch ist es hier angebracht, zusätzlich und ausführlich auf drei ganz wesentliche Lehren Codreanus näher einzugehen: Seine Idee von der Nation bzw. dem Volk, den zwei sich gegenüberstehenden Sphären des Lebens, und vom Kriege, den er als spirituelle Herausforderung begriff. Über das Volk äußerte Codreanu in Eiserne Garde: „Das Volk aber steht im Rahmen und im Dienste Gottes und der göttlichen Gesetze“ und „das Land ist das unveräußerliche und unübertragbare Eigentum des rumänischen Volkes (…) In grauer Vorzeit hat dieser Boden uns [das Volk - H.O.] geboren zugleich mit seinen Eichen und Tannen. An diesen Boden sind wir gekettet, nicht nur durch unser tägliches Brot und unser ganzes Dasein (…) sondern durch die Gebeine der Ahnen, die in seiner Tiefe ruhen. Alle unsere Vorfahren ruhen in ihm. All unsere Erinnerungen, all unser Kriegsruhm, unsere ganze Geschichte ist mit diesem Boden verknüpft und wurzelt in ihm.“ (Eiserne Garde, 1939, S.70). Volk und Raum sind für Codreanu Bestandteile einer höheren göttlichen Ordnung und Schöpfung und damit keine Zufallsprodukte einer ziellosen Geschichte. Das Volk umfaßt die Lebenden und Toten, die Ahnen. Es dehnt sich demnach als göttliche Körperschaft vom Diesseits ins Jenseits aus, wobei der Boden, den das Volk durch seine Existenz und seinen Habitus in einen Kulturraum verwandelt hat auch als Medium, als Speicher des kollektiven Bewußtseins fungiert, verbunden mit den auf ihm Lebenden durch den göttlichen Geist. Erst vor diesem Hintergrund wird deutlich, welche Tiefe die Ideen des Führers der Eisernen Garde besaßen und warum sein Kampf sich so und nicht anders gestaltete.

Des weiteren interessant sind Codreanus Ausführungen gegenüber Julius Evola (ca. 1936): „Da sind zwei Aspekte ins Auge zu fassen, und zwar der Dualismus des menschlichen Seins, in seiner materiell-naturalistischen und geistigen Wirklichkeit. Wenn die Herrschaft von der ersten Seite ausgeht, ist die Hölle da. Jedes Gleichgewicht zwischen beiden ist eine unsichere und gefährliche Sache. Nur der absoluten Herrschaft des Geistes über den Körper gebührt der Vorzug, weil dann die Vorraussetzung für jede wahre Kraft und jeden echten Heroismus gegeben ist“. Diese deutliche Absage an den Materialismus, der in seiner geistlosesten Form unsere Gegenwart prägt, ist eine ebenso wichtige Botschaft Codreanus und gerade heute für Rechte von brennender Aktualität. Die Auseinandersetzung mit der Herrschaft der Materie, die den Menschen mit Gütern erdrückt, ihn aber seelisch aushungert, faßte Codreanu bereits zu Beginn seines Wirkens ins Auge. Stolz rief er nach den ersten großen Erfolgen seiner Bewegung aus: „Die Alleinherrschaft des Stoffes ist gestürzt!“ (Eiserne Garde, 1939, S.263).

Dieser Idee folgend war für ihn der Krieg in erster Linie eine seelisch-geistige Auseinandersetzung, die vor jedem materiell-stofflichem Kräftemessen stattfand. Hierzu führte er aus: „Kriege werden von jenen gewonnen, die es verstanden, aus den Lüften, aus dem Himmel, die mysteriösen Kräfte der unsichtbaren Welt zu beschwören und sich ihre Hilfe zu sichern. Diese mysteriösen Kräfte sind die Seelen unserer Ahnen, die einst, an unsere Scholle geheftet, für ihre Verteidigung starben und die in uns, ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln fortleben. Über den Seelen der Toten aber steht Gott.“ (Handbuch für die Nester, 2006, S.59)

Wir haben bereits gesehen, daß es Codreanu aber nicht nur um die Verbreitung seiner Philosophie an möglichst viele Schüler und Anhänger ging, sondern gemäß seiner Idee mit der Eisernen Garde eine „Schule, ein Heer“ der Nation zur Schöpfung einer höheren Ordnung zu erschaffen, ritualisierte und symbolisierte er zielgerichtet das legionäre Leben, dessen Grundzüge er im Handbuch für die Nester (1933) niederlegte und das er als „Herrschaft des Ritus“ gestaltete. Über die grundsätzlich eingeforderte Haltung des Legionärs und der Führer der Legion, ihr Bestreben im Kampf mit den Kameraden die Ziele der Legion zu vertreten und zu erreichen, heißt es hier: „Der Anführer der Legionäre ist ein Übermensch. Er ist in jeder Lage, mag sie noch so schwierig sein, siegreich. Er muß siegen. Sollte er fallen, so wird er sich erheben und dennoch siegen“ und „Sie [die Legionäre] werden den Weg gemeinsam beschreiten, selbst wenn es der falsche Weg sein sollte. Der schlechteste Weg ist nämlich die Uneinigkeit. Geriete die Legionäre Truppe in die Hölle und ist sie dennoch geeint, so wird sie die ganze Hölle überwinden und siegreich zurückkehren.“ (Handbuch für die Nester, 2006, S.44f.)

Die Legionäre trugen einheitlich das schlichte Grünhemd, gehalten von einem Sturmriemen bzw. Koppel, Orden und Abzeichen waren bis auf wenige Ausnahmen nicht vorgesehen, Codreanu maß diesem Hemd eine größere, über die anzustrebende Einheitlichkeit hinausreichende, Bedeutung zu. Es war der sichtbare Ausdruck einer seelischen Haltung.

Das Gitterkreuz als Zeichen der Eisernen Garde, symbolisierte die Opfer, die viele Legionäre in der Kerkerhaft gebracht hatten und zeitlebens zu bringen bereit waren. Diejenigen, die als Märtyrer gefallen waren, ehrte man durch das öffentliche Ritual des „Prezent!“. In diesem wurden bei jedem Appell der Eisernen Garde ihre Namen aufgerufen und mit einem lauten „Hier!“ beantwortet. Damit wurde verdeutlicht, daß die Gefallenen nicht endgültig tot waren, sondern in ihrer diesseitig-seelischen Existenz in der Eisernen Garde verblieben und an ihr ehrenhaften Anteil hatten: Sie standen in der anderen Welt zur ewigen Wache oder zum Kampfe bereit.

Codreanu sah das menschliche Blut nicht als Materie, sondern als heiliges Fluidum, als spirituelle Währung an. Nur so sind die verschiedenen Rituale zu verstehen, die heute auf viele befremdlich wirken mögen, aber einen ganz wesentlichen und selbstverständlichen Teil der gemeinschaftlichen Praxis innerhalb der Eisernen Garde bildeten: „Mit ihrem eigen Blut schrieben sie [die Legionäre] einen Eid“ (…) „Mitglieder des Todeskommandos [echipa mortii] wiederum gaben jeder etwas vom eigenen Blut in ein Glas, aus dem alle tranken, was sie in Leben und Tod miteinander vereinte“ [Stanley Payne: Geschichte des Faschismus. London 1995. Neudruck: München 2005, S. 349]. Wer diese Rituale als „Todeskult und als „morbid [ebenda, S.344] verdammt, macht sich unkritisch die Perspektive der Moderne zu Eigen. Wie sieht es in dieser aus? Der Tod ist aus dem gesellschaftlichen Leben in abgegrenzte Bereiche verbannt, der Diesseitsglaube hat den Menschen entspiritualisiert, ihn zum Tier herabgedrückt. Der Mensch der Moderne bringt keine Helden mehr hervor, die für eine Idee zu sterben bereit sind; er ist selbst als Teil der Gesellschaft gemeinschaftsfremd geworden und kann somit keine Bindungen jenseits von Nützlichkeitserwägungen eingehen, schon gar nicht solche, die über den Tod hinausreichen und dem Menschen die Existenz einer anderen, jenseitigen Welt aufzeigen.

Zurück zum „Mythos Codreanu“: Dank seiner intensiven Ausstrahlung gelang es dem Führer der Eisernen Garde völlig unangefochten zu bleiben, anders als bei vielen Führern anderer Bewegungen, gab es in der Eisernen Garde keinerlei Opposition, die die Autorität des Capitans in Frage gestellt hätte. Dies ist natürlich gerade auf die alles überragende Tatkraft und Opferbereitschaft dieses einen Mannes zurückzuführen. Jedoch scheint darüber hinaus von Codreanu auch etwas nicht näher nennbares, etwas Magisches ausgegangen zu sein, das seine Wirkung zu Gunsten der Eisernen Garde entfaltete und vor allem junge Menschen anzog, die Politiker nicht anzusprechen vermochten. Julius Evola, der viel gereist war und viele Mächtigen gegenüber gestanden hatte, war tief von Codreanu beeindruckt: „Schon durch seine Erscheinung beeindruckte Corneliu Codreanu. Groß und gut gewachsen, verkörperte er den Typ der arisch-römischen Rasse, die auch in Rumänien vertreten ist und die sich auf die römische Kolonisation Dakiens zurückführt, aber auch auf die indogermanischen Stämme der dort alteingesessenen örtlichen Bevölkerung. Seine Physiognomie und seine Sprache gaben die Gewißheit, daß man einem Menschen gegenüberstand, dem jede innere Gekrümmtheit, jede Unredlichkeit und Untreue und jeder Verrat fremd war. Das begründete in erster Linie seine außerordentliche Autorität. Seine Getreuen fühlten sich an ihn, an seine Persönlichkeit stärker gebunden, als das sonst bei politischen Gefolgschaften üblich war.“ Horia Sima schrieb über Corneliu Codreanu: „Vom ersten Moment der Begegnung mit Corneliu Codreanu an, ist seine physische Präsenz am auffälligsten. Niemand konnte ihm nahe sein ohne dies zu bemerken, ohne sich davon angezogen zu fühlen und ohne zu fragen wer er sei. Seine bloße Anwesenheit in der Öffentlichkeit erregte Neugier. Dieser junge Mann erschien wie ein Gott unter Sterblichen (…) Gut proportioniert, schlank und beweglich war er nur Muskel, Resonanz und Stil.“

Es waren aber gerade nicht die Denker oder die Führungspersönlichkeiten der Eisernen Garde, die Codreanu von Beginn an verhaftet waren, sondern seine Ausstrahlung erzielte gerade beim einfachen Volk, das sich ein natürliches Gespür für Aufrichtigkeit bewahrt hatte, größte Wirkung, die die Veranstaltungen und Aufmärsche der Legion zu einer Art Weihestunde werden ließen: „Wenn Codreanu anwesend war, kam er in kostbarer weißer Bauerntracht auf einem weißen Pferd einhergeritten. Groß und mit intensivem Blick und klaren Zügen, war er wahrscheinlich der bestaussehende der bedeutenderen faschistischen Führer. Dieses theatralische Auftreten übte auf Bauernversammlungen oft eine starke Wirkung aus, und in ländlichen Gebieten nahm die Anhängerschaft der Legion rasch zu“. [ebenda, S.350; die Eiserne Garde konnte neben den ländlichen Gebieten, auch an den Universitäten schnell Fuß fassen – H.O.]. Die hier erwähnte weiße Bauerntracht trug Codreanu mit Stolz und Überzeugung, so auch bei seiner Einschreibung an der Universität in Berlin. Er schreibt: „Am Immatrikulationstage legte ich meine rumänische Nationaltracht an und erschien so zu dieser erhebenden Feier, wo der Rektor nach altem Brauch jedem neu eingeschriebenen Hörer die Hand drückt. In meiner rumänischen Nationaltracht war ich in den Sälen der Universität der Mittelpunkt einer allgemeinen Neugierde“ (Eiserne Garde, 1939, S.55)

Codreanu vermied langatmige Reden und das Versprechen politischer Geschenke, seine Sprache war bildhaft und hielt sich nicht mit der Erläuterung tagespolitischer Fragen auf. Codreanu lehnte Programme und ihre öffentliche Verkündung strikt ab, und verpflichtete auch die legionären Wahlkämpfer dies zu tun. Statt langer programmatischer Reden „entwarf Codreanu Bilder: (…) Nur die ‚neue Generation’, die jungen Menschen, die noch nicht korrumpiert seien, könnten Rumänien wieder seiner Bestimmung zuführen. Dann werde es schön sein wie eine ‚goldene Sonne’ [Armin Heinen: Die Legion Erzengel Michael in Rumänien. Soziale Bewegungen und politische Organisation. München 1986]. Es sollte für die Eiserne Garde geworben werden, aber nicht durch politische Sachabwägungen, die der einen Volksschicht Nutzen vor der anderen versprachen, sondern durch die Ansprache des einzelnen Menschen als wertvollen Teil des Volkes: „Meine einzige Realität aber war der allein stehende Mensch. Der arme Bauer, der in einem Dorf weinte, ein kranker Arbeiter, ein entwurzelter Intellektueller.“ (Eiserne Garde)


Eiserne Garde: Codreanus Schlüsselwerk

Sein Werk Eiserne Garde (in Rumänien 1936 als Pentru legionari = Für meine Legionäre erschienen) war als erster Teil eines Erinnerungsbandes gedacht. Der zweite Teil kam durch den Märtyrertod Codreanus und der blutigen Unterdrückung der Bewegung nicht mehr zustande. Man kann das Werk als politische Autobiographie verstehen. Auch wenn der Führer der Eisernen Garde seiner Schrift voranstellte, sich bewußt nicht an schriftstellerische Regeln gehalten zu haben und sein Werk als Erinnerungsschrift, Rechtfertigung bzw. Kampfschrift bezeichnet, sind der mitreißende Stil und die spannungsreichen Schilderungen, dazu angetan, diesem Schlüsselwerk mit größter Aufmerksamkeit zu folgen. Die erklärenden Ausführungen sind auf das notwendige beschränkt, im Vordergrund stehen die persönlichen Eindrücke und die fast Schlag auf Schlag folgende Ereignisgeschichte, die ahnen läßt, welche Tatkraft und Entscheidungsfreude Codreanu in seinen Kämpfen, die oft genug durch Kerkerhaft unterbrochen wurden (die erste Verhaftung erfolgte 1923, als Codreanu noch die nationale Studentenbewegung führte), aufzubieten in der Lage war.

Hier darf nicht unerwähnt bleiben, daß das den Legionären gewidmete Werk gleichermaßen vom Aufbau einer großen Organisation berichtet; immer wieder stellt Codreanu seine Erfahrungen mit den Problemen und Widrigkeiten dar, die er überwinden mußte. Daß dieses Werk gegen alle Widerstände jedweder Art zu Erfolg und Substanz geführt wurde, muß man, auch unabhängig von der Einstellung und den Ideen des Führers der Eisernen Garde, als große und herausragende Leistung würdigen, die Corneliu Zelea Codreanu zu einer der großen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts macht.

Ebenso wird man über den Wert des Werkes als Quelle für die europäische Zwischenkriegszeit erstaunt sein. Codreanu, der fließend Deutsch und Französisch sprach, erweist sich bei seinen Berichten über seine Studienaufenthalte in Deutschland (Berlin und Jena, 1922) und Frankreich (Savoyen, 1925) als scharfsichtiger Beobachter der die politischen und wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs, insbesondere die Inflation in Deutschland in den Zwanzigerjahren, bewertet und einordnet. Man muß Codreanus stark von seiner in Rumänien kultivierten Weltanschauung beeinflußte Deutung der Ereignisse, deren unmittelbarer Zeuge der junge Führer war, nicht übernehmen bzw. diese kritisch hinterfragen, jedoch ist sie ein Beleg für die starke antimoderne Strömung im Europa der Zwischenkriegszeit.

Codreanus Eiserne Garde ist das wichtigste von insgesamt vier Werken, die er als Aufzeichnungen hinterlassen hat. Auf das Handbuch für die Nester (Caticica Sefului de Cuib, 1933) ist hier schon eingegangen worden. Zu erwähnen ist noch die Sammlung  von Tagesbefehlen und Manifesten (Circulari si Manifeste, 1927-1938) und die Aufzeichnungen im Kerker (Insemnari de la Jilava, postum veröffentlicht), die „stark jenseitsbezogen[Alexander von Randa] die letzten Gedanken Codreanus in der Kerkerhaft wiedergeben. Der hier zitierte österreichische Historiker Alexander von Randa hat eine Anthologie aus allen Werken Codreanus zusammengestellt, die in seinem Nachlaß aufgefunden, 1979 veröffentlicht wurden und unbedingt Erwähnung verdienen [Alexander von Randa (Hg.): Lebende Kreuze. Colectia Europa. München 1979].

Corneliu Codreanus Werk und die Umsetzung seiner Ideen sind längst nicht mehr der „Weg eines Vergessenen“, wie Alexander von Randa noch Ende der Siebzigerjahre schrieb. Leben, Werk, Idee werden immer stärker und mittlerweile in ganz Europa unter Rechtsintellektuellen aufgenommen und diskutiert. Die Weltnetzausgabe der Eisernen Garde soll diese Entwicklung weiter fördern.

Der Mythos Codreanu also lebt; er kann zur ideellen Verbindung der europäischen Rechten beitragen, die selbst immerwährender Verfolgung ausgesetzt sind. Diese ist jedoch als Herausforderung und Auftrag zu begreifen, so wie es Codreanu selbst tat und bildlich ausdrückte: „…und das Eisen unserer Garde, das durch dieses Feuer ging und durch das Wasser infamsten Verrates, wurde zu Stahl.

Corneliu Zelea Codreanu – prezent!

Hagen Ostrau, Hermannstadt (Sibiu) im Juni 2007


Carmen Sylva, 6. Dezember 1935

Legionäre!

Ich schreibe für unsere Gemeinschaft der Legionäre, für alle Legionäre aus Dorf, Fabrik und Hochschule.

Ich achte nicht auf irgendwelche schriftstellerischen Regeln, denn ich habe dafür keine Zeit. Ich schreibe mit fliegender Feder, vom Schlachtfelde aus, inmitten der feindlichen Angriffe. In dieser Stunde sind wir von allen Seiten umzingelt. In niederträchtiger Weise gehen die Feinde gegen uns vor. Der Verrat greift in unsere Reihen.

Seit zwei Jahren befinden wir uns in den Ketten einer infamen Zensur.

Seit zwei Jahren werden in den Zeitungen unsere Namen und das Wort Legionär nur geduldet, um geschmäht zu werden. Es geht auf uns ein wahrer Regen von Gemeinheiten nieder unter dem Beifall unserer Feinde, die uns vernichtet sehen möchten. Aber diese Träger der Feigheit und ihre Auftraggeber werden bald die Gewißheit haben, daß alle Angriffe, auf die sie ihre Hoffnungen zur Vernichtung der Legionärsbewegung setzen, daß all ihre Mühen und verzweifelten Anstrengungen vergeblich sind. Denn die Legionäre sterben nicht!

Aufrecht, unbewegt, unbesiegt und unsterblich, blicken sie immer als Sieger auf die Flut eines ohnmächtigen Hasses.

Die Meinung, die die nichtlegionäre Welt über die folgenden Seiten haben mag, ist mir gleichgültig, ebenso die Wirkung, die sie in einer solchen Welt hervorrufen könnten.

Ich will, daß Ihr, Kämpfer einer anderen rumänischen Zukunft, beim Lesen dieser Zeilen, in ihnen Eure eigene Vergangenheit erkennt und Euch Eurer Kämpfe erinnert. Noch einmal möget Ihr die erduldeten Leiden erleben und die Schläge, die Ihr für Euer Volk erhallen habt. Wappnet Eure Herzen mit Feuer und hartem Entschluß für den schweren, aber gerechten Kampf, zu dem Ihr Euch gestellt habt und für dessen Ausgang wir alle nur eines kennen: Sieg oder Tod.

An Euch denke ich, während ich schreibe. An Euch, die Ihr sterben und die Todestaufe mit dem Gleichmut Eurer thrakischen Ahnen hinnehmen müßt. An Euch denke ich, die Ihr über die Toten und ihre Gräber hinwegschreiten müßt, in den Händen die siegreichen Fahnen der Rumänen.


DER EINTRITT INS LEBEN

Im Dobrina - Wald
März 1919

Im Frühjahr 1919 befanden wir uns eines Nachmittags im Dobrina-Walde versammelt, der Wache hält auf den Höhen über dem Städtchen Husi. Eine Gruppe von etwa 20 Schülern der 6., 7. und 8. Klasse des Obergymnasiums.

Ich hatte diese jungen Kameraden zusammengerufen, um mit ihnen eine ernste Frage zu besprechen: Was wollten wir beginnen, wenn die Bolschewiken uns überfielen? Meine Ansicht, der sich auch die anderen Kameraden anschlössen, war folgende: Wenn das bolschewistische Heer den Dnjestr und auch den Pruth überschreiten sollte, um bis in unsere Gegend vorzudringen, würden wir uns nicht unterwerfen, sondern uns bewaffnet in den Wald zurückziehen. Hier wollten wir ein rumänisches Aktions- und Widerstandszentrum gründen und den Feind durch Überfälle verwirren. Wir wollten den Geist der Unbeugsamkeit beibehalten und in den rumänischen Volksmassen aus Dorf und Stadt den Funken der Hoffnung aufrechterhalten. Inmitten des uralten Waldes bekräftigten wir unseren Beschluß mit einem Eid. Der Wald war ein Teil jenes berühmten Tigheci-Forstes, in dem im Laufe der moldauischen Geschichte viele Feinde den Tod gefunden hatten. Wir beschlossen, uns Waffen und Munition zu beschaffen und unbedingtes Stillschweigen zu bewahren. Weiter wollen wir das Gelände erkunden und im Walde Gefechtsübungen durchrühren und schließlich eine Organisation gründen, die unsere Absichten tarnte.

Wir gründeten einen kulturellen und nationalen Schüler-Verein am Gymnasium in Husi, dem wir den Namen „Mihail Kogalniceanu“ gaben. Der Verein wurde von der Schulleitung genehmigt. Wir begannen in der Stadt mit künstlerischen Darbietungen und Vorträgen, die in der Öffentlichkeit stattfanden, während wir im Walde Gefechtsübungen abhielten. Waffen konnten zu jener Zeit reichlich aufgetrieben werden, so daß wir nach zwei Weichen alles, was wir benötigten, bereit hatten.

Es herrschte zu jener Zeit ein Wirrwarr im Lande, den wir trotz unserer knapp 18 Jahre nur zu gut begriffen. Die Bevölkerung stand unter dem Eindruck der bolschewistischen Revolution, die wenige Schrille von uns in voller Entfaltung begriffen war. Das Bauerntum widersetzte sich instinktiv dieser verheerenden Flut. Bei Fehlen jeder Organisation hatte es jedoch keine ernsten Widerstandsmöglichkeiten. Andererseits wandte sich die Arbeiterschaft in immer steigendem Maße dem Kommunismus zu, wobei sie systematisch von der jüdischen Presse und den Juden selbst bestärkt wurde. Jeder Jude, ob Händler, Intellektueller oder Bankier. war in seinem Wirkungskreis ein Agent der kommunistischen, gegen das rumänische Volk gerichteten Ideen. Die rumänische intellektuelle Schicht war unentschlossen, der Staatsapparat nicht schlagkräftig. Jeden Augenblick war mit einem Ausbruch der Revolution oder mit einem Überfall von jenseits des Dnjestrs zu rechnen. Die Aktion aus dem Ausland, zusammen mit den jüdisch-kommunistischen Banden im Innern, die über uns hergefallen wären, die Brücken zerstört und die Munitionsdepots in die Luft gesprengt hätten, hätte unser völkisches Schicksal besiegelt.

Unter diesen Verhältnissen, in banger Sorge um das Fortbestehen und die Freiheit unseres gerade erst, nach schwerem Kriege, geeinten Landes, war in uns der Gedanke einer Aktion entstanden, der zum Eid im Dobrina-Walde geführt hatte.

Ich hatte fünf Jahre lang die Militärschule Manastirea Dealului besucht. Unter dem Kommando des Majors und späteren Obersten Marcel Olteanu, des Kommandanten der Militärschule, des Hauptmanns Virgil Badulescu und des Oberleutnants Emil Palangeanu habe ich eine strenge militärische Erziehung erfahren und einen gesunden Glauben an meine eigene Kraft mitbekommen.

Die militärische Erziehung von Manastirea Dealului sollte mir zeit meines Lebens folgen. Ordnung, Disziplin und Führertum, die mir von frühester Jugend an beigebracht wurden, sollten neben dem Gefühl der soldatischen Ehre die Grundlage meiner gesamten zukünftigen Tätigkeit bilden. Hier hatte ich gelernt, wenig zu sprechen, was in mir später den Haß gegen alles Gerede erzeugte. Hier habe ich den Kampf lieben und den Salon verachten gelernt. Die militärischen Kenntnisse, die ich hier erwarb, sollten mich später alles aus dieser Perspektive betrachten lassen. Der Glaube an die Würde des Mannes und die Ehre des Soldaten, in der mich die Offiziere erzogen, sollten mir Ungelegenheiten und Leiden durch eine Welt eintragen, die oft der Ehre und Würde entbehrt.

Den Sommer 1916 verbrachte ich zu Hause, in Husi. Mein Vater war seit zwei Jahren zu seinem Regiment einberufen und nach den Karpaten aufgebrochen. Eines Nachts weckte mich die Mutter aus dem Schlafe und sagte weinend und sich bekreuzigend zu mir: „Steh auf, es werden in allen Kirchen die Glocken geläutet.“ Es war am 15. August, Maria Himmelfahrt. Ich begriff, daß die Mobilmachung angeordnet worden war und daß in diesem Augenblick das rumänische Heer die Berge überschrill. Vor Ergriffenheit zitterte ich am ganzen Leibe. Nach drei Tagen brach ich von zu Hause zu meinem Vater auf in der Sehnsucht, auch Frontkämpfer zu werden. Nach vielen Abenteuern gelangte ich zum 25. Infanterieregiment, in dem mein Vater unter dem Kommando des Obersten V. Piperescu Kompaniechef war und das durch das Tal des Oituz-Flusses nach Siebenbürgen vorrückte.

Mein Unglück war groß, der Regimentskommandant lehnte es ab, mich als Freiwilligen einzustellen, da ich erst 17 Jahre alt war. Trotzdem machte ich den Vormarsch und den Rückzug aus Siebenbürgen mit, und als mein Vater am 20. September oberhalb Sovata, am Ceres-Domu-Berge verwundet wurde, konnte ich ihm angesichts des vorrückenden Feindes behilflich sein. Obwohl verwundet, lehnte er es ab, hinter die Front geschafft zu werden, sondern behielt das Kommando über seine Kompanie während des ganzen Rückzuges bei und auch noch während der schweren Kämpfe, die bei Oituz folgten.

Eines Nachts, etwa um zwei Uhr, erhielt das Regiment Befehl zum Vormarsch. In der Nachtstille kontrollierten die Offiziere ihre auf der Landstraße angetretenen Truppen.

Mein Vater war zum Obersten gerufen worden. Als er nach kurzer Zeit zurückkehrte, sagte er zu mir:

„Wäre es nicht besser, du kehrtest nach Hause zurück? Wir werden in Gefechte kommen. Es ist nicht gut, wenn wir beide hier sterben, denn zu Hause bleibt die Mutter mit sechs kleinen Kindern zurück ohne alle Hilfe. Auch der Oberst teilte mir mit, daß er für dein Verbleiben an der Front keine Verantwortung übernehmen will.“

Ich fühlte, daß er in seinem Innern kämpfte: er zögerte, mich mitten in der Nacht auf freiem Felde allein zurückzulassen, auf unbekannten Wegen, 40 Kilometer von der nächsten Eisenbahnlinie entfernt.

Als ich merkte, daß ihm daran lag, übergab ich den Karabiner und die beiden Patronentaschen. Während die Regimentskolonnen vorgingen und sich im Dunkel der Nacht verloren, blieb ich am Rande der Straße allein zurück und schlug dann den Weg zur alten Landesgrenze ein.

Nach einem Jahre trat ich in die Infanterieschule zu Botosani ein, mit dem gleichen Ziele, an die Front zu gelangen. Hier vervollständigte ich vom 1. September 1917 bis zum 17. Juli 1918 in der aktiven Kompanie der Militärschule meine soldatische Erziehung und die militärischen Kenntnisse.

Jetzt, nach einem Jahre - 1919 - war Frieden. Mein Vater, von Beruf Gymnasiallehrer, war sein ganzes Leben lang nationaler Kämpfer. Mein Großvater war Waldhüter, der Urgroßvater gleichfalls. Von jeher war mein Geschlecht in Zeiten der Bedrängnis ein Geschlecht der Wälder und Berge. So gaben die militärische Erziehung und das Blut meiner Vorfahren unserem Tun von Dobrina, wie naiv dieses auch gewesen sein mag, eine Note des Ernstes, die man bei unserem jugendlichen Alter nicht vorausgesetzt hätte. Denn in diesen Augenblicken fühlten wir in unseren Herzen das Vermächtnis der Ahnen, die für die Moldau auf den gleichen, von Feinden nie betretenen Pfaden gekämpft hatten.


Auf der Universität Jassy
September 1919

Der Sommer ging vorüber. Im Herbst legte ich die Reifeprüfung ab, und unsere Gruppe fiel auseinander, da jeder von uns auf die Universität ging.

Von Dobrina blieb nur die Erinnerung an den Willen, das Vaterland gegen die feindlichen Fluten zu verteidigen.

lch verließ Husi in einem für jeden jungen Menschen entscheidenden Augenblick: ich bezog die Universität. Ich brachte die Kenntnisse mit, die man auf dein Gymnasium erwirbt. Sensationsliteratur, die die Seele vergiftet, hatte ich nicht gelesen Außer der selbstverständlichen Lektüre der rumänischen Klassiker hatte ich alle Aufsätze A. C. Cuzas aus den „Semanatorul“ und „Neamul Romanese“ gelesen. Mein Vater verwahrte die in Kisten gesammelten Zeitschriften auf dem Boden. In meinen freien Stunden war ich hinaufgestiegen, um sie zu lesen. Im wesentlichen vertraten diese Aufsätze die drei Lebensideale des rumänischen Volkes:

1. Vereinigung aller Rumänen,

2. Hebung des Bauernstandes durch Verleihung von Boden und politischen Rechten,

3. Losung der Judenfrage.

Zwei Leitgedanken bildeten den Kern aller nationalen Veröffentlichungen jener Zeit:

„Rumänien den Rumänen, nur den Rumänen und allen Rumänen.“

„Das Volkslum ist die schöpferische Kraft der menschlichen Kultur, die Kultur die schöpferische Kraft des Volkstums.“ A. C. Cuza.

In tiefer Ehrfurcht näherte ich mich Jassy, das jeder Rumäne lieben, verstehen oder wenigstens wünschen muß zu sehen.

In Jassy lebten Miron Costin, Bogdan Petriceicu Hasdeu, Mihail Eminescu, Ion Creanga, Vasile Alexandri, Costache Negri, Iacob Negruzzi, Mihail Kogalniceanu, Simion Barnutiu, Vasile Conta, N. Iorga, Ion Gavanescul. Hier strahlte vor allem die gewaltige Persönlichkeit des Professors A. C. Cuza, der den Lehrstuhl für Politische Volkswirtschaft innehatte. Die Universität wurde zur Schule des Nationalismus, Jassy zur Stadt des großen rumänischen Aufbruches, unserer nationalen Ideale und ihrer Bestrebungen. Jassy war groß durch die Leiden des Jahres 1917, als König Ferdinand in schweren Stunden hier Zuflucht fand, und groß durch sein Schicksal, zur Stadt der Vereinigung aller Rumänen zu werden; groß auch durch seine Vergangenheit und seine tragische Gegenwart, denn die Stadt der vierzig Kirchen stirbt vergessen unter der unbarmherzigen jüdischen Überflutung. Das wie Rom auf sieben Hügeln erbaute Jassy ist und bleibt die ewige Burg des Rumänentums.

Dieser Stadt näherte ich mich im Herbst 1919 voll Ehrfurcht, gebannt von ihrem großen Ruhme, gleichzeitig aber in tiefer Bewegung, da ich hier vor zwanzig Jahren geboren war. Und wie jeder junge Mensch kam ich mit Bangen, die Muttererde wiederzusehen und sie zu küssen.

Ich schrieb mich in die Juristische Fakultät ein.

Die Universität Jassy, die während des Krieges ihre Pforten geschlossen hatte, war seit einem Jahre wiedereröffnet. Die früheren Studenten, die jetzt von der Front zurückkamen, bewahrten die traditionelle nationale Linie des Studentenlebens der Vorkriegszeit. Sie waren in zwei Lager geteilt: das eine unter der Führung Labuscas von der Philosophischen Fakultät, das andere unter Nelu lonescu von der Juristischen Fakultät. Diese zahlenmäßig kleine Gruppe wurde von den Massen jüdischer Studenten förmlich erdrückt, die aus Bessarabien kamen und Agenten und Propagandisten des Kommunismus waren.

Die Professoren der Universität, mit Ausnahme einer kleinen Gruppe, an deren Spitze A. C. Cuza, Ion Gavanescul und Corneliu Sumuleanu standen, waren Anhänger derselben Linksideen. Der Professor Paul Bujor erklärte einmal vor dem versammelten rumänischen Senat: „Das Licht kommt aus dem Osten“, also von jenseits des Dnjestrs.

Diese Einstellung der Universitätsprofessoren, die die nationale Idee und Haltung als „Barbarei“ hinstellten, hatte zur Folge, daß die Studentenschaft jede Orientierung verlor. Die einen unterstützten offen den Bolschewismus. Die anderen, die meisten von ihnen, waren der Meinung: „Was man auch sagen mag, das nationale Zeitalter ist vorüber, die Menschheit steuert nach links.“ Die Gruppe Labusca glitt nach dieser Richtung ab. Die Gruppe Nelu Ionescu, der auch ich mich angeschlossen hatte, zerfiel, als wir eine Wahl verloren.

Dem Vordringen der volksfeindlichen Ideen, die von einer geschlossenen Masse von Professoren und Studenten verfochten und von allen Feinden Groß-Rumäniens unterstützt wurden, wurde aus den Reihen der rumänischen Studentenschaft kein Widerstand entgegengesetzt. Einige wenige, die wir noch versuchten, auf unseren Stellungen auszuhallen, wurden mit Verachtung und Feindseligkeit umgeben. Die anders gesinnten Kommilitonen und jene, die „Gewissensfreiheit“ und Freiheitsprinzipien hatten, spuckten hinter uns her, wenn wir über die Straße oder durch die Hörsäle gingen. Sie wurden agressiv, von Tag zu Tag agressiver. Es fanden Versammlungen über Versammlungen mit Tausenden von Studenten statt, in denen der Bolschewismus propagiert, Heer, Justiz, Kirche und Krone angegriffen wurden. Eine einzige Studentenvereinigung behielt ihren völkischen Charakter bei: „Avram lancu“, der Verein der buchenländischen und siebenbürgischen Studenten, unter der Führung des Studenten Vasile Iasinschi.

Die Universität von 1860, mit ihrer nationalen Tradition, war zum rumänienfeindlichen Brandherd geworden.


Eine Revolution wird vorbereitet

Nicht nur an der Universität war dies die Lage. Die Masse der Arbeiterschaft von Jassy war kommunistisch verseucht und bereit, loszuschlagen. In den Fabriken wurde nur sehr wenig gearbeitet. Man hielt stundenlange Ausschußsitzungen, Beratungen, Versammlungen. Wir befanden uns mitten in einer systematischen Sabotageaktion, die nach einem bestimmten Plan vorbereitet worden war und dem Befehl folgte: „Zerstört, vernichtet die Maschinen, schafft eine allgemeine materielle Notlage - die wird dann von selbst zum Ausbruch der Revolution führen!“ Je besser der Befehl ausgeführt wurde, desto stärker griff das Elend um sich. Der Hunger warf drohende Schatten. Der Aufruhr wuchs in den Reihen der Arbeitermassen. Alle drei bis vier Tage gab es auf den Straßen Jassys große kommunistische Umzüge. 10-15000 Arbeiter zogen, ausgehungert und aufgehetzt durch jüdische Verbrecher aus Moskau, durch die Straßen, sangen die Internationale und schrieen: „Nieder das Heer!“, „Nieder der König!“ Sie trugen Spruchtafeln: „Es lebe die kommunistische Revolution!“, „Es lebe Sowjet-Rußland!“

Wenn sie nun gesiegt hätten? Hätten wir dann wenigstens ein von rumänischen Arbeitern geführtes Rumänien gehabt? Wären die rumänischen Arbeiter die Herren im Lande gewesen? Nein, niemals! Sie wären vom nächsten Tage an Sklaven der niederträchtigsten Tyrannei des jüdischen Talmuds geworden. Groß-Rumänien wäre in einer Sekunde zusammengebrochen. Das rumänische Volk wäre ohne Erbarmen ausgerottet, hingeschlachtet oder nach Sibirien verschickt worden, gleichgültig, ob Bauern, Arbeiter oder Intellektuelle. Das den Rumänen entrissene Land von Maramuresch bis zum Schwarzen Meer wäre von jüdischen Massen kolonisiert worden. Hier wäre das wahre Palästina entstanden.

Wir waren uns bewußt, daß in jenen Stunden die Schicksalswaage des rumänischen Volkes zwischen Tod und Leben schwankte. Diese Gewißheit halten auch die Juden, die aus dem Hinterland die rumänischen Arbeiter zur Revolution trieben. Sie hallen nichts mit der Sorge gemeinsam, die in jenen Augenblicken unsere Herzen erfüllte. Sie wußten, was sie wollten. Nur die rumänischen Intellektuellen wußten es nicht. Die Intellektuellen, die studiert hatten und die Berufung besaßen, dem Volke in schweren Augenblicken auf den rechten Weg zu helfen, erfüllten ihre Pflicht nicht. Diese Unwürdigen behaupteten in jenen entscheidenden Stunden mit einer an Verbrechen grenzenden Ahnungslosigkeit, daß „das Licht aus dem Osten“ komme. Wer sollte sich den revolutionären Trupps, die unter wilden Drohungen durch die Straßen aller Städte zogen, widersetzen? Die Studenten? Die Intellektuellen? Die Polizei? Die Sicherheitsbehörden? Wenn sie nur die näherkommenden Kolonnen hörten, gerieten sie in Panik und verschwanden.


Die Garde des nationalen Bewußtseins

An einem regnerischen Abend im Herbst 1919 zeigte mir ein Freund im Speisesaal der Gewerbeschule, wo ich damals Pädagoge war, folgende Zeitungsnotiz:

„Die ‚Garde des nationalen Bewußtseins’ hält heute Donnerstag abends um 9 Uhr in der Alexandristraße 3 eine Versammlung ab.“

Ich eilte sogleich hin, begierig, diese Organisation kennenzulernen, deren Kampfansage gegen den Kommunismus ich vor einigen Monaten gelesen hatte.

In einem Zimmer in der Alexandristraße 3, das mit einigen roh zusammengeschlagenen Holzbänken eingerichtet war, fand ich einen etwa 40jährigen Mann allein. Er stand verdrossen an einem Tisch und wartete, daß sich die Leute zur Beratung einfänden. Ein großer Kopf mit derben Gesichtszügen, kräftige Arme, schwere Fäuste, eine mittelgroße Gestalt. Es war Constantin Pancu, der Präsident der „Garde des nationalen Bewußtseins“.

Ich stellte mich vor und sagte, daß ich Student sei und den Wunsch hätte, als Soldat in die Garde aufgenommen zu werden. Er nahm mich auf. So nahm ich an der Beratung teil. Es waren etwa 20 Personen anwesend: Ein Setzer, ein Student, vier Mechaniker von der Staatlichen Tabakregie, zwei von der Staatsbahn, einige Handwerker und Arbeiter, ein Rechtsanwalt und ein Priester. Es wurde die Entwicklung und der Aufschwung der kommunistischen Bewegung in den verschiedenen Fabriken und Vierteln besprochen, um dann Fragen der Organisierung der Garde zu erörtern.

Seit diesem Abend teilte sich mein Leben in zwei Teile. Der eine gehörte dem Kampf in der Universität. Der andere zusammen mit Constantin Pancu dem Kampf in den Reihen der Arbeiterschaft. Ich schloß mich seelisch Pancu an und blieb unter seiner Führung bis zur Auflösung der Organisation.


Constantin Pancu

Constantin Pancu, dessen Name sich zu jener Zeit auf den Lippen aller Einwohner beider Lager Jassys befand, war kein Intellektueller. Er war Handwerker, Wasser- und Lichtinstallateur. Er halte die vier Volksschulklassen besucht. Er besaß ein klares und gesetztes Denken und beschäftigte sich seit 20 Jahren mit Arbeiterfragen. Seit mehreren Jahren war er Vorsitzender der Metallarbeitergewerkschaft. Als Redner machte er auf die Massen einen tiefen Eindruck. Herz und Gewissen treu rumänisch, liebte er sein Land, das Heer, den König. Dazu war er ein guter Christ. Er hatte die Muskeln eines Ringkämpfers und war ein Herkules an Kraft. Die Bewohner Jassys kannten ihn schon lange.

Pancus Aktion dauerte ein Jahr lang. Sie wuchs mit der bolschewistischen Gefahr und flaute mit deren Rückgang wieder ab. Zuerst waren es nur Beratungen, dann Versammlungen, die 5-6000, ja sogar 10000 Menschen zählten. Die Versammlungen fanden in der kritischen Zeit wöchentlich im Prinz-Mircea-Saale statt, oder auch unter freiem Himmel auf dem Unirea-Platz. Unter denen, die regelmäßig das Wort ergriffen, befand auch ich mich. Hier lernte ich vor der Menge sprechen. Es ist unzweifelhaft, daß die „Garde des nationalen Bewußtseins“ in einer kritischen Zeit das nationale Fühlen der Rumänen in einem so wichtigen Zentrum wie Jassy wachgerüttelt und damit einen festen Damm gegen die kommunistische Flut aufgerichtet hat.

Unsere Tätigkeit blieb nicht nur auf Jassy beschränkt. Wir reisten auch in andere Städte. Außerdem bestand das regelmäßig erscheinende Blatt „Constiinta“ („Das Bewußtsein“), das mit seinem Alarmruf nahezu in alle Städte der Moldau und Bessarabiens eingedrungen war.

Im Rahmen der Aktion fanden beinah täglich Zusammenstöße zwischen beiden Lagern statt, unvermeidliche, blutige Zusammenstöße. Wir hatten dabei die größere Zahl der Verwundeten.

Die Spannung hielt bis zum Frühjahr an. Nach zwei großen von uns errungenen Siegen war die Offensivkraft unserer Gegner geschwächt.


Wir besetzen die Tabakregie

Gegen Mitte Februar 1920 sprach man im ganzen Lande vom Generalstreik. Die Entscheidungsschlacht nahte.

Am 11. Februar gegen 12 Uhr verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, daß bei der Tabakregie, wo etwa 1000 Arbeiter angestellt waren, der Streik ausgebrochen sei, die rote Fahne gehißt, die Königsbilder heruntergerissen und mit Füßen getreten und Photographien Marx’, Trotzkis und Rakowskis angebracht worden seien. Unsere Leute hatte man verprügelt, die Mechaniker, die der Garde angehörten, waren verwundet.

Um 1 Uhr befanden wir uns, etwa 100 Mann, in unserem Heim. Pancu leitete die Diskussion. Man schlug vor, der Regierung Telegramme zu schicken und das Eingreifen des Heeres zu fordern. Ich war der Ansicht, daß wir alle, die wir anwesend waren, zur Tabakregie gehen und unter jeder Gefahr die rote Fahne beseitigen sollten. Mein Vorschlag wurde angenommen.

Wir nahmen unsere Fahne und marschierten im Eilschritt unter dem Gesang des Liedes „Desteapta-te Romane“ („Erwache, Rumäne“) durch die Straßen, an der Spitze Pancu. In der Nähe der Fabrik überrannten wir einige kommunistische Gruppen.

Wir betraten den Hof der Fabrik. Wir drangen in die Gebäude ein. Ich stieg mit unserer Fahne auf das Dach und machte sie oben fest. Von dort begann ich zu reden. Militär erschien und besetzte die Fabrik. Wir zogen uns singend zurück in unser Heim. Wir überlegten: Unser schnelles Eingreifen war gut. In der Stadt wird sich die Nachricht von unserem Eingreifen mit Windeseile verbreiten. Der Streik wird jedoch andauern. Das Militär kann wohl die Fahne bewachen, jedoch nicht den Betrieb wieder in Gang bringen. Was tun? Da reifte in uns der Plan, in ganz Jassy arbeitswillige Hände zu suchen.

In drei Tagen wurden 400 aus allen Vierteln Jassys herangeholte Arbeiter in die Fabrik eingestellt, die die Arbeit wieder aufnehmen konnte. Der Streik war mißlungen. Nach zwei Wochen verlangte die Hälfte der Streikenden zur Arbeit wieder zugelassen zu werden.

Unser Sieg war groß. Der erste Schritt zum Generalstreik war zurückgewiesen. Die Pläne des jüdisch-kommunistischen Konsortiums waren diesmal vereitelt. Unser Handeln fand lebhaften Widerhall in den Reihen der Rumänen und stärkte ihren Mut.


Die Trikolore weht über den Nicolina - Werken

Das stärkste Kommunistenzentrum bildeten die Nicolina-Werke der Staatsbahnen. Hier befanden sich über 4000 Arbeiter, durchweg bolschewistisch verseucht. Die Straßenviertel um diese Werke waren von Juden überschwemmt. Aus diesem Grunde hatten der Leiter der kommunistischen Partei in Jassy, Dr. Ghelerter und sein Gehilfe Gheler, hier ihre Zentrale errichtet.

Es war noch kein Monat seit der Niederlage in der Tabakregie vergangen, als das Zeichen zum Beginn des Generalstreiks und der Entscheidungsschlacht gegeben wurde: über den Werkstätten wurde die rote Fahne aufgezogen. Der Streik war da. Die Arbeiter verließen ihre Arbeitsstätten. Die Behörden waren machtlos.

Wir riefen durch Plakatanschlag alle Rumänen für den nächsten Tag zu einer Versammlung im Principele-Mircea-Saal zusammen. Nach einigen Vorträgen traten wir mit unseren Fahnen auf die Straße, und mit der ganzen Versammlung schlugen wir den Weg nach Nicolina ein.

Auf dem Unirea-Platz hielten uns die Behörden an und rieten uns, nicht weiterzugehen, da uns über 5000 bewaffnete Kommunisten erwarteten und es ein großes Blutvergießen geben würde. Wir wandten uns vom Unirea-Platz aus zum Bahnhof. Hier hißten wir die Fahnen auf dem Depot und auf dem Bahnhofsgebäude und besetzten einen Zug, der am Bahnsteig stand und fuhren nach Nicolina. Im Bahnhof Nicolina stellte jemand die Weichen, so daß wir mit dem Zug bis in die Werkstätten eindrangen. Die Werkstätten waren leer. Auf einem der Gebäude flatterte die rote Fahne. Ich kletterte, eine rumänische Fahne in den Zähnen, auf den in die Wand eingeschlagenen Eisen-Klammern hoch. Nach einigen Schwierigkeiten - es war eine beträchtliche Höhe zu erklimmen - gelangte ich bis ans Dach. Ich schwang mich hinauf und kroch bis zum Giebel. Dort riß ich die rote Fahne nieder und setzte unter unbeschreiblichem Jubel die rumänische Flagge an deren Stelle. Vom Giebel aus redete ich. Jenseits der Mauern hatte sich eine immer größer werdende Masse von Kommunisten angesammelt, die eine drohende Haltung annahmen. Es entstand ein Höllenlärm: Von innen Hurra-Rufe, von außen Pfui-Rufe und Flüche. Langsam stieg ich hinab.

Nun gibt Pancu den Befehl zum Aufbruch. Am Tor verstellen uns die kommunistischen Haufen den Ausgang unter den Rufen: „Heraus mit Pancu und Codreanu!“ Wir gehen 30 Meter an der Menge vorbei und schreiten auf das Tor zu, Pancu in der Mitte, rechts ein Handwerker, links ich. Wir haben die Hände in den Taschen, an den Revolvern, und schreiten vorwärts, ohne ein Wort zu sprechen. Die am Eingang Stehenden sehen uns schweigend an. Jetzt trennen uns nur noch wenige Schritte. Ich erwarte jeden Augenblick, eine Kugel pfeifen zu hören. Wir schreiten aufgerichtet und entschlossen vorwärts. Immerhin ein ungewöhnlicher Augenblick... Noch zwei Schritte sind zu gehen...  Da gehen die Kommunisten rechts und links auseinander und geben uns den Weg frei! In etwa 10 Meter Entfernung gehen wir in lautloser Stille durch ihre Reihen. Wir sehen weder nach rechts noch nach links. Nichts ist zu hören, nicht einmal ein Atemzug.

Hinter uns kommen die Unseren. Auch sie kommen durch, aber das Schweigen geht nun in Schimpfworte und Drohungen über. Es kommt jedoch zu keinem Zusammenstoß. Wir wenden uns geschlossen an den Bahngeleisen dem Bahnhof Jassy zu. Über den Werkstätten flattert siegreich die rumänische Fahne...

Der moralische Erfolg dieser Tat ist außerordentlich. Die „Garde des nationalen Bewußtseins“ ist das Gespräch des Tages. Eine Ahnung des rumänischen Erwachens liegt in der Luft. Die Eisenbahnzüge tragen nach allen vier Himmelsrichtungen dieses Erwachen in das Land.

Wir haben die Gewißheit, daß der Bolschewismus besiegt werden wird. Vor ihm hat sich eine Mauer der Erkenntnis aufgerichtet, die ihm die Ausdehnung verwehrt. Alle Wege sind seinem Vormarsch versperrt.

Kurze Zeit darauf erfolgte dann auch die Aktion der Regierung des Generals Averescu, die dem Bolschewismus die Aussicht auf Erfolg abschnitt.


Der national-christliche Sozialismus
Die nationalen Gewerkschaften

Die „Garde des nationalen Bewußtseins“ war eine Kampforganisation zur Vernichtung des Gegners.

An den Abenden des Jahres 1919 sprach ich oft mit Pancu. Ich sagte ihm:

Es genügt nicht, den Kommunismus zu besiegen, wir müssen für die Rechte der Arbeiter kämpfen. Sie haben ein Recht auf Brot und Ehre. Wir müssen gegen die machthungrigen Parteien kämpfen und nationale Arbeiterorganisationen ins Leben rufen, damit der Arbeiter zu seinen Rechten im Rahmen des Staates gelangt und nicht gegen den Staat.

Wir erlauben niemandem, eine andere Fahne auf rumänischem Boden aufzupflanzen als die unserer nationalen Geschichte. Wie sehr auch die Arbeiterklasse in ihrem Recht wäre, wir können ihr nicht gestatten, sich über und gegen die Grenzen des Landes zu erheben. Niemand kann es billigen, daß im gerechten Kampf um das tägliche Brot alles, was die zweitausendjährige Arbeit eines fleißigen und tapferen Volkes geschaffen hat, verwüstet und einem fremden Volke von Bankiers und Wucherern in die Hände gespielt werde. Jedem sein Recht, aber im Rahmen des Rechtes seines Volkes. Es ist nicht statthaft, für das eigene Recht das geschichtliche Recht des Volkes, dem man angehört, in Trümmer zu schlagen.

Aber wir können ebensowenig zulassen, daß unter dein Schutze nationaler Schlagworte eine herrschsüchtige und ausbeuterische Schicht die Arbeiterschaft bedrückt, sie bis auf die Haut auszieht und ununterbrochen mit Schlagworten arbeitet: von einem Vaterland - das sie nicht lieben, von einem Gott - an den sie nicht glauben, von einer Kirche, die sie niemals besuchen.

So begannen wir denn, die Arbeiter in nationalen Gewerkschaften zu organisieren und sogar eine politische Partei des „National-Christlichen Sozialismus“ für sie zu errichten. (Zu jener Zeit hatte ich noch nichts von Adolf Hitler und dem deutschen Nationalsozialismus gehört.)

Wir machten uns dann daran, nationale Gewerkschaften zu organisieren. Ich will hier das Gründungsprotokoll einer solchen Gewerkschaft, erschienen ebenfalls in der „Constiinta“ vom 9. Februar 1920, folgen lassen, um von dem völkischen Bewußtsein der Arbeiterschaft in jenen Tagen ein Bild zu geben:

„Wir unterzeichneten Handwerker, Arbeiter und Beamte der Staatlichen Tabakfabrik R.M.S., die wir uns heute, Montag, den 2. Februar 1920, im Heim der Garde des nationalen Bewußtseins in der Alexanderstraße 3 unter dem Vorsitz des Herrn C. Pancu, des aktiven Vorsitzenden der Garde, versammelt haben, angesichts der verbrecherischen Absichten einiger Elemente, die anderen Interessen als denen ihres Volkes dienen, und angesichts der Propaganda, die jene machen, um das Fortbestehen des Volkes, sowie unserer aller zu gefährden, die wir ein Leben lang um das tägliche Stückchen Brot, unsere und unserer Kinder einzige Nahrung, kämpfen müssen, - wir aufrechten und rechtliebenden rumänischen Arbeiter, die wir mit der Fahne unseres Vaterlandes zu dessen Wohle den Weg gehen wollen, den uns die höchsten Interessen des Volkes vorschreiben und die wir der feindlichen Propaganda in unseren Reihen eine Ende bereiten wollen, haben den Entschluß gefaßt, uns in einer nationalen Gewerkschaft zusammenzuschließen, für welche wir folgenden Vorstand, sowie einen Vertreter der Garde des nationalen Bewußtseins gewählt haben.“ Es folgen 183 Unterschriften.


Die „Führer“ der rumänischen Arbeiterschaft

Die „Führer“ der kommunistischen Arbeiter in Rumänien waren weder Rumänen noch Arbeiter.

In Jassy: Dr. Ghelerter, Jude; Gheler, Jude; Spiegler, Jude; Schreiber, Jude, usw.

In Bukarest: Ilie Moscovici, Jude; Pauker, Jude, usw.

Um sie eine Anzahl verirrter rumänischer Arbeiter.

Hätte die Revolution Erfolg gehabt, so wäre der Präsident der Republik, der den Thron unseres glorreichen Königs Ferdinand umgestürzt hätte, der Bukarester Jude und Kommunist Ilie Moscovici gewesen. Im Jahre 1919, als im Parlament Groß-Rumäniens alle Abgeordneten und Senatoren der vereinigten rumänischen Provinzen, von der Heiligkeit des Augenblicks der Vereinigung ergriffen, sich von den Stühlen erhoben und dem großen König und Mehrer des Landes huldigten, hatte sich dieser Ilie Moscovici geweigert aufzustehen und war herausfordernd sitzengeblieben.


Die Haltung der jüdischen Presse

Es ist notwendig, die Haltung der jüdischen Presse in jenen für unser Volk so gefahrvollen Augenblicken zu brandmarken. So oft das rumänische Volk in seinem Bestand gefährdet war, unterstützte diese Presse die Auffassungen, die unseren Feinden gefielen.

Genau die gleichen Auffassungen aber wurden sofort scharf bekämpft, sobald sie einer rumänischen Erneuerungsbewegung günstig waren. Die Tage unserer Sorgen waren für sie Tage der Freude, die Tage unserer Freuden Tage ihrer Trauer.

Die Freiheit, die heute der nationalen Bewegung so sehr versagt wird, war in jener Zeit zum Dogma erhoben, da sie den Zweck hatte, unserer Vernichtung zu dienen. So schrieb die jüdische Zeitung „Adevarul“ („Die Wahrheil“) am 28. Dezember 1918:

„... Wenn man der sozialistischen Partei das Recht der freien Betätigung zuerkennt, kann man nicht behaupten, daß dieser Partei damit ein Privileg eingeräumt wird. Welche Partei es auch sei, die die Kundgebungen zu veranstalten wünscht, immer muß man ihr dieses Recht zuerkennen...“

In demselben Blatt hieß es:

„Der Haß muß immer unser Ansporn im Kampf gegen die Mörderpartei sein, die unter Ion Bratianu geherrscht hat.“

Der Haß des Judentums gegen die Rumänen wird also gut geheißen. Er wird gefördert und als Kampfmittel gebraucht. Wenn aber die Rumänen ihre mit den Füßen getretenen Rechte verteidigen wollen, dann wird ihr Kampf als Haß hingestellt, und dann gilt der Haß als ein Zeichen der Barbarei, der niedrigen Gesinnung.

Über die Hetze der Judenpresse zum Aufruhr belehrt folgender Aufsatz aus dem „Adevarul“ vom 11. Oktober 1919:

„Die Wahnsinnigen! Wo sind die Wahnsinnigen?

Wie gesagt, wir haben zu viele kluge Leute und keinen einzigen Wahnsinnigen. Wahnsinnige aber brauchen wir. Die von 1848 waren Narren und haben damals die Bojarenherrschaft entwurzelt ... Auch wir brauchen heute Wahnsinnige. Mit den Klugen allein, die jedes Haar in 14 Teile spalten und sich auch dann noch zu nichts entschließen können, ist nichts anzufangen. Wir brauchen wenigstens einen Wahnsinnigen, wenn nicht noch mehr. Woher soll ich wissen, was jeder Wahnsinnige alles tun wird? ...

Es wird also nach einem Verrückten verlangt. Verrückte an die Front!

Sogar die Sozialisten sind vernünftig geworden. Sie haben tatsächlich eine Partei hinter sich und Menschen, die niemanden zu fürchten brauchten. Furcht haben sie keine, soviel ich sehe. Aber sie sind auch vernünftig. So wie es einst I. Nadejde tat, halten sie bis zum Grabe an der gesetzlichen Ordnung fest. Die Zivil- und Militärbehörden wollen sie davon abdrängen. Umsonst. Ihre Taktik ist der gesetzliche Weg. Selbst wenn auf sie geschossen wird, wie am 13. Dezember 1918, selbst wenn sie halbtot geschlagen werden, protestieren die Sozialisten mit viel Würde, sie weichen aber nicht vom gesetzlichen Weg ab.

Auf alle Fälle benötigen wir heute Wahnsinnige. Die Wahnsinnigen mögen vortreten, die die illegale gesetzwidrige Aktion beginnen sollen zur Beseitigung der heutigen Lage ...“

Gegen die christliche Kirche schrieb das Judenblatt „Opinia“ am 10. August 1919:

„Die Nationalisten von Jassy beginnen sich zu regen: Es sind aber ihrer zu wenige, auch sind sie zu geistlos.

Die Nationalisten haben eine „Garde des Nationalen Bewußtseins“ gegründet. Sie haben Aufrufe herausgegeben. Sie halten Versammlungen ab ... Es wurden auch chauvinistische Studenten herangeholt. Auch die unvermeidlichen Priester sind in Erscheinung getreten ...

Während allenthalben die Kirche vom Staat losgelöst wird und Privatangelegenheit jedes einzelnen bleibt, rufen unsere Nationalisten die Geistlichkeit an, um eine organisierte und grundsätzliche religiöse Propaganda zu entwickeln ...

Dann tritt der Priester in Erscheinung: Mit dem Geiste der Sanftmut fährt seine Hand dem Volke in den Schopf und stößt es solange mit der Stirn gegen die Steinquadern der Kirche, bis es bewußtlos ist: Gott will es!

Diese Lügen blenden heute niemanden mehr. Vergeblich heften sich die Nationalisten dreifarbige Bänder an die Arme. Vergeblich hetzen die Intellektuellen gegen die Juden. Vergeblich stiften sie die Priester an, uns in den Kirchen zu verfluchen. Heute fürchtet niemand mehr ihren Bannfluch.

... Wir lehren die Liebe unter den Menschen. Und für jene Türen der Gotteshäuser, die den Haß und die Rache beherbergen, haben wir nichts als Fußtritte übrig.“

Und unter der Oberschrift „Die Prozession“ hetzte dieselbe jüdische „Opinia“ am 26. Okt. 1919:

„Ein ehrenhafter Klerus hat der ,Garde des nationalen Bewußtseins’ für ihre Umzüge seine Bärte, Talare und Heiligenfahnen zur Verfügung gestellt. Der Luxus aber, einen Herrgott mit seinem ganzen Generalstab zur Verfügung zu haben, kostet Geld. Wir fordern die Trennung zwischen Staat und Kirche. Wir werden nie und nimmer zulassen, daß durch die aus uns erpreßten Steuern das Dunkelmännertum, die ,Aufgabe des Ichs’ und der ,Geist der Entsagung’ gezüchtet werde, die dem Polizeiregime Vorschub leisten ...

Die Kuppeln der Kirche lasten auf den Schultern der Menschheit - die Rosenkränze zerren sie zu Boden.

Es wird eine öde Prozession werden. Museumstalare werden durch die Straßen ziehen, Brillantenzepter und Bischöfshüte ... Es werden Kreuze und Meßgewänder an uns vorüberziehen. Bärte werden vorüberwallen, Redner mit theatralischen Gebärden ihre Gewänder auf der Brust aufreißen und der Menge ihre blutigen Rippen zeigen - sie werden an Essigschwämmen saugen ...“

Es ist klar, daß von hier bis zum tätlichen Angriff auf Offiziere und dem Abreißen der Achselstücke nur noch ein Schritt war. Desgleichen nur noch ein Schritt bis zur Zerstörung der Kirchen oder ihrer Umwandlung in Ställe und in Lokale wüster sadistischer Orgien für die Juden aus den Redaktionsstuben der „Opinia“, dem „Adevarul“ und der „Dimineatza“ mit ihrer ganzen Mischpoke!

In einer schweren Schicksalsstunde unseres Volkes haben wir in den Spalten dieser Judenblätter den ganzen Haß und die hinterlistigen Machenschaften eines uns feindlich gesinnten Volkes erfahren, das durch das Mitleid und nur durch das Mitleid der Rumänen sich ansässig machte und hier geduldet wurde. Es fehlte ihnen jede Achtung für den Ruhm der rumänischen Armee und für die vielen Hunderttausende, die in unserem Heere gefallen waren. Es fehlte ihnen die Achtung für den christlichen Glauben eines ganzen Volkes.

Es verging kein Tag, an dem sie nicht in jeder Zeitungsspalte Gift in die Herzen geträufelt hätten.

Aus der Lektüre dieser Zeitungen, bei der sich mein Herz zusammenkrampfte, lernte ich die wahren Gefühle dieser Fremdlinge kennen, die sie in einem Augenblick, da sie uns zu Boden geschlagen glaubten, ohne Hemmungen enthüllten.

Während eines einzigen Jahres habe ich soviel Antisemitismus gelernt, daß er mir für drei Menschenalter genügt hätte.

Man kann nicht ein Volk in seinen heiligsten Gefühlen treffen, in allem, was sein Herz liebt und ehrt, ohne es im tiefsten zu verletzen und ihm blutige Wunden zu schlagen. Siebzehn Jahre sind seither verflossen und immer noch bluten diese Wunden.

Es sei mir gestattet, in diesem Zusammenhang eine heilige Pflicht zu erfüllen und des Handwerkers Constantin Pancu zu gedenken, jenes Helden, der der Vorkämpfer der christlichen Arbeiterschaft gewesen ist und unter dessen Führung ich Seite an Seite marschierte, bis die Rote Bestie, wie er sie nannte, zu Boden gezwungen war.

Diesem Menschen, seinem Mute und seinem Einsatz verdankt Jassy die Rettung vor dem Verderben.

Er starb krank und arm, vergessen und ohne Hilfe, inmitten eines gleichgültigen Vaterlandes und inmitten der Stadt, die er mit seinem Herzblut in ihren schwersten Schicksalsstunden verteidigt hatte.


Der erste Studenten-Kongreß nach dem Weltkrieg
vom 4. bis 6. September 1920 in Klausenburg

Unter großer Begeisterung über die Vereinigung des gesamten rumänischen Volkes, durch die Kraft seiner Waffen und Opfer, fand dieser Studentenkongreß im Saal des Nationaltheaters in Klausenburg statt. Es war das erste Treffen junger geistiger Kräfte des Volkes, das durch Schicksal und Unglück in alle vier Winde zerstreut gewesen war. Zweitausend Jahre der Ungerechtigkeiten und Leiden fanden ihren Abschluß.

Welche Begeisterung! Welch heilige Bewegung der Gemüter! Wieviel Tränen der Freude wurden vergossen!

Aber so groß die Begeisterung war, so groß war auch die Unklarheit über unseren weiteren Weg. Das Judentum versuchte diese Unklarheit auszunutzen. Es hatte sich durch Einflüsterungen und Druckmittel in den Ministerien, durch Freimaurer und Politiker bis zuletzt bemüht, daß folgender Punkt auf die Tagesordnung des Kongresses gesetzt werde: Aufnahme der jüdischen Studenten in die studentischen Verbände. Damit wurde versucht, rein rumänische Organisationen in rumänisch-jüdische umzuwandeln. Die Gefahr war groß: Der Bolschewismus pochte drohend an die Pforten. Es bestand die Gefahr, zahlenmäßig von jüdisch-kommunistischen Elementen in unseren eigenen Organisationen an die Wand gedrückt zu werden. Zumindest in Jassy und in Czernowitz war die Lage verzweifelt.

Trotz dieser Gefahr waren die Leiter des Kongresses für diese Machenschaften gewonnen. Junge Studenten lassen sich sehr leicht beeinflussen, besonders wenn ihnen ein Glaube fehlt. Sie lassen sich nicht so sehr durch augenblickliche materielle Vorteile, die man ihnen vielleicht bietet, irre führen, als durch Schmeicheleien, die man ihnen sagt und durch Aussichten auf eine glänzende Laufbahn, die man ihnen vortäuscht.

Der junge Student aber wird fortan wissen müssen, daß er, wo er auch immer sein mag, auf Wache steht für sein Volk. Daß er, wenn er sich bestechen, umschmeicheln oder überreden läßt, seinen Posten verläßt, Fahnenflucht begeht und Verrat.

Unsere kleine Gruppe von Jassy, die sich mit der buchenländischen Gruppe zusammengeschlossen hatte und durch ihre Entschlossenheit unbesiegbar war, kämpfte zwei Tage lang einen zähen Kampf. Am Ende aber trug sie den Sieg davon! Der Kongreß lehnte den Vorschlag der Studentenführung ab und nahm meinen Vorschlag in namentlich durchgeführter Abstimmung an. Ich glaube, der Kongreß faßte diesen Entschluß nicht aus innerer Überzeugung, sondern unter dem Eindruck der Entschlossenheit und der Unerbittlichkeit, mit der wir diesen Kampf geführt hatten.

Die Czernowitzer Studentenschaft, die die Zahl 60 nicht überschritt, hatte sich wunderbar gehalten, desgleichen unsere kleine Jassyer Gruppe, die kaum 20 Mann stark war. Wenn man noch die 20 Mann der Gruppe Ciochina, ebenfalls aus Jassy, hinzuzählt, so kämpften wir dort zwei volle Tage in einem Kräfteverhältnis von 100 zu 5000!

Unser damaliger Sieg war entscheidend. Wäre unser Standpunkt nicht durchgedrungen, so hätten die studentischen Verbände ihren rumänischen Charakter verloren und wären durch die Berührung mit den Juden unweigerlich auf die Bahnen des Bolschewismus geraten.


Die Eröffnung der Universität Jassy im Herbst 1920

Während an allen anderen Hochschulen Ruhe herrschte, waren wir zu ewigem Kampfe verurteilt.

Zum ersten Male in der Geschichte der Jassyer Universität kündete der Senat den Beginn der Vorlesungen ohne vorhergehenden Gottesdienst an. Um unseren Schmerz zu verstehen, muß man wissen, daß diese Feierlichkeit seit einem halben Jahrhundert ohne Unterbrechung das schönste Fest der Universität war. Zu dieser Feierstunde erschienen der ganze Senat der Universität, alle Professoren, die Studenten und auch die neu Hinzugekommenen. Der Erzbischof der Moldau oder sein Vikar las in der Aula der Universität die Messe und segnete den Beginn der Arbeit für die Kultur des rumänischen Volkes. Nun aber ließ unsere Universität durch eine Geste ihres Senats diesen Brauch fallen.

Schlimmer noch: die Universität des christlichen Jassy, die bedeutendste rumänische Hochschule, verkündete in jenen schweren Stunden den Kampf gegen Gott und forderte die Beseitigung Gottes aus der Schule, den Anstalten, aus dem ganzen Lande.

Die Jassyer Professoren nahmen mit Ausnahme einiger weniger den religionsfeindlichen Senatsbeschluß mit großer Genugtuung auf. Sie begrüßten ihn als einen Fortschritt, der die rumänische Wissenschaft aus „Barbarei“ und „mittelalterlichen Vorurteilen'' befreien werde. Die kommunistischen Studenten jubelten. Das Jassyer Judentum triumphierte. Nur wir, die wenigen, fragten uns voller Schmerz: Wie lange wird es noch dauern, bis sie unsere Kirchen zerstören und die Priester in ihren Ornaten auf den Altären kreuzigen werden?

Wir acht national eingestellten Studenten, die wir uns in Jassy befanden, klopften vergeblich an die Türen vieler Professoren, um zu versuchen, den gefaßten Beschluß rückgängig zu machen. Unser wiederholtes Vorsprechen blieb ohne Erfolg. Da faßten wir am letzten Tage den Entschluß, uns der Eröffnung der Universität mit Gewalt zu widersetzen.

Wir schliefen alle in der Suhupanstraße 4, dem Zentrum unserer Aktion, um beisammenzubleiben. Morgens um 6 Uhr ging ich mit Vladimir Frimu zur Universität voraus, während die anderen uns folgen sollten. Ich schloß den hinteren Ausgang der Universität ab und ließ Frimu dort zurück. Dann schrieb ich mit Rotstift einen Zettel, den ich an das Hauptportal der Universität heftete. Er lautete: „Ich bringe den Herren Studenten wie auch den Herren Professoren hiermit zur Kenntnis, daß die Universität erst nach dem üblichen Gottesdienst eröffnet wird.“

Die anderen Kameraden kamen erst später - viel zu spät!

Um 8 Uhr begannen die Studenten zu erscheinen. Am Hauptportal leistete ich ganz allein bis 1/210 Uhr Widerstand. Bis dahin hatten sich vor der Universität etwa 300 Studenten versammelt.

Als der Mathematikprofessor Müller mit Gewalt einzudringen versuchte, rief ich ihm zu: „Als Sie Professor wurden, haben Sie aufs Kreuz geschworen. Weshalb stellen Sie sich jetzt gegen das Kreuz? Sie sind meineidig, denn Sie haben auf etwas geschworen, woran Sie nicht glaubten, und jetzt brechen Sie diesen Eid!“

In diesem Augenblick stürzten die Studenten, über 300 an der Zahl, an ihrer Spitze Marin, der Häuptling der Kommunisten, über mich her, rissen mich hoch, öffneten die Tür und zerrten mich in die Wandelhalle, wo sie mich im wilden Durcheinander eine halbe Stunde lang durch den Gang hin und her schleppten und mit Stöcken und Fäusten auf mich einschlugen. Weder Verteidigung noch Widerstand war möglich. Ich war in die Mitte genommen und erhielt Hiebe und Schläge von allen Seiten. Endlich ließen sie mich laufen. Während ich in einer Ecke stand und das Pech meiner Niederlage überdachte, erschienen auch die übrigen sechs Kameraden.

Der Sieg meiner Gegner war jedoch nicht von langer Dauer, denn kurze Zeit später heftete der Sekretär der Universität folgenden Anschlag an: „Es wird zur Kenntnis aller gebracht, daß das Rektorat den Beschluß gefaßt hat, die Universität bis Mittwoch geschlossen zu halten, an welchem Tage sie im Anschluß an den Gottesdienst eröffnet werden wird.“ Es war ein großer Erfolg, der uns mit tiefster Freude erfüllte.

Zwei Tage später, am Mittwoch früh, nahm die ganze Stadt in der überfüllten Aula an dem Eröffnungsgottesdienst teil. Alle beglückwünschten mich. Professor A. C. Cuza sprach unvergeßliche Worte. Seit jener Zeit aber wurde in mir der Glaube wach, der mich nie wieder verlassen wird: daß derjenige, der für sein Volk und seinen Gott kämpft, auch wenn er ganz allein sein sollte, niemals besiegt werden wird.

In der Öffentlichkeit Jassys fanden diese Kämpfe lebhaften Widerhall. Unsere Gegner erkannten, daß der Bolschewismus nicht ohne ernste Auseinandersetzungen vordringen konnte, auch dann nicht, wenn sich fast alle Universitätsprofessoren, die Presse, das Judentum und die Mehrheit der Arbeiterschaft auf seine Seite schlugen, während auf der anderen Seile nur eine Handvoll junger Leute kämpfte, die dieser Macht nichts anderes entgegenstellen konnte, als ihren unendlich großen Glauben an die Zukunft des Volkes. Diese jungen Menschen verkörperten den Widerstand eines Willens, der wie ein Felsen im Boden stand. Unsere Gegner fürchteten nicht uns, sondern unsere Entschlossenheit. Die anderen, das christliche und rumänische Jassy, ermutigten uns und verfolgten unser Tun mit Wohlwollen.


Das Universitätsjahr 1920/1921

Das Jahr, das unter den oben geschilderten Umständen begonnen hatte, war eine ununterbrochene Kelle von Kämpfen und Zusammenstößen. Wir kämpferischen Studenten schlössen uns in der studentischen Verbindung „Stefan der Große“ zusammen, zu deren Vorsitzendem ich gewählt wurde. Von hier aus griffen wir unsere Gegner an und trugen einen Sieg nach dem anderen davon.

In der Universität selbst wurden Versammlungen unmöglich. Die meisten der Studenten waren kommunistisch oder sympathisierten doch mit den Kommunisten. Sie kamen trotzdem nicht vorwärts, denn unsere kaum 40 Mann starke Gruppe war immer zur Stelle. Wir griffen immer an und duldeten kein Umsichgreifen kommunistischer Ideen und Machenschaften.

Der Generalstreik, den die Kommunisten im Zusammenhang mit der Verhaftung des kommunistischen Studenten Spiegler an der Jassyer Universität zu organisieren versuchten, brach nach zwei Tagen zusammen. Unsere Gruppe besetzte die Kantine und hinderte die Streikenden den Speisesaal zu betreten nach dem Grundsatz: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Die Bemühungen des Rektors und der Professoren, uns zu veranlassen, diese Studenten, doch zum Essen zuzulassen, blieben erfolglos.

Unsere Gruppe nahm den Kampf auch mit der jüdisch-kommunistischen Presse auf. Freilich besaßen wir selbst keine Presse, um auf dem Wege des gedruckten Wortes den Kampf vorzutragen. Nach einigen unverschämten Artikeln über König, Heer und Kirche war unsere Geduld zu Ende. Wir drangen in die Redaktionsstuben und Druckereien der Zeitungen „Lumea“ und „Opinia“ ein und zertrümmerten die Gift und Gemeinheit speienden Setzmaschinen.

Gewiß, wir riefen Unruhen hervor. Aber diese Unruhen sollten andere, viel gefährlichere und nie wieder gutzumachende Unruhen verhindern, die von den Söldnern der kommunistischen Revolution in diesem Lande vorbereitet wurden.

Alles das sollte mich zum Gegenstand ihrer Rache machen. Die jüdische Presse griff uns an. Eine scharfe Antwort darauf war nötig.

Eines Tages treffen wir auf der Straße die Schriftleiter der „Opinia“. Nachdem ich Genugtuung für ihre Beleidigungen gefordert hatte, gerieten wir in heftigen Wortwechsel und schließlich ins Handgemenge. Meine Gegner wurden tüchtig durchgebläut.

Am nächsten Tage wandten sich alle Zeitungen Jassys gegen mich: die „Opinia“, „Lumea“ und „Miscarea“.


Für immer von der Universität Jassy ausgeschlossen

Die Sache zog weitere Kreise. Der Senat der Universität mischte sich ein und schloß mich, ohne mich angehört zu haben, für immer von der Universität Jassy aus. Endlich sollten die Universität und die Stadt Jassy von dem lästigen Störenfried befreit werden, der seit zwei Jahren den jüdisch-kommunistischen „Frieden“ störte und sich allen Revolutionsversuchen widersetzte, die den König beseitigen, die Kirchen niederbrennen, die Offiziere erschießen und Hunderttausende von Rumänen abschlachten wollten.

Die „Elemente der Ordnung und Legalität“ waren für den Senat der Universität: die Kommunisten. Ich dagegen war der Unruhestifter und Störer dieser Ordnung.


Das Dekanat der Juristischen Fakultät

Ihre Pläne wurden jedoch zunichte gemacht. Es kam zu einem in der Geschichte unserer Universität einzig dastehenden Ereignis: Die Juristische Fakultät nahm an dem Beschluß des Senats Anstoß, und mit den Professoren Cuza, dem Dekan, Cantacuzino und Alexandrescu an der Spitze widersetzte sie sich ihm. Alle Versuche der Fakultät, die Wut des Senats zu besänftigen, blieben jedoch erfolglos. Der Senat blieb bei der erteilten Strafe.

Darauf zog die Juristische Fakultät ihren Vertreter aus dem Senat zurück, fügte sich auch weiterhin seinem Beschlüsse nicht und erklärte sich unabhängig. Das Dekanat teilte mir mit, ich könne die Vorlesungen weiter besuchen, da das Professorenkollegium der Juristischen Fakultät es abgelehnt habe, die Beschlüsse des Senats der Universität anzuerkennen. So blieb ich weiterhin Student der Jassyer Universität. Infolge dieses Zwischenfalls entsandte die Juristische Fakultät drei Jahre lang keinen Vertreter in den Senat der Universität. Der Konflikt dauerte Jahre hindurch und zog sich noch nach meinem Abgang von der Universität hin.

Als ich später die Staatsprüfung bestanden hatte, weigerte sich das Rektorat, mir das Diplom auszuhändigen. Es weigerte sich bis zum heutigen Tage. Für die Aufnahme in die Rechtsanwaltskammer und für die Fortsetzung meiner Studien im Ausland diente mir lediglich ein von der Juristischen Fakultät ausgestelltes Zeugnis.

Seit Beginn des Studienjahres 1921 konnte man in den jüdisch-kommunistischen Reihen ein Zurückweichen beobachten als Folge der mangelhaften Führung. Nirgends mehr zeigte sich der Versuch eines Widerstandes. Die meisten der neu eingeschriebenen Studenten hatten von unseren Kämpfen gehört und brannten darauf, an unserer Seite zu marschieren. Kaum angelangt, meldeten sie sich in hellen Scharen bei uns.


Vorsitzender des Verbandes Juristischer Studenten

Im Herbst des Jahres wurde ich zum Vorsitzenden des Verbandes Juristischer Studenten gewählt. Der Senat der Universität wollte meine Wahl nicht bestätigen unter dem Vorwand, daß ich ausgeschlossen sei. Ich bestätigte mich darauf selbst.

Der Verband Juristischer Studenten verfolgte wie alle übrigen Verbände der Universität einen wissenschaftlichen Zweck im Sinne der Ergänzung und Vertiefung des fachlichen Wissens. Er hielt wöchentlich Sitzungen ab. Ein Student referierte über ein juristisches Lehrbuch, darauf folgten Diskussionen. Ich behielt diese Regel bei, aber ich führte eine Neuerung ein: Alle diese Arbeiten und Referate mußten die Judenfrage im Licht der Wissenschaft behandeln.

Es wurden Arbeiten über die Judenfrage in Rumänien und im Ausland verlesen, über das internationale Judentum, über den Werdegang dieses Problems. Wir studierten die Kampfmittel, die gegen uns eingesetzt wurden, den jüdischen Geist und die jüdische Denkweise und suchten selbst nach Kampf- und Abwehrmitteln. Jeder Darlegung folgten Diskussionen und Ergänzungen und zum Schluß eine kurze Formulierung des Erarbeiteten, so daß jeder die Sitzung aufgeklärt verlassen konnte. Im weiteren Verlauf dieser Sitzungen versuchten wir, praktisch durchzuführen:

1. Das Erkennen des jüdischen Geistes und der jüdischen Denkweise, die Schritt für Schritt in das Denken und Fühlen eines großen Teiles unseres Volkes eingedrungen waren.

2. Die Entgiftung unserer eigenen Seele, die radikale Ausrottung alles Jüdischen aus unserem Denken, unseren Schulbüchern, der Literatur, den Lehren unserer Professoren, aus Vorträgen, Theatern und Film.

3. Das Erkennen und die Entlarvung der unter verschiedenen Formen getarnten jüdischen Pläne. Rumänien hat politische Parteien, die von Rumänen geführt werden, durch die aber das Judentum spricht. Wir haben rumänische Zeitungen, die von Rumänen geschrieben werden, aus denen aber der Jude für seine Interessen schreibt. Wir haben rumänische Redner und rumänische Schriftsteller, die mit rumänischen Worten jüdisch   denken, schreiben und sprechen.

Wir erkannten im Verlaufe unserer Arbeit, daß das rumänische Volk zum erstenmal in der Geschichte mit einem Volk in Berührung gekommen war, das als arteigene Waffe Hinterlist und Falschheit zum Vernichtungskampf einsetzte. Der Rumäne hatte nichts anderes als offenen Kampf gekannt. Gegen die neuen jüdischen Kampfmittel war er wehrlos. Wir erkannten, daß alles davon abhing, unseren Feind genau kennenzulernen. Daß in dem Augenblick, wo wir ihn bis ins Letzte durchschaut hatten, wir ihn auch besiegen würden.

Ein volles Jahr lang fanden diese Sitzungen regelmäßig statt. Es stellte sich ein immer größerer Kreis von Studenten aller Fakultäten zu unseren Sitzungen ein, so daß der Studentenverband seine ursprüngliche Form fast gänzlich verlor. Die gesamte Studentenschaft scharte sich um die Tätigkeit des Verbandes Juristischer Studenten. Der Hörsaal war für die Masse der Studenten, die an unseren Sitzungen teilnehmen wollten, zu klein geworden.

Besonders die bessarabischen Studenten erschienen immer zahlreicher. Nach einem halben Jahr unserer Tätigkeit erlebten wir ein wahres Wunder: Dreiviertel aller christlichen Studenten aus Bessarabien waren erwacht, fühlten sich zu neuem Leben berufen und erkannten den geistigen Aufbruch. Nach kurzer Zeit schon wurden sie die gläubigsten Soldaten unseres Kampfes und stellten sich mit ihrer Treue und Kameradschaft, mit ihrer seelischen Sauberkeit und ihrem Opfergeist an die Spitze der Bewegung, die sich jetzt durchzusetzen begann. Diesen Augenblick, in dem wir Waffenbrüderschaft schlössen und den Schwur leisteten, für unser christliches Vaterland gegen das Judentum in zu kämpfen, werden wir nie vergessen. Wir, die wir uns gestern noch bekämpften, umarmten uns jetzt als Brüder.

Die Richtlinien für unsere Sitzungen waren die Schriften unserer unsterblichen großen Geister: Bogdan Petriceicu Hajdeu, Vasile Conta, Mihail Eminescu, Vasile Alexandri und andere, insbesondere aber die Schriften und Vorlesungen des Professors Cuza, die Schriften des Professors Paulescu und die Vorlesungen des Professors Gavanescul über völkische Erziehung.

Alle Schrillen Professor Cuzas wurden nicht einmal, sondern drei- und viermal gelesen und genau durchgearbeitet. Besonders seine Vorlesungen über politische Volkswirtschaft, die von der Höhe der Wissenschaft die Judenfrage behandelten und alle Rumänen mahnten, dieses schwerste Problem der Gegenwart endlich ernst zu nehmen, waren unser Leitfaden. Es ist unser Stolz, daß wir Rumänen einen Cuza hervorgebracht haben, einen der besten Kenner der Judenfrage in der Welt. Ihm verdanken wir es, daß wir alle Machenschaften des Judentums durchschaut haben. Seine Vorlesungen standen auf einer seltenen geistigen Höhe und wurden von allen Studenten mit ungewohnter Aufmerksamkeit verfolgt. Der größte Hörsaal der Juristischen Fakultät war stets zu klein. Für lange Zeit wird die Jassyer Universität keinen Lehrer haben, dessen nationale Vorträge ein ähnliches Interesse hervorrufen.

In dieser Zeit bekam das Leben vieler aus unseren Reihen einen tieferen Sinn über die Interessen des Alltags hinweg. Es war der Kampf für unser in seinem Bestand bedrohtes Volk.


Der Besuch an der Czernowitzer Universität

An den anderen Hochschulen herrschte Ruhe. Einzig in Czernowitz begann im Frühjahr 1921 der Kampf um das rumänische Theater. Er endete mit dem Siege der Studenten. Im Frühjahr 1922 organisierten wir vom Verband Juristischer Studenten aus einen Besuch der Jassyer Kommilitonen in Czernowitz. Wir wurden von Professoren und Studenten freudig empfangen. Wir waren mehr als hundert Besucher und taten in den drei Tagen unseres Aufenthaltes nichts anderes, als unseren Czernowitzer Kommilitonen den neuen Glauben zu verkünden, der in unseren Herzen so tiefe Wurzeln geschlagen hatte.

Es war keine schwere Aufgabe. Czernowitz litt noch mehr als Jassy mit seinen jüdischen Straßenzügen und seinem verjudeten Handel, mit seinen verlassenen Kirchen, seinem überfremdeten Boden und seiner entrechteten rumänischen Bevölkerung unter der jüdischen Überschwemmung. Kurz, es umschloß uns ein festes Band, das aus unserem heißen Sehnen erstanden war, einmal ein Volk der Würde und der Kraft zu werden und Herren unseres Schicksals und unseres Landes zu sein!

Dieses Band wurde noch inniger geknüpft, als die Czernowitzer unseren Besuch im nächsten Monat erwiderten. Hier lernte ich Tudose Popescu kennen, jene herrliche Gestalt eines jungen Kämpfers mit den kühnen Zügen eines Rebellen, der später in unserer studentischen Bewegung führend wurde und heute in einem armseligen Friedhof unter einem vergessenen Kreuz ruht.

Am 1. April 1922 erschien die Halbmonatsschrift „Apararea Nationala“ („Die Nationale Verteidigung“), die von den Professoren Cuza und Paulescu herausgegeben wurde. Man kann sich vorstellen, was das Erscheinen dieser Zeitschrift für unsere Gedankenwelt und für unsere Auseinandersetzungen bedeutete. In dieser Zeitschrift fanden wir alles, was wir an Rüstzeug zu unserer restlosen Aufklärung brauchten. Die Aufsätze der Professoren Cuza und Paulescu wurden von der gesamten Jugend mit fast religiöser Inbrunst gelesen und fanden überall in den Reihen der Studenten, auch in Bukarest und Klausenburg, großen Anklang. Der 1. und 15. eines jeden Monats war für uns ein Freudentag. Die einzelnen Hefte dieser Zeitschrift bildeten für uns Rüstkammern, aus denen wir unsere Waffen bezogen, mit denen wir die Argumente der jüdischen Presse zu Boden schlugen.


Die Gründung der „Vereinigung Christlicher Studenten“

Am 20. Mai 1922 traten wir zu einer engeren Beratung zusammen und erklärten den Studentenverband Jassy, der sich noch in den Händen unserer Gegner befand und vom Rektorat unterstützt wurde, für aufgelöst und gründeten die „Vereinigung Christlicher Studenten“, die auch heute noch besteht. Wir hatten seinerzeit als kleine Gruppe den Aufbruch gewagt, hatten einen Kreis von Studenten um uns gesammelt und später den Verband Juristischer Studenten in die Hand genommen. Jetzt zum Schluß entstand aus unserer zähen Unnachgiebigkeit ein wirklicher Studentenbund unter der Bezeichnung „Vereinigung Christlicher Studenten“, dem die Herzen der Jassyer Studenten freudig entgegenschlugen.

Nun nach drei Jahren des Kampfes, in denen uns das Feuer so vieler Prüfungen innig zusammengeschmolzen halte, nahte der Tag meines Abschiedes von der Universität, vom Studentenleben und den Kampfgenossen. Wehmut erfüllte meine Seele. Es blieb noch ein Monat bis zum Staatsexamen, und doch konnte ich mich nicht mit de Gedanken befreunden, alles verlassen zu müssen, mit dem Gedanken, daß wir Kameraden vom Jahrgang 1919, die wir eine so enge seelische Gemeinschaft miteinander gefunden hatten, nun auseinandergehen und uns verlieren sollten, jeder in einem anderen Winkel des Landes.

Ich bestimmte Sava Margineanu zu meinem Nachfolger im Verband Juristischer Studenten und llie Garneatza als zukünftigen Vorsitzenden der „Vereinigung Christlicher Studenten“. Dann legten wir 26 Kameraden, die wir uns stärker aneinander gebunden fühlten, einen feierlichen Eid ab und gelobten, für den Glauben, der uns hier auf der Universität aneinander geschmiedet hatte, auch weiterhin zu kämpfen. Diesen Eid faßten wir schriftlich ab, unterschrieben ihn und legten das Schriftstück in eine Flasche, die wir vergruben. Nachdem ich die Staatsprüfung bestanden hatte, legte ich mit einer zweiten, 46 Mann starken Gruppe, die jünger im Kampf war, ein anderes Gelöbnis ab. Ich hatte sie alle nach Husi eingeladen, wo wir vier Tage lang Besprechungen abhielten und unsere kommende Tätigkeit bis in die letzten Einzelheilen festlegten. Hier sprach auch mein Vater wiederholte Male zu den Kameraden und hielt sie an zu Kampf und Einsatz. Als wir uns trennten, nahm jeder im Herzen die tiefe Sehnsucht nach besseren und gerechteren Tagen für unser Volk mit. Das Gelöbnis lautete:

„Angesichts der schweren Lage unseres Volkes, das in seiner Lebenskraft von einem anderen Volk aufs tiefste bedroht ist, von einem fremden Volk, das durch Wucher unser Gut an sich gerissen hat und danach strebt, die Führung des Landes in seine Hand zu bekommen –

Damit unsere Nachkommen dereinst nicht, durch Elend und Armut aus dem eigenen Land vertrieben, durch fremde Lande irren müssen, und damit unser Volk nicht unter der Tyrannei einer fremden Nation verblute:

Haben wir unterzeichneten Studenten der Universität Jassy beschlossen, uns unerschütterlich um ein neues und heiliges Ideal zu scharen: die Verteidigung des Vaterlandes gegen die jüdische Überflutung.

Um dieses Ideal zu verwirklichen, haben wir an der Universität Jassy die Vereinigung Christlicher Studenten ins Leben gerufen. Mit diesem Ideal im Herzen verlassen wir heute die Universität.

Wir halten es für unsere erste Ehrenpflicht, überall und jederzeit für unser Recht und für das bedrohte Leben unseres Volkes zu kämpfen. Deshalb nehmen wir, die wir uns heute, Sonnabend, den 27. Mai 1922, versammelt haben, die Verpflichtung auf uns, das Feuer, das uns in der Jugend entflammte, überall mit uns zu tragen , und in allen bedrückten Gemütern die Fackel der Wahrheit zu entzünden, die Fackel des Rechtes, das unser Volk auf freies Leben in diesen Gauen hat. Die Vereinigung Christlicher Studenten soll auch fortan der Mittelpunkt unseres gemeinsamen Kampfes bleiben. Nach acht Jahren, also im Jahre 1930, wollen wir uns am 1. Mai alle in der Universität in Jassy einfinden.

Wir wenden uns mit unserem Wort an alle Studentengenerationen, die durch diese Vereinigung gehen und die bereit sind, ihre ganze Arbeit auf den Altar des Vaterlandes zu legen, sich an jenem Tage des gemeinsamen Wiedersehens in der Universität Jassy einzufinden.

27. Mai 1922.

Corneliu Zelea Codreanu, Husi.“

Es folgten 44 weitere Unterschriften.


Am Ende des Hochschulstudiums

Allein geblieben ließ ich die drei Universitätsjahre noch einmal an meinen Augen vorüberziehen. Ich stellte mir die Frage: Wie war es möglich, daß wir so viele Hindernisse überwinden, daß wir die eingefleischten Anschauungen und den Willen vieler Tausende von Menschen besiegen, Universitätssenate niederzwingen und die Anmaßung einer feindlichen Presse brechen konnten? Hatten wir Geld besessen, um Söldner einzustellen, Zeitungen herauszugeben, Reisen zu unternehmen und einen regelrechten Krieg zu führen? Nichts besaßen wir!

Als ich mich in den ersten Kampf warf, tat ich es nicht, weil mich jemand dazu aufgefordert hätte. Ich tat es auch nicht auf eine Beratung oder einen Beschluß hin, mit dessen Ausführung man mich etwa betraut hätte. Ich tat es nicht einmal unter dem Druck eines dauernden inneren Kampfes oder tiefer Grübeleien, die mir diese Aufgabe gestellt hätten.

Nichts von alledem! Ich könnte nicht sagen, wie ich in den Kampf geraten bin. Vielleicht ging es mir so wie einem Menschen, der auf der Straße mit seinen Sorgen, Plänen und Gedanken einhergeht und plötzlich sieht, wie aus einem Hause die Flammen schlagen, und der sofort seinen Rock abwirft und den von den Flammen bedrohten Menschen zu Hilfe eilt.

Der Befehl des Herzens war es, der mich vorwärtstrieb, aus einem Instinkt der Selbstverteidigung heraus, der auch dem Wurm gegeben ist. Nicht aus persönlichem Erhaltungstrieb, sondern aus dem Trieb, das Volk zu verteidigen, dem ich angehöre.

So kam es, daß ich die ganze Zeit über die klare Gewißheit hatte, daß das ganze Volk hinter uns steht, mit allen Lebenden und den Heersäulen der für das Land gefallenen Toten, mit seiner ganzen Zukunft, daß durch uns das Volk kämpft und spricht, daß das Heer der Widersacher, möge es noch so groß sein, vor dieser geschichtlichen Ganzheit nur eine Handvoll menschlicher Überbleibsel ist, die wir zerschlagen und besiegen werden.

Aus diesem Grunde brachen unsere Gegner zusammen, an der Spitze der unüberlegte Universitätssenat, der glaubte, gegen eine Handvoll überspannter Jünglinge zu kämpfen und in Wirklichkeit sein eigenes Volk bekämpfte und traf.

Es gibt ein Naturgesetz, das jeden an seinen Platz stellt. Alle, die sich gegen die Naturgesetze empörten, von Luzifer bis in unsere Tage, alle diese Empörer, die oft sehr intelligent, aber immer ohne Überlegung waren, sind gefallen wie vom Blitz getroffen.

Im Rahmen dieses Naturgesetzes, dieser weisen Einrichtung, kann jeder kämpfen, ja, ein jeder hat das Recht und die Pflicht, für ein besseres Dasein einzutreten. Außerhalb dieser Einrichtung, gegen sie oder über sie hinweg kann niemand ungestraft und unbesiegt wirken. Das Blutkörperchen muß im Rahmen und im Dienste des menschlichen Organismus bleiben.

Empörung wäre es aber nicht nur, wenn der einzelne sich gegen den Organismus stellte, sondern auch dann, wenn er nur sich selbst im Auge halte. Wenn er nur sich selbst zufriedenstellen wollte, wenn er keinen höheren Zweck und kein Ideal fühlte, als nur sich selbst. Wenn er - mit einem Wort - sein eigener Herrgott geworden wäre.

Der einzelne hat im Rahmen und im Dienste seines Volkes zu stehen. Das Volk aber steht im Rahmen und im Dienste Gottes und der göttlichen Gesetze. Wer dies begreift, wird Sieger bleiben, selbst wenn er allein stehen sollte. Wer dies nicht begreift, muß fallen.

Von diesem Gedanken beherrscht, beendete ich mein drittes Hochschuljahr.

Was unsere Organisation betrifft, so hatten wir uns von Anfang an auf den Führergrundsatz und auf Disziplin festgelegt. Das demokratische System schafften wir ab, nicht aus kluger Überlegung oder aus theoretischen Erwägungen. Die Ablehnung aller Gedanken an Mehrheitsherrschaft und dergleichen saß uns einfach vom ersten Augenblick an im Blut. Von Anfang an habe ich immer geführt. Ein einziges Mal in drei Jahren bin ich gewählt worden: als man mich zum Vorsitzenden des Verbandes Juristischer Studenten machte. Während der ganzen übrigen Zeit wurde nicht ich zum Führer gewählt, sondern immer habe ich mir die Mitkämpfer ausgesucht. Niemals habe ich Ausschüsse gegründet, niemals über irgendwelche Vorschläge abstimmen lassen. Immer wenn ich fühlte, daß es nötig war, beriet ich mich; die letzte Entscheidung aber habe ich stets allein getroffen, und ich habe auch stets die volle Verantwortung auf mich genommen. Deshalb war unsere kleine Gruppe immer eine unzerstörbare Einheit. Lager mit geteilten Meinungen, mit Mehrheiten und Minderheiten, die sich über Vorgehen und Leitgedanken in die Haare geraten wären, gab es bei uns nicht.

Bei allen anderen war es umgekehrt. Darum sind sie auch immer besiegt worden.

Ein unerschütterlicher Glaube, der wie eine Fackel allezeit in unseren Herzen loderte und uns den Weg anzeigte, eine strenge Disziplin, Entschlossenheit im Kampfe selbst und klare, abwägende Vorbereitung des Angriffs, dazu der Segen Gottes und des Vaterlandes, dies alles hat uns in jenen drei Kampfjahren zum Siege verholfen.


Der Sommer 1922

Der Sommer 1922 brachte Unruhen. Auf den Bühnen der rumänischen Nationaltheater in den moldauischen Städten begann die Truppe „Kanapof“ Stücke in jüdischer Sprache aufzuführen. Unsere Jugend sah darin eine Gefahr: hier war der erste Anfang einer Entfremdung der Theater, die doch der nationalen und moralischen Erziehung des rumänischen Volkes dienen sollten. Verdrängt aus dem Handel, verdrängt aus der Industrie, verdrängt von der Ausbeutung der rumänischen Bodenschätze, verdrängt vom Gebiet der Presse, würden wir Rumänen auch noch erleben, von den Bühnen unserer Nationaltheater vertrieben zu werden. Die Bühne zusammen mit Schule und Kirche kann eine gesunkene Nation wieder zum Bewußtsein ihrer Rechte und ihrer geschichtlichen Sendung erwecken. Die Bühne kann ein Volk zu befreiendem Kampf vorbereiten und anspornen. Sollte uns auch diese Möglichkeit genommen werden?

Unsere Theater, die mit dem Geld und der Arbeit der Rumänen errichtet worden waren, sollten den Juden dienen, dunkle Kräfte im Kampf gegen uns aufzurufen und ihnen Halt zu geben. Andererseits aber würden sie uns Rumänen von unseren rumänischen Bühnen herab eine solche seelische und geistige Kost verabreichen, die zum Zusammenbruch und zur nationalen und moralischen Vernichtung unseres Volkes führen mußte.

Es wäre die Pflicht und Schuldigkeit der Regierung, jeder Behörde und auch der Professoren gewesen, angesichts dieses Oberfalls auf unsere Theater entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Keine Spur davon! Die Jugend allein, die bereit war, Schläge und ungezählte Beleidigungen hinzunehmen, und nirgends eine Unterstützung fand, wehrte sich so gut sie konnte.

Diese Kämpfe der Jassyer Studentengruppe um das Theater wurden in allen Städten geführt: in Husi, Vaslui, Barlad, Botosani, Pascani und anderen, und überall wurden sie von den Schülern der Gymnasien unterstützt. Sie drangen in die von Juden dichtbesetzten Theatersäle ein, schleuderten alles, was ihnen in die Hände geriet, auf die Schauspieler und vertrieben sie auf diese Weise von den rumänischen Bühnen.

Das sei unzivilisiert gewesen, werden vielleicht einige sagen. Mag es immerhin so sein. Ist es vielleicht zivilisiert, wenn ein fremdes Volk ein anderes langsam, Schritt für Schritt, von allen seinen Gütern verdrängt? Ist es vielleicht zivilisiert, wenn diese fremde Nation eine Kultur vergiftet? Hatten die Mittel, die von den Juden in Rußland angewandt wurden, mit Zivilisation etwas zu tun? Ist es zivilisiert, Millionen von Menschen ohne irgendein Gerichtsverfahren abzuschlachten? Ist es zivilisiert, Kirchen anzuzünden oder in Kabarette umzuwandeln?

Jeder muß sich gegen solche Überfälle wehren, soweit es seine schwachen Kräfte nur irgend zulassen. Durch die Presse, wenn er eine besitzt; mit Hilfe der Behörden, wenn sie noch rumänisch sind; mit dem Wort, wenn es jemand hört; schließlich aber mit der Gewalt, wenn alle schweigen und nichts anderes mehr übrigbleibt. Feige und unwürdig ist derjenige, der aus Käuflichkeit oder Feigheit sein Land nicht verteidigt.

Wie man es nun auch nennt, der Kampf war ein flammender Protest. Es war der einzige Protest inmitten eines feigen, furchtbaren Schweigens. Am nächsten Tag kehrten die Kameraden mit Wunden und Beulen bedeckt zurück, denn es ist wahrlich keine Kleinigkeit, als kleine Gruppe von 15 jungen Leuten in ein Theater, in dem 3-4000 Juden sitzen, einzudringen. Vor allem aber kehrten sie überhäuft mit Schimpf und Spott durch die eigenen, rumänischen Volksgenossen heim.

Oftmals frage ich mich: Was war es, das unsere kleine Gruppe angesichts so vieler Schläge und Beschimpfungen, die von überall kamen, aufrecht hielt? Von keiner Seite erhielten wir irgendwelche Hilfe. In diesem Kampf gegen alle Welt fanden wir die Kraftquelle in uns selbst, in unserem festen Glauben, uns auf der Linie unserer nationalen Geschichte zu befinden, an der Seile aller jener, die für unser Volk und Vaterland gekämpft und gelitten haben und als Märtyrer gefallen sind.


In Deutschland

Im Herbst des Jahres 1922 kehrte ich nach Jassy zurück. Dort machte ich den Kameraden meinen langgehegten Wunsch bekannt, nach Deutschland zu fahren, um dort mein volkswirtschaftliches Studium zum Abschluß zu bringen und zugleich auch, wie wenig es auch sei, unsere Ideen und unsern Glauben nach außerhalb zu tragen. Aus unserer gründlichen Beschäftigung mit der Judenfrage hatten wir klar erkannt, daß die Judenfrage einen internationalen Charakter hat, und daß folglich auch die Bekämpfung des Judentums nach einem gemeinsamen internationalen Plan erfolgen muß, daß eine völlige Lösung dieses Problems nur durch ein gemeinsames Vorgehen aller christlichen Völker, die die Judengefahr erkannt haben, erreicht werden kann.

Nun besaß ich weder Geld noch Kleider. Die Kameraden verschafften mir einen Anzug und liehen von Ing. Grigore Bejan 8000 Lei, die sie in monatlichen Raten abzahlen wollten, indem ein jeder von ihnen nach besten Kräften beitrug. Mit dem geliehenen Gelde, rund 200 Mark, fuhr ich nach Berlin, von den Kameraden zum Bahnhof geleitet, die daheim blieben, um weiterzukämpfen.

In Berlin angekommen, waren mir zwei Freunde, die Studenten Balan und Zotta, sehr behilflich. Ich ließ mich an der Berliner Universität immatrikulieren. Am Immatrikulationstage legte ich meine rumänische Nationaltracht an und erschien so zu dieser erhebenden Feier, wo der Rektor nach allem Brauch jedem neu eingeschriebenen Hörer die Hand drückt. In meiner rumänischen Nationaltracht war ich in den Sälen der Universität der Mittelpunkt einer allgemeinen Neugierde.

Den Leser dieser Zeilen werden besonders zwei Fragen über das Deutschland des Jahres 1922 interessieren: einmal die damalige Gesamtlage des Reiches und dann der Stand der antisemitischen Bewegung.

Die Wunden, die der kaum beendete Weltkrieg geschlagen hatte und die Deutschland auf die Knie gezwungen hatten, bluteten. Wirtschaftliches Elend lag über Berlin und dem ganzen Lande. Ich erlebte den rasenden und katastrophalen Sturz der Mark. Es mangelte an Brot. Es mangelte an Nahrungsmitteln. Es mangelte an Arbeit in den Arbeitervierteln. Hunderte von Kindern irrten durch die Straßen und flehten die Vorübergehenden um Hilfe an. Leute, die Geld und Gut besessen hatten, waren in wenigen Tagen zu Bettlern geworden.

Die aber Boden und Häuser besaßen und sie in der Hoffnung auf ein gutes Geschäft und einen Riesengewinn verkauften, waren in einigen Wochen völlig verarmt. Das jüdische Kapital des In-und Auslandes machte Bombengeschäfte. Mit einigen hundert Dollar wurde man Eigentümer von ganzen Häuserblocks mit über 50 Wohnungen. Auf allen Straßen wimmelte es von jüdischen Maklern, die niederträchtige Geschäfte machten.

Leidensgenossen dieses großen Elends waren auch einige Ausländer, zu denen auch ich mich zählen konnte, da ich keinen Pfennig besaß. Die allgemeine Not veranlaßte mich, Berlin kurz vor Weihnachten zu verlassen und nach Jena überzusiedeln, wo das Leben billiger war. Dort machten der Geist der Disziplin, die Arbeitskraft des deutschen Volkes, sein Pflichtgefühl, seine Genauigkeit, seine zähe Widerstandskraft und sein Glaube an bessere Tage, trotz allem Jammer und aller Not, in der es sich befand, einen tiefen Eindruck auf mich. Es ist ein kraftvolles, gesundes Volk. Ich sah, daß es nicht gewillt war, sich zu Boden schlagen zu lassen, sondern daß es trotz allen Schwierigkeiten, die wie Felsen auf ihm lasteten, mit ungeahnten Kräften zu neuem Leben auferstehen würde.

Was nun die antisemitische Bewegung anbelangt, so gab es damals in Deutschland mehrere politische und rein geistig-wissenschaftliche, judengegnerische Organisationen mit zahlreichen Zeitungen, Flugschriften und Abzeichen. Alle aber waren schwach. Die Studenten von Berlin und Jena verloren sich in Hunderten von Vereinen und zählten nur sehr wenig Antisemiten in ihren Reihen. Die breite Masse der Studenten kannte dies Problem noch kaum. Von einer großen antisemitischen Bewegung unter den Studenten, oder wenigstens von einer geistigen Erfassung dieses Problems, wie wir es in Jassy versucht hatten, war hier keine Rede. Ich hatte in Berlin im Jahre 1922 viele Aussprachen mit Studenten, die heute bestimmt begeisterte Nationalsozialisten sind. Und ich bin stolz darauf, ihr Lehrer in antisemitischen Fragen gewesen zu sein. Was ich an festen Wahrheiten und Erkenntnissen in Jassy gesammelt hatte, das gab ich nun an sie weiter.

Von Adolf Hitler hörte ich zum erstenmal Mitte Oktober des Jahres 1922. Ich verkehrte damals bei einem Arbeiter im Norden Berlins, der Hakenkreuze anfertigte. Wir standen in guten Beziehungen zueinander. Er hieß Strumpf und wohnte in der Salzwedeler Straße 3. Er sagte eines Tages zu mir: „Man hört von einer antisemitischen Bewegung, die von München ihren Ausgang genommen hat. Ihr Kopf soll ein junger 33jähriger Maler, namens Hitler, sein. Ich habe den Eindruck, dieser Mann ist es, auf den wir Deutsche schon lange warten.“ Was dieser Arbeiter damals erschaute, ist in Erfüllung gegangen.

Ich bewundere heute noch seinen vorausschauenden, sicheren Instinkt, der es ihm möglich machte, gleichsam mit den Fühlern seiner Seele, unter Millionen Menschen und ohne ihn gekannt zu haben, schon zehn Jahre vorher den Mann herauszufinden, der im Jahre 1933 den herrlichen Sieg erringen und das gesamte deutsche Volk unter seinem großen Befehl allein einigen sollte.

Ebenfalls in Berlin und fast zur gleichen Zeit hörte ich vom gewaltigen faschistischen Aufbruch: dem Marsch auf Rom und dem Sieg Mussolinis. Ich freute mich darüber, als wäre es ein Sieg meines Vaterlandes. Es besteht ein festes Band der Sympathie zwischen allen denen, die unter verschiedenen Himmelsstrichen ihren Völkern dienen, wie auch eine enge Verbindung zwischen allen denen besteht, die an der Vernichtung der Völker arbeiten.

Der Held Mussolini, der den giftigen Drachen mit dem Fuße zertrat, gehörte zu unserer Welt. Darum stürzte auch die Hydra über ihn her und schwur ihm den Tod. Für uns andere war er ein strahlender Stern, der uns mit froher Hoffnung erfüllte. Fr war uns der lebendige Beweis dafür, daß die Hydra bezwungen werden kann, eine Bestätigung unserer eigenen Siegesaussichten. „Ihr freut euch zu früh. Mussolini ist nicht antisemitisch“, zischte uns die jüdische Presse ins Ohr. Sorgt euch nicht um unsere Freude; wir aber fragen euch: Weshalb ärgert euch sein Sieg so sehr, da er doch nicht antisemitisch ist? Warum richtet die Judenpresse der ganzen Welt so heftige Angriffe gegen ihn? Wenn Mussolini in Rumänien lebte, müßte er unbedingt antisemitisch sein, denn sein Faschismus bedeutet in erster Linie: Verteidigung des eigenen Volkes gegen alle Gefahren, die es umlauern. Er bedeutet die Beseitigung aller dieser Gefahren und die Erschließung des freien Weges, der das Volk zu arteigenem Leben und stolzer Größe führt. In Rumänien könnte der Faschismus nichts anderes bedeuten als die Beseitigung aller Gefahren, die das rumänische Volk bedrohen. Das heißt aber, Beseitigung der jüdischen Gefahr und Erschließung des freien Weges zu Leben und Größe, worauf die Rumänen ein Recht haben.

Das Judentum ist in der Welt durch die Freimaurerei und in Rußland durch den Kommunismus zur Macht gelangt. Mussolini hat in seinem Lande diese beiden Köpfe der jüdischen Hydra zerschmettert, die Italien mit dem Tode bedrohten. Dort ist also das Judentum durch die Vernichtung der Stellungen, die es innehatte, getroffen worden. Bei uns müssen ebenfalls seine Bollwerke zerschlagen werden: die jüdische Masse, der Kommunismus und die Freimaurerei. Diese Gedanken setzen wir, die rumänische Jugend, im allgemeinen den jüdischen Versuchen entgegen, uns die Freude über den Sieg Mussolinis zu verleiden.


DIE STUDENTENBEWEGUNG

Der 10. Dezember 1922

Ich befand mich noch in Jena, als mich die Nachricht erreichte, daß sich die gesamte rumänische Studentenschaft aller Universitäten zum Kampf erhoben hatte. Diese unverhoffte, geschlossene Kundgebung der rumänischen Jugend war wie ein vulkanischer Ausbruch aus den Tiefen des Volkes. In Klausenburg begann es, im Herzen Siebenbürgens, das immer wieder die entscheidende Stellung bezog, wenn die Nation durch schwere Stunden ging. Dann brach die Bewegung fast gleichzeitig auf allen Universitäten machtvoll hervor.

Am 3. und 4. Dezember gab es in Bukarest, Jassy und Czernowitz große Straßenkundgebungen. Die gesamte rumänische Studentenschaft stand auf wie in der Stunde einer großen Wende. Zum tausendsten Male warfen diese Rasse und dieser Boden, der im Laufe der Jahrhunderte so oft bedroht gewesen war, ihre Jugend der Gefahr entgegen, um wieder einmal die eigene Existenz zu retten.

Es war ein großer Augenblick allgemeiner Begeisterung, ohne vorherige Vorbereitung, ohne irgendein Für und Wider, ohne Beschlüsse, die man in Ausschüssen gefaßt hätte, ohne daß die Studenten aus Klausenburg die aus Jassy, Czernowitz und Bukarest auch nur gekannt hätten. Wie eine Erleuchtung kam es über alle, wie ein Blitz in dunkler Nacht, der vor die Augen der gesamten Jugend die Lebenslinie ihres Volkes stellte. Diese Linie geht klar und hell durch unsere ganze Geschichte und setzt sich ungebrochen fort in die Zukunft unseres Volkes. Sie zeigt uns den Weg des Lebens und der Ehre, den wir beschreiten müssen, wir und unsere Nachkommen, wenn wir Leben und Ehre für unser Volk wollen.

Alle Geschlechter müssen sich irgendwie an dieser Linie ausrichten. Sie können sich ihr nähern oder sich von ihr entfernen. Je nachdem werden sie auch ihrem Volk ein Höchstmaß an Lebenskraft und Ehre oder ein Höchstmaß an Ehrlosigkeit und Schande bereiten.

Es kommt vor, daß sich zu dieser höchsten Lebenslinie nur einzelne erheben, daß ihre Generation ihnen nicht folgt. Dann sind allein sie das Volk. Sie erheben die Stimme in seinem Namen, denn auf ihrer Seite stehen die Millionenheere der Toten und Märtyrer der Vergangenheit, und auf ihrer Seite steht das kommende neue Leben des Volkes.

Hier zählt nicht die