EISERNE GARDE


Corneliu Codreanu


Corneliu Codreanu | 1899 - 1938

Zum 70. Todestag von Corneliu Codreanu


INHALTSÜBERSICHT

VORWORT

An die  Legionäre

DER EINTRITT INS LEBEN

Im Dobrina-Wald, März 1919
Auf der Universität Jassy, Seplember 1919
Eine Revolution wird vorbereitet
Die Garde des nationalen Bewußtseins
Constantin Pancu
Wir besetzen die Tabakregie
Die Trikolore weht über den Nicolina-Werken
Der national-christliche Sozialismus. Die nationalen Gewerkschaften
Die „Führer“ der rumänischen Arbeiterschaft
Die Haltung der jüdischen Presse
Der erste Studenten-Kongreß nach dem Krieg in  Klausenburg
Die Eröffnung der Universität Jassy im Herbst 1920
Das Universitätsjahr 1920/21
Für immer von der Universität Jassy ausgeschlossen
Das Dekanat der Juristischen Fakultät
Vorsitzender des Verbandes Juristischer Studenten
Der Besuch an der Czernowitzer Universität
Die Gründung der „Vereinigung Christlicher Studenten“
Am Ende des Hochschulstudiums
Der Sommer 1922
In Deutschland


DIE STUDENTENBEWEGUNG

Der  10. Dezember 1922


DIE JUDENFRAGE

Die Zahl der Juden
Das Problem des rumänischen Bodens
Das Problem der Städte
Das Problem der rumänischen Schule
Das Problem der führenden Schicht Rumäniens
Das Problem der nationalen Kultur
Rückkehr in  die Heimat
In Bukarest
In Klausenburg
Gründung der „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“
Der 4. März
Andere antisemitische und nationale Organisationen
Meine Tätigkeit in der Sludentenbewegung und in der Liga
Die Zuerkennung der politischen Rechte an die Juden
Meine erste Verhaftung
Der Generalstreik der Studentenschaft
Die Pläne des Judentums gegenüber dem rumänischen Volk und Boden
Die Verschwörung des Judentums gegen Blut und Boden
Die Pläne der Juden gegen die Studentenbewegung
Haltung und Argumente der Juden
Die Führerberatung der Studentenbewegung
Der Kimpolunger Gautag der „Liga“
Die Studenten-Verschwörung im Oktober 1923
Außerhalb der  Kerkermauern
Gedanken um ein neues Leben
Die Bestrafung des Verräters und der Prozeß
In Jassy


EIN JAHR HARTER PRÜFUNGEN / Mai 1924 - Mai 1925

Für unser neues Heim
Das erste Arbeitslager, Mai 1924
Ein neuer Schlag
Niedergeknüppelt
Im Arbeitszimmer des Präfekten
Auf dem Rareu
Der Versuch, unsere feste Gemeinschaft zu zerschlagen
Verlobung
Der Prozeß Motza-Vlad
Die Öffentlichkeit zu den Ereignissen in unserem Garten
Der Unglückstag: der 25. Oktober
Hungerstreik
Allein in Galata
Verlegung des Prozesses nach Focsani
In Turnu-Severin
Die Verhandlung
Nach Jassy
Meine Hochzeit
Zu neuer Arbeit
Gefahren, die einer politischen Bewegung drohen
Wer soll eine Bewegung führen?
Eine Gewissensfrage
Studium in Frankreich
In Grenoble
Parlamentswahlen, Mai 1926
In den Alpen
In Bukarest. Zusammenbruch der Liga
Was war geschehen?
Unser Eingreifen


DIE LEGION „ERZENGEL MICHAEL“

Die Gründung
Die Materie
Das Geistige
Gegen die Niedertracht
Die ersten Anfänge unseres Legionärlebens
Unser Programm
Bilder aus dem öffentlichen Leben Rumäniens
Gedanken um Welt und Zukunft
Die Entwicklungsstufen der Legion
Selbstlosigkeit im Kampf
Zucht und Liebe
Der Kampf um den Bestand unserer Zeitung
Die nationale Bewegung und die Diktatur
Die ersten Anfänge unserer Organisation
Der Eid der ersten Legionäre
Eine neue Schlacht
Frage der Geldmittel
Sommer
Im Kampf mit Sorge und Not
Professor Gavenescul empfängt die heilige Erde der Ahnen
Der 3. und 4. Januar 1929


DER WEG IN DIE VOLKSMASSEN

Bei den Motzen in Siebenbürgen
Sommer 1929
Unser Entschluß, ins Volk vorzustoßen. 15. Dezember 1929
In Maros-Ludos in Siebenbürgen
In Bessarabien
Wieder in Bessarabien
Unruhen in der Provinz Maramuresch
Der Maisch nach Bessarabien. 20. Juli 1930
Die Auflösung der Legion „Erzengel Michael“ und der ,,Eisernen Garde“
Die Verhandlung am 27. Februar 1931
Die Legionärsbewegung zum ersten Male im Wahlkampf!
Der Kampf von Neamlz


DEMOKRATIE GEGEN NATION

Im Parlament
Einiges von der Demokratie
Wahl, Auslese und Erblichkeit
Der Einzelne, die Volksgemeinschaft, die Nation
Das Volk
Die Monarchie und ihr Gesetz
Die Schlacht von Tutova
Die abermalige Auflösung der „Eisernen Garde“
Neuwahlen im ganzen Lande Juli 1932
Zum zweitenmal im Parlament


IM TROMMELFEUER DER VERLEUMDUNGEN

„Eine anarchistische und terroristische Bewegung“
„Im Dienste fremder Staatsmächte!“
„Sie werden von Hitler bezahlt!“
Der Damm  von Visani


NACHWORT

Die Partei „Alles für das Vaterland“
Die rumänische Kirche
Gefallen für die Idee
Der Aufbruch der Legion
Der Mordplan gegen Codreanu
Der Staatsstreich vom 12. Februar 1938
Auf Befehl schuldig gesprochen
Am 30. November 1938
Corneliu Zelea Codreanu

DIE GEFALLENEN SEIT 1933

JULIUS EVOLA. MEINE BEGEGNUNG MIT CODREANU

MÄRSCHE DER EISERNEN GARDE (MP3)

E-BOOK


Corneliu Codreanu | Eiserne Garde auf Velesova Sloboda

Wenn Sie eine eigene Website oder ein Blog führen und Codreanus Eiserne Garde im deutschschprachigen Raum verbreiten möchten,
dann veröffentlichen Sie bitte dieses Banner mit dem Verweis auf Eiserne Garde. Danke!

Um das Banner auf Ihrer Website zu veröffentlichen, kopieren Sie einfach diesen Code (Copy & Paste):


Corneliu Codreanu | Eiserne Garde auf Velesova Sloboda


Codreanu | Eiserne Garde | Titelseite

Für die rumänischen Ortsnamen
wurde die in Deutschland gebräuchliche Form gewählt.
Alle Rechte vom Verlag gewahrt Printed in Germany
Copyright 1939 by Brunnen-Verlag / Willi Bischoff / Berlin
Druck: Poeschel
& Trepte, Leipzig.


Der vorliegende Band enthält die Erzählung
meiner Jugendzeit vom 19. bis zum 34. Lebensjahre,
mit ihren Gefühlen, Bekenntnissen, Gedanken, Taten
und Fehlern.

CORNELIU ZELEA CODREANU

Rechtschreibung wie im Original beibehalten!


VORWORT ZUR WELTNETZAUSGABE

Corneliu Zelea Codreanu (1899-1938)
Mann und Mythos

Seit Jahren nimmt das Interesse am Gründer und Führer der Legion Erzengel Michael (ab 1930: Eiserne Garde, Garda de fier) zu. Codreanus postume Strahlkraft greift dabei weit über Rumänien hinaus und hat Nationalisten in ganz Europa erfaßt und auf sein Leben und Werk aufmerksam werden lassen. Es bahnt sich – soweit man diesen Vergleich als nahe liegend ansehen möchte – eine ähnliche Entwicklung wie hinsichtlich des Ernesto „Che“ Guevara (1928-1967) an, der zum Idol der Linken geworden ist, und zwar unter Vernachlässigung des kulturellen Kontextes in dem dieser wirkte.

Man kann den Capitan, wie Codreanu von seinen Anhänger ehrfurchtsvoll genannt wurde, nur in Zusammenhang mit der von ihm gegründeten und unter größten Schwierigkeiten aufgebauten Organisation deuten und verstehen. Der am 24. Juni 1927 in Jassy (Iasi) gegründeten Legion Erzengel Michael und der daraus hervorgehenden Eisernen Garde, oftmals zusammenfassend als Legionärsbewegung bezeichnet, galt sein Leben, ihr allein wies er die Aufgabe der Errettung des Vaterlandes aus Krise und Chaos zu. Es ist bezeichnend, daß die Eiserne Garde, sobald diese ohne seine Führung sich mehr und mehr zu einer bloß politischen Kraft entwickelte, den Weg des Scheiterns ging. Codreanus Märtyrertod in einem Waldstück an der Landtrasse Ploesti-Bukarest wurde zwar, wie hundertmal verhießen, vom Schicksal mit dem Sieg der Legionärsbewegung belohnt, die 1940 zusammen mit den Militärs unter General Ion Antonescu (1882-1946) Rumänien als „national-legionärer Staat“ regierte und das Erbe ihres Führers wach zu halten und seinen Prinzipien zu folgen versuchte. Die Verstrickung in das Spiel der Macht, das sich immer mehr durchsetzende Verständnis von der Organisation als politischer Machtfaktor und weniger als Kraft spiritueller Erneuerung mußte jedoch zwangsläufig zum Niedergang der Legion und ihrer fast völligen Vernichtung führen. Diese geschah 1941, als Codreanus Nachfolger Horia Sima (1906-1993), die erreichte Machtverteilung im Staat völlig unterschätzend, einen Aufstand gegen die Militärs wagte und ein Blutbad anzettelte. In diesen Tagen sinnlosen Bruderkriegs wurde das Erbe Codreanus, längst nicht mehr in vollem Umfang gewürdigt und als Verpflichtung verfolgt, im profanen Machtkampf verspielt. Der Capitan hatte bereits 1937 weitsichtig vor einem Sieg der Eisernen Garde als bloßem Machterwerb und Machtverteilung gewarnt, dies den Märtyrertod der vielen Legionäre vor Augen, den er als eherne und heilige Verpflichtung empfand. Dieser Sieg nämlich, konnte und mußte nur als Gestaltungsaufgabe zur Errettung des Volkes betrachtet werden, der sich unter den gleichen Gesetzen zu entfalten sollte, die die Eiserne Garde hatten groß werden, schließlich siegen und ehrenvoll triumphieren lassen. Dazu der Capitan: „So oft wir Angesicht zu Angesicht eines legionären Opfers standen, sagte ich mir: Wie furchtbar wäre es, wenn sich über dem heiligen und höchsten Opfer der Kameraden eine siegreiche Kaste erheben würde, der sich die Tore öffnen würden zu einem Leben der Geschäfte, der Coups, der Diebstähle, der Völlerei und der Ausbeutung anderer. Das würde bedeuten, daß die einen starben, um den Trieben der Bereicherung, des bequemen Lebens und des Lasters anderer zu dienen (…) Ihr, die Ihr die ersten Anfänge dieser Elite repräsentiert, werdet Euch auf Eid verpflichten, Euch in solcher Weise zu betragen, daß Ihr wirklich der gesunde Anfang einer großen Zukunft werdet und daß Ihr die ganze Legionärsbewegung zu beschützen habt, auf daß sie nicht in die Abwege der Geschäfte, des Luxus, des Wohllebens, der Unmoralität, der Befriedigung persönlicher Ambitionen oder des menschlichen Größenwahns abgleitet.“ (12. Februar 1937)

Wie sind, über diese klare und strikte Mahnung hinaus, das geistige Erbe und die Prinzipien Codreanus zu verstehen?

Codreanu wollte die vollständige Macht, um revolutionär gestalten zu können. Er wollte diese jedoch nicht durch eine Überrumpelung oder durch einen Putsch gegen die Machthaber jedweder Couleur. Der heilige Sieg sollte am Ende eines durchdringenden und nachhaltigen Wachstums stehen und die Grundlage zu Höherem bilden.

Dazu führte er aus: „Die Legionärsbewegung kann nur durch die Vollendung eines innerlichen Gewissensprozesses unseres Volkes siegen (…) Der Sieg, den wir auf diese Weise erwarten ist so groß, so glänzend, daß wir es niemals hinnehmen könnten, ihn durch einen billigen und vergänglichen Sieg zu ersetzen, entstanden durch Komplott oder Staatsstreich.“ Den Mächtigen, den korrupten Staatsparteien und der dekadenten Königsclique, rief er, eingedenk dieser auf einen heiligen Sieg in der Ferne ausgerichteten Haltung, trotzig und zugleich mutig zu: „Nun aber, nach zehn Jahren, können wir die Bilanz all dieser Machenschaften, Quälereien, Erniedrigungen und Vernichtungsversuche ziehen und unsere Feinde fragen: Was habt ihr durch eure zehnjährigen Machenschaften erreicht? Wir sind eine Million! Wo ist euer Sieg? Und wo wird euer Sieg sein? Denn wenn ihr auch Fünf nicht überwinden konntet, wie wollt ihr zweihunderttausendmal Fünf vernichten?“ (18. Juni 1937).

Im Mittelpunkt stand dabei der Omul nou, der neue Mensch. Dieser sollte in den Reihen der Garde zielgerichtet erschaffen werden und heranwachsen, Träger eines neuen Bewußtseins und damit Garant für die unwiderrufliche Umgestaltung der Gesellschaft unter der Führung Codreanus sein. Dieser neue „heldische, adlige Mensch“ (Eiserne Garde, 1939, S.276), legionärer Kämpfer und Führer seines Volkes, mußte jedoch erst in den Reihen der Bewegung erzogen werden, sich schließlich einer neuen Elite zur Verfügung stellen und als Lebensinhalt nur die Errettung des Volkes und Vaterlandes kennen. In einem bemerkenswerten Artikel über Codreanu und die Legion heißt es hierzu sehr treffend: „Codreanu verfolgte eine Langzeitstrategie: er wollte erst einen Heldentypus schaffen, der das Fundament einer neuen Gesellschaft bilden sollte. Dies wäre ihm möglicherweise sogar gelungen, wenn er die Zeit und die weltpolitisch wirklichen Mächtigen auf seiner Seite gehabt hätte. Die Praktizierung des bewußten Opfers wurde im Jahre 1933 perfektioniert: immer mehr junge Legionäre fielen im ungleichen Kampf mit den völlig entfesselten skrupellosen Staatsorganen. Um die Wahlpropaganda [die Eiserne Garde war als politischer Arm der Legion gegründet worden. Den Weg der Teilnahme an Wahlen beschritt Codreanu anfangs nur mit größtem Bedenken, wurde sich dann aber bewußt, daß nur auf diesem Wege das weitere Wachsen und Vordringen der Bewegung in ganz Rumänien sicher zu stellen war – H.O.] effektvoller gestalten zu können, wurde eine neue Truppe geschaffen, die ordensgleich, mit hohen Auflagen (unverheiratet, fest im Glauben erprobte Kämpfer) ihren passionierten Dienst versah – die ‚Echipa Mortii’. Der Terminus bedeutet (ähnlich den Gladiatoren) ‚Jene, die den Tod nicht fürchten’ (…) Die ‚Echipa Mortii’ waren alles andere als Terroristen, unbewaffnet stellten sie sich in Todesverachtung dem Gegner. Sie bildeten somit eine spirituelle Elite innerhalb der Elite, sie waren ein Beispiel übernatürlichen Heldentums“. [Neue Ordnung 2/2004]

Der Aufbau einer wirklichen heldenmütigen Elite, die Gestalt und Wesen eines Ordens besaß, ist wohl einer der großen Errungenschaften, die Codreanu noch zu Lebzeiten verwirklichte. Hier muß auch noch an den Orden Mota und Marin (benannt nach den Spanienkämpfern und Legionären der ersten Stunde, Ion Mota und Vasile Marin, gefallen im Januar 1937) erinnert werden, der ganz bewußt als erster geistlicher Ritterorden der Neueren Geschichte gegründet und unter ähnlich strikten Zugangsbedingungen der auf den Wahlkampf ausgerichteten Echipa mortii zur Seite gestellt wurde. Die Märtyrer sollten wegweisendes und leuchtendes Beispiel sein und veranlaßten Codreanu zum erbitterten Kampfruf: „Ihr aber, Legionäre aus diesem ganzen Lande der verfaulten Politiker, wisset, daß das Geheimnis Eures Sieges in der Geste dieser Kameraden liegt: wie sie werdet Ihr, alle bereit zum Tode, die Machenschaften zahlloser Schurken überwinden. Womit wollen sie uns besiegen? Womit?

Da wir bis zum letzten Legionär bereit zum Tode sind?“ (8. Januar 1937) 

Der große Philosoph Julius Evola, der Codreanu zweimal in Bukarest zu einer Aussprache traf, war insbesondere vom wiederbelebten Ordensgedanken und dem Wirken des von ihm so vehement geforderten adeligen Geistes in diesem, stark beeindruckt. Dieses Wiedererwachen, das Evola als Rückkehr zu den essentiellen Kulturmustern des Indogermanentums ansah, stellte er bei dieser Bewegung der Neuzeit mit Befriedigung fest.

Gerade weil es sich bei Codreanu eher um einen „religiösen Mystiker“ (Stanley Payne) als um einen politischen Führer bzw. Ideologen handelte, der mit seiner Bewegung „geistige und transzendentale Endziele“ statt kleinmütiger politischer Veränderungen verfolgte, ist die akademisch zweckmäßige Einordnung der Eiserne Garde als faschistischer Bewegung, so zutreffend diese hinsichtlich gewisser ihr innewohnender Phänomene auch sein mag, jedoch verkürzt und stößt in ihrer Aussagekraft an Grenzen. Der deutsche Historiker Ernst Nolte geht in seinem Standartwerk „Der Faschismus in seiner Epoche“ [Zu beachten ist insbesondere die Neuausgabe des Standardwerkes im Jahr 2003: Ernst Nolte: Faschismus. Von Mussolini zu Hitler – Mythos und Realität: Texte, Bilder, Dokumente. Edition Antaios. Schnellroda] explizit auf Codreanu ein, in einer früheren Ausgabe heißt es über den Capitan und seine Bewegung: „Aber nicht nur zum Freunde, sondern auch zum Gegner zeigen die Faschismen ein tief ambivalentes Verhältnis. Am wenigsten trägt ein Mann wie Codreanu die Züge des Gegners im eigenen Gesicht. Hitlers >>Weltanschauung<< ist dagegen unter gewissen Gesichtspunkten nichts anderes als ein Spiegelbild der jüdischen Auffassung, wie er sie sich vorstellte. Und Mussolini war vor dem Ersten Weltkrieg einer der wichtigsten Persönlichkeiten des europäischen Sozialismus gewesen: die Nachwirkung von 15 marxistischen Jahren läßt sich bei ihm auf Schritt und Tritt aufzeigen[Ernst Nolte: Der Faschismus in seiner Epoche. Action francaise. Italienischer Faschismus. Nationalsozialismus. 5. Aufl. 2000. S.50].

An Noltes Deutung, dem die religiöse Dimension fern lag, zeigt sich aber bereits, daß es sich beim rumänischen Faschismus um etwas genuin anderes, nicht mit akademischen Schemata genau zu erfassendes Phänomen handelte. Zwar war Codreanu politisch unbestritten ein Kind der großen anti-modernen und national-sozialistischen Strömungen der Zeit; sehr genau erfaßte er noch als junger Führer der nationalen Studentenbewegung die ersten großen politischen Eruptionen dieser Strömung (Gründung der Fasci di combattimento durch Benito Mussolini in Mailand 1919, Marsch auf Rom 1922, Hitler-Putsch in München 1923, Machtergreifung der NSDAP 1933) und begrüßte diese, jedoch muß festgehalten werden, daß er ganz zielstrebig einen eigenen Weg verfolgte, der eben nicht als „nur politisch“ angesehen werden darf. Es ist geradezu bezeichnend, daß die Feinde der Eisernen Garde dieser in erster Linie nicht ihre Politik vorwarfen, sondern sie als „anarchische und archaische Bewegung“ verdammten. Viele erkannten mit Schaudern die anti-moderne Sprengkraft, die dieser neuen spirituellen Kraft bereits von Beginn an innewohnte. Die legionäre „Heterodoxie“ (= Wirken vieler religiöser Lehren) [Stanley Payne], das Zusammenfließen verschiedener mehr spirituell-religiöser als politischer Substrate ist somit das unbedingt neue, daß so, wenn überhaupt, nur in weitaus geringerem Maße bei den anderen Faschismen zu beobachten ist (auch wenn es hier ähnliche, allerdings nur zaghafte Nebenentwicklungen gab, wie z.B. die Gründung der „mystischen Schule des Faschismus“ in Italien, der Ordensgedanke der SS oder das SS-Ahnenerbe im Deutschen Reich).

Auf dieser Spur befinden sich bereits viele Deuter der Legionärsbewegung, so heißt es in einer Rezension der deutschen Neuausgabe des Handbuchs für die Nester [2006, Regin-Verlag]: „Der ‚Stil des Lebens’, der der durch die ‚innere Hierarchie’ im einzelnen Legionär, wie in der kleinsten gemeinschaftlichen Einheit, dem ‚Nest’, und schließlich im gesamten Volk ausgeprägt wird, ist im Falle Rumäniens, nach Terracciano [vgl. Claudio Terracciano: Vorwort zu der italienischen Ausgabe des Handbuchs für die Nester. Edizioni di Ar. 1981] durch nicht weniger als fünf religiöse Traditionen geprägt: das orthodoxe Christentum, der Zoroastrismus, der römische Mithraskult, der Schamanismus und der Islam [!]. Daß diese spirituellen Elemente, die im Verlauf der Jahrhunderte Dakien geprägt haben, sich ergänzen und schließlich in einem einzelnen Mann ihre abschließende Synthese finden konnten, ist nur im Geist der ‚integralen Tradition’ erklärbar und wird Anhängern eines sterilen völkischen Isolationismus immer unbegreiflich sein. Die seltene Qualität der Eisernen Garde ist jedoch das Beispiel einer „gleichsam totalen, vollständigen, eindeutigen Hingabe an eine Idee und an den Führer, der sie inkarniert“ [Quelle: eisernekrone.blogspot.com, 2006]. Diese Deutung unterstreicht den Ansatz, die Legionärsbewegung zuerst als spirituelle Kraft anzusehen, die ganz deutlich auch auf vorchristlichen Glaubensinhalten und Anschauungen fußt. Nehmen wir noch den bereits erläuterten Ordensgedanken hinzu, der uns an die Ritterorden des Hoch- bzw. Spätmittelalters erinnert (Gründung des Templerordens 1128), dann sehen wir einen mächtigen geistig-ideellen Strom vor uns, der aus vielen erhabenen europäischen Quellen gespeist, sich über die Gestaltungs- und Integrationskraft eines Mannes zur reißenden Urgewalt entwickelte und dabei fähig wurde, die morschen Geistesgebäude der Moderne hinweg zu reißen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu einer genauen Überprüfung der These Terraccianos ansetzen, dafür fehlen mir die religionswissenschaftlichen Kenntnisse und der Platz, den ein Vorwort nicht über Gebühr beanspruchen sollte.

Jedoch ist es hier angebracht, zusätzlich und ausführlich auf drei ganz wesentliche Lehren Codreanus näher einzugehen: Seine Idee von der Nation bzw. dem Volk, den zwei sich gegenüberstehenden Sphären des Lebens, und vom Kriege, den er als spirituelle Herausforderung begriff. Über das Volk äußerte Codreanu in Eiserne Garde: „Das Volk aber steht im Rahmen und im Dienste Gottes und der göttlichen Gesetze“ und „das Land ist das unveräußerliche und unübertragbare Eigentum des rumänischen Volkes (…) In grauer Vorzeit hat dieser Boden uns [das Volk - H.O.] geboren zugleich mit seinen Eichen und Tannen. An diesen Boden sind wir gekettet, nicht nur durch unser tägliches Brot und unser ganzes Dasein (…) sondern durch die Gebeine der Ahnen, die in seiner Tiefe ruhen. Alle unsere Vorfahren ruhen in ihm. All unsere Erinnerungen, all unser Kriegsruhm, unsere ganze Geschichte ist mit diesem Boden verknüpft und wurzelt in ihm.“ (Eiserne Garde, 1939, S.70). Volk und Raum sind für Codreanu Bestandteile einer höheren göttlichen Ordnung und Schöpfung und damit keine Zufallsprodukte einer ziellosen Geschichte. Das Volk umfaßt die Lebenden und Toten, die Ahnen. Es dehnt sich demnach als göttliche Körperschaft vom Diesseits ins Jenseits aus, wobei der Boden, den das Volk durch seine Existenz und seinen Habitus in einen Kulturraum verwandelt hat auch als Medium, als Speicher des kollektiven Bewußtseins fungiert, verbunden mit den auf ihm Lebenden durch den göttlichen Geist. Erst vor diesem Hintergrund wird deutlich, welche Tiefe die Ideen des Führers der Eisernen Garde besaßen und warum sein Kampf sich so und nicht anders gestaltete.

Des weiteren interessant sind Codreanus Ausführungen gegenüber Julius Evola (ca. 1936): „Da sind zwei Aspekte ins Auge zu fassen, und zwar der Dualismus des menschlichen Seins, in seiner materiell-naturalistischen und geistigen Wirklichkeit. Wenn die Herrschaft von der ersten Seite ausgeht, ist die Hölle da. Jedes Gleichgewicht zwischen beiden ist eine unsichere und gefährliche Sache. Nur der absoluten Herrschaft des Geistes über den Körper gebührt der Vorzug, weil dann die Vorraussetzung für jede wahre Kraft und jeden echten Heroismus gegeben ist“. Diese deutliche Absage an den Materialismus, der in seiner geistlosesten Form unsere Gegenwart prägt, ist eine ebenso wichtige Botschaft Codreanus und gerade heute für Rechte von brennender Aktualität. Die Auseinandersetzung mit der Herrschaft der Materie, die den Menschen mit Gütern erdrückt, ihn aber seelisch aushungert, faßte Codreanu bereits zu Beginn seines Wirkens ins Auge. Stolz rief er nach den ersten großen Erfolgen seiner Bewegung aus: „Die Alleinherrschaft des Stoffes ist gestürzt!“ (Eiserne Garde, 1939, S.263).

Dieser Idee folgend war für ihn der Krieg in erster Linie eine seelisch-geistige Auseinandersetzung, die vor jedem materiell-stofflichem Kräftemessen stattfand. Hierzu führte er aus: „Kriege werden von jenen gewonnen, die es verstanden, aus den Lüften, aus dem Himmel, die mysteriösen Kräfte der unsichtbaren Welt zu beschwören und sich ihre Hilfe zu sichern. Diese mysteriösen Kräfte sind die Seelen unserer Ahnen, die einst, an unsere Scholle geheftet, für ihre Verteidigung starben und die in uns, ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln fortleben. Über den Seelen der Toten aber steht Gott.“ (Handbuch für die Nester, 2006, S.59)

Wir haben bereits gesehen, daß es Codreanu aber nicht nur um die Verbreitung seiner Philosophie an möglichst viele Schüler und Anhänger ging, sondern gemäß seiner Idee mit der Eisernen Garde eine „Schule, ein Heer“ der Nation zur Schöpfung einer höheren Ordnung zu erschaffen, ritualisierte und symbolisierte er zielgerichtet das legionäre Leben, dessen Grundzüge er im Handbuch für die Nester (1933) niederlegte und das er als „Herrschaft des Ritus“ gestaltete. Über die grundsätzlich eingeforderte Haltung des Legionärs und der Führer der Legion, ihr Bestreben im Kampf mit den Kameraden die Ziele der Legion zu vertreten und zu erreichen, heißt es hier: „Der Anführer der Legionäre ist ein Übermensch. Er ist in jeder Lage, mag sie noch so schwierig sein, siegreich. Er muß siegen. Sollte er fallen, so wird er sich erheben und dennoch siegen“ und „Sie [die Legionäre] werden den Weg gemeinsam beschreiten, selbst wenn es der falsche Weg sein sollte. Der schlechteste Weg ist nämlich die Uneinigkeit. Geriete die Legionäre Truppe in die Hölle und ist sie dennoch geeint, so wird sie die ganze Hölle überwinden und siegreich zurückkehren.“ (Handbuch für die Nester, 2006, S.44f.)

Die Legionäre trugen einheitlich das schlichte Grünhemd, gehalten von einem Sturmriemen bzw. Koppel, Orden und Abzeichen waren bis auf wenige Ausnahmen nicht vorgesehen, Codreanu maß diesem Hemd eine größere, über die anzustrebende Einheitlichkeit hinausreichende, Bedeutung zu. Es war der sichtbare Ausdruck einer seelischen Haltung.

Das Gitterkreuz als Zeichen der Eisernen Garde, symbolisierte die Opfer, die viele Legionäre in der Kerkerhaft gebracht hatten und zeitlebens zu bringen bereit waren. Diejenigen, die als Märtyrer gefallen waren, ehrte man durch das öffentliche Ritual des „Prezent!“. In diesem wurden bei jedem Appell der Eisernen Garde ihre Namen aufgerufen und mit einem lauten „Hier!“ beantwortet. Damit wurde verdeutlicht, daß die Gefallenen nicht endgültig tot waren, sondern in ihrer jenseitig-seelischen Existenz in der Eisernen Garde verblieben und an ihr ehrenhaften Anteil hatten: Sie standen in der anderen Welt zur ewigen Wache oder zum Kampfe bereit.

Codreanu sah das menschliche Blut nicht als Materie, sondern als heiliges Fluidum, als spirituelle Währung an. Nur so sind die verschiedenen Rituale zu verstehen, die heute auf viele befremdlich wirken mögen, aber einen ganz wesentlichen und selbstverständlichen Teil der gemeinschaftlichen Praxis innerhalb der Eisernen Garde bildeten: „Mit ihrem eigen Blut schrieben sie [die Legionäre] einen Eid“ (…) „Mitglieder des Todeskommandos [echipa mortii] wiederum gaben jeder etwas vom eigenen Blut in ein Glas, aus dem alle tranken, was sie in Leben und Tod miteinander vereinte“ [Stanley Payne: Geschichte des Faschismus. London 1995. Neudruck: München 2005, S. 349]. Wer diese Rituale als „Todeskult und als „morbid [ebenda, S.344] verdammt, macht sich unkritisch die Perspektive der Moderne zu Eigen. Wie sieht es in dieser aus? Der Tod ist aus dem gesellschaftlichen Leben in abgegrenzte Bereiche verbannt, der Diesseitsglaube hat den Menschen entspiritualisiert, ihn zum Tier herabgedrückt. Der Mensch der Moderne bringt keine Helden mehr hervor, die für eine Idee zu sterben bereit sind; er ist selbst als Teil der Gesellschaft gemeinschaftsfremd geworden und kann somit keine Bindungen jenseits von Nützlichkeitserwägungen eingehen, schon gar nicht solche, die über den Tod hinausreichen und dem Menschen die Existenz einer anderen, jenseitigen Welt aufzeigen.

Zurück zum „Mythos Codreanu“: Dank seiner intensiven Ausstrahlung gelang es dem Führer der Eisernen Garde völlig unangefochten zu bleiben, anders als bei vielen Führern anderer Bewegungen, gab es in der Eisernen Garde keinerlei Opposition, die die Autorität des Capitans in Frage gestellt hätte. Dies ist natürlich gerade auf die alles überragende Tatkraft und Opferbereitschaft dieses einen Mannes zurückzuführen. Jedoch scheint darüber hinaus von Codreanu auch etwas nicht näher nennbares, etwas Magisches ausgegangen zu sein, das seine Wirkung zu Gunsten der Eisernen Garde entfaltete und vor allem junge Menschen anzog, die Politiker nicht anzusprechen vermochten. Julius Evola, der viel gereist war und viele Mächtigen gegenüber gestanden hatte, war tief von Codreanu beeindruckt: „Schon durch seine Erscheinung beeindruckte Corneliu Codreanu. Groß und gut gewachsen, verkörperte er den Typ der arisch-römischen Rasse, die auch in Rumänien vertreten ist und die sich auf die römische Kolonisation Dakiens zurückführt, aber auch auf die indogermanischen Stämme der dort alteingesessenen örtlichen Bevölkerung. Seine Physiognomie und seine Sprache gaben die Gewißheit, daß man einem Menschen gegenüberstand, dem jede innere Gekrümmtheit, jede Unredlichkeit und Untreue und jeder Verrat fremd war. Das begründete in erster Linie seine außerordentliche Autorität. Seine Getreuen fühlten sich an ihn, an seine Persönlichkeit stärker gebunden, als das sonst bei politischen Gefolgschaften üblich war.“ Horia Sima schrieb über Corneliu Codreanu: „Vom ersten Moment der Begegnung mit Corneliu Codreanu an, ist seine physische Präsenz am auffälligsten. Niemand konnte ihm nahe sein ohne dies zu bemerken, ohne sich davon angezogen zu fühlen und ohne zu fragen wer er sei. Seine bloße Anwesenheit in der Öffentlichkeit erregte Neugier. Dieser junge Mann erschien wie ein Gott unter Sterblichen (…) Gut proportioniert, schlank und beweglich war er nur Muskel, Resonanz und Stil.“

Es waren aber gerade nicht die Denker oder die Führungspersönlichkeiten der Eisernen Garde, die Codreanu von Beginn an verhaftet waren, sondern seine Ausstrahlung erzielte gerade beim einfachen Volk, das sich ein natürliches Gespür für Aufrichtigkeit bewahrt hatte, größte Wirkung, die die Veranstaltungen und Aufmärsche der Legion zu einer Art Weihestunde werden ließen: „Wenn Codreanu anwesend war, kam er in kostbarer weißer Bauerntracht auf einem weißen Pferd einhergeritten. Groß und mit intensivem Blick und klaren Zügen, war er wahrscheinlich der bestaussehende der bedeutenderen faschistischen Führer. Dieses theatralische Auftreten übte auf Bauernversammlungen oft eine starke Wirkung aus, und in ländlichen Gebieten nahm die Anhängerschaft der Legion rasch zu“. [ebenda, S.350; die Eiserne Garde konnte neben den ländlichen Gebieten, auch an den Universitäten schnell Fuß fassen – H.O.]. Die hier erwähnte weiße Bauerntracht trug Codreanu mit Stolz und Überzeugung, so auch bei seiner Einschreibung an der Universität in Berlin. Er schreibt: „Am Immatrikulationstage legte ich meine rumänische Nationaltracht an und erschien so zu dieser erhebenden Feier, wo der Rektor nach altem Brauch jedem neu eingeschriebenen Hörer die Hand drückt. In meiner rumänischen Nationaltracht war ich in den Sälen der Universität der Mittelpunkt einer allgemeinen Neugierde“ (Eiserne Garde, 1939, S.55)

Codreanu vermied langatmige Reden und das Versprechen politischer Geschenke, seine Sprache war bildhaft und hielt sich nicht mit der Erläuterung tagespolitischer Fragen auf. Codreanu lehnte Programme und ihre öffentliche Verkündung strikt ab, und verpflichtete auch die legionären Wahlkämpfer dies zu tun. Statt langer programmatischer Reden „entwarf Codreanu Bilder: (…) Nur die ‚neue Generation’, die jungen Menschen, die noch nicht korrumpiert seien, könnten Rumänien wieder seiner Bestimmung zuführen. Dann werde es schön sein wie eine ‚goldene Sonne’ [Armin Heinen: Die Legion Erzengel Michael in Rumänien. Soziale Bewegungen und politische Organisation. München 1986]. Es sollte für die Eiserne Garde geworben werden, aber nicht durch politische Sachabwägungen, die der einen Volksschicht Nutzen vor der anderen versprachen, sondern durch die Ansprache des einzelnen Menschen als wertvollen Teil des Volkes: „Meine einzige Realität aber war der allein stehende Mensch. Der arme Bauer, der in einem Dorf weinte, ein kranker Arbeiter, ein entwurzelter Intellektueller.“ (Eiserne Garde)


Eiserne Garde: Codreanus Schlüsselwerk

Sein Werk Eiserne Garde (in Rumänien 1936 als Pentru legionari = Für meine Legionäre erschienen) war als erster Teil eines Erinnerungsbandes gedacht. Der zweite Teil kam durch den Märtyrertod Codreanus und der blutigen Unterdrückung der Bewegung nicht mehr zustande. Man kann das Werk als politische Autobiographie verstehen. Auch wenn der Führer der Eisernen Garde seiner Schrift voranstellte, sich bewußt nicht an schriftstellerische Regeln gehalten zu haben und sein Werk als Erinnerungsschrift, Rechtfertigung bzw. Kampfschrift bezeichnet, sind der mitreißende Stil und die spannungsreichen Schilderungen, dazu angetan, diesem Schlüsselwerk mit größter Aufmerksamkeit zu folgen. Die erklärenden Ausführungen sind auf das notwendige beschränkt, im Vordergrund stehen die persönlichen Eindrücke und die fast Schlag auf Schlag folgende Ereignisgeschichte, die ahnen läßt, welche Tatkraft und Entscheidungsfreude Codreanu in seinen Kämpfen, die oft genug durch Kerkerhaft unterbrochen wurden (die erste Verhaftung erfolgte 1923, als Codreanu noch die nationale Studentenbewegung führte), aufzubieten in der Lage war.

Hier darf nicht unerwähnt bleiben, daß das den Legionären gewidmete Werk gleichermaßen vom Aufbau einer großen Organisation berichtet; immer wieder stellt Codreanu seine Erfahrungen mit den Problemen und Widrigkeiten dar, die er überwinden mußte. Daß dieses Werk gegen alle Widerstände jedweder Art zu Erfolg und Substanz geführt wurde, muß man, auch unabhängig von der Einstellung und den Ideen des Führers der Eisernen Garde, als große und herausragende Leistung würdigen, die Corneliu Zelea Codreanu zu einer der großen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts macht.

Ebenso wird man über den Wert des Werkes als Quelle für die europäische Zwischenkriegszeit erstaunt sein. Codreanu, der fließend Deutsch und Französisch sprach, erweist sich bei seinen Berichten über seine Studienaufenthalte in Deutschland (Berlin und Jena, 1922) und Frankreich (Savoyen, 1925) als scharfsichtiger Beobachter der die politischen und wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs, insbesondere die Inflation in Deutschland in den Zwanzigerjahren, bewertet und einordnet. Man muß Codreanus stark von seiner in Rumänien kultivierten Weltanschauung beeinflußte Deutung der Ereignisse, deren unmittelbarer Zeuge der junge Führer war, nicht übernehmen bzw. diese kritisch hinterfragen, jedoch ist sie ein Beleg für die starke antimoderne Strömung im Europa der Zwischenkriegszeit.

Codreanus Eiserne Garde ist das wichtigste von insgesamt vier Werken, die er als Aufzeichnungen hinterlassen hat. Auf das Handbuch für die Nester (Caticica Sefului de Cuib, 1933) ist hier schon eingegangen worden. Zu erwähnen ist noch die Sammlung  von Tagesbefehlen und Manifesten (Circulari si Manifeste, 1927-1938) und die Aufzeichnungen im Kerker (Insemnari de la Jilava, postum veröffentlicht), die „stark jenseitsbezogen[Alexander von Randa] die letzten Gedanken Codreanus in der Kerkerhaft wiedergeben. Der hier zitierte österreichische Historiker Alexander von Randa hat eine Anthologie aus allen Werken Codreanus zusammengestellt, die in seinem Nachlaß aufgefunden, 1979 veröffentlicht wurden und unbedingt Erwähnung verdienen [Alexander von Randa (Hg.): Lebende Kreuze. Colectia Europa. München 1979].

Corneliu Codreanus Werk und die Umsetzung seiner Ideen sind längst nicht mehr der „Weg eines Vergessenen“, wie Alexander von Randa noch Ende der Siebzigerjahre schrieb. Leben, Werk, Idee werden immer stärker und mittlerweile in ganz Europa unter Rechtsintellektuellen aufgenommen und diskutiert. Die Weltnetzausgabe der Eisernen Garde soll diese Entwicklung weiter fördern.

Der Mythos Codreanu also lebt; er kann zur ideellen Verbindung der europäischen Rechten beitragen, die selbst immerwährender Verfolgung ausgesetzt sind. Diese ist jedoch als Herausforderung und Auftrag zu begreifen, so wie es Codreanu selbst tat und bildlich ausdrückte: „…und das Eisen unserer Garde, das durch dieses Feuer ging und durch das Wasser infamsten Verrates, wurde zu Stahl.

Corneliu Zelea Codreanu – prezent!

Hagen Ostrau, Hermannstadt (Sibiu) im Juni 2007


Carmen Sylva, 6. Dezember 1935

Legionäre!

Ich schreibe für unsere Gemeinschaft der Legionäre, für alle Legionäre aus Dorf, Fabrik und Hochschule.

Ich achte nicht auf irgendwelche schriftstellerischen Regeln, denn ich habe dafür keine Zeit. Ich schreibe mit fliegender Feder, vom Schlachtfelde aus, inmitten der feindlichen Angriffe. In dieser Stunde sind wir von allen Seiten umzingelt. In niederträchtiger Weise gehen die Feinde gegen uns vor. Der Verrat greift in unsere Reihen.

Seit zwei Jahren befinden wir uns in den Ketten einer infamen Zensur.

Seit zwei Jahren werden in den Zeitungen unsere Namen und das Wort Legionär nur geduldet, um geschmäht zu werden. Es geht auf uns ein wahrer Regen von Gemeinheiten nieder unter dem Beifall unserer Feinde, die uns vernichtet sehen möchten. Aber diese Träger der Feigheit und ihre Auftraggeber werden bald die Gewißheit haben, daß alle Angriffe, auf die sie ihre Hoffnungen zur Vernichtung der Legionärsbewegung setzen, daß all ihre Mühen und verzweifelten Anstrengungen vergeblich sind. Denn die Legionäre sterben nicht!

Aufrecht, unbewegt, unbesiegt und unsterblich, blicken sie immer als Sieger auf die Flut eines ohnmächtigen Hasses.

Die Meinung, die die nichtlegionäre Welt über die folgenden Seiten haben mag, ist mir gleichgültig, ebenso die Wirkung, die sie in einer solchen Welt hervorrufen könnten.

Ich will, daß Ihr, Kämpfer einer anderen rumänischen Zukunft, beim Lesen dieser Zeilen, in ihnen Eure eigene Vergangenheit erkennt und Euch Eurer Kämpfe erinnert. Noch einmal möget Ihr die erduldeten Leiden erleben und die Schläge, die Ihr für Euer Volk erhallen habt. Wappnet Eure Herzen mit Feuer und hartem Entschluß für den schweren, aber gerechten Kampf, zu dem Ihr Euch gestellt habt und für dessen Ausgang wir alle nur eines kennen: Sieg oder Tod.

An Euch denke ich, während ich schreibe. An Euch, die Ihr sterben und die Todestaufe mit dem Gleichmut Eurer thrakischen Ahnen hinnehmen müßt. An Euch denke ich, die Ihr über die Toten und ihre Gräber hinwegschreiten müßt, in den Händen die siegreichen Fahnen der Rumänen.


DER EINTRITT INS LEBEN

Im Dobrina - Wald
März 1919

Im Frühjahr 1919 befanden wir uns eines Nachmittags im Dobrina-Walde versammelt, der Wache hält auf den Höhen über dem Städtchen Husi. Eine Gruppe von etwa 20 Schülern der 6., 7. und 8. Klasse des Obergymnasiums.

Ich hatte diese jungen Kameraden zusammengerufen, um mit ihnen eine ernste Frage zu besprechen: Was wollten wir beginnen, wenn die Bolschewiken uns überfielen? Meine Ansicht, der sich auch die anderen Kameraden anschlössen, war folgende: Wenn das bolschewistische Heer den Dnjestr und auch den Pruth überschreiten sollte, um bis in unsere Gegend vorzudringen, würden wir uns nicht unterwerfen, sondern uns bewaffnet in den Wald zurückziehen. Hier wollten wir ein rumänisches Aktions- und Widerstandszentrum gründen und den Feind durch Überfälle verwirren. Wir wollten den Geist der Unbeugsamkeit beibehalten und in den rumänischen Volksmassen aus Dorf und Stadt den Funken der Hoffnung aufrechterhalten. Inmitten des uralten Waldes bekräftigten wir unseren Beschluß mit einem Eid. Der Wald war ein Teil jenes berühmten Tigheci-Forstes, in dem im Laufe der moldauischen Geschichte viele Feinde den Tod gefunden hatten. Wir beschlossen, uns Waffen und Munition zu beschaffen und unbedingtes Stillschweigen zu bewahren. Weiter wollen wir das Gelände erkunden und im Walde Gefechtsübungen durchrühren und schließlich eine Organisation gründen, die unsere Absichten tarnte.

Wir gründeten einen kulturellen und nationalen Schüler-Verein am Gymnasium in Husi, dem wir den Namen „Mihail Kogalniceanu“ gaben. Der Verein wurde von der Schulleitung genehmigt. Wir begannen in der Stadt mit künstlerischen Darbietungen und Vorträgen, die in der Öffentlichkeit stattfanden, während wir im Walde Gefechtsübungen abhielten. Waffen konnten zu jener Zeit reichlich aufgetrieben werden, so daß wir nach zwei Weichen alles, was wir benötigten, bereit hatten.

Es herrschte zu jener Zeit ein Wirrwarr im Lande, den wir trotz unserer knapp 18 Jahre nur zu gut begriffen. Die Bevölkerung stand unter dem Eindruck der bolschewistischen Revolution, die wenige Schrille von uns in voller Entfaltung begriffen war. Das Bauerntum widersetzte sich instinktiv dieser verheerenden Flut. Bei Fehlen jeder Organisation hatte es jedoch keine ernsten Widerstandsmöglichkeiten. Andererseits wandte sich die Arbeiterschaft in immer steigendem Maße dem Kommunismus zu, wobei sie systematisch von der jüdischen Presse und den Juden selbst bestärkt wurde. Jeder Jude, ob Händler, Intellektueller oder Bankier. war in seinem Wirkungskreis ein Agent der kommunistischen, gegen das rumänische Volk gerichteten Ideen. Die rumänische intellektuelle Schicht war unentschlossen, der Staatsapparat nicht schlagkräftig. Jeden Augenblick war mit einem Ausbruch der Revolution oder mit einem Überfall von jenseits des Dnjestrs zu rechnen. Die Aktion aus dem Ausland, zusammen mit den jüdisch-kommunistischen Banden im Innern, die über uns hergefallen wären, die Brücken zerstört und die Munitionsdepots in die Luft gesprengt hätten, hätte unser völkisches Schicksal besiegelt.

Unter diesen Verhältnissen, in banger Sorge um das Fortbestehen und die Freiheit unseres gerade erst, nach schwerem Kriege, geeinten Landes, war in uns der Gedanke einer Aktion entstanden, der zum Eid im Dobrina-Walde geführt hatte.

Ich hatte fünf Jahre lang die Militärschule Manastirea Dealului besucht. Unter dem Kommando des Majors und späteren Obersten Marcel Olteanu, des Kommandanten der Militärschule, des Hauptmanns Virgil Badulescu und des Oberleutnants Emil Palangeanu habe ich eine strenge militärische Erziehung erfahren und einen gesunden Glauben an meine eigene Kraft mitbekommen.

Die militärische Erziehung von Manastirea Dealului sollte mir zeit meines Lebens folgen. Ordnung, Disziplin und Führertum, die mir von frühester Jugend an beigebracht wurden, sollten neben dem Gefühl der soldatischen Ehre die Grundlage meiner gesamten zukünftigen Tätigkeit bilden. Hier hatte ich gelernt, wenig zu sprechen, was in mir später den Haß gegen alles Gerede erzeugte. Hier habe ich den Kampf lieben und den Salon verachten gelernt. Die militärischen Kenntnisse, die ich hier erwarb, sollten mich später alles aus dieser Perspektive betrachten lassen. Der Glaube an die Würde des Mannes und die Ehre des Soldaten, in der mich die Offiziere erzogen, sollten mir Ungelegenheiten und Leiden durch eine Welt eintragen, die oft der Ehre und Würde entbehrt.

Den Sommer 1916 verbrachte ich zu Hause, in Husi. Mein Vater war seit zwei Jahren zu seinem Regiment einberufen und nach den Karpaten aufgebrochen. Eines Nachts weckte mich die Mutter aus dem Schlafe und sagte weinend und sich bekreuzigend zu mir: „Steh auf, es werden in allen Kirchen die Glocken geläutet.“ Es war am 15. August, Maria Himmelfahrt. Ich begriff, daß die Mobilmachung angeordnet worden war und daß in diesem Augenblick das rumänische Heer die Berge überschrill. Vor Ergriffenheit zitterte ich am ganzen Leibe. Nach drei Tagen brach ich von zu Hause zu meinem Vater auf in der Sehnsucht, auch Frontkämpfer zu werden. Nach vielen Abenteuern gelangte ich zum 25. Infanterieregiment, in dem mein Vater unter dem Kommando des Obersten V. Piperescu Kompaniechef war und das durch das Tal des Oituz-Flusses nach Siebenbürgen vorrückte.

Mein Unglück war groß, der Regimentskommandant lehnte es ab, mich als Freiwilligen einzustellen, da ich erst 17 Jahre alt war. Trotzdem machte ich den Vormarsch und den Rückzug aus Siebenbürgen mit, und als mein Vater am 20. September oberhalb Sovata, am Ceres-Domu-Berge verwundet wurde, konnte ich ihm angesichts des vorrückenden Feindes behilflich sein. Obwohl verwundet, lehnte er es ab, hinter die Front geschafft zu werden, sondern behielt das Kommando über seine Kompanie während des ganzen Rückzuges bei und auch noch während der schweren Kämpfe, die bei Oituz folgten.

Eines Nachts, etwa um zwei Uhr, erhielt das Regiment Befehl zum Vormarsch. In der Nachtstille kontrollierten die Offiziere ihre auf der Landstraße angetretenen Truppen.

Mein Vater war zum Obersten gerufen worden. Als er nach kurzer Zeit zurückkehrte, sagte er zu mir:

„Wäre es nicht besser, du kehrtest nach Hause zurück? Wir werden in Gefechte kommen. Es ist nicht gut, wenn wir beide hier sterben, denn zu Hause bleibt die Mutter mit sechs kleinen Kindern zurück ohne alle Hilfe. Auch der Oberst teilte mir mit, daß er für dein Verbleiben an der Front keine Verantwortung übernehmen will.“

Ich fühlte, daß er in seinem Innern kämpfte: er zögerte, mich mitten in der Nacht auf freiem Felde allein zurückzulassen, auf unbekannten Wegen, 40 Kilometer von der nächsten Eisenbahnlinie entfernt.

Als ich merkte, daß ihm daran lag, übergab ich den Karabiner und die beiden Patronentaschen. Während die Regimentskolonnen vorgingen und sich im Dunkel der Nacht verloren, blieb ich am Rande der Straße allein zurück und schlug dann den Weg zur alten Landesgrenze ein.

Nach einem Jahre trat ich in die Infanterieschule zu Botosani ein, mit dem gleichen Ziele, an die Front zu gelangen. Hier vervollständigte ich vom 1. September 1917 bis zum 17. Juli 1918 in der aktiven Kompanie der Militärschule meine soldatische Erziehung und die militärischen Kenntnisse.

Jetzt, nach einem Jahre - 1919 - war Frieden. Mein Vater, von Beruf Gymnasiallehrer, war sein ganzes Leben lang nationaler Kämpfer. Mein Großvater war Waldhüter, der Urgroßvater gleichfalls. Von jeher war mein Geschlecht in Zeiten der Bedrängnis ein Geschlecht der Wälder und Berge. So gaben die militärische Erziehung und das Blut meiner Vorfahren unserem Tun von Dobrina, wie naiv dieses auch gewesen sein mag, eine Note des Ernstes, die man bei unserem jugendlichen Alter nicht vorausgesetzt hätte. Denn in diesen Augenblicken fühlten wir in unseren Herzen das Vermächtnis der Ahnen, die für die Moldau auf den gleichen, von Feinden nie betretenen Pfaden gekämpft hatten.


Auf der Universität Jassy
September 1919

Der Sommer ging vorüber. Im Herbst legte ich die Reifeprüfung ab, und unsere Gruppe fiel auseinander, da jeder von uns auf die Universität ging.

Von Dobrina blieb nur die Erinnerung an den Willen, das Vaterland gegen die feindlichen Fluten zu verteidigen.

lch verließ Husi in einem für jeden jungen Menschen entscheidenden Augenblick: ich bezog die Universität. Ich brachte die Kenntnisse mit, die man auf dein Gymnasium erwirbt. Sensationsliteratur, die die Seele vergiftet, hatte ich nicht gelesen Außer der selbstverständlichen Lektüre der rumänischen Klassiker hatte ich alle Aufsätze A. C. Cuzas aus den „Semanatorul“ und „Neamul Romanese“ gelesen. Mein Vater verwahrte die in Kisten gesammelten Zeitschriften auf dem Boden. In meinen freien Stunden war ich hinaufgestiegen, um sie zu lesen. Im wesentlichen vertraten diese Aufsätze die drei Lebensideale des rumänischen Volkes:

1. Vereinigung aller Rumänen,

2. Hebung des Bauernstandes durch Verleihung von Boden und politischen Rechten,

3. Losung der Judenfrage.

Zwei Leitgedanken bildeten den Kern aller nationalen Veröffentlichungen jener Zeit:

„Rumänien den Rumänen, nur den Rumänen und allen Rumänen.“

„Das Volkslum ist die schöpferische Kraft der menschlichen Kultur, die Kultur die schöpferische Kraft des Volkstums.“ A. C. Cuza.

In tiefer Ehrfurcht näherte ich mich Jassy, das jeder Rumäne lieben, verstehen oder wenigstens wünschen muß zu sehen.

In Jassy lebten Miron Costin, Bogdan Petriceicu Hasdeu, Mihail Eminescu, Ion Creanga, Vasile Alexandri, Costache Negri, Iacob Negruzzi, Mihail Kogalniceanu, Simion Barnutiu, Vasile Conta, N. Iorga, Ion Gavanescul. Hier strahlte vor allem die gewaltige Persönlichkeit des Professors A. C. Cuza, der den Lehrstuhl für Politische Volkswirtschaft innehatte. Die Universität wurde zur Schule des Nationalismus, Jassy zur Stadt des großen rumänischen Aufbruches, unserer nationalen Ideale und ihrer Bestrebungen. Jassy war groß durch die Leiden des Jahres 1917, als König Ferdinand in schweren Stunden hier Zuflucht fand, und groß durch sein Schicksal, zur Stadt der Vereinigung aller Rumänen zu werden; groß auch durch seine Vergangenheit und seine tragische Gegenwart, denn die Stadt der vierzig Kirchen stirbt vergessen unter der unbarmherzigen jüdischen Überflutung. Das wie Rom auf sieben Hügeln erbaute Jassy ist und bleibt die ewige Burg des Rumänentums.

Dieser Stadt näherte ich mich im Herbst 1919 voll Ehrfurcht, gebannt von ihrem großen Ruhme, gleichzeitig aber in tiefer Bewegung, da ich hier vor zwanzig Jahren geboren war. Und wie jeder junge Mensch kam ich mit Bangen, die Muttererde wiederzusehen und sie zu küssen.

Ich schrieb mich in die Juristische Fakultät ein.

Die Universität Jassy, die während des Krieges ihre Pforten geschlossen hatte, war seit einem Jahre wiedereröffnet. Die früheren Studenten, die jetzt von der Front zurückkamen, bewahrten die traditionelle nationale Linie des Studentenlebens der Vorkriegszeit. Sie waren in zwei Lager geteilt: das eine unter der Führung Labuscas von der Philosophischen Fakultät, das andere unter Nelu lonescu von der Juristischen Fakultät. Diese zahlenmäßig kleine Gruppe wurde von den Massen jüdischer Studenten förmlich erdrückt, die aus Bessarabien kamen und Agenten und Propagandisten des Kommunismus waren.

Die Professoren der Universität, mit Ausnahme einer kleinen Gruppe, an deren Spitze A. C. Cuza, Ion Gavanescul und Corneliu Sumuleanu standen, waren Anhänger derselben Linksideen. Der Professor Paul Bujor erklärte einmal vor dem versammelten rumänischen Senat: „Das Licht kommt aus dem Osten“, also von jenseits des Dnjestrs.

Diese Einstellung der Universitätsprofessoren, die die nationale Idee und Haltung als „Barbarei“ hinstellten, hatte zur Folge, daß die Studentenschaft jede Orientierung verlor. Die einen unterstützten offen den Bolschewismus. Die anderen, die meisten von ihnen, waren der Meinung: „Was man auch sagen mag, das nationale Zeitalter ist vorüber, die Menschheit steuert nach links.“ Die Gruppe Labusca glitt nach dieser Richtung ab. Die Gruppe Nelu Ionescu, der auch ich mich angeschlossen hatte, zerfiel, als wir eine Wahl verloren.

Dem Vordringen der volksfeindlichen Ideen, die von einer geschlossenen Masse von Professoren und Studenten verfochten und von allen Feinden Groß-Rumäniens unterstützt wurden, wurde aus den Reihen der rumänischen Studentenschaft kein Widerstand entgegengesetzt. Einige wenige, die wir noch versuchten, auf unseren Stellungen auszuhallen, wurden mit Verachtung und Feindseligkeit umgeben. Die anders gesinnten Kommilitonen und jene, die „Gewissensfreiheit“ und Freiheitsprinzipien hatten, spuckten hinter uns her, wenn wir über die Straße oder durch die Hörsäle gingen. Sie wurden agressiv, von Tag zu Tag agressiver. Es fanden Versammlungen über Versammlungen mit Tausenden von Studenten statt, in denen der Bolschewismus propagiert, Heer, Justiz, Kirche und Krone angegriffen wurden. Eine einzige Studentenvereinigung behielt ihren völkischen Charakter bei: „Avram lancu“, der Verein der buchenländischen und siebenbürgischen Studenten, unter der Führung des Studenten Vasile Iasinschi.

Die Universität von 1860, mit ihrer nationalen Tradition, war zum rumänienfeindlichen Brandherd geworden.


Eine Revolution wird vorbereitet

Nicht nur an der Universität war dies die Lage. Die Masse der Arbeiterschaft von Jassy war kommunistisch verseucht und bereit, loszuschlagen. In den Fabriken wurde nur sehr wenig gearbeitet. Man hielt stundenlange Ausschußsitzungen, Beratungen, Versammlungen. Wir befanden uns mitten in einer systematischen Sabotageaktion, die nach einem bestimmten Plan vorbereitet worden war und dem Befehl folgte: „Zerstört, vernichtet die Maschinen, schafft eine allgemeine materielle Notlage - die wird dann von selbst zum Ausbruch der Revolution führen!“ Je besser der Befehl ausgeführt wurde, desto stärker griff das Elend um sich. Der Hunger warf drohende Schatten. Der Aufruhr wuchs in den Reihen der Arbeitermassen. Alle drei bis vier Tage gab es auf den Straßen Jassys große kommunistische Umzüge. 10-15000 Arbeiter zogen, ausgehungert und aufgehetzt durch jüdische Verbrecher aus Moskau, durch die Straßen, sangen die Internationale und schrieen: „Nieder das Heer!“, „Nieder der König!“ Sie trugen Spruchtafeln: „Es lebe die kommunistische Revolution!“, „Es lebe Sowjet-Rußland!“

Wenn sie nun gesiegt hätten? Hätten wir dann wenigstens ein von rumänischen Arbeitern geführtes Rumänien gehabt? Wären die rumänischen Arbeiter die Herren im Lande gewesen? Nein, niemals! Sie wären vom nächsten Tage an Sklaven der niederträchtigsten Tyrannei des jüdischen Talmuds geworden. Groß-Rumänien wäre in einer Sekunde zusammengebrochen. Das rumänische Volk wäre ohne Erbarmen ausgerottet, hingeschlachtet oder nach Sibirien verschickt worden, gleichgültig, ob Bauern, Arbeiter oder Intellektuelle. Das den Rumänen entrissene Land von Maramuresch bis zum Schwarzen Meer wäre von jüdischen Massen kolonisiert worden. Hier wäre das wahre Palästina entstanden.

Wir waren uns bewußt, daß in jenen Stunden die Schicksalswaage des rumänischen Volkes zwischen Tod und Leben schwankte. Diese Gewißheit halten auch die Juden, die aus dem Hinterland die rumänischen Arbeiter zur Revolution trieben. Sie hallen nichts mit der Sorge gemeinsam, die in jenen Augenblicken unsere Herzen erfüllte. Sie wußten, was sie wollten. Nur die rumänischen Intellektuellen wußten es nicht. Die Intellektuellen, die studiert hatten und die Berufung besaßen, dem Volke in schweren Augenblicken auf den rechten Weg zu helfen, erfüllten ihre Pflicht nicht. Diese Unwürdigen behaupteten in jenen entscheidenden Stunden mit einer an Verbrechen grenzenden Ahnungslosigkeit, daß „das Licht aus dem Osten“ komme. Wer sollte sich den revolutionären Trupps, die unter wilden Drohungen durch die Straßen aller Städte zogen, widersetzen? Die Studenten? Die Intellektuellen? Die Polizei? Die Sicherheitsbehörden? Wenn sie nur die näherkommenden Kolonnen hörten, gerieten sie in Panik und verschwanden.


Die Garde des nationalen Bewußtseins

An einem regnerischen Abend im Herbst 1919 zeigte mir ein Freund im Speisesaal der Gewerbeschule, wo ich damals Pädagoge war, folgende Zeitungsnotiz:

„Die ‚Garde des nationalen Bewußtseins’ hält heute Donnerstag abends um 9 Uhr in der Alexandristraße 3 eine Versammlung ab.“

Ich eilte sogleich hin, begierig, diese Organisation kennenzulernen, deren Kampfansage gegen den Kommunismus ich vor einigen Monaten gelesen hatte.

In einem Zimmer in der Alexandristraße 3, das mit einigen roh zusammengeschlagenen Holzbänken eingerichtet war, fand ich einen etwa 40jährigen Mann allein. Er stand verdrossen an einem Tisch und wartete, daß sich die Leute zur Beratung einfänden. Ein großer Kopf mit derben Gesichtszügen, kräftige Arme, schwere Fäuste, eine mittelgroße Gestalt. Es war Constantin Pancu, der Präsident der „Garde des nationalen Bewußtseins“.

Ich stellte mich vor und sagte, daß ich Student sei und den Wunsch hätte, als Soldat in die Garde aufgenommen zu werden. Er nahm mich auf. So nahm ich an der Beratung teil. Es waren etwa 20 Personen anwesend: Ein Setzer, ein Student, vier Mechaniker von der Staatlichen Tabakregie, zwei von der Staatsbahn, einige Handwerker und Arbeiter, ein Rechtsanwalt und ein Priester. Es wurde die Entwicklung und der Aufschwung der kommunistischen Bewegung in den verschiedenen Fabriken und Vierteln besprochen, um dann Fragen der Organisierung der Garde zu erörtern.

Seit diesem Abend teilte sich mein Leben in zwei Teile. Der eine gehörte dem Kampf in der Universität. Der andere zusammen mit Constantin Pancu dem Kampf in den Reihen der Arbeiterschaft. Ich schloß mich seelisch Pancu an und blieb unter seiner Führung bis zur Auflösung der Organisation.


Constantin Pancu

Constantin Pancu, dessen Name sich zu jener Zeit auf den Lippen aller Einwohner beider Lager Jassys befand, war kein Intellektueller. Er war Handwerker, Wasser- und Lichtinstallateur. Er halte die vier Volksschulklassen besucht. Er besaß ein klares und gesetztes Denken und beschäftigte sich seit 20 Jahren mit Arbeiterfragen. Seit mehreren Jahren war er Vorsitzender der Metallarbeitergewerkschaft. Als Redner machte er auf die Massen einen tiefen Eindruck. Herz und Gewissen treu rumänisch, liebte er sein Land, das Heer, den König. Dazu war er ein guter Christ. Er hatte die Muskeln eines Ringkämpfers und war ein Herkules an Kraft. Die Bewohner Jassys kannten ihn schon lange.

Pancus Aktion dauerte ein Jahr lang. Sie wuchs mit der bolschewistischen Gefahr und flaute mit deren Rückgang wieder ab. Zuerst waren es nur Beratungen, dann Versammlungen, die 5-6000, ja sogar 10000 Menschen zählten. Die Versammlungen fanden in der kritischen Zeit wöchentlich im Prinz-Mircea-Saale statt, oder auch unter freiem Himmel auf dem Unirea-Platz. Unter denen, die regelmäßig das Wort ergriffen, befand auch ich mich. Hier lernte ich vor der Menge sprechen. Es ist unzweifelhaft, daß die „Garde des nationalen Bewußtseins“ in einer kritischen Zeit das nationale Fühlen der Rumänen in einem so wichtigen Zentrum wie Jassy wachgerüttelt und damit einen festen Damm gegen die kommunistische Flut aufgerichtet hat.

Unsere Tätigkeit blieb nicht nur auf Jassy beschränkt. Wir reisten auch in andere Städte. Außerdem bestand das regelmäßig erscheinende Blatt „Constiinta“ („Das Bewußtsein“), das mit seinem Alarmruf nahezu in alle Städte der Moldau und Bessarabiens eingedrungen war.

Im Rahmen der Aktion fanden beinah täglich Zusammenstöße zwischen beiden Lagern statt, unvermeidliche, blutige Zusammenstöße. Wir hatten dabei die größere Zahl der Verwundeten.

Die Spannung hielt bis zum Frühjahr an. Nach zwei großen von uns errungenen Siegen war die Offensivkraft unserer Gegner geschwächt.


Wir besetzen die Tabakregie

Gegen Mitte Februar 1920 sprach man im ganzen Lande vom Generalstreik. Die Entscheidungsschlacht nahte.

Am 11. Februar gegen 12 Uhr verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, daß bei der Tabakregie, wo etwa 1000 Arbeiter angestellt waren, der Streik ausgebrochen sei, die rote Fahne gehißt, die Königsbilder heruntergerissen und mit Füßen getreten und Photographien Marx’, Trotzkis und Rakowskis angebracht worden seien. Unsere Leute hatte man verprügelt, die Mechaniker, die der Garde angehörten, waren verwundet.

Um 1 Uhr befanden wir uns, etwa 100 Mann, in unserem Heim. Pancu leitete die Diskussion. Man schlug vor, der Regierung Telegramme zu schicken und das Eingreifen des Heeres zu fordern. Ich war der Ansicht, daß wir alle, die wir anwesend waren, zur Tabakregie gehen und unter jeder Gefahr die rote Fahne beseitigen sollten. Mein Vorschlag wurde angenommen.

Wir nahmen unsere Fahne und marschierten im Eilschritt unter dem Gesang des Liedes „Desteapta-te Romane“ („Erwache, Rumäne“) durch die Straßen, an der Spitze Pancu. In der Nähe der Fabrik überrannten wir einige kommunistische Gruppen.

Wir betraten den Hof der Fabrik. Wir drangen in die Gebäude ein. Ich stieg mit unserer Fahne auf das Dach und machte sie oben fest. Von dort begann ich zu reden. Militär erschien und besetzte die Fabrik. Wir zogen uns singend zurück in unser Heim. Wir überlegten: Unser schnelles Eingreifen war gut. In der Stadt wird sich die Nachricht von unserem Eingreifen mit Windeseile verbreiten. Der Streik wird jedoch andauern. Das Militär kann wohl die Fahne bewachen, jedoch nicht den Betrieb wieder in Gang bringen. Was tun? Da reifte in uns der Plan, in ganz Jassy arbeitswillige Hände zu suchen.

In drei Tagen wurden 400 aus allen Vierteln Jassys herangeholte Arbeiter in die Fabrik eingestellt, die die Arbeit wieder aufnehmen konnte. Der Streik war mißlungen. Nach zwei Wochen verlangte die Hälfte der Streikenden zur Arbeit wieder zugelassen zu werden.

Unser Sieg war groß. Der erste Schritt zum Generalstreik war zurückgewiesen. Die Pläne des jüdisch-kommunistischen Konsortiums waren diesmal vereitelt. Unser Handeln fand lebhaften Widerhall in den Reihen der Rumänen und stärkte ihren Mut.


Die Trikolore weht über den Nicolina - Werken

Das stärkste Kommunistenzentrum bildeten die Nicolina-Werke der Staatsbahnen. Hier befanden sich über 4000 Arbeiter, durchweg bolschewistisch verseucht. Die Straßenviertel um diese Werke waren von Juden überschwemmt. Aus diesem Grunde hatten der Leiter der kommunistischen Partei in Jassy, Dr. Ghelerter und sein Gehilfe Gheler, hier ihre Zentrale errichtet.

Es war noch kein Monat seit der Niederlage in der Tabakregie vergangen, als das Zeichen zum Beginn des Generalstreiks und der Entscheidungsschlacht gegeben wurde: über den Werkstätten wurde die rote Fahne aufgezogen. Der Streik war da. Die Arbeiter verließen ihre Arbeitsstätten. Die Behörden waren machtlos.

Wir riefen durch Plakatanschlag alle Rumänen für den nächsten Tag zu einer Versammlung im Principele-Mircea-Saal zusammen. Nach einigen Vorträgen traten wir mit unseren Fahnen auf die Straße, und mit der ganzen Versammlung schlugen wir den Weg nach Nicolina ein.

Auf dem Unirea-Platz hielten uns die Behörden an und rieten uns, nicht weiterzugehen, da uns über 5000 bewaffnete Kommunisten erwarteten und es ein großes Blutvergießen geben würde. Wir wandten uns vom Unirea-Platz aus zum Bahnhof. Hier hißten wir die Fahnen auf dem Depot und auf dem Bahnhofsgebäude und besetzten einen Zug, der am Bahnsteig stand und fuhren nach Nicolina. Im Bahnhof Nicolina stellte jemand die Weichen, so daß wir mit dem Zug bis in die Werkstätten eindrangen. Die Werkstätten waren leer. Auf einem der Gebäude flatterte die rote Fahne. Ich kletterte, eine rumänische Fahne in den Zähnen, auf den in die Wand eingeschlagenen Eisen-Klammern hoch. Nach einigen Schwierigkeiten - es war eine beträchtliche Höhe zu erklimmen - gelangte ich bis ans Dach. Ich schwang mich hinauf und kroch bis zum Giebel. Dort riß ich die rote Fahne nieder und setzte unter unbeschreiblichem Jubel die rumänische Flagge an deren Stelle. Vom Giebel aus redete ich. Jenseits der Mauern hatte sich eine immer größer werdende Masse von Kommunisten angesammelt, die eine drohende Haltung annahmen. Es entstand ein Höllenlärm: Von innen Hurra-Rufe, von außen Pfui-Rufe und Flüche. Langsam stieg ich hinab.

Nun gibt Pancu den Befehl zum Aufbruch. Am Tor verstellen uns die kommunistischen Haufen den Ausgang unter den Rufen: „Heraus mit Pancu und Codreanu!“ Wir gehen 30 Meter an der Menge vorbei und schreiten auf das Tor zu, Pancu in der Mitte, rechts ein Handwerker, links ich. Wir haben die Hände in den Taschen, an den Revolvern, und schreiten vorwärts, ohne ein Wort zu sprechen. Die am Eingang Stehenden sehen uns schweigend an. Jetzt trennen uns nur noch wenige Schritte. Ich erwarte jeden Augenblick, eine Kugel pfeifen zu hören. Wir schreiten aufgerichtet und entschlossen vorwärts. Immerhin ein ungewöhnlicher Augenblick... Noch zwei Schritte sind zu gehen...  Da gehen die Kommunisten rechts und links auseinander und geben uns den Weg frei! In etwa 10 Meter Entfernung gehen wir in lautloser Stille durch ihre Reihen. Wir sehen weder nach rechts noch nach links. Nichts ist zu hören, nicht einmal ein Atemzug.

Hinter uns kommen die Unseren. Auch sie kommen durch, aber das Schweigen geht nun in Schimpfworte und Drohungen über. Es kommt jedoch zu keinem Zusammenstoß. Wir wenden uns geschlossen an den Bahngeleisen dem Bahnhof Jassy zu. Über den Werkstätten flattert siegreich die rumänische Fahne...

Der moralische Erfolg dieser Tat ist außerordentlich. Die „Garde des nationalen Bewußtseins“ ist das Gespräch des Tages. Eine Ahnung des rumänischen Erwachens liegt in der Luft. Die Eisenbahnzüge tragen nach allen vier Himmelsrichtungen dieses Erwachen in das Land.

Wir haben die Gewißheit, daß der Bolschewismus besiegt werden wird. Vor ihm hat sich eine Mauer der Erkenntnis aufgerichtet, die ihm die Ausdehnung verwehrt. Alle Wege sind seinem Vormarsch versperrt.

Kurze Zeit darauf erfolgte dann auch die Aktion der Regierung des Generals Averescu, die dem Bolschewismus die Aussicht auf Erfolg abschnitt.


Der national-christliche Sozialismus
Die nationalen Gewerkschaften

Die „Garde des nationalen Bewußtseins“ war eine Kampforganisation zur Vernichtung des Gegners.

An den Abenden des Jahres 1919 sprach ich oft mit Pancu. Ich sagte ihm:

Es genügt nicht, den Kommunismus zu besiegen, wir müssen für die Rechte der Arbeiter kämpfen. Sie haben ein Recht auf Brot und Ehre. Wir müssen gegen die machthungrigen Parteien kämpfen und nationale Arbeiterorganisationen ins Leben rufen, damit der Arbeiter zu seinen Rechten im Rahmen des Staates gelangt und nicht gegen den Staat.

Wir erlauben niemandem, eine andere Fahne auf rumänischem Boden aufzupflanzen als die unserer nationalen Geschichte. Wie sehr auch die Arbeiterklasse in ihrem Recht wäre, wir können ihr nicht gestatten, sich über und gegen die Grenzen des Landes zu erheben. Niemand kann es billigen, daß im gerechten Kampf um das tägliche Brot alles, was die zweitausendjährige Arbeit eines fleißigen und tapferen Volkes geschaffen hat, verwüstet und einem fremden Volke von Bankiers und Wucherern in die Hände gespielt werde. Jedem sein Recht, aber im Rahmen des Rechtes seines Volkes. Es ist nicht statthaft, für das eigene Recht das geschichtliche Recht des Volkes, dem man angehört, in Trümmer zu schlagen.

Aber wir können ebensowenig zulassen, daß unter dein Schutze nationaler Schlagworte eine herrschsüchtige und ausbeuterische Schicht die Arbeiterschaft bedrückt, sie bis auf die Haut auszieht und ununterbrochen mit Schlagworten arbeitet: von einem Vaterland - das sie nicht lieben, von einem Gott - an den sie nicht glauben, von einer Kirche, die sie niemals besuchen.

So begannen wir denn, die Arbeiter in nationalen Gewerkschaften zu organisieren und sogar eine politische Partei des „National-Christlichen Sozialismus“ für sie zu errichten. (Zu jener Zeit hatte ich noch nichts von Adolf Hitler und dem deutschen Nationalsozialismus gehört.)

Wir machten uns dann daran, nationale Gewerkschaften zu organisieren. Ich will hier das Gründungsprotokoll einer solchen Gewerkschaft, erschienen ebenfalls in der „Constiinta“ vom 9. Februar 1920, folgen lassen, um von dem völkischen Bewußtsein der Arbeiterschaft in jenen Tagen ein Bild zu geben:

„Wir unterzeichneten Handwerker, Arbeiter und Beamte der Staatlichen Tabakfabrik R.M.S., die wir uns heute, Montag, den 2. Februar 1920, im Heim der Garde des nationalen Bewußtseins in der Alexanderstraße 3 unter dem Vorsitz des Herrn C. Pancu, des aktiven Vorsitzenden der Garde, versammelt haben, angesichts der verbrecherischen Absichten einiger Elemente, die anderen Interessen als denen ihres Volkes dienen, und angesichts der Propaganda, die jene machen, um das Fortbestehen des Volkes, sowie unserer aller zu gefährden, die wir ein Leben lang um das tägliche Stückchen Brot, unsere und unserer Kinder einzige Nahrung, kämpfen müssen, - wir aufrechten und rechtliebenden rumänischen Arbeiter, die wir mit der Fahne unseres Vaterlandes zu dessen Wohle den Weg gehen wollen, den uns die höchsten Interessen des Volkes vorschreiben und die wir der feindlichen Propaganda in unseren Reihen eine Ende bereiten wollen, haben den Entschluß gefaßt, uns in einer nationalen Gewerkschaft zusammenzuschließen, für welche wir folgenden Vorstand, sowie einen Vertreter der Garde des nationalen Bewußtseins gewählt haben.“ Es folgen 183 Unterschriften.


Die „Führer“ der rumänischen Arbeiterschaft

Die „Führer“ der kommunistischen Arbeiter in Rumänien waren weder Rumänen noch Arbeiter.

In Jassy: Dr. Ghelerter, Jude; Gheler, Jude; Spiegler, Jude; Schreiber, Jude, usw.

In Bukarest: Ilie Moscovici, Jude; Pauker, Jude, usw.

Um sie eine Anzahl verirrter rumänischer Arbeiter.

Hätte die Revolution Erfolg gehabt, so wäre der Präsident der Republik, der den Thron unseres glorreichen Königs Ferdinand umgestürzt hätte, der Bukarester Jude und Kommunist Ilie Moscovici gewesen. Im Jahre 1919, als im Parlament Groß-Rumäniens alle Abgeordneten und Senatoren der vereinigten rumänischen Provinzen, von der Heiligkeit des Augenblicks der Vereinigung ergriffen, sich von den Stühlen erhoben und dem großen König und Mehrer des Landes huldigten, hatte sich dieser Ilie Moscovici geweigert aufzustehen und war herausfordernd sitzengeblieben.


Die Haltung der jüdischen Presse

Es ist notwendig, die Haltung der jüdischen Presse in jenen für unser Volk so gefahrvollen Augenblicken zu brandmarken. So oft das rumänische Volk in seinem Bestand gefährdet war, unterstützte diese Presse die Auffassungen, die unseren Feinden gefielen.

Genau die gleichen Auffassungen aber wurden sofort scharf bekämpft, sobald sie einer rumänischen Erneuerungsbewegung günstig waren. Die Tage unserer Sorgen waren für sie Tage der Freude, die Tage unserer Freuden Tage ihrer Trauer.

Die Freiheit, die heute der nationalen Bewegung so sehr versagt wird, war in jener Zeit zum Dogma erhoben, da sie den Zweck hatte, unserer Vernichtung zu dienen. So schrieb die jüdische Zeitung „Adevarul“ („Die Wahrheil“) am 28. Dezember 1918:

„... Wenn man der sozialistischen Partei das Recht der freien Betätigung zuerkennt, kann man nicht behaupten, daß dieser Partei damit ein Privileg eingeräumt wird. Welche Partei es auch sei, die die Kundgebungen zu veranstalten wünscht, immer muß man ihr dieses Recht zuerkennen...“

In demselben Blatt hieß es:

„Der Haß muß immer unser Ansporn im Kampf gegen die Mörderpartei sein, die unter Ion Bratianu geherrscht hat.“

Der Haß des Judentums gegen die Rumänen wird also gut geheißen. Er wird gefördert und als Kampfmittel gebraucht. Wenn aber die Rumänen ihre mit den Füßen getretenen Rechte verteidigen wollen, dann wird ihr Kampf als Haß hingestellt, und dann gilt der Haß als ein Zeichen der Barbarei, der niedrigen Gesinnung.

Über die Hetze der Judenpresse zum Aufruhr belehrt folgender Aufsatz aus dem „Adevarul“ vom 11. Oktober 1919:

„Die Wahnsinnigen! Wo sind die Wahnsinnigen?

Wie gesagt, wir haben zu viele kluge Leute und keinen einzigen Wahnsinnigen. Wahnsinnige aber brauchen wir. Die von 1848 waren Narren und haben damals die Bojarenherrschaft entwurzelt ... Auch wir brauchen heute Wahnsinnige. Mit den Klugen allein, die jedes Haar in 14 Teile spalten und sich auch dann noch zu nichts entschließen können, ist nichts anzufangen. Wir brauchen wenigstens einen Wahnsinnigen, wenn nicht noch mehr. Woher soll ich wissen, was jeder Wahnsinnige alles tun wird? ...

Es wird also nach einem Verrückten verlangt. Verrückte an die Front!

Sogar die Sozialisten sind vernünftig geworden. Sie haben tatsächlich eine Partei hinter sich und Menschen, die niemanden zu fürchten brauchten. Furcht haben sie keine, soviel ich sehe. Aber sie sind auch vernünftig. So wie es einst I. Nadejde tat, halten sie bis zum Grabe an der gesetzlichen Ordnung fest. Die Zivil- und Militärbehörden wollen sie davon abdrängen. Umsonst. Ihre Taktik ist der gesetzliche Weg. Selbst wenn auf sie geschossen wird, wie am 13. Dezember 1918, selbst wenn sie halbtot geschlagen werden, protestieren die Sozialisten mit viel Würde, sie weichen aber nicht vom gesetzlichen Weg ab.

Auf alle Fälle benötigen wir heute Wahnsinnige. Die Wahnsinnigen mögen vortreten, die die illegale gesetzwidrige Aktion beginnen sollen zur Beseitigung der heutigen Lage ...“

Gegen die christliche Kirche schrieb das Judenblatt „Opinia“ am 10. August 1919:

„Die Nationalisten von Jassy beginnen sich zu regen: Es sind aber ihrer zu wenige, auch sind sie zu geistlos.

Die Nationalisten haben eine „Garde des Nationalen Bewußtseins“ gegründet. Sie haben Aufrufe herausgegeben. Sie halten Versammlungen ab ... Es wurden auch chauvinistische Studenten herangeholt. Auch die unvermeidlichen Priester sind in Erscheinung getreten ...

Während allenthalben die Kirche vom Staat losgelöst wird und Privatangelegenheit jedes einzelnen bleibt, rufen unsere Nationalisten die Geistlichkeit an, um eine organisierte und grundsätzliche religiöse Propaganda zu entwickeln ...

Dann tritt der Priester in Erscheinung: Mit dem Geiste der Sanftmut fährt seine Hand dem Volke in den Schopf und stößt es solange mit der Stirn gegen die Steinquadern der Kirche, bis es bewußtlos ist: Gott will es!

Diese Lügen blenden heute niemanden mehr. Vergeblich heften sich die Nationalisten dreifarbige Bänder an die Arme. Vergeblich hetzen die Intellektuellen gegen die Juden. Vergeblich stiften sie die Priester an, uns in den Kirchen zu verfluchen. Heute fürchtet niemand mehr ihren Bannfluch.

... Wir lehren die Liebe unter den Menschen. Und für jene Türen der Gotteshäuser, die den Haß und die Rache beherbergen, haben wir nichts als Fußtritte übrig.“

Und unter der Oberschrift „Die Prozession“ hetzte dieselbe jüdische „Opinia“ am 26. Okt. 1919:

„Ein ehrenhafter Klerus hat der ,Garde des nationalen Bewußtseins’ für ihre Umzüge seine Bärte, Talare und Heiligenfahnen zur Verfügung gestellt. Der Luxus aber, einen Herrgott mit seinem ganzen Generalstab zur Verfügung zu haben, kostet Geld. Wir fordern die Trennung zwischen Staat und Kirche. Wir werden nie und nimmer zulassen, daß durch die aus uns erpreßten Steuern das Dunkelmännertum, die ,Aufgabe des Ichs’ und der ,Geist der Entsagung’ gezüchtet werde, die dem Polizeiregime Vorschub leisten ...

Die Kuppeln der Kirche lasten auf den Schultern der Menschheit - die Rosenkränze zerren sie zu Boden.

Es wird eine öde Prozession werden. Museumstalare werden durch die Straßen ziehen, Brillantenzepter und Bischöfshüte ... Es werden Kreuze und Meßgewänder an uns vorüberziehen. Bärte werden vorüberwallen, Redner mit theatralischen Gebärden ihre Gewänder auf der Brust aufreißen und der Menge ihre blutigen Rippen zeigen - sie werden an Essigschwämmen saugen ...“

Es ist klar, daß von hier bis zum tätlichen Angriff auf Offiziere und dem Abreißen der Achselstücke nur noch ein Schritt war. Desgleichen nur noch ein Schritt bis zur Zerstörung der Kirchen oder ihrer Umwandlung in Ställe und in Lokale wüster sadistischer Orgien für die Juden aus den Redaktionsstuben der „Opinia“, dem „Adevarul“ und der „Dimineatza“ mit ihrer ganzen Mischpoke!

In einer schweren Schicksalsstunde unseres Volkes haben wir in den Spalten dieser Judenblätter den ganzen Haß und die hinterlistigen Machenschaften eines uns feindlich gesinnten Volkes erfahren, das durch das Mitleid und nur durch das Mitleid der Rumänen sich ansässig machte und hier geduldet wurde. Es fehlte ihnen jede Achtung für den Ruhm der rumänischen Armee und für die vielen Hunderttausende, die in unserem Heere gefallen waren. Es fehlte ihnen die Achtung für den christlichen Glauben eines ganzen Volkes.

Es verging kein Tag, an dem sie nicht in jeder Zeitungsspalte Gift in die Herzen geträufelt hätten.

Aus der Lektüre dieser Zeitungen, bei der sich mein Herz zusammenkrampfte, lernte ich die wahren Gefühle dieser Fremdlinge kennen, die sie in einem Augenblick, da sie uns zu Boden geschlagen glaubten, ohne Hemmungen enthüllten.

Während eines einzigen Jahres habe ich soviel Antisemitismus gelernt, daß er mir für drei Menschenalter genügt hätte.

Man kann nicht ein Volk in seinen heiligsten Gefühlen treffen, in allem, was sein Herz liebt und ehrt, ohne es im tiefsten zu verletzen und ihm blutige Wunden zu schlagen. Siebzehn Jahre sind seither verflossen und immer noch bluten diese Wunden.

Es sei mir gestattet, in diesem Zusammenhang eine heilige Pflicht zu erfüllen und des Handwerkers Constantin Pancu zu gedenken, jenes Helden, der der Vorkämpfer der christlichen Arbeiterschaft gewesen ist und unter dessen Führung ich Seite an Seite marschierte, bis die Rote Bestie, wie er sie nannte, zu Boden gezwungen war.

Diesem Menschen, seinem Mute und seinem Einsatz verdankt Jassy die Rettung vor dem Verderben.

Er starb krank und arm, vergessen und ohne Hilfe, inmitten eines gleichgültigen Vaterlandes und inmitten der Stadt, die er mit seinem Herzblut in ihren schwersten Schicksalsstunden verteidigt hatte.


Der erste Studenten-Kongreß nach dem Weltkrieg
vom 4. bis 6. September 1920 in Klausenburg

Unter großer Begeisterung über die Vereinigung des gesamten rumänischen Volkes, durch die Kraft seiner Waffen und Opfer, fand dieser Studentenkongreß im Saal des Nationaltheaters in Klausenburg statt. Es war das erste Treffen junger geistiger Kräfte des Volkes, das durch Schicksal und Unglück in alle vier Winde zerstreut gewesen war. Zweitausend Jahre der Ungerechtigkeiten und Leiden fanden ihren Abschluß.

Welche Begeisterung! Welch heilige Bewegung der Gemüter! Wieviel Tränen der Freude wurden vergossen!

Aber so groß die Begeisterung war, so groß war auch die Unklarheit über unseren weiteren Weg. Das Judentum versuchte diese Unklarheit auszunutzen. Es hatte sich durch Einflüsterungen und Druckmittel in den Ministerien, durch Freimaurer und Politiker bis zuletzt bemüht, daß folgender Punkt auf die Tagesordnung des Kongresses gesetzt werde: Aufnahme der jüdischen Studenten in die studentischen Verbände. Damit wurde versucht, rein rumänische Organisationen in rumänisch-jüdische umzuwandeln. Die Gefahr war groß: Der Bolschewismus pochte drohend an die Pforten. Es bestand die Gefahr, zahlenmäßig von jüdisch-kommunistischen Elementen in unseren eigenen Organisationen an die Wand gedrückt zu werden. Zumindest in Jassy und in Czernowitz war die Lage verzweifelt.

Trotz dieser Gefahr waren die Leiter des Kongresses für diese Machenschaften gewonnen. Junge Studenten lassen sich sehr leicht beeinflussen, besonders wenn ihnen ein Glaube fehlt. Sie lassen sich nicht so sehr durch augenblickliche materielle Vorteile, die man ihnen vielleicht bietet, irre führen, als durch Schmeicheleien, die man ihnen sagt und durch Aussichten auf eine glänzende Laufbahn, die man ihnen vortäuscht.

Der junge Student aber wird fortan wissen müssen, daß er, wo er auch immer sein mag, auf Wache steht für sein Volk. Daß er, wenn er sich bestechen, umschmeicheln oder überreden läßt, seinen Posten verläßt, Fahnenflucht begeht und Verrat.

Unsere kleine Gruppe von Jassy, die sich mit der buchenländischen Gruppe zusammengeschlossen hatte und durch ihre Entschlossenheit unbesiegbar war, kämpfte zwei Tage lang einen zähen Kampf. Am Ende aber trug sie den Sieg davon! Der Kongreß lehnte den Vorschlag der Studentenführung ab und nahm meinen Vorschlag in namentlich durchgeführter Abstimmung an. Ich glaube, der Kongreß faßte diesen Entschluß nicht aus innerer Überzeugung, sondern unter dem Eindruck der Entschlossenheit und der Unerbittlichkeit, mit der wir diesen Kampf geführt hatten.

Die Czernowitzer Studentenschaft, die die Zahl 60 nicht überschritt, hatte sich wunderbar gehalten, desgleichen unsere kleine Jassyer Gruppe, die kaum 20 Mann stark war. Wenn man noch die 20 Mann der Gruppe Ciochina, ebenfalls aus Jassy, hinzuzählt, so kämpften wir dort zwei volle Tage in einem Kräfteverhältnis von 100 zu 5000!

Unser damaliger Sieg war entscheidend. Wäre unser Standpunkt nicht durchgedrungen, so hätten die studentischen Verbände ihren rumänischen Charakter verloren und wären durch die Berührung mit den Juden unweigerlich auf die Bahnen des Bolschewismus geraten.


Die Eröffnung der Universität Jassy im Herbst 1920

Während an allen anderen Hochschulen Ruhe herrschte, waren wir zu ewigem Kampfe verurteilt.

Zum ersten Male in der Geschichte der Jassyer Universität kündete der Senat den Beginn der Vorlesungen ohne vorhergehenden Gottesdienst an. Um unseren Schmerz zu verstehen, muß man wissen, daß diese Feierlichkeit seit einem halben Jahrhundert ohne Unterbrechung das schönste Fest der Universität war. Zu dieser Feierstunde erschienen der ganze Senat der Universität, alle Professoren, die Studenten und auch die neu Hinzugekommenen. Der Erzbischof der Moldau oder sein Vikar las in der Aula der Universität die Messe und segnete den Beginn der Arbeit für die Kultur des rumänischen Volkes. Nun aber ließ unsere Universität durch eine Geste ihres Senats diesen Brauch fallen.

Schlimmer noch: die Universität des christlichen Jassy, die bedeutendste rumänische Hochschule, verkündete in jenen schweren Stunden den Kampf gegen Gott und forderte die Beseitigung Gottes aus der Schule, den Anstalten, aus dem ganzen Lande.

Die Jassyer Professoren nahmen mit Ausnahme einiger weniger den religionsfeindlichen Senatsbeschluß mit großer Genugtuung auf. Sie begrüßten ihn als einen Fortschritt, der die rumänische Wissenschaft aus „Barbarei“ und „mittelalterlichen Vorurteilen'' befreien werde. Die kommunistischen Studenten jubelten. Das Jassyer Judentum triumphierte. Nur wir, die wenigen, fragten uns voller Schmerz: Wie lange wird es noch dauern, bis sie unsere Kirchen zerstören und die Priester in ihren Ornaten auf den Altären kreuzigen werden?

Wir acht national eingestellten Studenten, die wir uns in Jassy befanden, klopften vergeblich an die Türen vieler Professoren, um zu versuchen, den gefaßten Beschluß rückgängig zu machen. Unser wiederholtes Vorsprechen blieb ohne Erfolg. Da faßten wir am letzten Tage den Entschluß, uns der Eröffnung der Universität mit Gewalt zu widersetzen.

Wir schliefen alle in der Suhupanstraße 4, dem Zentrum unserer Aktion, um beisammenzubleiben. Morgens um 6 Uhr ging ich mit Vladimir Frimu zur Universität voraus, während die anderen uns folgen sollten. Ich schloß den hinteren Ausgang der Universität ab und ließ Frimu dort zurück. Dann schrieb ich mit Rotstift einen Zettel, den ich an das Hauptportal der Universität heftete. Er lautete: „Ich bringe den Herren Studenten wie auch den Herren Professoren hiermit zur Kenntnis, daß die Universität erst nach dem üblichen Gottesdienst eröffnet wird.“

Die anderen Kameraden kamen erst später - viel zu spät!

Um 8 Uhr begannen die Studenten zu erscheinen. Am Hauptportal leistete ich ganz allein bis 1/210 Uhr Widerstand. Bis dahin hatten sich vor der Universität etwa 300 Studenten versammelt.

Als der Mathematikprofessor Müller mit Gewalt einzudringen versuchte, rief ich ihm zu: „Als Sie Professor wurden, haben Sie aufs Kreuz geschworen. Weshalb stellen Sie sich jetzt gegen das Kreuz? Sie sind meineidig, denn Sie haben auf etwas geschworen, woran Sie nicht glaubten, und jetzt brechen Sie diesen Eid!“

In diesem Augenblick stürzten die Studenten, über 300 an der Zahl, an ihrer Spitze Marin, der Häuptling der Kommunisten, über mich her, rissen mich hoch, öffneten die Tür und zerrten mich in die Wandelhalle, wo sie mich im wilden Durcheinander eine halbe Stunde lang durch den Gang hin und her schleppten und mit Stöcken und Fäusten auf mich einschlugen. Weder Verteidigung noch Widerstand war möglich. Ich war in die Mitte genommen und erhielt Hiebe und Schläge von allen Seiten. Endlich ließen sie mich laufen. Während ich in einer Ecke stand und das Pech meiner Niederlage überdachte, erschienen auch die übrigen sechs Kameraden.

Der Sieg meiner Gegner war jedoch nicht von langer Dauer, denn kurze Zeit später heftete der Sekretär der Universität folgenden Anschlag an: „Es wird zur Kenntnis aller gebracht, daß das Rektorat den Beschluß gefaßt hat, die Universität bis Mittwoch geschlossen zu halten, an welchem Tage sie im Anschluß an den Gottesdienst eröffnet werden wird.“ Es war ein großer Erfolg, der uns mit tiefster Freude erfüllte.

Zwei Tage später, am Mittwoch früh, nahm die ganze Stadt in der überfüllten Aula an dem Eröffnungsgottesdienst teil. Alle beglückwünschten mich. Professor A. C. Cuza sprach unvergeßliche Worte. Seit jener Zeit aber wurde in mir der Glaube wach, der mich nie wieder verlassen wird: daß derjenige, der für sein Volk und seinen Gott kämpft, auch wenn er ganz allein sein sollte, niemals besiegt werden wird.

In der Öffentlichkeit Jassys fanden diese Kämpfe lebhaften Widerhall. Unsere Gegner erkannten, daß der Bolschewismus nicht ohne ernste Auseinandersetzungen vordringen konnte, auch dann nicht, wenn sich fast alle Universitätsprofessoren, die Presse, das Judentum und die Mehrheit der Arbeiterschaft auf seine Seite schlugen, während auf der anderen Seile nur eine Handvoll junger Leute kämpfte, die dieser Macht nichts anderes entgegenstellen konnte, als ihren unendlich großen Glauben an die Zukunft des Volkes. Diese jungen Menschen verkörperten den Widerstand eines Willens, der wie ein Felsen im Boden stand. Unsere Gegner fürchteten nicht uns, sondern unsere Entschlossenheit. Die anderen, das christliche und rumänische Jassy, ermutigten uns und verfolgten unser Tun mit Wohlwollen.


Das Universitätsjahr 1920/1921

Das Jahr, das unter den oben geschilderten Umständen begonnen hatte, war eine ununterbrochene Kelle von Kämpfen und Zusammenstößen. Wir kämpferischen Studenten schlössen uns in der studentischen Verbindung „Stefan der Große“ zusammen, zu deren Vorsitzendem ich gewählt wurde. Von hier aus griffen wir unsere Gegner an und trugen einen Sieg nach dem anderen davon.

In der Universität selbst wurden Versammlungen unmöglich. Die meisten der Studenten waren kommunistisch oder sympathisierten doch mit den Kommunisten. Sie kamen trotzdem nicht vorwärts, denn unsere kaum 40 Mann starke Gruppe war immer zur Stelle. Wir griffen immer an und duldeten kein Umsichgreifen kommunistischer Ideen und Machenschaften.

Der Generalstreik, den die Kommunisten im Zusammenhang mit der Verhaftung des kommunistischen Studenten Spiegler an der Jassyer Universität zu organisieren versuchten, brach nach zwei Tagen zusammen. Unsere Gruppe besetzte die Kantine und hinderte die Streikenden den Speisesaal zu betreten nach dem Grundsatz: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Die Bemühungen des Rektors und der Professoren, uns zu veranlassen, diese Studenten, doch zum Essen zuzulassen, blieben erfolglos.

Unsere Gruppe nahm den Kampf auch mit der jüdisch-kommunistischen Presse auf. Freilich besaßen wir selbst keine Presse, um auf dem Wege des gedruckten Wortes den Kampf vorzutragen. Nach einigen unverschämten Artikeln über König, Heer und Kirche war unsere Geduld zu Ende. Wir drangen in die Redaktionsstuben und Druckereien der Zeitungen „Lumea“ und „Opinia“ ein und zertrümmerten die Gift und Gemeinheit speienden Setzmaschinen.

Gewiß, wir riefen Unruhen hervor. Aber diese Unruhen sollten andere, viel gefährlichere und nie wieder gutzumachende Unruhen verhindern, die von den Söldnern der kommunistischen Revolution in diesem Lande vorbereitet wurden.

Alles das sollte mich zum Gegenstand ihrer Rache machen. Die jüdische Presse griff uns an. Eine scharfe Antwort darauf war nötig.

Eines Tages treffen wir auf der Straße die Schriftleiter der „Opinia“. Nachdem ich Genugtuung für ihre Beleidigungen gefordert hatte, gerieten wir in heftigen Wortwechsel und schließlich ins Handgemenge. Meine Gegner wurden tüchtig durchgebläut.

Am nächsten Tage wandten sich alle Zeitungen Jassys gegen mich: die „Opinia“, „Lumea“ und „Miscarea“.


Für immer von der Universität Jassy ausgeschlossen

Die Sache zog weitere Kreise. Der Senat der Universität mischte sich ein und schloß mich, ohne mich angehört zu haben, für immer von der Universität Jassy aus. Endlich sollten die Universität und die Stadt Jassy von dem lästigen Störenfried befreit werden, der seit zwei Jahren den jüdisch-kommunistischen „Frieden“ störte und sich allen Revolutionsversuchen widersetzte, die den König beseitigen, die Kirchen niederbrennen, die Offiziere erschießen und Hunderttausende von Rumänen abschlachten wollten.

Die „Elemente der Ordnung und Legalität“ waren für den Senat der Universität: die Kommunisten. Ich dagegen war der Unruhestifter und Störer dieser Ordnung.


Das Dekanat der Juristischen Fakultät

Ihre Pläne wurden jedoch zunichte gemacht. Es kam zu einem in der Geschichte unserer Universität einzig dastehenden Ereignis: Die Juristische Fakultät nahm an dem Beschluß des Senats Anstoß, und mit den Professoren Cuza, dem Dekan, Cantacuzino und Alexandrescu an der Spitze widersetzte sie sich ihm. Alle Versuche der Fakultät, die Wut des Senats zu besänftigen, blieben jedoch erfolglos. Der Senat blieb bei der erteilten Strafe.

Darauf zog die Juristische Fakultät ihren Vertreter aus dem Senat zurück, fügte sich auch weiterhin seinem Beschlüsse nicht und erklärte sich unabhängig. Das Dekanat teilte mir mit, ich könne die Vorlesungen weiter besuchen, da das Professorenkollegium der Juristischen Fakultät es abgelehnt habe, die Beschlüsse des Senats der Universität anzuerkennen. So blieb ich weiterhin Student der Jassyer Universität. Infolge dieses Zwischenfalls entsandte die Juristische Fakultät drei Jahre lang keinen Vertreter in den Senat der Universität. Der Konflikt dauerte Jahre hindurch und zog sich noch nach meinem Abgang von der Universität hin.

Als ich später die Staatsprüfung bestanden hatte, weigerte sich das Rektorat, mir das Diplom auszuhändigen. Es weigerte sich bis zum heutigen Tage. Für die Aufnahme in die Rechtsanwaltskammer und für die Fortsetzung meiner Studien im Ausland diente mir lediglich ein von der Juristischen Fakultät ausgestelltes Zeugnis.

Seit Beginn des Studienjahres 1921 konnte man in den jüdisch-kommunistischen Reihen ein Zurückweichen beobachten als Folge der mangelhaften Führung. Nirgends mehr zeigte sich der Versuch eines Widerstandes. Die meisten der neu eingeschriebenen Studenten hatten von unseren Kämpfen gehört und brannten darauf, an unserer Seite zu marschieren. Kaum angelangt, meldeten sie sich in hellen Scharen bei uns.


Vorsitzender des Verbandes Juristischer Studenten

Im Herbst des Jahres wurde ich zum Vorsitzenden des Verbandes Juristischer Studenten gewählt. Der Senat der Universität wollte meine Wahl nicht bestätigen unter dem Vorwand, daß ich ausgeschlossen sei. Ich bestätigte mich darauf selbst.

Der Verband Juristischer Studenten verfolgte wie alle übrigen Verbände der Universität einen wissenschaftlichen Zweck im Sinne der Ergänzung und Vertiefung des fachlichen Wissens. Er hielt wöchentlich Sitzungen ab. Ein Student referierte über ein juristisches Lehrbuch, darauf folgten Diskussionen. Ich behielt diese Regel bei, aber ich führte eine Neuerung ein: Alle diese Arbeiten und Referate mußten die Judenfrage im Licht der Wissenschaft behandeln.

Es wurden Arbeiten über die Judenfrage in Rumänien und im Ausland verlesen, über das internationale Judentum, über den Werdegang dieses Problems. Wir studierten die Kampfmittel, die gegen uns eingesetzt wurden, den jüdischen Geist und die jüdische Denkweise und suchten selbst nach Kampf- und Abwehrmitteln. Jeder Darlegung folgten Diskussionen und Ergänzungen und zum Schluß eine kurze Formulierung des Erarbeiteten, so daß jeder die Sitzung aufgeklärt verlassen konnte. Im weiteren Verlauf dieser Sitzungen versuchten wir, praktisch durchzuführen:

1. Das Erkennen des jüdischen Geistes und der jüdischen Denkweise, die Schritt für Schritt in das Denken und Fühlen eines großen Teiles unseres Volkes eingedrungen waren.

2. Die Entgiftung unserer eigenen Seele, die radikale Ausrottung alles Jüdischen aus unserem Denken, unseren Schulbüchern, der Literatur, den Lehren unserer Professoren, aus Vorträgen, Theatern und Film.

3. Das Erkennen und die Entlarvung der unter verschiedenen Formen getarnten jüdischen Pläne. Rumänien hat politische Parteien, die von Rumänen geführt werden, durch die aber das Judentum spricht. Wir haben rumänische Zeitungen, die von Rumänen geschrieben werden, aus denen aber der Jude für seine Interessen schreibt. Wir haben rumänische Redner und rumänische Schriftsteller, die mit rumänischen Worten jüdisch   denken, schreiben und sprechen.

Wir erkannten im Verlaufe unserer Arbeit, daß das rumänische Volk zum erstenmal in der Geschichte mit einem Volk in Berührung gekommen war, das als arteigene Waffe Hinterlist und Falschheit zum Vernichtungskampf einsetzte. Der Rumäne hatte nichts anderes als offenen Kampf gekannt. Gegen die neuen jüdischen Kampfmittel war er wehrlos. Wir erkannten, daß alles davon abhing, unseren Feind genau kennenzulernen. Daß in dem Augenblick, wo wir ihn bis ins Letzte durchschaut hatten, wir ihn auch besiegen würden.

Ein volles Jahr lang fanden diese Sitzungen regelmäßig statt. Es stellte sich ein immer größerer Kreis von Studenten aller Fakultäten zu unseren Sitzungen ein, so daß der Studentenverband seine ursprüngliche Form fast gänzlich verlor. Die gesamte Studentenschaft scharte sich um die Tätigkeit des Verbandes Juristischer Studenten. Der Hörsaal war für die Masse der Studenten, die an unseren Sitzungen teilnehmen wollten, zu klein geworden.

Besonders die bessarabischen Studenten erschienen immer zahlreicher. Nach einem halben Jahr unserer Tätigkeit erlebten wir ein wahres Wunder: Dreiviertel aller christlichen Studenten aus Bessarabien waren erwacht, fühlten sich zu neuem Leben berufen und erkannten den geistigen Aufbruch. Nach kurzer Zeit schon wurden sie die gläubigsten Soldaten unseres Kampfes und stellten sich mit ihrer Treue und Kameradschaft, mit ihrer seelischen Sauberkeit und ihrem Opfergeist an die Spitze der Bewegung, die sich jetzt durchzusetzen begann. Diesen Augenblick, in dem wir Waffenbrüderschaft schlössen und den Schwur leisteten, für unser christliches Vaterland gegen das Judentum in zu kämpfen, werden wir nie vergessen. Wir, die wir uns gestern noch bekämpften, umarmten uns jetzt als Brüder.

Die Richtlinien für unsere Sitzungen waren die Schriften unserer unsterblichen großen Geister: Bogdan Petriceicu Hajdeu, Vasile Conta, Mihail Eminescu, Vasile Alexandri und andere, insbesondere aber die Schriften und Vorlesungen des Professors Cuza, die Schriften des Professors Paulescu und die Vorlesungen des Professors Gavanescul über völkische Erziehung.

Alle Schrillen Professor Cuzas wurden nicht einmal, sondern drei- und viermal gelesen und genau durchgearbeitet. Besonders seine Vorlesungen über politische Volkswirtschaft, die von der Höhe der Wissenschaft die Judenfrage behandelten und alle Rumänen mahnten, dieses schwerste Problem der Gegenwart endlich ernst zu nehmen, waren unser Leitfaden. Es ist unser Stolz, daß wir Rumänen einen Cuza hervorgebracht haben, einen der besten Kenner der Judenfrage in der Welt. Ihm verdanken wir es, daß wir alle Machenschaften des Judentums durchschaut haben. Seine Vorlesungen standen auf einer seltenen geistigen Höhe und wurden von allen Studenten mit ungewohnter Aufmerksamkeit verfolgt. Der größte Hörsaal der Juristischen Fakultät war stets zu klein. Für lange Zeit wird die Jassyer Universität keinen Lehrer haben, dessen nationale Vorträge ein ähnliches Interesse hervorrufen.

In dieser Zeit bekam das Leben vieler aus unseren Reihen einen tieferen Sinn über die Interessen des Alltags hinweg. Es war der Kampf für unser in seinem Bestand bedrohtes Volk.


Der Besuch an der Czernowitzer Universität

An den anderen Hochschulen herrschte Ruhe. Einzig in Czernowitz begann im Frühjahr 1921 der Kampf um das rumänische Theater. Er endete mit dem Siege der Studenten. Im Frühjahr 1922 organisierten wir vom Verband Juristischer Studenten aus einen Besuch der Jassyer Kommilitonen in Czernowitz. Wir wurden von Professoren und Studenten freudig empfangen. Wir waren mehr als hundert Besucher und taten in den drei Tagen unseres Aufenthaltes nichts anderes, als unseren Czernowitzer Kommilitonen den neuen Glauben zu verkünden, der in unseren Herzen so tiefe Wurzeln geschlagen hatte.

Es war keine schwere Aufgabe. Czernowitz litt noch mehr als Jassy mit seinen jüdischen Straßenzügen und seinem verjudeten Handel, mit seinen verlassenen Kirchen, seinem überfremdeten Boden und seiner entrechteten rumänischen Bevölkerung unter der jüdischen Überschwemmung. Kurz, es umschloß uns ein festes Band, das aus unserem heißen Sehnen erstanden war, einmal ein Volk der Würde und der Kraft zu werden und Herren unseres Schicksals und unseres Landes zu sein!

Dieses Band wurde noch inniger geknüpft, als die Czernowitzer unseren Besuch im nächsten Monat erwiderten. Hier lernte ich Tudose Popescu kennen, jene herrliche Gestalt eines jungen Kämpfers mit den kühnen Zügen eines Rebellen, der später in unserer studentischen Bewegung führend wurde und heute in einem armseligen Friedhof unter einem vergessenen Kreuz ruht.

Am 1. April 1922 erschien die Halbmonatsschrift „Apararea Nationala“ („Die Nationale Verteidigung“), die von den Professoren Cuza und Paulescu herausgegeben wurde. Man kann sich vorstellen, was das Erscheinen dieser Zeitschrift für unsere Gedankenwelt und für unsere Auseinandersetzungen bedeutete. In dieser Zeitschrift fanden wir alles, was wir an Rüstzeug zu unserer restlosen Aufklärung brauchten. Die Aufsätze der Professoren Cuza und Paulescu wurden von der gesamten Jugend mit fast religiöser Inbrunst gelesen und fanden überall in den Reihen der Studenten, auch in Bukarest und Klausenburg, großen Anklang. Der 1. und 15. eines jeden Monats war für uns ein Freudentag. Die einzelnen Hefte dieser Zeitschrift bildeten für uns Rüstkammern, aus denen wir unsere Waffen bezogen, mit denen wir die Argumente der jüdischen Presse zu Boden schlugen.


Die Gründung der „Vereinigung Christlicher Studenten“

Am 20. Mai 1922 traten wir zu einer engeren Beratung zusammen und erklärten den Studentenverband Jassy, der sich noch in den Händen unserer Gegner befand und vom Rektorat unterstützt wurde, für aufgelöst und gründeten die „Vereinigung Christlicher Studenten“, die auch heute noch besteht. Wir hatten seinerzeit als kleine Gruppe den Aufbruch gewagt, hatten einen Kreis von Studenten um uns gesammelt und später den Verband Juristischer Studenten in die Hand genommen. Jetzt zum Schluß entstand aus unserer zähen Unnachgiebigkeit ein wirklicher Studentenbund unter der Bezeichnung „Vereinigung Christlicher Studenten“, dem die Herzen der Jassyer Studenten freudig entgegenschlugen.

Nun nach drei Jahren des Kampfes, in denen uns das Feuer so vieler Prüfungen innig zusammengeschmolzen halte, nahte der Tag meines Abschiedes von der Universität, vom Studentenleben und den Kampfgenossen. Wehmut erfüllte meine Seele. Es blieb noch ein Monat bis zum Staatsexamen, und doch konnte ich mich nicht mit de Gedanken befreunden, alles verlassen zu müssen, mit dem Gedanken, daß wir Kameraden vom Jahrgang 1919, die wir eine so enge seelische Gemeinschaft miteinander gefunden hatten, nun auseinandergehen und uns verlieren sollten, jeder in einem anderen Winkel des Landes.

Ich bestimmte Sava Margineanu zu meinem Nachfolger im Verband Juristischer Studenten und llie Garneatza als zukünftigen Vorsitzenden der „Vereinigung Christlicher Studenten“. Dann legten wir 26 Kameraden, die wir uns stärker aneinander gebunden fühlten, einen feierlichen Eid ab und gelobten, für den Glauben, der uns hier auf der Universität aneinander geschmiedet hatte, auch weiterhin zu kämpfen. Diesen Eid faßten wir schriftlich ab, unterschrieben ihn und legten das Schriftstück in eine Flasche, die wir vergruben. Nachdem ich die Staatsprüfung bestanden hatte, legte ich mit einer zweiten, 46 Mann starken Gruppe, die jünger im Kampf war, ein anderes Gelöbnis ab. Ich hatte sie alle nach Husi eingeladen, wo wir vier Tage lang Besprechungen abhielten und unsere kommende Tätigkeit bis in die letzten Einzelheilen festlegten. Hier sprach auch mein Vater wiederholte Male zu den Kameraden und hielt sie an zu Kampf und Einsatz. Als wir uns trennten, nahm jeder im Herzen die tiefe Sehnsucht nach besseren und gerechteren Tagen für unser Volk mit. Das Gelöbnis lautete:

„Angesichts der schweren Lage unseres Volkes, das in seiner Lebenskraft von einem anderen Volk aufs tiefste bedroht ist, von einem fremden Volk, das durch Wucher unser Gut an sich gerissen hat und danach strebt, die Führung des Landes in seine Hand zu bekommen –

Damit unsere Nachkommen dereinst nicht, durch Elend und Armut aus dem eigenen Land vertrieben, durch fremde Lande irren müssen, und damit unser Volk nicht unter der Tyrannei einer fremden Nation verblute:

Haben wir unterzeichneten Studenten der Universität Jassy beschlossen, uns unerschütterlich um ein neues und heiliges Ideal zu scharen: die Verteidigung des Vaterlandes gegen die jüdische Überflutung.

Um dieses Ideal zu verwirklichen, haben wir an der Universität Jassy die Vereinigung Christlicher Studenten ins Leben gerufen. Mit diesem Ideal im Herzen verlassen wir heute die Universität.

Wir halten es für unsere erste Ehrenpflicht, überall und jederzeit für unser Recht und für das bedrohte Leben unseres Volkes zu kämpfen. Deshalb nehmen wir, die wir uns heute, Sonnabend, den 27. Mai 1922, versammelt haben, die Verpflichtung auf uns, das Feuer, das uns in der Jugend entflammte, überall mit uns zu tragen , und in allen bedrückten Gemütern die Fackel der Wahrheit zu entzünden, die Fackel des Rechtes, das unser Volk auf freies Leben in diesen Gauen hat. Die Vereinigung Christlicher Studenten soll auch fortan der Mittelpunkt unseres gemeinsamen Kampfes bleiben. Nach acht Jahren, also im Jahre 1930, wollen wir uns am 1. Mai alle in der Universität in Jassy einfinden.

Wir wenden uns mit unserem Wort an alle Studentengenerationen, die durch diese Vereinigung gehen und die bereit sind, ihre ganze Arbeit auf den Altar des Vaterlandes zu legen, sich an jenem Tage des gemeinsamen Wiedersehens in der Universität Jassy einzufinden.

27. Mai 1922.

Corneliu Zelea Codreanu, Husi.“

Es folgten 44 weitere Unterschriften.


Am Ende des Hochschulstudiums

Allein geblieben ließ ich die drei Universitätsjahre noch einmal an meinen Augen vorüberziehen. Ich stellte mir die Frage: Wie war es möglich, daß wir so viele Hindernisse überwinden, daß wir die eingefleischten Anschauungen und den Willen vieler Tausende von Menschen besiegen, Universitätssenate niederzwingen und die Anmaßung einer feindlichen Presse brechen konnten? Hatten wir Geld besessen, um Söldner einzustellen, Zeitungen herauszugeben, Reisen zu unternehmen und einen regelrechten Krieg zu führen? Nichts besaßen wir!

Als ich mich in den ersten Kampf warf, tat ich es nicht, weil mich jemand dazu aufgefordert hätte. Ich tat es auch nicht auf eine Beratung oder einen Beschluß hin, mit dessen Ausführung man mich etwa betraut hätte. Ich tat es nicht einmal unter dem Druck eines dauernden inneren Kampfes oder tiefer Grübeleien, die mir diese Aufgabe gestellt hätten.

Nichts von alledem! Ich könnte nicht sagen, wie ich in den Kampf geraten bin. Vielleicht ging es mir so wie einem Menschen, der auf der Straße mit seinen Sorgen, Plänen und Gedanken einhergeht und plötzlich sieht, wie aus einem Hause die Flammen schlagen, und der sofort seinen Rock abwirft und den von den Flammen bedrohten Menschen zu Hilfe eilt.

Der Befehl des Herzens war es, der mich vorwärtstrieb, aus einem Instinkt der Selbstverteidigung heraus, der auch dem Wurm gegeben ist. Nicht aus persönlichem Erhaltungstrieb, sondern aus dem Trieb, das Volk zu verteidigen, dem ich angehöre.

So kam es, daß ich die ganze Zeit über die klare Gewißheit hatte, daß das ganze Volk hinter uns steht, mit allen Lebenden und den Heersäulen der für das Land gefallenen Toten, mit seiner ganzen Zukunft, daß durch uns das Volk kämpft und spricht, daß das Heer der Widersacher, möge es noch so groß sein, vor dieser geschichtlichen Ganzheit nur eine Handvoll menschlicher Überbleibsel ist, die wir zerschlagen und besiegen werden.

Aus diesem Grunde brachen unsere Gegner zusammen, an der Spitze der unüberlegte Universitätssenat, der glaubte, gegen eine Handvoll überspannter Jünglinge zu kämpfen und in Wirklichkeit sein eigenes Volk bekämpfte und traf.

Es gibt ein Naturgesetz, das jeden an seinen Platz stellt. Alle, die sich gegen die Naturgesetze empörten, von Luzifer bis in unsere Tage, alle diese Empörer, die oft sehr intelligent, aber immer ohne Überlegung waren, sind gefallen wie vom Blitz getroffen.

Im Rahmen dieses Naturgesetzes, dieser weisen Einrichtung, kann jeder kämpfen, ja, ein jeder hat das Recht und die Pflicht, für ein besseres Dasein einzutreten. Außerhalb dieser Einrichtung, gegen sie oder über sie hinweg kann niemand ungestraft und unbesiegt wirken. Das Blutkörperchen muß im Rahmen und im Dienste des menschlichen Organismus bleiben.

Empörung wäre es aber nicht nur, wenn der einzelne sich gegen den Organismus stellte, sondern auch dann, wenn er nur sich selbst im Auge halte. Wenn er nur sich selbst zufriedenstellen wollte, wenn er keinen höheren Zweck und kein Ideal fühlte, als nur sich selbst. Wenn er - mit einem Wort - sein eigener Herrgott geworden wäre.

Der einzelne hat im Rahmen und im Dienste seines Volkes zu stehen. Das Volk aber steht im Rahmen und im Dienste Gottes und der göttlichen Gesetze. Wer dies begreift, wird Sieger bleiben, selbst wenn er allein stehen sollte. Wer dies nicht begreift, muß fallen.

Von diesem Gedanken beherrscht, beendete ich mein drittes Hochschuljahr.

Was unsere Organisation betrifft, so hatten wir uns von Anfang an auf den Führergrundsatz und auf Disziplin festgelegt. Das demokratische System schafften wir ab, nicht aus kluger Überlegung oder aus theoretischen Erwägungen. Die Ablehnung aller Gedanken an Mehrheitsherrschaft und dergleichen saß uns einfach vom ersten Augenblick an im Blut. Von Anfang an habe ich immer geführt. Ein einziges Mal in drei Jahren bin ich gewählt worden: als man mich zum Vorsitzenden des Verbandes Juristischer Studenten machte. Während der ganzen übrigen Zeit wurde nicht ich zum Führer gewählt, sondern immer habe ich mir die Mitkämpfer ausgesucht. Niemals habe ich Ausschüsse gegründet, niemals über irgendwelche Vorschläge abstimmen lassen. Immer wenn ich fühlte, daß es nötig war, beriet ich mich; die letzte Entscheidung aber habe ich stets allein getroffen, und ich habe auch stets die volle Verantwortung auf mich genommen. Deshalb war unsere kleine Gruppe immer eine unzerstörbare Einheit. Lager mit geteilten Meinungen, mit Mehrheiten und Minderheiten, die sich über Vorgehen und Leitgedanken in die Haare geraten wären, gab es bei uns nicht.

Bei allen anderen war es umgekehrt. Darum sind sie auch immer besiegt worden.

Ein unerschütterlicher Glaube, der wie eine Fackel allezeit in unseren Herzen loderte und uns den Weg anzeigte, eine strenge Disziplin, Entschlossenheit im Kampfe selbst und klare, abwägende Vorbereitung des Angriffs, dazu der Segen Gottes und des Vaterlandes, dies alles hat uns in jenen drei Kampfjahren zum Siege verholfen.


Der Sommer 1922

Der Sommer 1922 brachte Unruhen. Auf den Bühnen der rumänischen Nationaltheater in den moldauischen Städten begann die Truppe „Kanapof“ Stücke in jüdischer Sprache aufzuführen. Unsere Jugend sah darin eine Gefahr: hier war der erste Anfang einer Entfremdung der Theater, die doch der nationalen und moralischen Erziehung des rumänischen Volkes dienen sollten. Verdrängt aus dem Handel, verdrängt aus der Industrie, verdrängt von der Ausbeutung der rumänischen Bodenschätze, verdrängt vom Gebiet der Presse, würden wir Rumänen auch noch erleben, von den Bühnen unserer Nationaltheater vertrieben zu werden. Die Bühne zusammen mit Schule und Kirche kann eine gesunkene Nation wieder zum Bewußtsein ihrer Rechte und ihrer geschichtlichen Sendung erwecken. Die Bühne kann ein Volk zu befreiendem Kampf vorbereiten und anspornen. Sollte uns auch diese Möglichkeit genommen werden?

Unsere Theater, die mit dem Geld und der Arbeit der Rumänen errichtet worden waren, sollten den Juden dienen, dunkle Kräfte im Kampf gegen uns aufzurufen und ihnen Halt zu geben. Andererseits aber würden sie uns Rumänen von unseren rumänischen Bühnen herab eine solche seelische und geistige Kost verabreichen, die zum Zusammenbruch und zur nationalen und moralischen Vernichtung unseres Volkes führen mußte.

Es wäre die Pflicht und Schuldigkeit der Regierung, jeder Behörde und auch der Professoren gewesen, angesichts dieses Oberfalls auf unsere Theater entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Keine Spur davon! Die Jugend allein, die bereit war, Schläge und ungezählte Beleidigungen hinzunehmen, und nirgends eine Unterstützung fand, wehrte sich so gut sie konnte.

Diese Kämpfe der Jassyer Studentengruppe um das Theater wurden in allen Städten geführt: in Husi, Vaslui, Barlad, Botosani, Pascani und anderen, und überall wurden sie von den Schülern der Gymnasien unterstützt. Sie drangen in die von Juden dichtbesetzten Theatersäle ein, schleuderten alles, was ihnen in die Hände geriet, auf die Schauspieler und vertrieben sie auf diese Weise von den rumänischen Bühnen.

Das sei unzivilisiert gewesen, werden vielleicht einige sagen. Mag es immerhin so sein. Ist es vielleicht zivilisiert, wenn ein fremdes Volk ein anderes langsam, Schritt für Schritt, von allen seinen Gütern verdrängt? Ist es vielleicht zivilisiert, wenn diese fremde Nation eine Kultur vergiftet? Hatten die Mittel, die von den Juden in Rußland angewandt wurden, mit Zivilisation etwas zu tun? Ist es zivilisiert, Millionen von Menschen ohne irgendein Gerichtsverfahren abzuschlachten? Ist es zivilisiert, Kirchen anzuzünden oder in Kabarette umzuwandeln?

Jeder muß sich gegen solche Überfälle wehren, soweit es seine schwachen Kräfte nur irgend zulassen. Durch die Presse, wenn er eine besitzt; mit Hilfe der Behörden, wenn sie noch rumänisch sind; mit dem Wort, wenn es jemand hört; schließlich aber mit der Gewalt, wenn alle schweigen und nichts anderes mehr übrigbleibt. Feige und unwürdig ist derjenige, der aus Käuflichkeit oder Feigheit sein Land nicht verteidigt.

Wie man es nun auch nennt, der Kampf war ein flammender Protest. Es war der einzige Protest inmitten eines feigen, furchtbaren Schweigens. Am nächsten Tag kehrten die Kameraden mit Wunden und Beulen bedeckt zurück, denn es ist wahrlich keine Kleinigkeit, als kleine Gruppe von 15 jungen Leuten in ein Theater, in dem 3-4000 Juden sitzen, einzudringen. Vor allem aber kehrten sie überhäuft mit Schimpf und Spott durch die eigenen, rumänischen Volksgenossen heim.

Oftmals frage ich mich: Was war es, das unsere kleine Gruppe angesichts so vieler Schläge und Beschimpfungen, die von überall kamen, aufrecht hielt? Von keiner Seite erhielten wir irgendwelche Hilfe. In diesem Kampf gegen alle Welt fanden wir die Kraftquelle in uns selbst, in unserem festen Glauben, uns auf der Linie unserer nationalen Geschichte zu befinden, an der Seile aller jener, die für unser Volk und Vaterland gekämpft und gelitten haben und als Märtyrer gefallen sind.


In Deutschland

Im Herbst des Jahres 1922 kehrte ich nach Jassy zurück. Dort machte ich den Kameraden meinen langgehegten Wunsch bekannt, nach Deutschland zu fahren, um dort mein volkswirtschaftliches Studium zum Abschluß zu bringen und zugleich auch, wie wenig es auch sei, unsere Ideen und unsern Glauben nach außerhalb zu tragen. Aus unserer gründlichen Beschäftigung mit der Judenfrage hatten wir klar erkannt, daß die Judenfrage einen internationalen Charakter hat, und daß folglich auch die Bekämpfung des Judentums nach einem gemeinsamen internationalen Plan erfolgen muß, daß eine völlige Lösung dieses Problems nur durch ein gemeinsames Vorgehen aller christlichen Völker, die die Judengefahr erkannt haben, erreicht werden kann.

Nun besaß ich weder Geld noch Kleider. Die Kameraden verschafften mir einen Anzug und liehen von Ing. Grigore Bejan 8000 Lei, die sie in monatlichen Raten abzahlen wollten, indem ein jeder von ihnen nach besten Kräften beitrug. Mit dem geliehenen Gelde, rund 200 Mark, fuhr ich nach Berlin, von den Kameraden zum Bahnhof geleitet, die daheim blieben, um weiterzukämpfen.

In Berlin angekommen, waren mir zwei Freunde, die Studenten Balan und Zotta, sehr behilflich. Ich ließ mich an der Berliner Universität immatrikulieren. Am Immatrikulationstage legte ich meine rumänische Nationaltracht an und erschien so zu dieser erhebenden Feier, wo der Rektor nach allem Brauch jedem neu eingeschriebenen Hörer die Hand drückt. In meiner rumänischen Nationaltracht war ich in den Sälen der Universität der Mittelpunkt einer allgemeinen Neugierde.

Den Leser dieser Zeilen werden besonders zwei Fragen über das Deutschland des Jahres 1922 interessieren: einmal die damalige Gesamtlage des Reiches und dann der Stand der antisemitischen Bewegung.

Die Wunden, die der kaum beendete Weltkrieg geschlagen hatte und die Deutschland auf die Knie gezwungen hatten, bluteten. Wirtschaftliches Elend lag über Berlin und dem ganzen Lande. Ich erlebte den rasenden und katastrophalen Sturz der Mark. Es mangelte an Brot. Es mangelte an Nahrungsmitteln. Es mangelte an Arbeit in den Arbeitervierteln. Hunderte von Kindern irrten durch die Straßen und flehten die Vorübergehenden um Hilfe an. Leute, die Geld und Gut besessen hatten, waren in wenigen Tagen zu Bettlern geworden.

Die aber Boden und Häuser besaßen und sie in der Hoffnung auf ein gutes Geschäft und einen Riesengewinn verkauften, waren in einigen Wochen völlig verarmt. Das jüdische Kapital des In-und Auslandes machte Bombengeschäfte. Mit einigen hundert Dollar wurde man Eigentümer von ganzen Häuserblocks mit über 50 Wohnungen. Auf allen Straßen wimmelte es von jüdischen Maklern, die niederträchtige Geschäfte machten.

Leidensgenossen dieses großen Elends waren auch einige Ausländer, zu denen auch ich mich zählen konnte, da ich keinen Pfennig besaß. Die allgemeine Not veranlaßte mich, Berlin kurz vor Weihnachten zu verlassen und nach Jena überzusiedeln, wo das Leben billiger war. Dort machten der Geist der Disziplin, die Arbeitskraft des deutschen Volkes, sein Pflichtgefühl, seine Genauigkeit, seine zähe Widerstandskraft und sein Glaube an bessere Tage, trotz allem Jammer und aller Not, in der es sich befand, einen tiefen Eindruck auf mich. Es ist ein kraftvolles, gesundes Volk. Ich sah, daß es nicht gewillt war, sich zu Boden schlagen zu lassen, sondern daß es trotz allen Schwierigkeiten, die wie Felsen auf ihm lasteten, mit ungeahnten Kräften zu neuem Leben auferstehen würde.

Was nun die antisemitische Bewegung anbelangt, so gab es damals in Deutschland mehrere politische und rein geistig-wissenschaftliche, judengegnerische Organisationen mit zahlreichen Zeitungen, Flugschriften und Abzeichen. Alle aber waren schwach. Die Studenten von Berlin und Jena verloren sich in Hunderten von Vereinen und zählten nur sehr wenig Antisemiten in ihren Reihen. Die breite Masse der Studenten kannte dies Problem noch kaum. Von einer großen antisemitischen Bewegung unter den Studenten, oder wenigstens von einer geistigen Erfassung dieses Problems, wie wir es in Jassy versucht hatten, war hier keine Rede. Ich hatte in Berlin im Jahre 1922 viele Aussprachen mit Studenten, die heute bestimmt begeisterte Nationalsozialisten sind. Und ich bin stolz darauf, ihr Lehrer in antisemitischen Fragen gewesen zu sein. Was ich an festen Wahrheiten und Erkenntnissen in Jassy gesammelt hatte, das gab ich nun an sie weiter.

Von Adolf Hitler hörte ich zum erstenmal Mitte Oktober des Jahres 1922. Ich verkehrte damals bei einem Arbeiter im Norden Berlins, der Hakenkreuze anfertigte. Wir standen in guten Beziehungen zueinander. Er hieß Strumpf und wohnte in der Salzwedeler Straße 3. Er sagte eines Tages zu mir: „Man hört von einer antisemitischen Bewegung, die von München ihren Ausgang genommen hat. Ihr Kopf soll ein junger 33jähriger Maler, namens Hitler, sein. Ich habe den Eindruck, dieser Mann ist es, auf den wir Deutsche schon lange warten.“ Was dieser Arbeiter damals erschaute, ist in Erfüllung gegangen.

Ich bewundere heute noch seinen vorausschauenden, sicheren Instinkt, der es ihm möglich machte, gleichsam mit den Fühlern seiner Seele, unter Millionen Menschen und ohne ihn gekannt zu haben, schon zehn Jahre vorher den Mann herauszufinden, der im Jahre 1933 den herrlichen Sieg erringen und das gesamte deutsche Volk unter seinem großen Befehl allein einigen sollte.

Ebenfalls in Berlin und fast zur gleichen Zeit hörte ich vom gewaltigen faschistischen Aufbruch: dem Marsch auf Rom und dem Sieg Mussolinis. Ich freute mich darüber, als wäre es ein Sieg meines Vaterlandes. Es besteht ein festes Band der Sympathie zwischen allen denen, die unter verschiedenen Himmelsstrichen ihren Völkern dienen, wie auch eine enge Verbindung zwischen allen denen besteht, die an der Vernichtung der Völker arbeiten.

Der Held Mussolini, der den giftigen Drachen mit dem Fuße zertrat, gehörte zu unserer Welt. Darum stürzte auch die Hydra über ihn her und schwur ihm den Tod. Für uns andere war er ein strahlender Stern, der uns mit froher Hoffnung erfüllte. Fr war uns der lebendige Beweis dafür, daß die Hydra bezwungen werden kann, eine Bestätigung unserer eigenen Siegesaussichten. „Ihr freut euch zu früh. Mussolini ist nicht antisemitisch“, zischte uns die jüdische Presse ins Ohr. Sorgt euch nicht um unsere Freude; wir aber fragen euch: Weshalb ärgert euch sein Sieg so sehr, da er doch nicht antisemitisch ist? Warum richtet die Judenpresse der ganzen Welt so heftige Angriffe gegen ihn? Wenn Mussolini in Rumänien lebte, müßte er unbedingt antisemitisch sein, denn sein Faschismus bedeutet in erster Linie: Verteidigung des eigenen Volkes gegen alle Gefahren, die es umlauern. Er bedeutet die Beseitigung aller dieser Gefahren und die Erschließung des freien Weges, der das Volk zu arteigenem Leben und stolzer Größe führt. In Rumänien könnte der Faschismus nichts anderes bedeuten als die Beseitigung aller Gefahren, die das rumänische Volk bedrohen. Das heißt aber, Beseitigung der jüdischen Gefahr und Erschließung des freien Weges zu Leben und Größe, worauf die Rumänen ein Recht haben.

Das Judentum ist in der Welt durch die Freimaurerei und in Rußland durch den Kommunismus zur Macht gelangt. Mussolini hat in seinem Lande diese beiden Köpfe der jüdischen Hydra zerschmettert, die Italien mit dem Tode bedrohten. Dort ist also das Judentum durch die Vernichtung der Stellungen, die es innehatte, getroffen worden. Bei uns müssen ebenfalls seine Bollwerke zerschlagen werden: die jüdische Masse, der Kommunismus und die Freimaurerei. Diese Gedanken setzen wir, die rumänische Jugend, im allgemeinen den jüdischen Versuchen entgegen, uns die Freude über den Sieg Mussolinis zu verleiden.


DIE STUDENTENBEWEGUNG

Der 10. Dezember 1922

Ich befand mich noch in Jena, als mich die Nachricht erreichte, daß sich die gesamte rumänische Studentenschaft aller Universitäten zum Kampf erhoben hatte. Diese unverhoffte, geschlossene Kundgebung der rumänischen Jugend war wie ein vulkanischer Ausbruch aus den Tiefen des Volkes. In Klausenburg begann es, im Herzen Siebenbürgens, das immer wieder die entscheidende Stellung bezog, wenn die Nation durch schwere Stunden ging. Dann brach die Bewegung fast gleichzeitig auf allen Universitäten machtvoll hervor.

Am 3. und 4. Dezember gab es in Bukarest, Jassy und Czernowitz große Straßenkundgebungen. Die gesamte rumänische Studentenschaft stand auf wie in der Stunde einer großen Wende. Zum tausendsten Male warfen diese Rasse und dieser Boden, der im Laufe der Jahrhunderte so oft bedroht gewesen war, ihre Jugend der Gefahr entgegen, um wieder einmal die eigene Existenz zu retten.

Es war ein großer Augenblick allgemeiner Begeisterung, ohne vorherige Vorbereitung, ohne irgendein Für und Wider, ohne Beschlüsse, die man in Ausschüssen gefaßt hätte, ohne daß die Studenten aus Klausenburg die aus Jassy, Czernowitz und Bukarest auch nur gekannt hätten. Wie eine Erleuchtung kam es über alle, wie ein Blitz in dunkler Nacht, der vor die Augen der gesamten Jugend die Lebenslinie ihres Volkes stellte. Diese Linie geht klar und hell durch unsere ganze Geschichte und setzt sich ungebrochen fort in die Zukunft unseres Volkes. Sie zeigt uns den Weg des Lebens und der Ehre, den wir beschreiten müssen, wir und unsere Nachkommen, wenn wir Leben und Ehre für unser Volk wollen.

Alle Geschlechter müssen sich irgendwie an dieser Linie ausrichten. Sie können sich ihr nähern oder sich von ihr entfernen. Je nachdem werden sie auch ihrem Volk ein Höchstmaß an Lebenskraft und Ehre oder ein Höchstmaß an Ehrlosigkeit und Schande bereiten.

Es kommt vor, daß sich zu dieser höchsten Lebenslinie nur einzelne erheben, daß ihre Generation ihnen nicht folgt. Dann sind allein sie das Volk. Sie erheben die Stimme in seinem Namen, denn auf ihrer Seite stehen die Millionenheere der Toten und Märtyrer der Vergangenheit, und auf ihrer Seite steht das kommende neue Leben des Volkes.

Hier zählt nicht die Mehrheit und ihre Meinung, selbst wenn sie 99 Prozent betragen sollte. Denn nicht die Meinung der Mehrheit bestimmt die Lebenslinie eines Volkes. Die Mehrheit kann sich dieser Linie nur nähern oder sich von ihr entfernen, je nach dem Stand ihres völkischen Fühlens und ihrer Lebenskraft oder je nach dem Stand ihrer Verkommenheit und ihres völkischen Verfalls.

Unser Volk hat nicht in den Millionen von Sklaven gelebt, die ihren Nacken unter das Joch der Fremden beugten, sondern in einem Horia und Avram Iancu, in einem Tudor und Iancu Jianu und in allen Haiduken [Horia, Avram Iancu, Tudor und Iancu Jianu sind rumänische Freiheitshelden, die sich gegen die ungarische und griechische Unterdrückung erhoben hatten. Haiduken sind Freischärler. D. Übers.], die sich dem fremden Joche nicht beugten, sondern die Flinte auf den Rücken warfen, in die Berge stiegen und die Ehre und das heilige Feuer der Freiheit mit sich nahmen. Durch diese hat damals unser Volk gesprochen, nicht durch die feige oder gar „vernünftige“ Mehrheit. Ob diese wenigen siegen oder fallen, bleibt sich gleich. Denn, wenn sie auch sterben, so lebt doch das ganze Volk in ihrem Tode und gewinnt aus ihrer Ehre neue Ehre, Sie leuchten durch alle Zeiten wie strahlende Gestalten, die auf Bergesgipfeln emporragen und in der Abenddämmerung von den letzten Sonnenstrahlen übergössen werden, während auf die weiten Niederungen zu ihren Füßen sich die Nacht der Vergessenheit und des Todes senkt. Der Geschichte des Volkes wird nicht angehören, wer leben oder siegen wird und dabei die Lebenslinie des Volkes preisgibt, sondern nur derjenige, der auf dieser Linie bleibt, ganz gleichgültig, ob er selbst siegt oder fällt!

Denn diese Lebenslinie hat Gott für jedes Volk einmal festgelegt. Diese Lebenslinie ihres Volkes haben die rumänischen Studenten am 10. Dezember 1922 erblickt. Das ist das Große dieses Tages: die gesamte rumänische Jugend hatte das Licht geschaut!

Am 10. Dezember versammelten sich in Bukarest die Delegierten aller studentischen Verbände und legten in 10 Punkten fest, was sie als das Entscheidendste und Wichtigste ihrer Forderungen ansahen. Auf allen Hochschulen brach der Streik aus. Die Studentenschaft verlangte die Verwirklichung dieser 10 Punkte. Nicht dadurch ist der 10. Dezember bedeutend, daß damals die Delegierten ihre Forderungen erhoben. Er ist groß, weil damals die ganze Jugend das Wunder des Erwachens zum Licht erlebte, das ihre Seele gesucht hatte.

Dieser Tag ist bedeutend als Tag des Entschlusses zur Tat. Damit wurde der heilige Krieg erklärt, der von der rumänischen Jugend so viel Seelenkraft, so großen heldischen Einsatz, so viel Reife, so viel bekannte und unbekannte Opfer und Grabhügel fordern sollte. Der 10. Dezember 1922 rief die Jugend dieses Landes zu harter Prüfung auf.

Weder die in Bukarest Versammelten noch ich, der ich in der Ferne war, noch die anderen, die damals Schulkinder waren und heute vielleicht in Gefängnissen schmachten oder unter der Erde ruhen, hätten geglaubt, daß dieser Tag uns so viele Gefahren, so viele Qualen und bittere Wunden im Kampfe um unser Land bringen werde.

In Bukarest, Klausenburg, Jassy und Czernowitz flammte eine gewaltige Begeisterung unter den Studenten auf, die von ihrer unmittelbaren Lebenskraft und nicht von irgendwelchen Führern getragen war. Die Studenten wandten sich gegen den Feind. In erster Linie nahmen sie die Judenpresse aufs Korn, die Zeitungen „Adevarul“, „Dimineata“, „Mantuirea“, „Opinia“ und „Lumea“, die Herde moralischer Verseuchung, Vergiftung und Verwirrung unseres Volkes. Sie bestürmten diesen Feind, um ihn zu vernichten, zugleich aber, um dem Volk die Gefahr der feindlichen Front zu zeigen, vor der es sich in acht nehmen muß. Die Kundgebungen gegen die Judenpresse bedeuteten, daß diese zum Feind der völkischen Lebensinteressen erklärt wurde. Dadurch sollten die Rumänen gewarnt werden, sich von den Zeitungen der Juden und der rumänischen Judenfreunde blenden oder verführen zu lassen.

Die Judenpresse greift das religiöse Gefühl in uns an, schwächt den moralischen Widerstand im Menschen und sucht die lebendige Verbindung mit drin Ewigen zu zerreißen. Sie verbreitet antinationale Theorien, schwächt den Glauben an das Volk und entfremdet uns den Boden. Sie nimmt uns die Liebe zu ihm, die uns allezeit Ansporn zu Kampf und Opfer ist. Diese Presse stellt unsere Lebensinteressen verfälscht dar. Sie verwirrt uns und führt uns auf Abwege, die gegen unsere nationalen Interessen laufen. Sie lobt die Minderwertigen und solche, die sich bestechen lassen, damit der Fremde im Trüben fischen kann. Die wahren sittlichen Werte aber, die den jüdischen Plänen und Machenschaften gefährlich sind, werden herabgesetzt und mit den Füßen getreten. Die Judenpresse vergiftet die Seele des Volkes, indem sie täglich und systematisch über sensationelle Verbrechen, unsittliche Handlungen, Abtreibungen, sexuelle Verbrechen und dergleichen berichtet. Sie würgt die Wahrheit ab und unterstützt die Lüge mit teuflischer Beharrlichkeit. Sie greift zur niederträchtigsten Verleumdung und gebraucht sie als Waffe im Vernichtungskampf gegen die aufrechten Rumänen.

Darum muß jeder Rumäne mit größter Aufmerksamkeit die Tätigkeit dieser Judenblätter verfolgen. Jedes einzelne Wort muß genau abgewogen und auf seine geheime Absicht geprüft werden, um die letzten jüdischen Absichten aufzudecken. Auf diese Dinge wollte die Studentenbewegung die Aufmerksamkeit der Rumänen lenken, wenn sie die jüdischen Redaktionen zu Todfeinden des rumänischen Volkes erklärte.

Ich habe betont, daß dieser Aufbruch der studentischen Massen allein ihrer plötzlichen Eingebung entsprang und nicht von Führern organisiert wurde. Es ist einfach, einige Leute heranzuholen und mit ihnen vor dem Hause eines anderen feindliche Kundgebungen zu veranstalten. Wenn aber die breiten Massen aus innerem Antrieb sich in erbitterter Feindschaft gegen jemanden erheben, dann ist dieser damit unbarmherzig als Feind des Volkes gebrandmarkt und gerichtet.


DIE JUDENFRAGE

Die Zahl der Juden

Allein schon aus der großen Zahl der Juden erwächst eine Reihe wichtiger Probleme: das Problem des rumänischen Bodens, das Problem der Städte, das Problem der rumänischen Schule und der führenden Schicht und das Problem der nationalen Kultur. Was ich im folgenden ausführe, entnehme ich im wesentlichen dem Gedankengut des Professors A. C. Cuza.

Die Zahl der Juden in Rumänien ist nicht genau bekannt. Die Statistiken wurden von den rumänischen Politikern mit größter Nachlässigkeit und Ungenauigkeit durchgeführt, einmal um ihren Volksverrat zu verschleiern. Dann aber drücken sich die Juden überall vor der Wahrheit, die in den Zahlen steht. Ein Sprichwort sagt: „Der Jude lebt von der Lüge und stirbt an der Wahrheit.“ Obendrein war lange Zeit hindurch der Direktor des Statistischen Staatsamtes, ein gewisser Leon Colescu, ein Jude, der vor der Rumänisierung seines Namens Leon Coler hieß.

Von ihrem Standpunkt aus haben die Juden freilich recht. Denn wenn das rumänische Volk den genauen Anteil der jüdischen Bevölkerung wüßte, so würde es die ungeheure nationale Gefahr, in der es sich befindet, erkennen und sich zur Verteidigung des Vaterlandes erheben. Vor der Wahrheit der Statistik zerbricht die Macht des Judentums und findet ihr Ende. Denn diese Macht kann nur von der Verheimlichung der Wahrheit, von Fälschung und Lüge leben.

Wir nehmen an, daß heute in Rumänien zwei bis zweieinhalb Millionen Juden leben. Aber selbst wenn es weniger wären, nur eine Million - wie sie selbst behaupten -, befände sich das rumänische Volk in ständiger Lebensgefahr. Denn es interessiert nicht allein die Zahl an sich, die Menge, sondern vor allem auch die Eigenschaften derer, die diese Zahlen bilden, und besonders interessieren die Stellungen, die von den Juden im organischen Aufbau eines Staates und in allen Formen des Lebens eines Volkes eingenommen werden.

Unser Land war seit jeher das Land feindlicher Einfälle. Aber niemals im Laufe der Geschichte hat dieses Land ein Heer gesehen, das die riesige Zahl der Juden erreicht hätte. Die feindlichen Einfälle gingen über uns hinweg. Die heutigen Eindringlinge aber ziehen nicht mehr fort. Sie setzen sich auf unserem Boden fest und fressen sich wie die Pest in den Boden und in den Leib des Volkes.

Wann begann der Einbruch der Juden? Um das Jahr 1800 finden wir in der Moldau kaum einige tausend Juden. Im Jahre 1821 lebten in Bukarest ganze 120 jüdische Familien. Die späte Festsetzung des jüdischen Elements auf unserem Boden findet ihren Grund darin, daß sich die Juden mit Handel beschäftigten, der Handel aber zu seiner Entwicklung Freiheit und zu seiner Ausübung Sicherheit braucht. Auf rumänischem Boden fehlten beide Vorbedingungen. Es fehlte die Freiheit, den rumänischen Boden auszubeuten. Der rumänische Boden war der unsicherste und gefahrvollste der ganzen Welt. Der rumänische Bauer besaß keine Sicherheit, weder für Haus und Vieh noch für Arbeit und Ernte. Dieser Boden war ein Raum unablässiger Überfälle, jahrhundertelang der Schauplatz von Kriegen und der Fremdherrschaft mit blutigem Zins und Fron. Was konnte die Juden in dieses Land locken? Sollten sie sich mit Hunnen, Tataren und Türken schlagen?

Die jüdische Invasion begann erst vor hundert Jahren. Nach dem Frieden von Adrianopel im Jahre 1829 wird die Handelsfreiheit errichtet. Gleichzeitig beginnen sich erste Anzeichen eines friedlicheren Lebens zu zeigen. Damit beginnt der Einbruch der Juden, der von Jahr zu Jahr größere Ausmaße annimmt, den Rumänen über den Kopf wächst, das Rumänentum besonders in der Moldau große Vermögenswerte kostet, es moralisch vernichtet und mit dem Tode bedroht. Seitdem ist der jüdische Einbruch in ständigem Wachsen begriffen. Vielleicht ist das Wort Einbruch nicht ganz passend, denn es setzt Gewalt, moralischen und körperlichen Mut voraus. „Jüdische Infiltration“ ist die beste Bezeichnung. Sie hat den Sinn des unauffälligen, feigen, niederträchtigen Einschleichens.

Langsam, aber sicher rissen die Juden den rumänischen Kleinhandel und das Kleingewerbe an sich. Dann griffen sie durch dieselben betrügerischen Machenschaften nach Großhandel und Industrie und brachten die Städte aus der nördlichen Hälfte des Landes in ihre Hände. Der Angriff auf die besitzende rumänische Mittelschicht wurde mit einer Zielsicherheit durchgeführt, die an Raubinsekten erinnert, die ihr Opfer dadurch lähmen, daß sie ihm Gift ins Rückenmark spritzen.

Dieser erfolgreiche Angriff auf den rumänischen Mittelstand bedeutet die Aufspaltung des rumänischen Volkes in zwei Teile, da der Mittelstand die einzige Klasse mit doppeltem Kontakt ist: nach unten berührt er den Bauernstand, auf dem er sich aufbaut und über den er infolge seiner wirtschaftlichen und kulturellen Überlegenheit eine gewisse Autorität besitzt, nach oben hat er mit der führenrenden Schicht Fühlung, die er auf seinen Schultern trägt.

Der Angriff auf den Mittelstand und dessen systematische Vernichtung führt zwangsläufig einerseits zum Zusammenbruch der führenden Schicht, anderseits zur Verdummung und Versklavung des Bauernstandes.

In seinen letzten Folgen bedeutet der jüdische Angriff auf die rumänische Mittelschicht den Tod des rumänischen Volkes. Die Vernichtung des rumänischen Volkes aber bedeutet nicht, wie sich einige vorstellen, den Tod des letzten Rumänen. Sie bedeutet ein Leben in Sklaverei, sie bedeutet, daß Millionen rumänischer Bauern für das Judentum arbeiten müssen.


Das Problem des rumänischen Bodens

Jedes Volk wird sich bei feindlichen Überfällen mit Sorge vor die Frage gestellt sehen: Sein oder Nichtsein! Alle Völker der Welt, vom Urbeginn der Geschichte bis auf den heutigen Tag, haben den Boden des Vaterlandes verteidigt. Wie die Geschichte aller Völker, so ist auch unsere rumänische Vergangenheit erfüllt von Kämpfen um unseren Boden.

Da soll es eine Verwirrung, eine krankhafte Erscheinung sein, wenn die rumänische Jugend sich erhebt, um die gefährdete Heimatscholle zu verteidigen? Ist es nicht eher eine Verwirrung, wenn wir diesen Boden angesichts der drohenden Gefahr nicht verteidigen, wenn wir versäumen, was alle Völker getan haben und heute noch tun? Unnatürlich und krankhaft wäre es, wenn wir uns zur ganzen Welt und zu unserer eigenen Geschichte in Gegensatz stellen.

Der Boden ist die Lebensgrundlage jedes Volkes. Das Volk wurzelt wie ein Baum im Boden des Landes, schöpft aus ihm Leben und Kraft. Wie es keinen Baum gibt, der mit den Wurzeln in der Luft hängt, so gibt es kein Volk, das ohne eigenen Boden leben könnte. Es gibt ewige, göttliche Gesetze, die das Leben der Völker bestimmen. Eines dieser Gesetze ist das Gesetz des eigenen Lebensraumes. Gott hat jedem Volk seinen bestimmten Boden zugeteilt, damit es lebe und wachse, damit es sich entwickele und seine arteigene Kultur hervorbringe. Wie überall, so haben auch in Rumänien die Juden dieses Naturgesetz des Lebensraumes übertreten. Sie sind eingebrochen in unser Land. Sie sind die Störenfriede. Wie kommt das rumänische Volk dazu, die Folgen ihres Einbruches zu tragen? Der gesunde Menschenverstand sagt uns, daß der Übertreter des Gesetzes die Folgen selbst zu tragen hat. Wenn er darunter leidet, so muß er es auf sich nehmen. Keine Logik der Welt wird mir begreiflich machen können, warum ich zugrunde gehen soll für eine Gesetzesübertretung, die andere begangen haben. Das Judenproblem ist die natürliche Folge eines Verbrechens der Juden an den ewigen Gesetzen und der ewigen Ordnung der Natur, nach denen alle Völker leben.

Lösung des Judenproblems? Nur so kann sie lauten: Die Schuldigen haben sich wieder in die große Ordnung der Natur einzufügen und die Naturgesetze zu achten.

Selbst die Landesgesetze verbieten die jüdische Invasion. Artikel 23 der Verfassung lautet: „Das Gebiet Rumäniens kann nicht besiedelt werden durch eine Bevölkerung fremder Herkunft.“ Was ist die Festsetzung von zwei Millionen Juden in Rumänien anderes als Besiedlung? Dieses Land ist das unveräußerliche und unübertragbare Eigentum des rumänischen Volkes!

In grauer Vorzeit hat dieser Boden uns geboren zugleich mit seinen Eichen und Tannen. An diesen Boden sind wir gekettet, nicht nur durch unser tägliches Brot und unser ganzes Dasein, das er uns nach harter Mühe gewahrt, sondern auch durch die Gebeine der Ahnen, die in seiner Tiefe ruhen. Alle unsere Vorfahren ruhen in ihm. Alle unsere Erinnerungen, all unser Kriegsruhm, unsere ganze Geschichte ist mit diesem Boden unlöslich verknüpft und wurzelt in ihm.

Ich frage: Mit welchem Recht wollen die Juden uns diesen Boden nehmen?

Wer gibt mir darauf Antwort? Auf welche geschichtliche Tatsache gründen sie ihre Ansprüche und ihre freche Anmaßung, mit der sie uns Rumänen in unserem eigenen Hause entgegentreten?

Wir sind gebunden an diesen Boden durch Millionen Gräber und Millionen unsichtbarer Fäden. Wehe dem, der es versuchen wollte, uns aus diesem Boden zu reißen!


Das Problem der Städte

Im rumänischen Lebensraum haben sich die Juden nicht wahllos niedergelassen. Sie setzten sich hauptsächlich in den Städten fest und bildeten hier Inseln des festgefügten jüdischen Lebens. Zuerst wurden die Städte und Marktflecken der nördlichen Moldau von ihnen überflutet und erobert: Czernowitz, Hotin, Suczawa, Dorohoi, Botosani, Soroka, Burdujeni, Itzkani usw. Die rumänischen Kaufleute und Handwerker wurden von ihnen vertrieben und verschwanden. Heute eroberten sie diese, morgen jene Straße, übermorgen ein ganzes Stadtviertel, und in weniger als hundert Jahren verloren alte und berühmte rumänische Orte völlig ihr rumänisches Gesicht und wurden Judenstädte. Bald fielen ihnen auch die übrigen moldauischen Städte zum Opfer: Roman, Piatra, Falticeni, Bacau, Vaslui, Barlad, Husi, Tecuci, Galatz und Jassy, die zweite Hauptstadt der Moldau, nachdem die erste, unser uraltes Suczawa, sich in ein schmutziges Judennest verwandelt hatte, das heute die ruhmreiche Burgruine Stefans des Großen umgibt.

In Jassy kann man Straßen und Stadtviertel durchwandern, ohne einen einzigen Rumänen, ohne ein einziges rumänisches Haus, ohne einen einzigen rumänischen Laden zu finden. Man geht an ehemals großen Kirchen vorbei, die heute armselige Ruinen sind: Die „Kirche der Lederer“, einst von der rumänischen Ledererzunft erbaut, oder die „Kirche der Riemer“, erbaut von der Riemerzunft. Alles zerfällt und zerbröckelt. In Jassy gibt es heute keinen einzigen rumänischen Lederer oder Riemer mehr. Die „Kirche des Heiligen und Armen Nikolaus“, das Gotteshaus des alten moldauischen Adels, ist bis auf die Grundmauern zerfallen. Auf die Gräber, die die Ruine umgeben, entleeren die jüdischen Kneipen heute ihre Mülleimer und jüdischen Unrat. Die Kirche auf dem Hauptplatz, auf dem der größte Verkehr herrscht, ist wegen Mangels an Kirchgängern geschlossen, denn die Passanten des Hauptplatzes sind Juden.

Das greift uns ans Herz. Mit zerrissener Seele fragen wir Jungen uns: Wie kann es Rumänen geben, die diese Schurkerei an unserem Volke mitmachen und unterstützen? Woher kommen diese Verräter? Wie kann es sein, daß man sie nicht an die Wand gestellt hat für ihren Verrat?

Wie können wir hier noch ruhig bleiben? Es sind letzte Gewissensfragen, die uns bedrücken, die unsere Seele unruhig machen und unser Leben in Aufruhr bringen. Wir wissen, daß wir nimmermehr Ruhe finden können als im Kampf und Einsatz für unser geschändetes Volk oder im Grab! Unser Schweigen würde Feigheit bedeuten, und jeder Augenblick, den wir zögern, würgt uns zu Tode. –

Von den Städten und Marktflecken Bessarabiens, die wie offene jüdische Eiterbeulen den ausgemergelten und zerstörten Leib dieses Landes bedecken, schweigen wir. Wir reden nicht von dem Maramurescher Kreis, wo die Rumänen wieder Sklaven wurden und hinsterben. Es gibt keine Worte, um die Tragödie der Maramuresch zu schildern. Diese Krankheit hat sich ausgebreitet und frißt um sich wie ein Krebsgeschwür. Sie hat Ramnicu-Sarat ergriffen, sie hat Buzau und Ploesti erfaßt und ist in die Landeshauptstadt eingedrungen. In 145 Jahren ist Vacaresti, ein berühmtes rumänisches Stadtviertel Rukarests, dieser Seuche zum Opfer gefallen. Dudescht, ein anderes Viertel, ist völlig erledigt. Die rumänischen Kaufleute aus der Grivitzastraße sind zu Boden gedrückt. Die Juden stürmen die Stellungen aller rumänischen Kaufherren auf dem sogenannten „Viehmarkt“ und würgen sie ab. Die Calea Victoriei (Siegesstraße) ist ihnen zum Opfer gefallen. Heute ist sie längst keine „Siegesstraße“ mehr, sondern eine Straße der Niederlage für das Rumänentum. Dreiviertel aller Häuser auf der Calea Victoriei sind heute in jüdischem Besitz. Seit zehn Jahren sind sie in die Oltenia eingedrungen und haben sich in Craiova, der Stadt des Fürsten Michael des Tapferen, festgesetzt. Sie sind eingezogen in Ramnicul-Vacea und Severin unter dem Schutz rumänischer Politiker, die gut bezahlt wurden und nun behaupten, daß es ein Judenproblem bei uns nicht gebe.

Der Verlust unserer rumänischen Städte ist vernichtend für unser Volk, denn die Städte sind der wirtschaftliche Mittelpunkt der Nation. In ihnen sammelt sich der Reichtum des Volkes. Wer die Städte beherrscht, ist Herr über die Lebensmöglichkeiten und die Reichtümer des Volkes. Soll es uns Rumänen gleichgültig sein, wer die Güter des Volkes in den Händen hält? Jedes Volkstum entwickelt sich im Rahmen seiner Existenzmittel, über die es frei verfügt. Je geringer die Mittel sind, um so geringer werden auch die Möglichkeiten sein, daß ein Volk wachse und sich entwickele.

Der Übergang der Reichtümer aus rumänischen in jüdische Hände bedeutet aber nicht nur die wirtschaftliche und politische Versklavung des rumänischen Volkes - denn wer keine wirtschaftliche Freiheit besitzt, kann auch keine politische Freiheit besitzen -, sondern er bedeutet auch eine völkische Gefahr, die unsere gesamte Kraft untergräbt. In dem Maße, wie unsere Lebensmöglichkeiten uns genommen werden, werden wir Rumänen von unserem Boden verschwinden, werden unseren Platz die Juden einnehmen.

Weiter bilden die Städte den kulturellen Mittelpunkt eines Volkes. Hier in den Städten haben wir die höheren Schulen, die Bibliotheken, die Theater, die Vortragsräume, die den Städtern zur Verfügung stehen. Eine jüdische Stadtfamilie kann daher mit Leichtigkeit 5-6 Kinder zur Schule schicken. Eine rumänische Bauernfamilie aber aus weiß Gott welch fernem Dorf kann kaum ein einziges Kind die höhere Schule besuchen lassen. Obendrein sind Leistungskraft und Vermögen des Bauern so erschöpft, daß die Lebensgrundlage der anderen fünf Kinder, die zu Hause blieben, gefährdet ist.

Wer die Städte beherrscht, beherrscht alle Möglichkeiten, an der Kultur teilzuhaben. Mehr noch: in den Städten und in den Schulen erfüllt ein Volk seine kulturelle Sendung in der Welt. Wie soll es möglich sein, daß die Rumänen ihre kulturelle Sendung durch jüdische Stimmen, Federhalter, Herzen und Hirne erfüllen?

Schließlich sind die Städte auch der politische Mittelpunkt eines Volkes. Aus den Städten werden die Völker regiert. Wer die Städte beherrscht, besitzt unmittelbar oder mittelbar die politische Führung des ganzen Landes. Was bleibt vom Land, wenn die Städte verloren sind? Ein Millionenhaufe ausgesogener und verarmter Bauern. Unsere Bauern bleiben ohne jede Kultur, vergiftet von jüdischem Fusel und verführt von reichgewordenen jüdischen Wucherern, die nun Herren der rumänischen Städte sind. Diese werden dann nur noch zum Scheine von Humanen geleitet: Präfekten, Bürgermeister, Polizeipräsidenten, Gendarmerie und Minister - sie sind nichts anderes als demütige Durchführer jüdischer Pläne. Sie werden mit jüdischem Geld ausgehalten, umschmeichelt und beschenkt. Man wählt sie in Verwaltungsräte und zahlt ihnen monatliche Gehälter. Judas wurde ein einziges Mal bezahlt. Hier wird der Volksverrat monatlich fest abgegolten. Man reizt ihre Verschwendungssucht und verführt sie zu Ausschweifung und Lasterhaftigkeit. Wenn sie sich aber den jüdischen Plänen widersetzen, sich den Krallen entwinden wollen, werden sie davongejagt, selbst wenn es sich um Minister handelt. Man schneidet ihnen die Bestechungsgelder und klingenden Nebeneinkünfte ab und zeigt der Öffentlichkeit ihre in Gemeinschaft mit den Juden begangenen Gaunereien und unsauberen Geschäfte, um sie zu kompromittieren.

Das aber bleibt in dem Augenblick, wo wir unsere Städte verlieren, von unserem rumänischen Vaterland zurück: eine ehrlose Führerschicht, ein Bauernvolk ohne Freiheit und eine rumänische Jugend ohne Vaterland und ohne Zukunft.


Das Problem der rumänischen Schule

Wer die Städte beherrscht, beherrscht auch die Schulen, und wer heute die Schulen beherrscht, ist morgen Herr dieses Landes.

Ich lasse eine Statistik aus dem Jahre 1920 folgen:

Universität Czernowitz

Philosophische Fakultät

Sommersemester

 

Rumänen:

174

 

Juden:

574

Juristische Fakultät

Sommersemester (nach Konfessionen)

 

Orthodoxe (Rumänen u. Ruthenen)

237

 

Katholiken

98

 

Lutheraner

26

 

Andere Konfessionen

31

 

Juden

506

In Bessarabien

Ländliche Volksschulen

Knaben:

 

Rumänen

72889

 

Christl. Fremde

1974

 

Juden

1281

Mädchen:

 

 

 

Rumänen

27555

 

Christl. Fremde

1302

 

Juden

2147

Städtische Volksschulen

Knaben:

 

Rumänen

6385

 

Fremde        

2435

davon

Juden

1351

Mädchen:

 

Rumänen

5501

 

Fremde

2435

davon

Juden

1492

Mittel- und Gewerbeschulen

Orthodoxe:

1535

Juden:

6302

Gemischte Mittelschulen

Orthodoxe:

690

Juden:

1341

Im alten Königreich

Private Mittelschulen

Bukarest:

 

 

 

Rumänen

441

Juden

781

 

Jassy:

 

 

 

Rumänen

37

Juden

108

 

Galatz:

 

 

 

Rumänen

190

Juden

199

Universität Jassy

Medizinische Fakultät:

Rumänen

546

Juden

831

 

Pharmazeutische Fakultät:

Rumänen

97

Juden

229

 

Philosophische Fakultät:

Rumänen

1073

Juden

421

 

 

 

 

Juristische Fakultät

Rumänen

1743

Juden

370

Mit der Zerstörung der rumänischen Schule durch die große Zahl der Juden werden zwei Probleme aufgeworfen:

1. Das Problem der rumänischen Führerschicht, denn die Schule bildet dem Volke die Führer von morgen heran; und zwar nicht nur die politischen Führer, sondern die Führer auf allen Lebensgebieten.

2. Das Problem der nationalen Kultur, denn die Schule ist die Werkstätte, in der die Kultur eines Volkes vorbereitet wird.


Das Problem der führenden Schicht Rumäniens

Was wird aus den heutigen Schülern und Studenten? Sie sollen morgen die Führer des rumänischen Volkes auf allen Lebensgebieten sein.

Wenn heute 50, 60 oder 70 Prozent aller Schüler Juden sind, so werden wir logischerweise morgen 50, 60 oder 70 Prozent Juden als Volksführer haben.

Wie kann man unter diesen Umständen überhaupt noch die Frage aufwerfen, ob ein Volk das Recht habe, der Zahl der Fremden auf seinen Hochschulen eine Grenze zu setzen?

Es geht nicht an, daß ein Volk sich auf seinen Hochschulen volksfremde Führer heranzieht. Die ganze Schwere des Problems der rumänischen Führerschicht von morgen tritt hier heraus. Rumänien kann nur von Rumänen geführt werden! Oder ist jemand der Meinung, daß Rumänien von Juden geführt werden müsse? Wenn nicht, dann muß er zugeben, daß die rumänische Studentenschaft im Recht ist, und daß alle Feldzüge, alle Beschimpfungen, die Hetze, die Niedertracht, die Intrigen, alles Unrecht, das dieser rumänischen Jugend zugefügt wird, ihre Erklärung in dem Vernichtungskampf finden, den das Judentum zur Ausrottung des rumänischen Volkes und seiner besten Kämpfer führt.


Das Problem der nationalen Kultur

Ein Volk, das dieses schwerste Problem bedenkt, ist wie der Baum, der sich das Problem seiner Früchte stellt. Wenn der Baum sieht, daß er infolge des Überfalls der Raupen den Sinn seines Daseins nicht mehr erfüllen und keine Frucht mehr tragen kann, dann stellt er vor seinem schwersten und bittersten Problem, das noch schwerer ist als das des Lebens überhaupt. Denn es ist für ihn schwerer, den Sinn seines Daseins zerstört zu sehen, als wenn sein Leben selbst zugrunde ginge. Die größten Leiden sind die der nutzlosen Bemühungen, weil es Schmerzen sind, die der Erkenntnis entspringen, daß das Leben sinnlos sei!

Es ist ungeheuerlich: Sollen wir, das rumänische Volk, keine Früchte mehr hervorbringen können? Sollten wir keine eigene, rumänische Kultur schaffen können, keine Volkskultur, die aus unserem Blute gewachsen ist und in der Well neben den Leistungen anderer Völker ihren Platz hat?

Sollen wir dazu verurteilt sein, vor die Welt mit den Erzeugnissen des jüdischen Geistes zu treten? Sollen wir uns mit dem minderwertigen jüdischen Zerrbild einer Kultur vorstellen?

Mit verbittertem Herzen stehen wir vor diesen Tatsachen. Wir wären keine rechten Rumänen, wenn wir angesichts dieser Gefährdung unserer Geschichte nicht zu den Waffen griffen, um uns zu verteidigen.

Nicht nur, daß die Juden keine rumänische Kultur schaffen können, sie werden auch die Kultur, die wir noch besitzen, verfälschen, um sie uns dann vergiftet vorzusetzen.

Wenn die rumänische Schule auf diese Weise eines Tages vernichtet sein sollte, dann müßten wir auf unsere Sendung als Volk verzichten, müßten das Schaffen einer eigenen rumänischen Kultur aufgeben und vergiftet zugrunde gehen.


Rückkehr in die Heimat

Das alles wußten wir Jassyer Studenten, zum Unterschied von unseren Kommilitonen auf den übrigen Universitäten, noch bevor irgendeine Studentenbewegung eingesetzt hatte. Wir hatten diese Fragen aus den Vorträgen Prof. Cuzas und aus den Schriften der Professoren Paulescu und Gavanescul kennengelernt. Wir hatten uns mit ihnen in unserer Fachschaft der Rechtsstudenten beschäftigt und hatten schließlich vieles mit eigenen Augen gesehen und am eigenen Leibe erfahren.

Es war ein entscheidendes Problem, vor das wir uns gestellt sahen. Jeder Tag lieferte uns neue Beweise dafür. Wir sahen die Niedertracht der jüdischen Presse, wir sahen ihre Böswilligkeit auf allen Gebieten. Wir sahen ihre unablässige Hetze gegen unser Volk. Wir sahen die Speichelleckereien und Byzantinismen gewisser Politiker, Beamten, Behörden, Schriftsteller und christlicher Pfarrer, die sich dazu hergaben, dem jüdischen Interessenspiel Vorschub zu leisten. Wir sahen die Unanständigkeit, mit der wir in unserem eigenen Lande behandelt wurden, als ob die Juden seit tausend Jahren hier die einzigen Herren wären. Wir sahen mit wachsendem Zorn die unverschämte Einmischung dieser unerwünschten Gäste in die innersten Angelegenheiten des rumänischen Volkslebens: in Religion, Kultur, Kunst und Politik. Sie wollten uns die Wege vorzeichnen, auf denen sich das Schicksal unseres Volkes erfüllen sollte.

Mein jugendlicher Sinn wurde von diesen Fragen und Gedanken arg gepeinigt. Ich suchte und forschte nach einer Lösung. Folgende Dinge waren es, die mich innerlich stark bewegten und mich zum Kampf vorschickten, mir aber auch Kraft verliehen und mich stärkten in schweren Stunden:

1. Die Erkenntnis der Todesgefahr, in der unser Volk und seine Zukunft schwebten.

2. Die Liebe zum Boden und der tiefe Schmerz, unsere ruhmreichen Stätten von Juden verhöhnt und besudelt zu sehen.

3. Die Ehrfurcht vor den Gebeinen jener, die für das Vaterland gestorben waren.

4. Das Gefühl der Empörung und Auflehnung gegen diese ständigen Angriffe, Verhöhnungen und Fußtritte von Seiten eines fremden Volkes und andererseits das Gefühl für unsere Würde und Ehre als Menschen und als Rumänen.

Als ich daher im Dezember 1922 die freudige Botschaft von dem vulkanischen Ausbruch innerhalb der Studentenschaft erhielt, beschloß ich, sogleich nach Hause zurückzukehren, um Schulter an Schulter mit meinen Kameraden zu kämpfen.

Aus Krakau hatte ich die Studenten von Czernowitz von meiner Ankunft verständigt. Sie erwarteten mich auf dem Bahnhof. Ich blieb zwei Tage dort. Die Hochschule war geschlossen. Die Studenten, die sie bewachten, erschienen wie Soldaten, die mit brennender Seele, in heiligem Gottesdienst für das Vaterland wachen. Nicht der leiseste Hauch persönlicher Vorteile trübte ihre herrliche und heilige Sache. Das, wofür sie sich brüderlich geeint hatten und wofür sie nun wie ein Mann kämpften, stand hoch über ihnen allen, hoch über all ihren persönlichen Nöten und Sorgen.

In Czernowitz war der Führer im Kampfe Tudose Popescu, der Sohn des alten Pfarrers von Marcesti, Theologiestudent im dritten Jahr. Neben ihm standen: Danileanu, Pavelescu, Carsteanu und andere. Ich erkundigte mich genau nach ihrem Schlachtplan. Sie hatten beschlossen, den Generalslreik durchzuführen bis zum Siege, also bis die Regierung die Annahme der Punkte, die am 10. Dezember beschlossen worden waren, mit dem „Numerus clausus“ an der Spitze, zugesichert hätte. Dieser Plan gefiel mir nicht, in meinem Kopf wurzelte ein anderer, nämlich:

a) Die Bewegung muß von den Hochschulen aus das ganze rumänische Volk erfassen. Die Studentenbewegung, die bis jetzt auf die Universitäten beschränkt war, muß eine große, nationale Bewegung aller Rumänen werden. Denn einerseits ist das Judenproblem kein Problem der Hochschulen allein, sondern es geht das ganze Volk an. Andererseits kann die Hochschule allein es niemals lösen.

b) Diese nationale Bewegung muß in eine feste Organisation eingebaut werden und unter einer einzigen Führung stehen.

c) Das Ziel dieser Organisation muß sein, dafür zu kämpfen, daß die nationale Bewegung an die .Macht gelangt, die dann auch die Frage des „Numerus clausus“ und gleichzeitig damit alle anderen Probleme lösen wird. Denn keine Regierung der bisherigen politischen Parteien wird das nationale Problem lösen.

d) Im Hinblick auf all dies soll die Studentenschaft zu einer großen nationalen Kundgebung aus allen sozialen Schichten aufrufen, die dann gleichsam den Beginn dieser neuen Organisation darstellen soll.

e) Für diese Kundgebung soll jede Universität so viel Fahnen anfertigen lassen, wie Bezirke in der betreffenden Provinz vorhanden sind. Diese Fahnen sollen von einer Studentenabordnung einem bekannten völkischen Vorkämpfer, den die Abordnung für den fähigsten hält, überreicht werden. Dieser soll eine Schar führen, die Männer aus Stadt und Land um sich sammeln und nach Erhalt eines Telegramms, das ihm eine Woche vorher Zeitpunkt und Ort der Versammlung angibt, mit der Fahne und seinen Leuten an dem bezeichneten Ort eintreffen.

f) Damit die Versammlung durch die Regierung nicht verhindert werde, sind die Vorbereitungen in aller Stille zu treffen und der genaue Zeitpunkt geheimzuhalten.

Im Saale eines Studentenheimes legte ich meinen Plan etwa fünfzig Kameraden vor. Sie fanden ihn gut und nahmen ihn an. Man sammelte von jedem einen Geldbetrag ein. Damit wurde das nötige Fahnentuch gekauft, und in demselben Saal, in dem ich meinen Plan entwickelt hatte, nähten die Studentinnen Fahnen für alle Kreise des Buchenlandes.

In Jassy traf ich dann alle meine einstigen Kameraden an. Ich entwickelte ihnen meine Absichten. Auch hier wurden, am ersten Tage schon, von den Studentinnen Fahnen für alle Städte der Moldau und Bessarabiens angefertigt.

Professor Cuza traf ich nicht an. Er war mit Professor Sumuleanu und meinem Vater zu einer Versammlung nach Bukarest gefahren.


In Bukarest

Am zweiten Tag fuhr ich nach Bukarest. Hier suchte ich Professor Cuza, Professor Sumuleanu und meinen Vater auf. Diese drei Männer kämpften nun schon über ein Viertel Jahrhundert Schulter an Schulter gegen die Judengefahr. Sie wurden dafür mit Hohn überschüttet, erlitten Schläge und Wunden. Jetzt erlebten sie die große Genugtuung, daß die studierende Jugend des Landes, über dreißigtausend junge Menschen, die Fahnen aufrichteten im Kampf für den Glauben, für den sie ein Leben lang gekämpft hatten.

In Bukarest wurden meine Pläne nicht mit derselben Begeisterung aufgenommen. Zunächst stieß ich bei Professor Cuza selbst auf Widerstand. Ich entwickelte ihm meinen Plan, wie wir eine große, völkische Bewegung schaffen und ihn in der geplanten Kundgebung als den Führer dieser Bewegung proklamieren wollten. Cuza war damit nicht einverstanden. Er sagte: „Wir brauchen keine Organisation. Unsere Bewegung soll sich auf einem gewaltigen Aufbruch der Massen aufbauen.“

Ich bestand auf meinem Plan und verglich eine Massenbewegung mit einer Petroleumquelle. Wenn man diese Quelle, selbst wenn ihr Ausbruch noch so gewaltig ist, nicht zielbewußt durch ein System von Röhren auffängt und weiterleitet, hat sie keinen Wert, denn das Petroleum wird sich nach allen Seiten verteilen und zerrinnen.

Ich verließ Cuza ohne etwas erreicht zu haben. Am nächsten Tag gelang es Professor Sumuleanu und meinem Vater, ihn zu überzeugen.

Aber ich stieß auf Schwierigkeiten, die ich nicht erwartet hatte. Es war Anfang Februar. Die große Masse der Studenten war erfüllt von freudiger, kämpferischer Kraft. Obwohl man ihnen alle Speisehäuser gesperrt hatte, obwohl man die Pforten der Studentenheime geschlossen hielt und die Studenten mitten im Winter auf der Straße stehen ließ, ohne Heime und Brot, standen sie doch in freudiger Kampfbereitschaft und wurden in wunderbarer Weise von den Rumänen der Hauptstadt unterstützt. Schon am zweiten Tage taten sie ihre Türen den Studenten weit auf und beherbergten und beköstigten weit über 8000 junge Kämpfer. Ks war dies eine Tat der Zustimmung, ein Ansporn, eine Solidaritätserklärung und ein herrlicher Trost für die, die Wunden und Schläge erhielten.

Ich hatte jedoch mit der Masse der Studenten keine Verbindung. Ich halle den Eindruck, daß die Führer der Studentenbewegung nicht genügend im Bilde waren über das, was jetzt auf dem Spiele stand. Obwohl sich hervorragende Köpfe darunter befanden, sahen sie sich doch unerwartet an die Spitze einer Bewegung gestellt, an die sie bis dahin kaum gedacht hatten. Andererseits hatte jeder seine besondere Meinung. Die Masse der Studenten selbst war kämpferisch, ein Teil der Führerschaft aber glaubte, es sei vernünftiger, die Gemüter zu beruhigen. Der Mangel an Vorbereitung zu diesem Kampf, der Verkehr mit politischen Schiebern brachten sie dahin, daß einige von ihnen versuchten, die Bewegung auf äußerliche, materielle Dinge abzulenken.

Das durfte nicht sein. Seit den Anfängen der Studentenbewegung versuchte die Judenpresse immer wieder die Bewegung in materielle Bahnen abzudrängen. Das Ziel des Kampfes sollte eine materielle Vergünstigung sein, damit der wahre Gegenstand des Kampfes der Jude - unbemerkt entschlüpfen konnte. Auch die rumänischen Politiker sahen das Problem ganz ähnlich: man müsse den Studenten Heime und Nahrung schaffen, meinten sie. Ein Teil der Bukarester Studentenführung neigte stark dieser gefährlichen Seite zu. Wäre die Studentenschaft diesen Weg gegangen, so hätte sie ihre wahre Sendung für immer preisgegeben.

Meine Meinung war diesen Auffassungen schroff entgegengesetzt. Ich wehrte mich gegen das Hineintragen äußerlicher, materieller Dinge in die Forderungen, die von der Studentenschaft erhoben wurden. Denn - sagte ich, und ich sage es auch heute - nicht die materiellen Nöte und äußeren Mängel hatten die Studentenbewegung zum Aufbruch gebracht, sondern das gerade Gegenteil. Die Abkehr von der Sorge um alle Nöte und Mängel, der Verzicht auf alle persönlichen Interessen und auf das persönliche Wohlergehen hatten die Bewegung hochgerissen. Gerade daß die rumänischen Studenten alles dies zurückstellten und an seine Stelle mit freudigem Herzen die Sorgen, die Nöte und das Wollen ihres Volkes setzten, dies und nur dies gab ihren Augen den heiligen Glanz.

Andererseits herrschte hier in Bukarest die Meinung vor, die Studentenbewegung müsse auf die Universitäten beschränkt bleiben. Sie müsse eine „akademische Bewegung“ bleiben. In diesem Sinne kamen ihr die politischen Parteien weitgehend entgegen, die das größte Interesse daran hatten, die Bewegung auf die Universitäten zu beschränken und sie dort zum Erlöschen zu bringen. Unsere Meinung jedoch war: Wir schaffen die Bewegung nicht um ihrer selbst willen, sondern eine Bewegung, um zu siegen! Die studentischen Kräfte allein genügen nicht, einen solchen Sieg zu erringen. Wir brauchen die Kraft der Studentenschaft, aber sie muß mit der Kraft des ganzen Volkes geeint werden.

Die Bukarester Führer waren außerdem gegen eine Proklamierung Professor Cuzas zum Vorsitzenden einer solchen nationalen Bewegung. Sie waren der Meinung, daß Professor Cuza dafür nicht der geeignete Mann sei. Ich dagegen glaubte, daß wir ihn, so wie er nun eben war, unterstützen müßten.

Und schließlich waren die Bukarester mir gegenüber sehr zurückhaltend. Das schmerzte mich, denn ich brachte ihnen alles entgegen, was ein Mensch nur an Reinem und Heiligem in seinem Herzen trägt. Ich war von dem heißen Wunsche beseelt, mit ihnen kameradschaftlich zusammenzuarbeiten: Für das Land! Es mochte sein, daß sie mich noch zu wenig kannten und sich daher eine gewisse Zurückhaltung auferlegten.

Aus diesen Gründen fand ich in Bukarest Widerstand. Ich begann außerhalb des Ausschusses der Studentenschaft zu arbeiten und ließ nur drei bis vier Fahnen anfertigen.


In Klausenburg

Nach Klausenburg fuhr ich mit Alexandra Ghica. Er war ein Nachkomme des alten Fürstengeschlechtes Ghica und hat sich während der ganzen Dauer der Studentenbewegung tadellos gehalten. Der Vorsitzende der Studentenschaft war Alexa, ein nüchterner, klarer Kopf. Er begegnete mir mit den gleichen Einwänden wie die in Bukarest, sowohl was die notwendige Ausrichtung der Studenten auf eine große Volksbewegung betraf, als auch in Hinblick auf die Proklamierung Professor Cuzas zum Vorsitzenden. Die große Masse der Studenten war draufgängerisch und einsatzbereit. Damals lernte ich Motza kennen: er war ein kluger und begabter Jüngling. Auch er vertrat die Meinung Alexas. Ich versuchte ihn zu überzeugen, aber ich hatte keinen Erfolg. Ich hatte es wahrlich schwer. Keinen einzigen Menschen kannte ich. Immerhin fand ich einige Studenten: Georgescu, Mocanu, Crasmaru, Iliesu und andere. Wir fertigten eine Fahne an. Im Hause des Hauptmanns Siancu, der unserer Bewegung vom ersten Augenblick an ein warmes Herz entgegenbrachte, leisteten wir alle den Fahneneid.


Jassy, am 4. März 1923
Gründung der „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“

Nach Jassy zurückgekehrt, mußte ich zwei Angelegenheiten gleichzeitig betreiben: die Vorbereitung der nationalen Kundgebung, für die wir auf allen Universitäten Fahnen angefertigt hatten, und die Fortführung der Studentenbewegung und Aufrechterhaltung des Generalstreiks.

Die größte Schwierigkeit des ersten Punktes lag nicht darin, daß wir keine Menschen und keine Organisation gehabt hätten. Auch die Maßnahmen der Regierung schreckten uns nicht. Die größte Schwierigkeit erwuchs mir aus dem völligen Mangel an Begeisterung, den Professor Cuza für unseren Plan an den Tag legte. Professor Cuza war nicht restlos überzeugt von der Notwendigkeit einer Organisation. Andererseits glaubte er nicht daran, daß es uns gelingen werde, die geplante Kundgebung zustande zu bringen.

Was die Fortführung der Studentenbewegung anbelangt, so machte die Führung der Bukarester und Klausenburger Studentenschaft ernste Schwierigkeiten. Diese Schwierigkeiten verhinderten die Festlegung gemeinsamer Gesichtspunkte für den Kampf. Erst mit Hilfe eines einheitlichen Kampfplanes wäre es möglich gewesen, eine wirkliche, feste Einheit aller Kräfte zu erreichen und sie zu vollem Einsatz zu führen, um den Feind wie die eigenen begangenen Fehler zu überwinden. Weder die Führer noch die breite Masse der Studentenschaft kannten das Judenproblem. Vor allen Dingen kannten sie den Juden nicht. Sie kannten nicht die Macht der Juden und nicht seine Art, zu denken und zu arbeiten. Wir marschierten in einen Krieg, ohne unseren Feind zu kennen! Weiter glaubten sie, die damalige liberale Regierung oder ihre Nachfolgerin werde die von uns erhobenen Forderungen erfüllen, sobald wir ihr unsere Hilfe anboten. Darum legten sie sich von Anfang an auf den Weg des Verhandelns fest. Sie waren der Meinung, es werde ihnen gelingen, die Politiker von der Berechtigung der studentischen Forderungen restlos zu überzeugen.

Es gibt nichts Aussichtsloseres, als mit Menschen ein Problem zu besprechen, für das ihnen die einfachsten Grundbegriffe abgehen. Angesichts dieser Sachlage traf ich folgende Anordnungen: Einige verläßliche Abgesandte der Jassyer Studentenschaft nehmen an den Beratungen des Bukarester Studentenausschusses teil. Diese Beratungen fanden regelmäßig zwei- bis dreimal wöchentlich statt. Außerdem mußte eine Kampfgruppe durch Auslese der besten Kämpfer aus der großen Masse der Studenten in Bukarest und in Klausenburg geschaffen werden. Diese sollten unabhängig von den Anweisungen der betreffenden Studentenschaft arbeiten.

In Klausenburg und Bukarest waren diese Gruppen sehr bald geschaffen. In Bukarest drangen sie sogar in den Ausschuß der Studentenschaft vor. Die Führung sah sich in jeder Ausschußsitzung einer geschlossenen Opposition gegenüber.

Was die Vorbereitung der Kundgebung betraf, so war die Lage folgende: Im Laufe von zwei Wochen waren vierzehn Fahnen in vierzig Kreisen an entsprechende Vertrauensleute übergeben worden. Es war nur selbstverständlich, daß nun, nachdem sich die Studentenbewegung schon zwei Monate auswirkte und der Generalstreik auf allen Universitäten anhielt, auch die Gemüter aller andern Rumänen stürmisch aufwallten und sie auf ein großes, entscheidendes Wort warteten. Die Fahnen und die Anweisung über Ort und Zeit der Kundgebung waren rechtzeitig überall eingetroffen.


Der 4. März

Professor Cuza rief zur Kundgebung für Sonntag, den 4. März, nach Jassy auf. Wir waren vorher bei ihm zu Tisch geladen. Dort wurde über den Namen der zukünftigen Organisation gesprochen. Hauptmann Lefter sagte: „Nennen wir sie doch ‚Partei zur nationalen Verteidigung’, wie in Frankreich.“ Der Name gefiel mir. Aber Professor Cuza fügte hinzu: „Nicht Partei, sondern Liga nennen wir sie: ‚Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung’.“ Dabei ist es dann auch geblieben.

Ich schickte daraufhin nach Czernowitz, Bukarest und Klausenburg Telegramme folgenden Inhalts: „Die Hochzeit findet am 4. März in Jassy statt.“

Dann ging ich die Vorbereitungen noch einmal bis in die kleinsten Einzelheiten durch. Das Tagesprogramm war von Professor Cuza, Professor Sumuleanu und meinem Vater folgendermaßen festgelegt worden: In der Hauptkirche Morgenandacht, in der Universität Ehrung Simion Barnutzius und Gh. Marzescus, im Bejan-Saale Volksversammlung.

Es wurden nun Maueranschläge angefertigt, die eine große Versammlung ankündigten. Die Kunde von einer großen rumänischen Volksversammlung mit dem Ziel, eine Kampforganisation ins Leben zu rufen, verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den Studenten aller Universitäten. Von dort drang sie in weite Kreise des ganzen Volkes.

Schon am Abend des 3. März brachten die Züge vollbesetzte Wagen mit Teilnehmern und Gruppen mit Führern und Fahnen. Bis zum Morgen waren 42 Gruppen mit ihren Fahnen erschienen. Das Fahnentuch war schwarz zum Zeichen der Trauer. In der Mitte trug es einen weißen Kreis, das Symbol unserer Hoffnung auf den Sieg über die Finsternis. Inmitten des weißen Kreises war ein Hakenkreuz, das Zeichen des antisemitischen Kampfes in der ganzen Welt. Am Rande war das Fahnentuch von den rumänischen Nationalfarben eingefaßt. Professor Cuza hatte in Bukarest die Form dieser Fahne genehmigt.

Nun marschierten wir mit ihnen in die Hauptkirche, wo vor mehr als zehntausend Menschen eine religiöse Feier abgehalten wurde. Im Augenblick der feierlichen Weihe entrollten sich die 42 Fahnen. Geweiht werden sie nun im ganzen Lande flattern. Um jede Fahne wird sich eine feste Burg rumänischer Kraft bilden. Diese Fahnen werden von nun an den Mittelpunkt bilden für alle, die eines Sinnes und eines Geistes sind. Mit ihrer feierlichen Weihe, mit ihrem eindrucksvollen Entrollen, mit ihrer Aufpflanzung in jedem Kreise war ein Problem völkischer Organisation und Ausrichtung gelöst.

Von der Kirche zogen Tausende von Menschen in langem Zuge mit wehenden Fahnen über den Hauptplatz zum Universitätsgebäude. Hier fand die Huldigung und Ehrung für Mihail Kogalnieanu, Simion Barnutziu und Gheorghe Marzescu statt. Im Festsaal der Universität wurde die Gründungsurkunde der „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“ unterzeichnet.

Später fand die Volksversammlung im Bejan-Saale statt, die von General Ion Tarnovschi geleitet wurde. Unzählige, die im Saale keinen Platz mehr gefunden hatten, standen auf der Straße. Mit großer Begeisterung wurde Professor Cuza zum Vorsitzenden der „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“ proklamiert. Es sprachen im Rahmen dieser Versammlung: Professor Cuza, Professor Sumuleanu, General Tarnovschi, mein Vater und die Vertreter aller Kreise und Studentenschaften. Auch ich hatte gesprochen. Als die Entschließung verlesen worden war, übertrug mir Professor Cuza eine wichtige Aufgabe. Er sagte: „Ich beauftrage mit der Organisierung der Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung für das Gebiet des ganzen Landes unter meiner unmittelbaren Leitung den jungen Rechtsanwalt Corneliu Zelea Codreanu.“ Dann ernannte er die Kreisführer.

Die Versammlung fand in mustergültiger Ordnung und unter großer Begeisterung ihren Abschluß.


Andere antisemitische und nationale Organisationen

Kleinere antisemitische Organisationen mit politischem und wirtschaftlichem Charakter gab es schon vor dem Jahre 1900. Es waren schwache Versuche weitschauender und volksbewußter Menschen, die sich der anschwellenden Judeninvasion entgegenwarfen. Die bedeutendste war die „National-Demokratische Partei“, die im Jahre 1910 von den Professoren N. Jorga und A. C. Cuza begründet wurde. Unter den führenden Köpfen befanden sich außer den beiden: Professor Sumuleanu, Professor Ion Zelea Codreanu und Butzureanu.

Schon um 1910-1911 wurden die Orte Dorohoi unter der Führung des Rechtsanwaltes Butzureanu, Jassy unter der Führung Cuzas und Suczawa unter der Führung meines Vaters zu Hochburgen rumänischer Erneuerungsbestrebungen. 1913 war die Bewegung in jenen Kreisen so stark, daß die Regierung bei den Wahlen sich nur durch Anwendung von Terror vor einer Niederlage schützen konnte. Damals wurde mein Vater bei diesen Gewaltakten schwer verletzt.

Gleich nach Beendigung des Krieges, als die Bauern von dem Schlachtfelde heimkehrten, mit der Sehnsucht und dem Entschluß zu neuem Leben, zogen bei den ersten Wahlen Professor Cuza für Jassy und mein Vater für Suczawa ins Parlament ein. Hier kämpften sie einen harten Kampf und wurden vom ganzen Land unterstützt. Bei den nächsten Wahlen errang die „National-Demokratische Partei“ große Erfolge. 31 nationalistische Abgeordnete zogen ins Parlament ein. Zum Unglück des rumänischen Volkes brach die Partei dennoch in sich zusammen. Es gelang den jüdisch-freimaurerischen Mächten, die beiden Führer der Partei, Professor Cuza und Jorga, zu entzweien. Die Mehrzahl der Mitglieder ging mit Jorga. Bei Cuza blieben nur Professor Sumuleanu und mein Vater.

Im Jahre 1923 entstand in Bukarest zur Zeit der Studentenbewegung die „Fascia Nationala Romana“ unter der Führung Lungulescus und Bagulescus. In Klausenburg entstand die „Actiunea Romanesca“ mit den Universitätsprofessoren Catuneanu, Ciortea, Hatiegan und dem Studenten Ion Motza. Motza übersetzte aus dem Französischen die „Protokolle der Weisen von Zion“, die von Professor Catuneanu und Vasiliu erläutert und veröffentlicht wurden. Beide Organisationen besaßen jedoch nicht die Durchschlagskraft der „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“. Sie lösten sich im Jahre 1925 auf und wurden von der „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“ aufgesogen.


Meine Tätigkeit in der Studentenbewegung und in der Liga

Nach Gründung der „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“ mußte ich meine Arbeitskraft teilen: Auf der einen Seite galt meine Arbeit der Studentenbewegung, die auch weiterhin eine ungeteilte Einheit blieb, mit ihren besonderen Organisationen, mit ihren eigenen Problemen und Kämpfen. Andrerseits war ich Organisator der „Liga“ unter der Leitung Professor Cuzas.

Auf Seiten der Studentenschaft kämpfte ich zunächst um Festigung der Stellung, um den Generalstreik durchzuhalten. Er nahm die Studenten völlig in Anspruch und wurde zu einer Ehrenangelegenheit. Die Arbeit war schwer angesichts der ständigen Angriffe, Bedrückungen und Verlockungen, die von allen Seiten auf die Studenten hereinbrachen. Darüber hinaus gab es Gruppen von Zweiflern unter den Studenten, die von unserem Zusammenbruch überzeugt waren und die man in Schach halten mußte. Ich mußte daneben die Kräfte der Studentenschaft planmäßig einsetzen zur Ausweitung der Bewegung auf die breiten Volksmassen, um sie in der „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“ zu einem einzigen großen Heer zusammenzufassen.

Was die Arbeit in der „Liga“ betrifft, so besaßen wir Führer und Fahnen in etwa vierzig Kreisen. Wir hatten nun die restlichen Kreise ebenfalls zu erfassen und eine möglichst enge Zusammenarbeit mit den Kreisführern anzustreben. Außerdem waren unverzüglich Richtlinien für die Organisation zu schaffen. Mit einem Wort: Verteidigung auf der studentischen Linie und Angriff auf der Linie der „Liga“.

Die große Masse der Studenten ging ihren Weg, geleitet von dem gesunden Instinkt der Rasse und dem Schatten der großen Ahnen. Sie gingen diesen ruhmreichen Weg und überwanden alle Schwierigkeiten, die sich ihnen entgegenstellten.

Nicht so einfach stand es mit der „Liga“. Die Kreisführer verlangten Erläuterungen und genaue Richtlinien. Die Menschen, die durch den gewaltigen Aufschwung mitgerissen worden waren, mußten in ihrem Glauben gekräftigt werden. Sie waren ungeschult und mußten von Grund auf mit der Organisation und den Dingen bekannt gemacht werden, die nun im Kampf von ihnen angegangen werden sollten. Sie mußten die harte Schule der Disziplin durchmachen und lernen, zu den Kreisführern Vertrauen zu fassen.

Als ich mich mit den eingetroffenen Briefen und Anfragen zu Professor Cuza begab, stand er ihnen völlig ratlos und hilflos gegenüber. Dies alles war für ihn eine fremde Welt. In der Wissenschaft strahlend wie ein Gestirn und unerreicht auf den Höhen einer theoretischen Welt, stand er nun, wo man auf dem Schlachtfeld der Praxis die Probe liefern sollte, völlig machtlos da. Er sagte: „Wir brauchen keine Richtlinien. Es soll sich alles von selbst entwickeln und organisieren.“ Oder er meinte oft: „Wir brauchen keine Disziplin, denn wir sind hier nicht auf dem Kasernenhof.“

Da packte ich allein an und arbeitete genaue Richtlinien bis in die kleinsten Einzelheiten aus. Als ich erkannte, daß es für mein jugendliches Alter zu schwierig war, ging ich zu meinem Vater, und in einigen Tagen waren die wichtigsten Abänderungen in Inhalt und Form durchgeführt.

Der Aufbau unserer Organisation war sehr einfach und von dem bisherigen Aufbau politischer Parteien völlig abweichend. Der Unterschied bestand darin, daß wir außerhalb der eigentlichen Parteiorganisation, die sich auf Kreisausschüssen, Ortsausschüssen und Einzelmitgliedern aufbaute, noch eine feste Jungmannschaft bildeten. Wir waren dabei in Dekurien und Zenturien eingeteilt. Es hatte dies bis dahin in den politischen Organisationen nicht gegeben. Später haben sie es übernommen und liberale oder zaranistische Jugendgruppen aufgezogen. Als ich diesen Aufbauplan vorlegte, begann die Angelegenheit dramatisch zu werden. Professor Cuza wollte von diesen Dingen überhaupt nichts hören. Es ergab sich eine peinliche Auseinandersetzung zwischen Professor Cuza und meinem Vater. Ich fürchtete, daß es zu einem Konflikt kommen könnte, und bedauerte, daß ich es war, der diese Auseinandersetzung verschuldet hatte. Mein Vater, der ein stürmischer und unnachgiebiger Charakter ist, ergriff die Richtlinien und ging zur Druckerei, um sie auch ohne Genehmigung Cuzas drucken zu lassen.

Professor Cuza verstand es jedoch mit viel Takt und Ruhe, die Dinge zu klären. So wenig er auch in einigen Dingen mitkonnte, so sehr war er in Fällen wie diesem bereit, sich überzeugen zu lassen. Er rief meinen Vater zurück und sagte: „Nun gut, lassen wir diese Richtlinien in Druck gehen, aber ich will sie zuerst durchsehen.“ Er hat das Organisationsstatut dann verbessert, die Form geglättet und umgegossen und einen weltanschaulichen Teil mit Aufrufen und Manifesten hinzugefügt.

Dies bildete dann den „Führer des rechten Rumänen“ und war bis zum Jahre 1935 das grundlegende Dienstbuch der „Liga“. Ich war zufrieden, daß es tatsächlich gelungen war, etwas Wertvolles und für unsere Organisation Unentbehrliches zustande zu bringen.

Aber im Innern sagte ich mir: Wir werden schwer vorwärtskommen, wenn es bei so grundlegenden und elementaren Fragen schon solche Auseinandersetzungen gibt. In einer Organisation, die kämpfen soll, darf es weder Unklarheiten des Führers noch irgendwelche Diskussionen geben.


Die Zuerkennung
der politischen Rechte an die Juden im März 1923

Schon seil längerer Zeit war es bekanntgeworden, daß das liberale Parlament, das die Verfassunggebende Versammlung bildete und die Aufgabe halle, die Änderung der Verfassung durchzuführen, die Absicht habe, den Artikel 7 der Staatsverfassung dahin abzuändern, daß „allen in Rumänien lebenden Juden die Staatsbürgerschaft und alle politischen Rechte verliehen werden“. Dieser Artikel 7 der alten Staatsverfassung hatte bisher die Einbürgerung Fremder untersagt und bildete daher eine Art von Schutzwall des Landes gegen Einfälle und Einmischungen der Juden in unsere eigenen rumänischen Belange. Die Zuerkennung dieses Einmischungsrechtes in die öffentlichen Angelegenheiten an zwei Millionen Juden, die Verleihung eines Rechtes, das den erst seit kurzer Zeit bei uns eingedrungenen Juden mit dem Rumänen, der seit Jahrtausenden mit diesem Boden verwurzelt ist, gleichstellte, war eine himmelschreiende Ungerechtigkeit und eine große völkische Gefahr. Es war unausdenkbar, daß dies nicht jeden Rumänen, der sein Land liebte, mit schwerer Sorge erfüllt hätte. Die „Liga“ sammelte im ganzen Lande Unterschriften, durch welche die Beibehaltung des Artikels 7 der Staatsverfassung gefordert wurde. Die Sammlung brachte Hunderttausende von Unterschriften. Sie wurden der Verfassunggebenden Nationalversammlung vorgelegt.

Ich kam zu dem Entschluß, daß es am besten sei, wenn wir Studenten während der Verhandlung dieser Fragen aus allen Universitätsstädten nach Bukarest führen und dort gemeinsam mit der Bukarester Studentenschaft und der ganzen Bukarester Bevölkerung aufmarschierten und den Angriff, der unsere völkische Zukunft vernichten wollte, entsprechend abwehrten. Ich fuhr nach Czernowitz und Klausenburg und von da nach Bukarest. Die Studenten waren mit meinem Vorschlag einverstanden und begannen die Fahrten gleich vorzubereiten. Ich wollte ihnen den Tag der Abreise in einer verschlüsselten Drahtnachricht zukommen lassen. Aber aus dem Plan wurde nichts. Wir hatten damit gerechnet, daß die Verhandlungen über den Artikel 7 in Bukarest wenigsten drei Tage dauern würden. In dieser Zeit hätten wir in Bukarest sein können.

Aber die Verhandlungen über den Artikel 7 dauerten am 26. März kaum eine halbe Stunde. Sowohl die liberale Regierung, als auch die Verfassunggebende Versammlung suchten, wohl wissend, welche Schandtat sie begingen, diese Angelegenheit zu vertuschen und unauffällig und ohne viel zu reden darüber hinwegzugehen.

Am Tage nach diesem Volksverrat übergingen die sogenannte rumänische und die jüdische Presse schweigend diese niederträchtige Art. Die Judenzeitungen „Dimineata“, „Lupta“ und „Adevarul“ brachten täglich in Riesenschlagzeilen den Streit zwischen den Bukarester Hausbesitzern und Mietern und in einer Ecke ganz unauffällig einige flüchtige Sätze, in denen kurz und schamlos berichtet wurde: „Der Artikel 7 der alten Staatsverfassung wurde beseitigt und durch Artikel 133 ersetzt.“ Die liberale Partei und die erbärmliche Nationalversammlung haben damit den Grabstein für die Zukunft des Volkes gelegt.

Kein Fluch der Kinder, der Mütter, der Alten und aller Rumänen, die für dieses Stück Erde gelitten haben, jetzt und in alle Ewigkeit, wird laut genug sein, um diesen Verrätern am Volke den Lohn zu geben! So wurde dieser ungeheuerliche Volksverrat schweigend und mit allgemeiner Feigheit und Niedertracht hingenommen. Nur Professor Cuza, der jetzt die überragende Persönlichkeit im rumänischen Volke war, erhob warnend seine Stimme.

Als ich in Jassy den Beschluß erfuhr, saß mir das Weinen in der Kehle. Das durfte nicht schweigend hingenommen werden! Sie sollen es wenigstens wissen, daß wir protestierten. Ein Volk, das sich nicht einmal zum Protest aufrafft, wenn man ihm unter ein solches Joch den Nacken beugt, ist ein Volk von Schwächlingen. Ich erließ einen Aufruf an die Einwohnerschaft Jassys und rief sie zu einer Protestversammlung in der Universität auf.

Die Kunde von der Verleihung der politischen Rechte an die Juden ging wie ein Lauffeuer von Haus zu Haus. Die ganze Stadt geriet in Erregung. Die Behörden hatten von der Regierung Weisungen erhalten und ließen Militär, Gendarmerie und Polizei aufmarschieren. Sie begannen uns herauszufordern und verboten alle Ansammlungen. Da änderte ich meinen Plan. Die Versammlung fand nicht in der Universität statt, sondern wurde gleichzeitig an vierzehn verschiedenen Punkten der Stadt angesetzt. Hier begannen dann die Kundgebungen und dauerten die ganze Nacht.

Die Behörden, das Militär und die Polizei wurden durch die plötzliche Änderung des Kampfplanes und durch die verschiedenen Sammelpunkte völlig aus dem Häuschen gebracht. Sie rannten von einem Ende der Stadt zum anderen und wurden von Polizeiagenten immer wieder vom Erscheinen der Demonstranten verständigt. Die einzelnen Gruppen der Teilnehmer an diesen Protestversammlungen kamen immer im Abstand von einer halben Stunde an ganz entgegengesetzten Punkten zusammen. Meine Gruppe, zu der ich sprechen sollte, traf ich am gefährlichsten Punkt, an der Roten Brücke und am Kuckucksmarkt. Dort hatten die Juden frech verkündet, in dieses Viertel werde niemals ein Antisemit seinen Fuß setzen, ohne mit dem Tode bestraft zu werden.

Kein einziger Rumäne wohnte in dieser Gegend. Tausende von Juden wurden auf einmal wach und ballten sich zusammen wie ein Nest voll ekler Würmer. Als sie uns mit Schüssen empfingen, gaben wir ihnen die gleiche Antwort und erwiderten das Feuer. Dann taten wir wacker unsere Pflicht und schlugen alles zu Boden, was sich uns in den Weg stellte. Wir waren entschlossen, den Juden zu zeigen, daß Jassy, die alte Hauptstadt der Moldau, noch immer rumänisch war. Wir wollten ihnen in Erinnerung rufen, daß es unser Arm war, der hier zu herrschen hatte, der Krieg oder Frieden bestimmte, der bestrafte oder verzieh.

Am folgenden Tage erschien in Jassy die gesamte Kavallerie aus Barlad, um den beiden Regimentern, der Polizei, der Gendarmerie und der Judenschaft zu Hilfe zu eilen. In Bukarest aber brachten die Zeitungen Sonderausgaben mit Riesenschlagzeilen: „Jassy hat eine Nacht und einen vollen Tag Revolution erlebt!“

So viel brachten wir Jungen zustande. So viel erfaßten wir vom Ernst der Lage, als man uns das Joch auf den Nacken legte. Wir nahmen es nicht mit Gleichmut und mit der Feigheit und Ergebenheit von Leibeigenen auf uns. So viel wenigstens hatten wir doch getan, daß wir protestiert halten. Wir leisteten einen heiligen Eid, der uns für das ganze Leben binden sollte, daß wir um jeden Preis dieses Joch abschütteln und zerschmettern wollten, selbst wenn dieser Kampf schwerste Opfer von uns fordern sollte.

Am nächsten Tage ging ich zur Polizeipräfektur, um den Kameraden, die man verhaftet hatte, einige Eßwaren zu bringen. Dort wurde Julian Sarbu verhaftet und verhört, weil man ihn im Verdacht hatte, er sei der Urheber des Aufrufes gewesen. Als ich dies hörte, stellte ich mich dem Untersuchungsrichter und sagte zu ihm: „Nicht Sarbu ist der Verfasser des Aufrufes, sondern ich!“


Meine eiste Verhaftung

Auf der Polizeipräfektur sagte man mir: „Sie müssen mit dem Wachtmeister zum Gerichtshof gehen.“

„Weshalb mit dem Wachtmeister?“ entgegnete ich. „Ich gehe allein.“ Es war das erstemal, daß man an der Ehrlichkeit meines Wortes zweifelte. Ich fühlte mich in meiner Ehre angegriffen und verletzt.

Ich erklärte: „Unter keinen Umständen werde ich mit einem Wachmann gehen! Er hat zwanzig Schritte hinter mir zu gehen. Ein Manneswort ist mehr wert als zwanzig Polizeimänner!“ So ging ich zum Gerichtshof. Zwanzig Schritte hinter mir folgte der Wachmann.

Ein Polizeiagent führte mich vor den Untersuchungsrichter. Er erklärte mir: „Sie sind verhaftet. Ich muß Sie ins Gefängnis einliefern.“ Als ich das hörte, wurde es mir schwarz vor Augen. Damals war es eine große Schande, „arretiert“ zu werden. Keiner von den Jassyer Studenten war jemals verhaftet worden. Niemals hatte man gehört, daß ein national denkender Student eingesperrt worden wäre. Sollte ich, der ich für mein Volk gekämpft hatte, ins Gefängnis wandern?

Ich trat an den Tisch des Untersuchungsrichters und sagte: „Herr Richter, ich nehme diese Verhaftung nicht zur Kenntnis! Niemand wird imstande sein, mich von hier mit Gewalt ins Gefängnis zu schaffen.“

Der arme Mann! Um jede weitere Verhandlung abzuschneiden, beauftragte er den Wachmann, mich ins Gefängnis zu schaffen und gab mir den guten Rat, mich nicht zu widersetzen. Dann trat er aus dem Zimmer. Der Wachmann versuchte mich abzuführen. Da sagte ich zu ihm: „Gehen Sie nach Hause, Mann, und lassen Sie mich gefälligst in Ruhe, denn Sie werden mich von hier niemals fortschaffen!“

Darauf eilten auch andere Wachleute herbei. Aber ich blieb im Zimmer des Untersuchungsrichters von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends. Alle Versuche, mich fortzuschaffen, blieben ergebnislos. Ich sagte mir: Du bist unschuldig. Du hast nichts als deine Pflicht deinem Volke gegenüber getan. Wenn jemand die Schuld an allem trägt und von Rechts wegen verhaftet werden müßte, dann sind es die, die ihr Volk verraten haben: das Parlament, das den Juden die politischen Rechte zugebilligt hat.

Schließlich verließen die Beamten das Gebäude des Gerichtshofes. Nur noch die Pförtner blieben zurück. Auch ich blieb. Neben mir standen die Wachtmeister.

Gegen 8 Uhr abends traten drei Offiziere in den Raum. Der eine sagte: „Herr Codreanu, wir haben Befehl, dieses Zimmer zu räumen!“

„Gut, meine Herren Offiziere, ich werde hinausgehen.“

Ich stieg die Treppe hinunter und trat hinaus.

Da erblickte ich zu meiner großen Überraschung vor mir eine Kompanie Gendarmen, die im Halbkreis aufgestellt waren, dazu Staatsanwalt, Richter und Polizei. Ich schritt geradeaus und setzte mich mitten im Hof auf die Erde. Die Beamten traten an mich heran und redeten mir zu: ,,Herr Codreanu, Sie müssen unbedingt ins Gefängnis gehen.“

„Nein, ich werde nicht gehen!“

Da rissen sie mich hoch, brachten mich in eine Kutsche und schafften mich zum Gefängnis. Die Pferde gingen im Schritt, da hinter der Kutsche die Kompanie Gendarmen marschierte. Im letzten Augenblick, als wir eben vor dem Haupttor des Gefängnisses standen, stürzten meine Kameraden herbei und versuchten mich zu befreien. Die Pistolen der Polizeiagenten hielten sie zurück.

War dies alles ein Protest unsererseits gegen Gesetze dieses Landes? Nimmermehr! Es war ein Protest gegen das Unrecht, unter das man uns beugen wollte.

Heute erscheint mir jenes heftige Sträuben gegen den ersten Gang ins Gefängnis wie ein dunkles Vorgefühl all der Leiden, die ich im Verlaufe meines Kampfes zwischen düsteren Gefängnismauern erdulden sollte.

Eine volle Woche bis zum Vortage des Osterfestes blieb ich im Gefängnis. Meine ersten Tage im Zuchthaus! Ich ertrug sie sehr schwer, denn ich konnte es einfach nicht fassen, daß jemand, der für sein Volk kämpft, eingesperrt wird auf Befehl derer, die gegen das Volk kämpfen.

Nachdem man mich auf freien Fuß gesetzt hatte, fuhr ich nach Hause. Viele Volksgenossen erwarteten mich auf dem Bahnhof. Sie bereiteten mir eine stürmische Kundgebung und bestimmten mich, den Kampf unverdrossen weiterzuführen, denn es ist der Kampf des Volkes. Und am Ende wird doch immer das Volk Sieger bleiben!

Alles, was das rumänische Volk noch an guten und edlen Kräften in sich hatte, vom Bauern bis zum Intellektuellen, vernahm mit großem Schmerz die traurige Kunde von der Abänderung des Artikels 7. Das Volk konnte nichts dagegen tun, es sah sich verraten und verkauft von seinen Führern. Was haben wir Rumänen für einen Fluch auf uns geladen, für welche Sünden müssen wir büßen, daß wir solche Kanaillen zu Führern haben?

Ich stelle zwei geschichtliche Zeitpunkte, zwei verschiedene rumänische Staaten mit verschiedenen Menschen und den gleichen Problemen einander gegenüber:

Hier die Verfassunggebende Nationalversammlung von 1879, des kleinen Rumäniens, die den Mut aufbrachte, dem Druck Europas standzuhalten, dort die Verfassunggebende Nationalversammlung Groß-Rumäniens aus dem Jahre 1923, desselben Groß-Rumäniens, das mit unserem Blute erbaut worden war. Welch ein Unterschied! Die Verfassunggebende Nationalversammlung von 1923 ließ es zu, sich unter dem Drucke Europas kriecherisch zu erniedrigen und das Leben des ganzen Volkes der schwersten Gefahr auszusetzen.

Man muß die völkische Haltung der rumänischen Kämpfer des Jahres 1879 kennen, des Philosophen Conta, des Dichters Alexandri, des Ministers Cogalniceanu, unseres großen Mihail Eminescu, eines Petriceicu, eines Negri und Xenopol, um zu wissen, wie sie mit letzter Hingabe kämpften für die Lebensrechte des rumänischen Volkes, wie sie mannhaft den bedrohlichen Blitzen Europas die Stirn boten.

Jüdisch-freimaurerische Dunkelmänner haben immer wieder versucht, diese Stimmen zum Schweigen zu bringen und sie unter den Gruftmauern des Vergessens zu verschließen, weil diese Männer wie Titanen für ihr Volk geschrieben, gedacht und gekämpft haben. In den letzten fünfzig Jahren haben unsere Politiker angesichts der wachsenden Judengefahr nichts als Totengräberarbeit an unserem Volke getan. Wenn aber unser Geschlecht diese schmachvollen Jahre überspringt, dann befindet es sich auf derselben Linie des Glaubens und Fühlens, in der gleichen Haltung wie die unsterblichen Kämpfer des Jahres 1879, und im Augenblick dieser heiligen Begegnung neigen wir uns dankbar und ehrfürchtig vor den großen Schatten der Vergangenheit.


Der Generalstreik der Studentenschaft

Gleich nach Ostern entbrannte der Kampf von neuem. Im Rahmen der „Liga“ setzte Professor Cuza den Kampf durch die Presse fort. Wir anderen organisierten die Bewegung. Es setzte eine Versammlungswelle in Stadt und Land ein.

Die Abänderung des Artikels 7 der Verfassung begann in den Reihen der Studenten böse Folgen zu zeitigen. Die Führer aus Bukarest und Klausenburg hatten fest daran geglaubt, daß es der Studentenbewegung gelingen werde, die Regierung von der Berechtigung der studentischen Forderungen schließlich doch noch zu überzeugen. Nun sahen sie, daß die Regierung nicht nur die Forderungen unerfüllt ließ, sondern den Juden sogar politische Rechte verlieh. Das entmutigte und verbitterte sie und brachte sie so weit, daß sie offen von Kapitulation und Rückzug redeten. In Klausenburg kam es so weit, daß der Vorsitzende eine Versammlung einberief und die Studenten aufforderte, die Vorlesungen wieder zu besuchen. Die große Masse der Studenten wies das Ansinnen schroff zurück und erklärte, daß sie für ihre Ehre kämpften und der Kampf durchgehalten werden müßte. Die Verfechter dieser Auffassung waren: Ion Motza, Corneliu Georgescu, Bocani und unsere Gruppe. Der Vorsitzende Alexa trat darauf zurück. An seine Stelle wurde Motza gewählt. Auch der Ausschuß dankte ab und wurde neu gewählt.

Der Anschlag der Regierung, die Studenten zum Besuch der Vorlesungen zu bewegen, war damit abgelehnt. Dabei opferten sich allerdings die Führer selbst. Ion Motza und sechs andere wurden für immer von allen Landeshochschulen ausgeschlossen.

In Bukarest gelang es einer Gruppe unter Simionescu und Danulescu, die Führung der Studentenschaft, die immer unsicherer und unschlüssiger wurde, zu verdrängen und die Führung selbst in die Hand zu nehmen. Auch hier konnte die Regierung die Wiederaufnahme der Vorlesungen nach den Osterfeiertagen nicht durchsetzen.

Juni 1923.

Zwei Monate erbitterten Widerstandes, reich an Elend und Bedrückungen, waren ins Land gegangen. Die Studenten waren erschöpft und bis zum letzten ausgepreßt. In Bukarest wurde vom Senat die Wiederaufnahme der Vorlesungen beschlossen, selbst wenn nur Juden und Verräter die Vorlesungen besuchen sollten. Die Prüfungen standen vor der Tür. Am Tage der Wiederaufnahme der Vorlesungen marschierte Militär im Universitätsgebäude auf. Die Zusammenstöße vor der Universität konnten die Eröffnung nicht verhindern. Die Regierung hatte die Absicht, auf den einzelnen Hochschulen den Betrieb nacheinander wieder aufnehmen zu lassen. Jassy sollte als letzte gleichsam gegenüber den anderen drei wieder reibungslos funktionierenden Hochschulen herausgestellt und dadurch mürbe gemacht werden. Nach einer Woche wurde in Klausenburg und einige Tage später in Czernowitz der Universitätsbetrieb unter den Bajonetten des Militärs, ähnlich wie in Bukarest, wiederaufgenommen. Nach abermals einer Woche schlug auch Jassys schwere Stunde.

Durch die Isolierungstaktik der Regierung war Jassy als Universität allein geblieben und hatte starke Einbuße an seiner Widerstandskraft erlitten. Am Vorabend der Eröffnung beschlossen wir, während der ganzen Nacht das Universitätsgebäude zu besetzen, da wir wußten, daß das Militär Befehl hatte, am nächsten Tage aufzumarschieren. Noch im Laufe des Tages schickte ich einen verläßlichen Studenten ins Universitätsgebäude, der die inneren Riegel von zwei Fenstern unauffällig wegschieben sollte, so daß sie von der Straße her aufgestoßen werden konnten. Ohne vorher etwas verlauten zu lassen, rief ich etwa hundert Studenten am Abend um 9 Uhr in den Bejan-Saal zusammen. Um 10 Uhr war das Universitätsgebäude von uns besetzt. Vom Hauptportal der Universität wehte die Hakenkreuzfahne. Nach kurzer Zeit erschien der Rektor, Professor Simionescu. Wir öffneten und ließen ihn eintreten. Er versuchte uns zu überreden, das Universitätsgebäude zu verlassen. Wir hielten ihm unsere Gründe entgegen. Nach einigen Stunden vergeblichen Zuredens ging er wieder. Wir teilten die Wachen ein und blieben die ganze Nacht alarmbereit.

Am folgenden Tage erschienen die Studenten in hellen Scharen. Durch unser entschlossenes Vorgehen ermutigt, beschlossen sie einmutig die Fortsetzung des Kampfes. Wütend fielen die Juden über uns her.

Nach zwei Tagen versuchten die Klausenburger die Universität den Händen der Polizei wieder zu entreißen. Nach zwei weiteren Tagen folgten die Bukarester und Czernowitzer ihrem Beispiel. Die Kämpfe rissen die Studentenschaft wieder hoch und führten zu abermaliger Schließung sämtlicher Universitäten. Damit war auch das Semester zu Ende. Die rumänische Jugend hatte ihre Prüfung abgelegt und bestanden. Sie hatte ein Beispiel an Charakterstärke, Widerstandskraft und Einigkeit gegeben. In keinem Lande hat man es bisher erlebt, daß die gesamte Studentenschaft alle Verantwortung und alle Fährnisse wie ein Mann auf sich nahm und den Generalstreik ein volles Jahr durchhielt, um ihren Glauben durchzusetzen, um durch ihr Beispiel das Gewissen des ganzen Volkes in Zeiten ernster Entscheidungen machtvoll wachzurütteln. Es ist ein schönes Kapitel, ein heldischer Abschnitt, der mit den Leiden dieser Jungen in das Lebensbuch des rumänischen Volkes eingeschrieben wurde.


Die Pläne des Judentums
gegenüber dem rumänischen Volk und Boden

Wer des Glaubens ist, daß die Juden unglückliche, vom Schicksal geschlagene Menschen sind, die ein zufälliger Wind zu uns geweht hat, der irrt. Alle Juden der Erde bilden eine durch ihr Blut sowie den Talmud zusammengehaltene Gemeinschaft. Sie haben ihren eigenen, festgefügten Staat, haben ihre Gesetze und Ziele, die von ihren Führern formuliert und in die Tat umgesetzt werden. Die Grundlage ihres Staates bildet der Kahal, die jüdische Selbstverwaltung. Wir haben es somit niemals mit jüdischen Einzelmenschen zu tun, sondern nur mit der gut organisierten Macht der jüdischen Gemeinschaft.

In jeder großen oder kleinen Stadt, wo sich eine Anzahl Juden ansammelt, bildet sich sogleich der Kahal, die jüdische Gemeinde. Der Kanal hat seine Leiter, seine eigene Rechtsprechung, seine Steuern usw. und erfaßt somit straff die gesamte jüdische Bevölkerung der betreffenden Ortschaft. Hier, in dem kleinen örtlichen Kahal, werden die Pläne entworfen, wie die lokalen Politiker und die Behörden hörig zu machen sind, wie die Juden in die für sie wichtigen Kreise der Richter, Offiziere und höheren Beamten eindringen können; welche Wege zu gehen sind, um den Handel aus den Händen eines Rumänen zu nehmen; wie sie einen Antisemiten der Ortschaft erledigen, wie sie einen korrekten Beamten einer Behörde, der ihnen im Wege steht, beseitigen; welche Haltung sie einzunehmen haben, wenn die von ihnen ausgepreßte Bevölkerung sich aufbäumt und zu antisemitischer Abwehr übergeht.

Wir wollen auf diese Pläne hier nicht im einzelnen eingehen. Im allgemeinen kann man bei ihrer Durchführung folgende Methoden beobachten:

1. Um sich die lokalen Politiker gefügig zu machen:

Geschenke;

persönliche Dienste;

Finanzierung der Propaganda der politischen Organisation, wie z. B. durch Drucken von Aufrufen, Autofahrten usw. Sind in einer Ortschaft mehrere jüdische Geldgeber vorhanden, verteilen sich diese auf die verschiedenen politischen Organisationen.

2. Um sich die Behörden gefügig zu machen: Korruption und Bestechung. Ein Polizeibeamter - sei es auch in der kleinsten Ortschaft der Moldau - bekommt neben seinem Gehalt vom Staate noch ein oder zwei Gehälter. Einmal bestochen, wird er zum Sklaven der Juden, die nun, wenn nötig, die zweite Waffe anwenden:

die Erpressung. Dem Beamten wird mit der Aufdeckung seiner Verfehlung gedroht.

Vernichtet wird der Beamte, wenn er sich weder bestechen noch erpressen läßt. Sie werden seine Schwächen ausfindig machen: Trinkt er gerne einen Tropfen, werden sie die Gelegenheit suchen, ihn dadurch zu kompromittieren. Einem, der sich von Frauen beeinflussen läßt, werden sie eine Frau schicken, die ihm den Kopf verdreht, ihn kompromittiert und seine Familie vernichtet. Ist er heftig, stellen sie ihm einen Gewalttätigen in den Weg, der ihn tötet oder den er tötet, wodurch er sich ins Gefängnis bringt. Hat der Beamte keine Schwächen, die sie ausnutzen können, so werden sie lügen, ihn versteckt oder offen verleumden und bei seinen Vorgesetzten verklagen.

In den von Juden heimgesuchten Städten gibt es nur Beamte, die entweder bestochen oder erpreßt sind oder die sich auf dem besten Wege befinden, beseitigt zu werden.

3. Die Juden schleichen sich in die verschiedenen Kreise angesehener Persönlichkeiten ein, mit Hilfe von übergroßem Diensteifer, Verwaltungsräten, persönlichen Dienstleistungen niederer Art und Schmeicheleien.

Auf diese Art haben fast alle Politiker jüdische Sekretäre, die für sie einkaufen, die ihnen die Schuhe putzen, die Kinder wiegen, ihnen die Aktentasche tragen usw., mit anderen Worten: sich schmeichelnd aufdrängen. Der Rumäne dagegen wird weniger zusagen, er ist weniger raffiniert, er kommt grundehrlich vom Lande und will ein treuer Soldat sein, der den Weg der Erde geht, nicht aber den der Speichelleckerei.

4. Die Methoden zur Vernichtung des rumänischen Händlers.

Dem Rumänen wird ein jüdischer Händler gegenübergestellt, oder der rumänische wird zwischen zwei jüdische Händler eingekeilt.

Die Waren werden unter Selbstkostenpreis abgegeben. Der dadurch entstehende Verlust wird aus dem Fonds des Kahals gedeckt. Auf diese Weise werden nach und nach die rumänischen Händler niedergekämpft. Das Vernichtungswerk der Juden wird durch verschiedene Umstände begünstigt:

Vor allem durch seine Überlegenheit im Handel, die das Ergebnis seiner viel längeren Praxis ist, verglichen mit der des Rumänen. Der Jude ist außerdem von vornherein überlegen, da er mit Unterstützung des Kahals kämpft. Der Rumäne steht dagegen allein, ohne den Schutz seines Staates. Von den von Juden bestochenen Behörden kann er nur Schikanen erwarten. Der Rumäne kämpft nicht nur mit seinen jüdischen Konkurrenten, sondern mit dem ganzen Kahal. Es ist leicht zu verstehen, weshalb der einzelne im Kampfe gegen die jüdische Gesamtheit unterliegt. Er ist sich selbst und dem Walten des Schicksals überlassen und steht allein einer geriebenen Judenbande gegenüber. Es ist die Formel aller Politiker vom Schlage eines Herrn Mihalache: „Der Rumäne soll Kaufmann werden.“ Ich bitte, mir auch nur einen einzigen rumänischen Kaufmann zu zeigen, dem der rumänische Staat geholfen hätte. Ich bitte, mir eine einzige Schule zu zeigen, die wirkliche Kaufleute heranbildet und nicht Bankbeamte oder Büroangestellte. Man zeige mir eine einzige Einrichtung, die von diesen Politikern ins Leben gerufen wurde, und die mit einem bescheidenen Kapital dem jungen Absolventen einer Handelsschule auf die Füße geholfen hätte, um aus ihm einen tüchtigen Kaufmann zu machen.

Nicht der Rumäne ist vor dem Handel geflüchtet, sondern diese Politiker sind ihrer Pflicht aus dem Wege gegangen und sind desertiert als Lenker und Leiter des Volkes. Von seinen Führern verlassen, stand der Rumäne ganz allein einer organisierten Judenbande, ihren betrügerischen Machenschaften und ihrer schmutzigen Konkurrenz gegenüber und mußte zusammenbrechen.

Es wird die Stunde kommen, da wir Rechenschaft von diesen „Führern“ des Volkes fordern!


Die Verschwörung des Judentums gegen Blut und Boden des rumänischen Volkes

Ich unterstreiche noch einmal: Wir befinden uns nicht einigen armseligen Individuen gegenüber, die der Zufall hierher verschlagen hat und die nun bei uns Schutz und Unterhalt suchen. Wir stehen vor einem richtigen jüdischen Staat, vor einer ganzen Armee, die mit Eroberungsabsichten zu uns gekommen ist. Die Bewegung der jüdischen Bevölkerung und ihr Eindringen in Rumänien werden nach genauen Plänen durchgeführt. Aller Wahrscheinlichkeit nach plant der „Große Jüdische Rat“ die Schaffung eines neuen Palästinas auf einem Landstrich, der, von der Ostsee ausgehend, einen Teil Polens und die Tschechoslowakei umfaßt und die Hälfte Rumäniens bis zum Schwarzen Meer einnimmt. Dadurch könnte leicht die Verbindung mit dem alten Palästina aufrechterhalten werden. Ist denn wirklich jemand so naiv zu glauben, die Bewegung des jüdischen Volkes sei eine Zufallserscheinung? Sie kommen nach einem bis ins letzte durchdachten Plan, aber sie sind zu feige, zu den Waffen zu greifen, zu feige, wirklichen Einsatz zu wagen und ihr Blut zu vergießen, und nur dies allein würde ihnen ein Recht geben auf unseren Boden.

Woher uns diese Pläne bekannt sind? Wir kennen sie genau, denn wir ziehen unsere Schlüsse aus den Bewegungen des Gegners. Jeder Feldherr, der die Bewegungen seines Gegners genau verfolgt, kann dessen Absichten erkennen. Es gehört dies zu den elementarsten militärischen Kenntnissen.

Um im rumänischen Volke jede Widerstandskraft zu brechen, wenden die Juden einen einheitlichen und teuflischen Plan an.

Sie trachten mit allen Mitteln danach, die seelische Bindung zu zerreißen. Um die Bindung zum Ewigen zu zerstören, verbreiten sie ihre gottfeindlichen Ideen und trachten danach, sie allgemein durchzusetzen, um aus dem rumänischen Volk, oder wenigstens aus seinen „Führern“, ein gottloses Volk zu machen. Wenn aber einst einmal ein Volk seinem Gott und seinem Boden entfremdet ist, wird es zugrunde gehen. Nicht durch das Schwert, sondern dadurch, daß ihm die Wurzeln seines inneren Lebens abgeschnitten wurden. Um die Bindung an den Boden, der die Lebensquelle eines Volkes bildet, zu zerstören, wird der Nationalismus als eine alte und längst überwundene Sache hingestellt, und alles, was mit dem Begriff des Vaterlandes in Verbindung steht, wird angegriffen - das Band der Liebe, das das rumänische Volk an seine Scholle bindet, wird zerstört.

Zur Durchführung bemächtigen sich die Juden der Presse. Sie begrüßen jede Gelegenheit, im rumänischen Volk Zwietracht zu entfachen und es womöglich in mehrere Lager aufzuspalten, die einander erbittert bekämpfen. Sie versuchen, sich immer mehr in den Besitz aller rumänischen Lebensquellen zu setzen. Sie treiben das Volk systematisch dem Laster in die Arme, um jede Moral zu zerstören. Sie vergiften und betäuben das Volk mit allen möglichen Getränken und Rauschgiften.

Wer ein Volk vernichten will, wird das auf folgende Weise erreichen: Zerstörung der Verbindung mit Himmel und Scholle, Entfachung von Bruderkampf und Streit, Einführung von Unsittlichkeit und Lasterhaftigkeit, Einschränkung aller Lebensquellen eines Volkes bis zur äußersten Grenze, physische Vergiftung usw. Alle diese Mittel vernichten ein Volk sicherer als Geschütze und Bombenflugzeuge!

Ich fordere die Rumänen auf, einen Blick in die Vergangenheit zu tun. Hat man nicht dies mörderische System mit teuflischer Genauigkeit und Hartnäckigkeit durchgeführt? Tut doch die Augen auf und lest die Presse der letzten vierzig Jahre, seitdem das Zeitungswesen den Juden in die Hände geriet. Lest doch einmal die Judenzeitungen: „Adevarul“, „Dimineatza“, „Lupta“, „Opinia“, „Lume“ und andere. Seht nach, ob euch nicht auf jeder Seite, aus jeder Spalte immer wieder dieser Plan entgegenzüngelt und entgegenzischt! Tut doch die Augen auf und schaut das zerrissene politische Leben des rumänischen Volkes!

Mit diesen jüdischen Plänen steht es ähnlich wie mit den Giftgasen im Kriege. Verwende sie für deinen Gegner, aber laß dich ja nicht von ihnen berühren. Die Juden predigen den Christen Gottlosigkeit, aber sie selbst befolgen die lächerlichsten, äußerlichen Vorschriften ihrer Religion. Sie wollen die Rumänen von der Liebe zu ihrem Boden „befreien“, aber sie selbst hamstern Riesengrundstücke. Sie bekämpfen überall das nationale Bewußtsein und jede völkische Haltung, sie selbst aber bleiben die chauvinistisch-jüdischen Nationalisten.


Die Pläne der Juden gegen die Studentenbewegung

Wer der Meinung ist, die jüdischen Mächte hätten gegen die Studentenbewegung keinen genauen Angriffsplan besessen, irrt sich. Für einen Augenblick standen die Juden, die sich in ihren bisherigen Plänen erkannt und getroffen fühlten, allerdings ratlos da. Aber nur für einen Augenblick. Dann versuchten sie, den Studenten die kommunistischen Arbeiter entgegenzuwerfen. Sie hetzten Rumänen gegen Rumänen. Der Erfolg blieb aus. Die Arbeiter waren zu sehr entkräftet und begannen einzusehen, daß wir für ihre Rechte und für die des Volkes kämpften. Viele standen mit ihrer Seele auf unserer Seite.

Als die Juden sahen, daß es nicht gelang, die Arbeiter gegen die Studentenschaft aufzuhetzen, versuchten sie, die Regierung und den politischen Staatsapparat gegen uns in Bewegung zu setzen.

Alle politischen Parteien brauchen Geld. Sie brauchen aus dem Auslande große Staatsanleihen, wenn sie an der Regierung sind. Sie brauchen wiederum die Stimmen der Wähler und eine günstige Presse, wenn sie in der Opposition stehen. Die Juden drohen den einzelnen politischen Parteien einfach mit der Entziehung aller Geldmittel, die für die Wahlpropaganda unentbehrlich sind. Sie drohen durch die internationale jüdische Hochfinanz, daß keine Staatsanleihen mehr gewährt werden. Sie spielen mit den Stimmen der Wähler und bestimmen Sieg oder Niederlage der verschiedenen Parteien. Im demokratischen Staat besitzen sie dieselben politischen Rechte wie die Rumänen. Sie drohen mit der Presse, die fast ganz in ihren Krallen ist und mit deren Hilfe eine Partei oder eine Regierung vernichtet werden kann. Das Geld, die Presse und die Stimmen der Wähler bestimmen im demokratischen Staate Leben oder Tod einer Partei. Alle drei Mittel aber hatten die Juden in den Händen, so daß die rumänischen politischen Parteien nichts als blinde Werkzeuge in den Händen der jüdischen Mächte sind.

So ist es zu verstehen, daß wir in unserem Kampfe gegen die Juden uns mit Regierung, Parteien, Behörden und Militär herumschlagen müssen, während die Juden selbst schmunzelnd und händereibend beiseitestehen.


Haltung und Argumente der Juden

„Was wird aber das Ausland über die antisemitische Bewegung in Rumänien sagen? Ist sie nicht ein Rückfall in Barbarei? Was werden die Männer der Wissenschaft, was wird die Zivilisation dazu sagen?“ Auf Schritt und Tritt wiederholen unsere Politiker uns diese sattsam bekannten jüdischen Schlagworte, die täglich und stündlich in allen Zeitungen zu lesen sind.

Als endlich, nach 14 Jahren unerbittlichen Kampfes Deutschland mit seiner Zivilisation und seiner hohen Kultur gegen die Juden energisch auftritt und, von Adolf Hitler geführt, die tausendköpfige giftige Hydra zu Boden schmettert, da bricht auch das Schlagwort von der Barbarei des Antisemitismus in sich zusammen.

Aber sofort erscheint eine neue Lüge: „Ihr steht im Dienste Deutschlands! Ihr werdet von den Deutschen bezahlt, um in Antisemitismus zu machen. Woher habt ihr denn sonst eure Geldmittel?“ Und die geistlosen, charakterlosen und ehrlosen rumänischen Politiker plappern dies natürlich der Judenpresse getreulich nach: „Woher habt ihr das Geld? Ihr steht im Dienste des Deutschen Reiches!“

In den Jahren 1919, 1920 und 1921 fiel die gesamte jüdische Presse über den rumänischen Staat her, zettelte überall Unruhen an und rief zu Gewalttätigkeiten auf gegen Regierung, Verfassung, Kirche, öffentliche Ordnung und gegen jede völkische Haltung und Vaterlandsliebe.

Und nun? O Wunder über Wunder! Nun hat sich diese Presse, die bis heute von denselben Juden geleitet wird, plötzlich in die Verteidigerin aller staatlichen Ordnung und der Gesetze verwandelt! Sie ist erklärte Gegnerin jeder Gewalttat. Wir aber sind „Feinde des Landes“, „Rechtsradikale“, wir stehen im „Dienste und Solde der Feinde Rumäniens“, usw. Eines schönen Tages werden wir dies auch noch zu hören bekommen: „Ihr seid ja alle von Juden gekauft!“

Wann wird endlich der Tag kommen, da auch der letzte Rumäne die lügnerischen und tückischen Argumente der Juden durchschaut und sie als etwas wahrhaft Teuflisches von sich stößt? Wann wird der Augenblick kommen, da jeder die schmutzige Seele dieses Volkes erkennt?

In unser Gesicht, in unsere rumänische Seele fällt Faustschlag auf Faustschlag, Erniedrigung auf Erniedrigung wird uns zuteil, bis hinab zu der ungeheuerlichen Behauptung: „Die Juden sind die Verteidiger Rumäniens!“ Sie sind geschützt vor allem Ungemach und leben in Frieden und Überfluß. Wir dagegen, so sagt man, seien Feinde des Rumänentums. Leben und Freiheit seien bedroht. Wir werden verfolgt von allen rumänischen Behörden, als wären wir tolle Hunde!

Das alles habe ich mit eigenen Augen gesehen, und all diese Stunden habe ich selbst durchlitten, verbittert bis in die Tiefen meiner Seele. Da ziehen wir in den Kampf für unser Land, rein an Herz und Seele wie eine klare Träne, und kämpfen jahrelang in heimlicher und bitterer Not und bohrendem Hunger. Sie haben uns schier zerrissen und zerdrückt. Und nun sollen wir es erleben, daß man uns zu Feinden des Landes stempelt, daß unsere eigenen Volksgenossen uns verfolgen und uns zurufen: „Ihr kämpft ja nur, weil ihr von den Fremden bezahlt werdet!“ Wir sollen mit ansehen, wie neben uns die Juden unser Land beherrschen! Sie sollen in den Rang von Verteidigern und Schutzherren des Rumänentums und des rumänischen Staates erhoben werden, dessen Feind du bist - du, rumänische Jugend!

Das ist ungeheuerlich!

Nächtelang quälten wir uns mit diesen Gedanken, und es gab Stunden, in denen uns der Ekel schüttelte und die Schamröte uns ins Gesicht stieg. Der Schmerz übermannte uns fast. Wir überlegten, ob es nicht besser wäre, wir ließen dieses Land, um für immer in die weite Welt zu wandern. Oder wir erwogen, ob es nicht besser wäre, für alle diese Schandtaten furchtbare Vergeltung zu üben, eine Vergeltung, die uns alle gemeinsam in den Tod stürzt: uns und jene Verräter unseres Volkes! Aber mit uns und ihnen werden wir die verfluchten Drachenköpfe der jüdischen Hydra für immer in den Abgrund reißen!


Die Führerberatung der Studentenbewegung

In Bukarest wurde in einem engen Kreis beschlossen, alle Führer und Vertreter der Studentenschaft nach dem ereignisreichen Kampfjahre zusammenzurufen. Diese Tagung sollte vom 22. bis 25. August 1923 in Klausenburg stattfinden. Motza, der Vorsitzende der studentischen Verbindung „Petru Maior“ aus Klausenburg, verständigte uns, die Behörden hätten ihn benachrichtigt, daß sie diese Tagung verbieten würden. Da antworteten wir aus Jassy sowohl den Klausenburgern als auch allen anderen Universitätsprofessoren, wir wollten diese Tagung trotzdem abhalten, und zwar in Jassy. Wir seien bereit, alle Verantwortung auf uns zu nehmen, auch wenn die Regierung mit Verbot drohen sollte. Unser Vorschlag wurde angenommen.

Am Morgen des 22. August empfingen wir die Abordnungen auf dem Bahnhof: die Klausenburger unter der Führung Ion Motzas, die Czernowitzer unter Führung Tudose Popescus und Carsteanus und die Bukarester mit Napoleon Cretzu, Simionescu und Rapeanu an der Spitze. Um 10 Uhr gingen wir alle zur Kathedrale zu einer stillen Gedenkstunde für die im Kriege gefallenen Studenten, unter denen sich auch Hauptmann Stefan Petrovici, der frühere Vorsitzende der Jassyer Studentenschaft, befand.

Zu unserer großen Entrüstung fanden wir die Pforte der Kathedrale mit Ketten verschlossen und von Gendarmen bewacht. Da knieten wir alle nieder, entblößten das Haupt und gedachten der Toten, mitten auf der Straße, angesichts des versperrten Gotteshauses, das nicht einmal die Heiden den Gläubigen verwehrt hatten. Zufällig ging der Geistliche Stiubei vorüber. Er sah uns, trat auf uns zu und sprach uns ein Gebet. Entblößten Hauptes gingen wir dann schweigend und verbittert zur Universität. Die Juden schössen uns aus Fenstern und Türen ihrer Läden Blicke wie vergiftete Pfeile nach.

Auf der Freitreppe des Universitätsgebäudes erwarteten uns die Behörden mit zahlreichen Sicherheitsbeamten. Sie teilten uns mit, das Innenministerium habe die Tagung verboten. Der Staatsanwalt forderte uns auf, auseinanderzugehen. Im Innersten empört über dieses Vorgehen, rief ich ihm erregt zu:

„Herr Staatsanwalt, soviel ich weiß, leben wir in einem Rechtsstaat! Die Verfassung gewährt jedem Versammlungsfreiheit. Und Sie sollten es besser wissen als ich, daß kein Minister die Rechte, die die Verfassung uns gibt, einfach aufheben kann. Deshalb fordere ich Sie auf, im Namen des Gesetzes, das nicht wir, sondern Sie selbst mit Füßen treten: Geben Sie augenblicklich den Eingang frei!“

Wir waren alle maßlos erbittert. Vor einer knappen Stunde erlebten wir die Niedertracht, daß man die Tür der Kathedrale mit Ketten vor uns verschloß, um uns am Beten zu hindern. Nun wollte man uns dadurch, daß man uns den Eintritt in unser eigenes Haus, in die Universität, verweigerte, herausfordern und demütigen. Das Vorgehen der Behörde sprach offen allen Gesetzen Hohn. Es war zuviel für unsere Geduld. Wir stürmten das Universitätsgebäude und schlugen, was sich uns in den Weg stellte, in die Flucht. Es entstand ein erbittertes Handgemenge, in dessen Verlauf wir unsere Universität mit Gewalt besetzten.

Das 13. Infanterieregiment, das einen Augenblick zu spät heranmarschierte, umzingelte das Universitätsgebäude. Wir verrammelten und verteidigten von innen die Eingänge. Vor jedem Fenster patrouillierten drei Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr.

In einer so wenig erbaulichen Lage wurde die Tagung in einem Hörsaal der Rechtsfakultät um 12 Uhr eröffnet. Die Teilnehmer waren bleich vor Erregung und Erbitterung über das, was sich vor der Kathedrale und vor dem Universitätsgebäude abgespielt hatte. Eine gedrückte Stimmung lag über dem kahlen Hörsaal. Aus allen Gesichtern sprach die Sorge: Was geschieht, wenn das Militär einen Angriff unternimmt und die Universität stürmt? Es wurden keine Reden gehalten. Alle fühlten den Ernst der Lage und ahnten, daß sich schwerwiegende Geschehnisse vorbereiteten. Für den ersten Tag wurde ich zum Vorsitzenden gewählt. Wir begannen mit einer scharfen Verurteilung des Geschehenen. Einige ergriffen das Wort und protestierten. Dann begannen die Beratungen über den Aufbau und den weiteren Kampf unserer Bewegung. Welche Haltung sollten wir im kommenden Semester einnehmen? Sollen wir kapitulieren und die Waffen strecken? Das war unmöglich! Wozu hatten wir denn ein volles Jahr gekämpft? Sollte das der ganze Erfolg sein, daß wir erniedrigt und geschlagen wurden?

Sollten wir also den Kampf fortsetzen? Auch das war schwer möglich. Die Studenten waren am Ende ihrer Widerstandskraft. Ein zweites Kampfjahr würden sie nicht mehr durchhalten. Trotzdem traten Motza, Tudose Popescu, Simionescu und ich dafür ein, daß der Kampf auf alle Fälle weitergehen sollte. Es ging um das Opfer! Unser Rückzug konnte uns nichts als Schaden und Erniedrigung eintragen. Aber aus unseren Opfern mußte schließlich doch Gutes für unser Volk hervorgehen.

Gegen 8 Uhr begann es zu dunkeln. Von der Straße drangen Lärm und Geschrei herauf. Constantin Pancu, der alte Kämpfer von 1919, hatte die Studenten und zahlreiche Einwohner Jassys um sich gesammelt. Sie suchten die Universität zu stürmen, um uns einige Säcke Brot zukommen zu lassen. Wir stürzten ans Fenster und blickten hinaus. Die Demonstranten hatten die Absperrkette bei der Gastwirtschaft Tuflin durchbrochen. Im Sturmschritt kommen sie den Hügel herauf. Die zweite Absperrkette in der Coroistraße wird nach einem schweren Zusammenstoß ebenfalls durchbrochen. Dann auch die dritte. Hurra-Rufe branden zu uns herauf. Schon bereiten wir uns vor, auszubrechen. Da können unsere Befreier die vierte Absperrkette der Soldaten nicht mehr durchbrechen. Pancu trägt einen Brotsack auf der Schulter und ruft mit lauter Stimme: „Gebt unsere Jungens frei!“ Uns stehen die Freudentränen in den Augen. Für unser Volk setzten wir uns ein - und nun kommt es, unser Volk, und läßt uns nicht allein!

Um 9 Uhr abends beginnen die Verhandlungen mit den Behörden. Napoleon Cretzu führt sie für uns. Die Behörden versprechen allen freien Abzug unter einer Bedingung: Corneliu Zelea Codreanu wird ausgeliefert! Entrüstet lehnen die Studenten ab.

Um 11 Uhr abends werden wir verständigt, daß wir in Gruppen zu je drei Mann das Gebäude verlassen dürfen. Die Behörden hoffen, mich auf diese Weise beim Eingang festzunehmen. Wir nehmen die Bedingung an. Alle fünf Minuten verlassen je drei Studenten das Universitätsgebäude. Beim Eingang werden sie von vier Polizeikommissaren und Kriminalbeamten aufmerksam gemustert. Sie suchen mich. Ich entledige mich schnell meiner rumänischen Nationaltracht, gebe sie einem Kameraden und ziehe einen Zivilanzug an. Dann trete ich mit Simionescu und einem anderen heraus. Ich öffne die große Eingangstür und lasse wie zufällig einige Geldstücke fallen. Als die Münzen klingend auf die Steinfliesen schlagen, sehen die Kriminalbeamten ihnen nach und rufen uns zu: „Sie haben Geld verloren!“ Wir bücken uns zur Erde, wenden die Gesichter ab und suchen. Die Beamten bücken sich ebenfalls und helfen uns dabei. Simionescu unterhält sich mit ihnen. Er versucht ein Streichholz anzubrennen. Ich bin inzwischen schon entwischt.

In aller Heimlichkeit wird die Fortsetzung der Tagung für den nächsten Tag in das Kloster Cetatzuia außerhalb der Stadt verlegt. Ich lege die Arbeitskleidung eines Heizers an und schleiche hinaus. Als ich ankomme, erkennen mich sogar die Kameraden im ersten Augenblick nicht. Ion Motza führt heute den Vorsitz. Wir stellen Späher aus und arbeiten in aller Ruhe. Von unserem Hügel aus sieht man jeden Menschen schon auf zwei Kilometer Entfernung. Bis zum späten Abend bleiben wir zusammen. Vorschläge werden gemacht und Beschlüsse gefaßt. In dieser Sitzung wird der 10. Dezember zum Nationalfeiertag der Studentenschaft erklärt.

Am dritten Tage setzen wir unsere Besprechungen in einem kleinen Wäldchen auf dem Galata-Hügel fort. Die Fortsetzung des Kampfes wird beschlossen. Es wird ein Führerausschuß gewählt, der die Richtlinien für die Arbeit der Studentenschaft aller Universitäten ausarbeiten soll. Diesem Ausschuß gehören an: Ion Motza aus Klausenburg, Tudose Popescu aus Czernowitz, Ilie Garneatza aus Jassy, Simionescu aus Bukarest und ich. Durch die Aufstellung dieses Ausschusses wird die bisherige Führung der Bukarester Studentenschaft, die an Entschlossenheit und Tatkraft viel zu wünschen übrigließ, endgültig beseitigt. Sie bleibt noch einige Zeit nach außen hin bestehen, die Führung der Studenten hat sie jedoch nicht mehr.

Jetzt wird öffentlich zum ersten Male eine neue Parole beschlossen: Kampf gegen die politischen Parteien. Diese Parteien sind volksfremde Interessengemeinschaften. Es gilt, den Glauben an eine neue rumänische Bewegung zu wecken, an eine Bewegung, zu der sich die Studenten öffentlich bekennen und die sie zum Siege führen. Diese Bewegung heißt: „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“.

Am vierten Tage schlössen wir unsere Beratung im Hause der Frau Ghica ab. Die Tagung war zu Ende. Am Abend fuhren die Studenten wieder in ihre Universitätsstädte. Ich fuhr nach Kimpolung, um den großen Buchenländer Gautag der „Liga“ vorzubereiten. Professor Cuza und alle Führer der Bewegung sollten daran teilnehmen. Nur schwer gelang es mir durchzukommen. Die Behörden hatten gegen mich Haftbefehl erlassen.

Auf der Fahrt überdachte ich noch einmal mit Freude unsere Beschlüsse, die wir auf dieser Tagung gefaßt hatten. Das Treffen hatte im Zeichen unseres kämpferischen Geistes gestanden. Am meisten aber freute ich mich, daß unsere Gruppe einen neuen Kämpfer gewonnen hatte: Ion Motza, den Vorsitzenden der Klausenburger Studentenschaft.


Der Kimpolunger Gautag der „Liga“

Der Gautag fand am 17. September 1923 statt. Seine Abhaltung war nur nach schwerem Kampf möglich, denn die Regierung hatte ihn verboten und unter dem Kommando eines Obersten aus Czernowitz Militär herangeholt. Man war entschlossen, die Tagung mit allen Mitteln zu verhindern. Die Zugänge der Stadt waren durch starke Truppenabteilungen gesperrt. Wir sammelten unsere Kräfte am Westeingang der Stadt gegen Jadova und Pojorita. Dort durchbrachen wir die Absperrketten des Militärs mit Hilfe der Bauerngarden aus Dorna-Vatra und Candreni. Wir sicherten den langen Zug, der aus mehreren hundert Bauernwagen bestand, die über eine Stunde lang die Durchfahrt sperrten.

Die Volksversammlung wurde auf dem Kirchhof der Stadtkirche abgehalten. Dabei sprachen: Professor Cuza, mein Vater, Dr. Catalin, der Buchenländer Gauführer, Tudose Popescu, die Brüder Octav und Valerian Danuleanu, die mit glühender Seele zusammen mit Dr. Calalin diesen erhebenden Kongreß zustande gebracht hatten.

Die Bergbauern waren mit wallenden Haaren in ihrer Vätertracht auf den Ruf der langen Hirtenhörner in ihrer Stadt zusammengekommen, zahlreich und einsatzbereit wie nie zuvor. Sie sahen die Stunde gekommen, auf die ihre Väter seit Jahrhunderten gewartet hatten, die Stunde, da der Rumäne der jüdischen Hydra den Kopf zertreten würde, um endlich selbst Herr zu werden über sein Land, seine Berge, seine Flüsse und seine Städte. Schwer hatten sie an der Last des Krieges getragen. Ihr Blut war an allen Fronten geflossen und hatte Groß-Rumänien geschaffen. Aber zu ihrem großen Schmerz und ihrer tiefen Enttäuschung hat Groß-Rumänien nicht das gebracht, was sie erwarteten. Groß-Rumänien hat sich geweigert, sie von den Ketten der jüdischen Sklaverei zu befreien. Groß-Rumänien hat diese Bauern aufs neue den Juden zur Ausbeutung ausgeliefert, hat ihnen unser Politikastertum gebracht, das sie auspeitschen und in den Kerker werfen läßt, wenn sie es wagen, ihre geschichtlichen Rechte, die man ihnen gestohlen hat, zurückzufordern. Alle Wälder des Buchenlandes, alle jene tannenbedeckten Höhen, die dem rumänisch-orthodoxen Kirchenschatz gehören, die ebenfalls verpolitisiert und überfremdet ist, wurden dem Juden Anhauch zur Ausbeute übergeben. Dafür zahlte dieser Jude den Schandpreis von 20 Pfennig für den Festmeter Holz, während der rumänische Bauer dafür 9 Mark bezahlen mußte!

So fallen unsere herrlichen Urwälder unter dem unerbittlichen Beil des Juden und schwinden dahin. Armut und Jammer breitet sich über unsere rumänischen Dörfer. Die grünen Berge verwandeln sich in nackte Felsen. Aber der Jude Anhauch und seine Mischpoke schleppen rastlos, Tag und Nacht, goldgefüllte Koffer über die Landesgrenzen.

Diese märchenhaften Gewinne teilt der Jude mit den rumänischen Politikern, die treue Judengenossen in der Ausbeutung von Tausenden und aber Tausenden rumänischen Bauern sind!

Die Versammlung wählte dreißig Bauern, die unter der Führung Catalins und Valerian Danileanus nach Bukarest fahren sollten, um beim Ministerpräsidenten vorzusprechen. Man wollte ihn bitten, doch Maßnahmen gegen die planmäßige Verwüstung der Wälder zu ergreifen und den Vertrag zwischen dem Kirchenschatz und dem Juden Anhauch aufzuheben. Überdies aber wollte man den Ministerpräsidenten ersuchen, in den Schulen den Numerus clausus einzuführen. Die Bauern wollten damit ihre Liebe zur Jugend bekunden, die sie zum Kampfe aufgerufen hatte. Die Versammlung wählte weiter Tudose Popescu und mich als Sprecher der dreißig Bauern in Bukarest.

Ich fuhr voraus, um alles für den Empfang dieser dreißig Bauern vorzubereiten. Sie kamen zum erstenmal in die Hauptstadt ihres Landes mit soviel Reinheit, Sorge und Hoffnungen in ihren Herzen. Sie kamen auch für uns Studenten und scheuten die großen geldlichen Opfer trotz ihres armen Geldbeutels nicht. Sie sollten darum von der rumänischen Studentenschaft herzlich aufgenommen werden.

Als sie in Bukarest ankamen, wurden sie von den Studenten am Bahnhof wie Könige empfangen. Sind sie nicht auch die wahrhaften Könige des rumänischen Bodens, diese stolzen Bergbauern? Sie stiegen mit feuchten Augen aus dem Zuge und hoben die Blicke zur heiligen Hauptstadt des Vaterlandes.

Hinter dem Bahnhof wartete schon der Staatsanwalt mit einer Anzahl von Polizeikommissaren und Gendarmerieabteilungen. Sie verboten uns den Durchgang. Die Polizei erhielt Befehl, auf uns einzuschlagen. Gewehrkolben und Gummiknüppel sausten auf die weißen Locken und milden Gesichter der Bauern. Es hagelte Hiebe von allen Seiten. Wir Studenten nahmen die Bauern in die Mitte und durchbrachen die erste Absperrkette. Beim Gebäude des Polytechnikums durchbrachen wir die zweite und dritte und gelangten schließlich auf einen freien Platz.

Die Bauern weinten. Einer riß sich vor Entrüstung das rumänische Bauernhemd vom Leibe.

Am nächsten Tage gingen wir alle zum Ministerpräsidenten. Wir werden für den kommenden Tag bestellt. Schließlich vertröstet man uns auf den dritten. Am dritten Tage stellen wir uns wieder ein. Wir betreten einen Saal und warten. Wir warten eine Stunde schweigend, flüsternd, auf den Zehenspitzen umhergehend.

Da erscheint der Kabinettschef des Ministerpräsidenten und sagt: „Meine Herren, gehen Sie nach Hause. Der Herr Ministerpräsident kann Sie nicht empfangen. Er hat soeben eine dringende Ministerratssitzung einberufen.“

Wir versuchen Einwendungen zu machen: „Wir sind doch von weit her ...“

Da schlägt der Kabinettschef die Tür hinter sich zu. Jeder von diesen Bauern hat allein für die Bahnfahrt tausend Lei bezahlt, geht es mir durch den Kopf. Sollen wir unverrichteter Sache umkehren? Wir können nicht mehr länger in Bukarest bleiben und warten.

Ich ergreife die Türklinke, rüttle sie und schreie aus Leibeskräften: „Aufmachen! Sofort aufmachen, sonst schlage ich die Tür in Stücke und dringe mit Gewalt ein!“ Ich bearbeite die Tür mit krachenden Fußtritten, um meinen Worten Nachdruck zu verleihen. Nun beginnen auch die Bauern zu rufen und drücken mit den Schultern gegen die Tür, daß sie in allen Fugen kracht. Die Tür geht plötzlich auf. Auf der Schwelle erscheinen einige entsetzte Herren mit bleichen Gesichtern und zerrauften Haaren.

„Was wollen Sie, meine Herren?“ stottern sie.

„Sagen Sie dem Herrn Ministerpräsidenten, wenn er uns nicht augenblicklich empfängt, schlagen wir hier alles kurz und klein und werden mit Gewalt in sein Zimmer eindringen!“

Nach einigen Minuten tun sich alle Türen weit auf. Wir werden vorgelassen. Über einige Treppen gelangen wir in das Zimmer des Ministerpräsidenten, wir treten ein.

Im Saale steht, aufrecht und steil, wie ein Lineal: Jonel Bratianu, der Ministerpräsident. Hinter ihm stehen die Minister Angelescu, Florescu, Constantinescu, Vintila Bratianu und andere.

„Was wollt ihr denn von mir, liebe Leute?“ fragt der Ministerpräsident.

Wir waren innerlich noch in vollem Aufruhr und hätten gern eine scharfe Antwort gegeben, um unsere wahre seelische Verfassung zum Ausdruck zu bringen. Als aber die Bauern mit ihren derben Bundschuhen über die Marmorstufen schritten und in den schweren Teppichen einsanken, wurden sie beklommen:

„Herr Ministerpräsident, Exzellenz, wir küssen die Hände und neigen uns vor Eurer Exzellenz in tiefer Ehrfurcht. Was wir wollen? Wir verlangen nichts als Gerechtigkeit, denn die Juden wachsen uns über den Kopf. Sie schleppen in Hunderten von Eisenbahnzügen das Holz aus unseren Wäldern. Es regnet in unsere Hütten, denn wir haben nicht einmal armselige Schindeln, um unser Dach zu decken. Unsere Kinder können wir nicht zur Schule schicken, denn auch die Schulen sind von Juden überfüllt. So werden unsere Kinder einst Knechte der Juden sein.“

Der Ministerpräsident hörte sie schweigend an, ohne auch nur mit einem Wort den vorhergehenden Auftritt im Vorzimmer zu erwähnen.

Zuletzt sagten die Bauern: „Wir verlangen auch für die Studenten, daß man ihnen gewähre, was sie fordern, und den Numerus clausus.“

Da sagte der Ministerpräsident: „Geht ruhig nach Hause und geduldet euch. Ich werde die Sache mit den Wäldern untersuchen lassen. Den Numerus clausus einzuführen, ist unmöglich. Zeigt mir einen einzigen europäischen Staat, der ihn eingeführt hat, und ich werde ihn auch einführen.“

Europa sollte erst nach zehn Jahren aufwachen und den Numerus clausus einführen und sollte uns und unserer Forderung recht geben. Freilich sollte Jonel Bratianu dann nicht mehr unter den Lebenden weilen, um sein Wort zu halten. Seine Nachfolger jedoch sind nichts als Knechte Judas. Sie haben die Faust wider uns erhoben, und auf Geheiß fremder Machthaber erwürgen sie uns und räumen uns aus dem Wege.

Ohne jede Hoffnung fuhren wir heim. Wir wußten: Nichts war geschehen! Als einziges Ergebnis unserer Audienz erfolgte die Verhaftung Dr. Calalins, des Führers unserer Abordnung, und die Verhaftung Vater Danileanus.

Eine Gruppe von Studenten veranstaltete am Abend vor dem Gebäude des Innenministeriums eine Demonstration. Dabei wurde der Student Vladimir Frimu festgenommen und ins Gefängnis Vacaresti eingeliefert.

Wir aber fuhren unverrichteter Dinge zurück nach Kimpolung.


Die Studenten-Verschwörung im Oktober 1923

Wir beschlossen, das Unrecht zu rächen, um den kommenden Zeiten ein warnendes Beispiel zu geben.

Nach Kimpolung war auch Motza gekommen. Wir wollten gemeinsam zum Kloster „Petru Rares“ auf den Rareu steigen, denn ich liebe diesen Berg wie keinen zweiten. Während wir den Rareu erstiegen, rang es sich los aus Motzas Seele. Alle inneren Kämpfe und die Beunruhigungen der letzten Zeit sprachen aus ihm.

Er sagte: „Die Studenten können im Herbst bestimmt keinen weiteren Widerstand leisten. Besser, als daß wir alle nach einem Jahr des Kampfes kläglich zu Kreuze kriechen, ist es doch, wir fordern sie auf, die Vorlesungen wieder zu besuchen.

Wir als die Führer wollen diese Bewegung zu einem großen Ende führen. Wir wollen uns selbst zum Opfer bringen. Mit uns reißen wir alle in den Abgrund, die sich des Verrates an unserem Volke schuldig gemacht haben. Wir müssen uns Pistolen beschaffen und alle Verräter erschießen. Wir müssen einmal ein Exempel statuieren, das als furchtbares Mahnmal in die ganze kommende Geschichte unseres Volkes hineinragt. Was mit uns geschieht, ob wir dabei erschossen werden oder in den Gefängnissen langsam verfaulen, ist völlig gleichgültig.“

Ich stimmte Motza zu. Der letzte Akt unseres Kampfes sollte selbst um den Preis unserer Vernichtung eine bleibende Tat sein, sollte den Verrätern die gerechte Strafe bringen. Wie schmählich waren diese Kreaturen desertiert, hatten ihre verantwortungsvollen Stellungen preisgegeben und das rumänische Volk gedemütigt und den größten Gefahren ausgeliefert!

In jedem Augenblick fühlten wir unser Blut nach Rache schreien, nach Vergeltung für alles ungesühnte Unrecht und für die lange Kette von Erniedrigungen, die unser Volk knirschend hatte hinnehmen müssen ...

Bald nach diesem Ausflug traten wir in Jassy im Hause des Herrn Bulnaru zu einer Beratung zusammen. Es waren anwesend: Ion Motza, Corneliu Georgescu, Vernichescu aus Klausenburg, Ilie Garncatza, Radu Mironovici, Leonida Bandac und ich aus Jassy und Tudose Popescu aus Czernowitz.

Die Frage, die wir uns zuerst vorlegten, lautete: wer ist in erster Linie für all dieses Unrecht verantwortlich'? Wer trägt die Hauptschuld am Unglück des Landes? Sind es die Rumänen selbst oder sind es die Juden? Wir waren alle der Meinung, daß die Hauptschuldigen jene schurkenhaften Volksgenossen sind, die für die Silberlinge Judas ihr Volk verraten. Die Juden sind unsere Feinde und hassen uns, vergiften uns, wollen uns ausrotten. Die rumänischen Volksführer aber, die mit ihnen am gleichen Seile ziehen, sind mehr als Feinde: Sie sind Verräter! Die härteste und unbarmherzigste Strafe hat in erster Linie den Verräter zu treffen. Dann erst kommt der Feind an die Reihe. Hätte ich eine einzige Kugel im Lauf und vor mir stünde ein Feind und ein Verräter, ich würde ohne zu überlegen den Verräter niederstrecken!

Wir einigten uns über gewisse Herren, die wir des Volksverrates schuldig wußten. Es waren sechs Minister. An ihrer Spitze Gheorghe Marzescu. So hatte nun endlich doch die Stunde geschlagen, da jene Kanaillen, die sich zu unbeschränkten Herren über ein williges und zu jeder Gegenwehr unfähiges Volk aufgeworfen hatten, mit ihrem Leben für ihre Schandtaten einstehen mußten. Jetzt schickte die Nation selbst durch unerklärbare seelische Befehle ihre Rächer.

Dann nahmen wir die zweite Kategorie unter die Lupe: die Juden. Wen von den zwei Millionen sollten wir auswählen? Wen sollten wir treffen? Wir überlegten lange und fanden schließlich, daß die wahren Anführer des jüdischen Großangriffes die Rabbiner sind. Sie sind es, die das jüdische Händlerheer zum Angriff führen. Wenn irgendwo ein Rumäne wirtschaftlich zusammenbricht, so ist das nicht dem Zufall zuzuschreiben. Er bricht zusammen, weil der Rabbiner es beschlossen hat. Hinter jedem gekauften rumänischen Politiker grinst die Fratze eines Rabbiners, der vorher alles genau geplant hat und dann dem Kahal oder einem jüdischen Bankschieber befiehlt, diese gekaufte Kreatur zu bezahlen. Hinter jeder jüdischen Zeitung und ihrer Berichterstattung stehen Verleumdung, Lüge, Hetze, steht mit einem Wort der Plan eines Rabbiners.

Da wir nur wenige waren, suchten wir uns lediglich die obersten Häuptlinge aus Bukarest heraus. Wären wir mehr gewesen, wir hätten sie bestimmt alle, bis zum letzten, aufs Korn genommen.

Dann nahmen wir die Bankiers vor: Aristide und Mauritius Blank, die alle politischen Parteien und alle rumänischen Politiker bestochen haben. Sie machen diese Politiker zu Aufsichtsräten in ihren jüdischen Banken und überschütten sie mit Geld. So hatte der Jude Bercovici die Liberale Partei finanziert, während Blank die Finanzierung der National-Zaranistischen Partei (Bauernpartei) übernommen hatte. Er fühlte sich stark genug, auch die Liberale Partei zu kaufen.

Sodann kamen die Pressejuden an die Reihe: Zuerst die frechsten und unverschämtesten. Die Seelenvergifter Rosenthal, Fildermann, Honigmann (Fagure), die Direktoren der Riesenzeitungen „Dimineatza“, „Adeverul“ und „Lupta“, alle erbitterte Feinde des Rumänentums.

In kleinen Gruppen fuhren wir nach Bukarest und nahmen für immer Abschied von Jassy. Ich hinterließ den Studenten ein Schreiben, in dem ich ihnen unseren Entschluß mitteilte und von ihnen Abschied nahm. Zugleich bat ich sie, die Vorlesungen wieder zu besuchen, aber im Glauben unerschütterlich zu verharren bis zum letzten großen Sieg. Jeder von uns hinterließ Briefe an die Eltern und Kameraden.

In Bukarest trafen wir alle zusammen. Wir gingen zu Danulescu, den wir schon seit längerer Zeit kannten und der stets einen guten Eindruck auf uns gemacht hatte. Er trat allerdings unserer Gruppe nicht bei, aber wir baten ihn um Herberge, die er uns auch bereitwillig gewährte.

Von Danulescu begaben wir uns am Abend gegen 8 Uhr zu Dragos, wo wir noch einige ungeklärte Fragen besprechen und vor allem den Zeitpunkt unseres Handelns genau festlegen wollten.

Kaum waren wir beisammen, da trat Dragos bleich und verstört ins Zimmer und stotterte: „Kameraden, die Polizei hat das Haus umstellt.“ Es war der 8. Oktober 1923. Eben schlug es 9 Uhr. Einen Augenblick saßen wir erstarrt und ratlos. Wir hatten keine Zeit, auch nur noch ein Wort zu wechseln. Unsere Blicke suchten einander.

Im nächsten Augenblick trat ich in den Vorraum und sah durch die Glastür die Gestalt des Generals Nicoleanu, der mit einigen Polizeikommissaren versuchte, die Tür zu sprengen. Da krachte die Tür auch schon auf. Das ganze Haus füllte sich mit Polizeibeamten.

General Nicoleanu rief uns zu: „Hände hoch!“

Dazu blieb uns keine Zeit. Jeder von uns fühlte sich gepackt und von zwei Wachleuten hochgerissen. Auf der rechten Seite stand ich selbst, dann folgten Motza, Corneliu Georgescu, Tudose Popescu, Radu Mironovici, Vernichescu und Dragos.

Wieder ertönte die Stimme des Generals: „Gebt sofort alle Pistolen heraus!“

Wir antworteten: „Wir haben keine Waffen.“ Denn nur Motza und Vernichescu besaßen Pistolen.

Darauf wurden wir auf die Straße gezerrt und jeder in einen bereitstehenden Kraftwagen gebracht. Aus dem Hause drang das Schluchzen der Mutter unseres Kameraden Dragos.

Die Kraftwagen fuhren los. Wir sprachen kein Wort, fragten unsere Häscher nach nichts. Auch sie stellten keine Fragen. Nachdem wir einige Straßen passiert hatten, rollten wir über den Hof der Polizeipräfektur. Wir wurden aus dem Wagen gezerrt und in ein Zimmer geführt. Man durchsuchte zuerst die Taschen, dann nahm man uns alles, was wir auf dem Leibe trugen, auch Kragen und Krawatte.

Wir mußten uns mit dem Gesicht der Wand zukehren. Es wurde uns strengstens verboten, den Kopf umzudrehen und rückwärts zu blicken. Lange Zeit mußten wir so dastehen. Wir dachten: Wohin sind wir geraten? Noch vor wenigen Stunden waren wir freie, stolze Menschen, entschlossen, die Sklavenketten unseres Volkes zu brechen. Was sind wir jetzt? Ein paar arme Verhaftete, die unbeweglich mit dem Gesicht zur Wand gekehrt dastehen müssen, auf Befehl armseliger Polizeiagenten, wie Taschendiebe durchsucht und beraubt. Jetzt beginnt unser großer Leidensweg. Mit dieser Demütigung hat es begonnen. Ich glaube, es gibt für einen Kämpfer, der für Mannesstolz und Ehre lebt, kein härteres Los als Entwaffnung und Erniedrigung. In jedem Falle ist der Tod leichter zu ertragen als diese Schmach.

Wir wurden in ein Zimmer gebracht und auf Bänke gesetzt, jeder etwa fünf Meter vom anderen entfernt. Neben uns saßen Polizeiagenten. Wir durften die Kameraden nicht einmal ansehen. Stundenlang saßen wir so, bis wir endlich zum Verhör aufgerufen wurden. Leidensgenossen dieser dunklen Stunden waren: Motza, Tudose Popescu, Radu Mironovici, Cornelia Georgescu, Vernichescu, Dragos und ich.

Nach einer qualvollen Wartezeit wurden wir einzeln zum Verhör geführt. Es waren anwesend: der Staatsanwalt, der Untersuchungsrichter, General Nicoleanu und einige Vertreter der Ministerien. Ich wurde erst gegen Morgen verhört. Es wurden mir einige meiner Briefe vorgelegt, auch die beiden Körbe, die unsere Pistolen enthielten und die wir vorher an einem günstigen Ort verborgen hatten. Ich konnte mir nicht erklären, wie man sie hatte finden können. Daß man uns verhaftet hatte, begriff ich. Aber wer in aller Welt hatte den Ort verraten, wo unsere Revolver lagen?

Mein Verhör begann. Ich wußte nicht, was die anderen vor mir ausgesagt hatten, wir hatten vorher nichts ausgemacht, was wir im Falle einer Verhaftung erklären wollten. So war ich gezwungen, allein die Lage rasch zu beurteilen. Ich entschied mich so, wie ich glaubte, daß es am besten sei. Ein Augenblick nur, dann hatte ich mich gefaßt.

Als mir die erste Frage vorgelegt wurde, waren mehr als drei Minuten seit meinem Eintreten verstrichen. Doch war ich nicht imstande, die Lage, in der wir uns befanden, klar zu übersehen, um einen Entschluß fassen zu können. Ich war vor Müdigkeit wie zerschlagen und seelisch zerrissen.

Als ich aufgefordert wurde zu antworten, sagte ich daher: „Meine Herren, ich bitte Sie, lassen Sie mir eine Minute Zeit zum Nachdenken.“

Ich stand vor der Entscheidung: Entweder alles leugnen oder alles gestehen! Ich nahm meine Gedanken zusammen und kam zu dem Entschluß, nichts abzuleugnen. Ich wollte die volle Wahrheit gestehen, und zwar nicht zaghaft und mit Bedauern, sondern mutig und bestimmt. So gestand ich:

„Die Pistolen gehören uns. Wir wollten mit ihnen die Minister, Rabbiner und großen jüdischen Bankiers erschießen.“

Ich werde nach den Namen unserer Opfer gefragt. Als ich nun die Namen aufzuzählen beginne, angefangen vom Minister Constantinescu bis zu den Juden Blank, Fildermann und Honigmann, werden die Augen der Anwesenden größer und größer. Sie sehen mich mit Entsetzen an. Jetzt weiß ich, daß alle bis jetzt verhörten Kameraden geleugnet haben.

„Aber, Menschenskind, wozu ermorden?“ „Die ersten, weil sie ihr Vaterland verschachert haben, die anderen, weil sie unsere Feinde und Verderber sind.“

„Und bereut ihr euern Entschluß nicht?“ „Gar nichts bereuen wir... Daß unser Vorhaben gescheitert ist, tut nichts zur Sache. Hinter uns stehen Zehntausende, die genau so denken wie wir!“

Als ich dies gesagt hatte, war mir, als hätte ich damit den Felsblock der Demütigung fortgeschleudert, der auf meiner Seele lastete und mich, hätte ich geleugnet, noch mehr bedrückt hätte. Jetzt stand ich fest auf dem Felsgrunde meines Glaubens, der mich bis hierher geführt hatte, und bot die Stirne sowohl dem harten Los, das mich erwartete, als auch den Beamten, die sich als Herren über Leben und Tod aufspielten. Wenn ich geleugnet hätte, hätte ich ständig eine Verteidigungsstellung einnehmen müssen, um mich der Anklagen, die gegen uns erhoben wurden, zu erwehren. Ich hätte um Nachsicht bitten und um Wohlwollen betteln müssen. Wegen der schriftlichen Beweise, die sie in Händen hielten, hätten wir uns bei den nachfolgenden Gerichtsverfahren in unwürdige Situationen begeben, denn wir hätten unsere eigene Handschrift verleugnen müssen. Damit aber hätten wir unseren Glauben, die Wahrheit verleugnet. Das wäre gegen unser Gewissen und gegen die Ehre unserer Bewegung gewesen. Sollten wir als Führer einer großen Studentenbewegung nicht den Mut aufbringen, für unseren Glauben und für unsere Taten einzustehen? Überdies hätte unser Volk niemals unsere Gedanken erfahren. Schließlich, dachte ich, wird als Frucht unseres Leidens doch immerhin dieses bleiben: Ein unwissendes, ahnungsloses Volk hat nun endlich seine Feinde erkannt.

Zum Schluß wurde ich aufgefordert, meine Erklärungen mit eigener Hand niederzuschreiben.

Ich tat es. Ich fügte noch hinzu:

„Den Zeitpunkt für unser Vorhaben haben wir nicht festgesetzt. Man hat uns mitten in den Beratungen überrascht. Ich vertrat die Meinung, daß wir in einer oder zwei Wochen losschlagen sollten.“

Hier unterbrach der Untersuchungsrichter und versuchte, mich zu bewegen, auf diesen Zusatz zu verzichten. Erst später verstand ich, weshalb er darauf drang. Diese Zusatzerklärung hob den juristischen Wert der Anklage auf und bildete den Kernpunkt für unsere Verteidigung. Denn eine Verschwörung verlangt vier Dinge: Menschen, die dazu entschlossen sind, Bezeichnung der zu beseitigenden Person, Beschaffung von Waffen und Festlegung des Zeitpunktes für das Attentat.

Diesen Zeitpunkt jedoch hatten wir noch nicht festgelegt, sondern eben darüber verhandeln wollen, als man uns verhaftete. Der Zeitpunkt aber war von entscheidender Wichtigkeit. In zwei Wochen konnte es geschehen, daß wir krank wurden oder unsere Opfer starben, oder daß die Regierung abdankte, nachgab und anderes mehr. Unsere ganze Verteidigung vor Gericht würde sich also auf diesen wichtigen Punkt stützen.

Nach dieser Erklärung wurde ich abgeführt und in eine unterirdische Einzelzelle gebracht. Die Zelle wurde mit einem Schloß von außen zugesperrt. Ich nahm an, daß in den anstoßenden Zellen die Kameraden eingeschlossen waren. Ich schlug mit der Faust an die Wand und fragte nach meinem Nachbarn. Dumpf hörte ich durch die Mauer: „Motza.“

Ich ließ mich auf einige Bretter nieder und versuchte zu schlafen, denn ich war todmüde. Da ich keinen Mantel hatte, fing ich bald an zu frieren und vor Kälte zu zittern. Dann begannen mich die Wanzen zu plagen. Es wimmelte förmlich von ihnen. Ich nahm die Bretter und drehte sie auf die andere Seite, aber die Wanzen krochen immer wieder hervor. Ich wiederholte dies Manöver einige Male, bis ich sah, daß der Morgen graute. Dann hörte ich Lärm. Die Tür wurde aufgerissen. Wir wurden herausgeführt und einzeln in bereitstehende Autos gebracht. Als Begleiter erhielt jeder zwei Gendarmen und zwei Wachleute. Die Kraftwagen fuhren durch einige unbekannte Straßen. Neugierig blickten die Vorübergehenden uns nach. Wir verließen die Stadt Bukarest. Nach einer Weile hielten wir vor einem riesigen Tore mit der Inschrift: „Staatsgefängnis Vacaresti.“ Wir wurden abgeladen und zwischen Bajonette genommen. In zehn Meter Abstand führte man uns vor. Man vernahm das laute Knarren eines Schlosses, das Klirren von Ketten, dann öffneten sich die großen Torflügel. Wir bekreuzigten uns schweigend und traten ein. Wir wurden sofort zur Gefängnisdirektion geführt, wo uns die Haftbefehle ausgehändigt wurden, aus denen wir entnahmen, daß wir wegen eines Komplottes gegen die Sicherheit des Staates verhaftet waren. Die vorgesehene Strafe lautet: Zwangsarbeit! Darauf wurden wir alle in einen anderen Hof geführt, in dessen Mitte sich die Gefängniskirche erhob. Rundherum befanden sich riesige Mauerwerke mit Zellen und Verließen.

Ich wurde in eine der Zellen im Hintergrund des Hofes gebracht. Sie war genau zwei Meter lang und ein Meter breit. Von außen wurde sie mit schweren Schlössern versperrt. In ihrem Innern befand sich nur eine Pritsche aus nackten Brettern. Neben der Tür war ein winziges Fenster mit schwerem Eisengitter. Wo werden die anderen Kameraden sein? Ich legte mich auf die Bretter und schlief ein. Schon nach zwei Stunden wachte ich zitternd und zähneklappernd auf, denn es war bitter kalt in der Zelle. Kein Sonnenstrahl konnte bis hierher dringen. Verstört blickte ich mich um und konnte es immer noch nicht fassen, daß ich im Gefängnis saß. Nur langsam begriff ich die Trostlosigkeit um mich her. Ich sagte mir: Du bist in eine furchtbare Lage geraten. Eine Woge von Leid und Erbitterung stieg in meinem Herzen hoch. Aber ich tröstete mich: Es war für unser Volk! Darauf begann ich mit den Armen zu turnen, um mir ein wenig Wärme zu verschaffen.

Gegen 11 Uhr hörte ich Schritte. Ein Gefängniswärter kam und öffnete die Tür. Ich sah ihn an. Es war ein unbekannter, mürrischer Mensch. Mit bösen Augen blickte er mich an. Er reichte mir ein Schwarzbrot und einen Blechteller Suppe. Ich fragte ihn: „Herr Wärter, haben Sie keine Zigarette für mich?“ „Nein!“ Wortlos schloß er die Zelle wieder ab und schlürfte davon. Ich brach ein Stück Brot und aß einige Löffel Suppe. Dann stellte ich den Teller auf den Zementboden der Zelle und versuchte meine Gedanken zu sammeln.

Ich konnte nicht begreifen, wie es der Polizei gelungen war, uns zu fassen. Sollte sich einer von uns aus Unvorsichtigkeit verplappert haben? Oder hat uns einer verraten? Wie in aller Welt hat man unsere Pistolen finden können? Wieder hörte ich Schritte. Durch das Eisengitter des Fensterchens sah ich einen Pfarrer und mehrere Herren sich meiner Zelle nähern. Sie begannen auf mich einzureden: „Aber, wie ist es möglich, daß Sie, gebildete junge Menschen, sich zu so etwas entschließen konnten?“ Ich antwortete: „Wenn es möglich ist, daß dieses Volk, von den Juden überschwemmt und von seinen Führern verschachert, verhöhnt und verspottet, dem sicheren Untergang entgegentreibt, dann ist auch das möglich, was wir beschlossen hatten.“

„Aber es stehen Ihnen doch so viele gesetzliche Wege offen.“

„Wir sind sie alle gegangen, bis wir hier gelandet sind. Hätte sich nur ein einziger gangbarer Weg gefunden, so wären wir jetzt bestimmt nicht hier.“

„Und ist es so besser? Ihr werdet viel leiden müssen, weil ihr diesen Weg gegangen seid.“

Ich sage: „Ja! Aber aus unseren Leiden wird für unser Volk einst die Erlösung reifen!“

Dann gingen sie wieder.

Gegen 4 Uhr erschien ein Wärter und brachte mir eine alte zerrissene Decke und einen Sack voll Stroh. Ich legte sie mir zurecht, so gut es ging. Dann aß ich noch etwas Brot und legte mich hin. Ich dachte an die Unterhaltung mit dem Pfarrer und sagte mir: Aus den Gelagen und dem geruhsamen Leben der Bürger hat ein Volk noch niemals einen Gewinn gezogen. Aus Opfer und Hingabe aber ist dem Volke noch immer neues Leben und neue Kraft erwachsen. Damit hatte ich einen Sinn für unser Leiden und einen moralischen und seelischen Halt in diesen trüben Stunden gefunden.

Ich erhob mich wieder, kniete nieder und betete: Allmächtiger! Wir nehmen auf uns alle Sünden dieses Volkes. So nimm denn unser jetziges Opfer gnädig an und gib, daß aus ihm ein neues Leben für unser Volk heranreife!

Ich dachte an meine Mutter und an meine Lieben daheim. Sicher hatten sie inzwischen von unserem Los gehört und dachten jetzt auch an mich. Ich betete für sie und legte mich dann zur Ruhe. Obwohl ich mich angezogen hinlegte und mich fest in die Decke eingewickelt hatte, fror ich doch arg. Ich schlief schlecht, da der Strohsack viel zu kurz war.

Es war 8 Uhr morgens, als der Wächter die Türe der Zelle aufschloß. Ich erwachte und der Mann fragte mich, ob ich nicht für einige Minuten hinausgehen wollte. Ich trat hinaus und machte einige Turnübungen, um mich ein wenig zu erwärmen. Meine Zelle lag etwas erhöht, so konnte ich den ganzen Hof überblicken. Da sah ich plötzlich jemand in der rumänischen Nationaltracht zwischen den Häftlingen einhergehen. Mein Vater! Ich konnte es nicht glauben. Was suchte er hier? Hatten sie auch ihn eingesperrt? Ich gab meinem Vater Zeichen. Er sah herauf und erkannte mich.

Der Wächter unterbrach mich sofort: „Herr, hier haben Sie keine Zeichen zu geben, verstanden?“

Ich sehe ihn an und sage: „Kamerad, laß in Gottes Namen genug sein mit dem harten Los, das Gott uns zu tragen auferlegt hat, und bürde uns nicht auch noch deinerseits Lasten auf.“ Darauf trat ich in meine Zelle zurück.

Nachmittags wurde ich wieder herausgeholt. Ich wurde zwischen Bajonette genommen und aus dem Gefängnis geführt. Auf dem Wege standen schon die anderen Kameraden. Im Abstand von je zehn Metern werden wir aufgestellt, jeder zwischen zwei Bajonetten. An der Spitze steht mein Vater, von zwei Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr begleitet. Einige Neuverhaftete sind dazugekommen: Traian Breazu aus Klausenburg, Leonida Bandac aus Jassy und Danulescu. Es wird uns streng verboten, den Kopf umzuwenden oder den Kameraden irgendwelche Zeichen zu geben. Nur für einen kurzen Augenblick konnte ich die eingefallenen Gesichter meiner Leidensgenossen sehen.

Was mir am meisten am Herzen fraß, war die traurige Lage, in die mein Vater unverschuldet geraten war. Er war völlig unschuldig. Dieser Gymnasiallehrer, der ein Leben lang für sein Volk gekämpft hatte, der als Major und Bataillonskommandeur während des Krieges in erster Linie, in der vordersten Front gestanden hatte, der mehrere Male schon als Vertreter des Volkes ins Parlament gewählt worden und dabei nicht im Hintergrunde geblieben war, wurde nun zwischen Bajonetten durch die Straßen der Hauptstadt geführt.

Wir marschierten zum Gericht, eine lange Kolonne. Die rumänischen Volksgenossen betrachteten uns gleichgültig. Als wir durch das Judenviertel schritten, rannten die Juden vor die Tore oder stürzten an die Fenster. Einige warfen uns spöttische Blicke zu und grinsten hämisch. Andere rissen das Maul auf und machten laute Bemerkungen. Andere wieder spien vor uns aus. Wir blickten zu Boden, blutend krampfte sich unser Herz zusammen. So legten wir den Rest des Weges zurück.

Der Gerichtshof bestätigte unsere Haftbefehle. Unser Verteidiger war der Rechtsanwalt Paul Iliescu, der sich als erster freiwillig bereit erklärt halte, uns zu vertreten. Auf demselben Wege und in demselben Aufzuge wurden wir wieder zurückgeführt. An den Zeitungsständen lasen wir die Überschriften der Judenzeitungen, die in großen Lettern verkündeten: „Das Komplott der Studenten“, „Die Verhaftung der Verschwörer“.

Dann war ich wieder in meiner Zelle. Zwei volle Wochen saß ich hier auf dem Zementboden. Von meinen Kameraden wußte ich nichts. Von draußen erhielt ich keine Nachricht.

Nach diesen zwei Wochen, die mir wie zwei Jahrhunderte vorkamen, wurden wir aus den Zementzellen herausgeholt und in Räume gebracht, in denen es Öfen gab. In jedem Raum war für drei Platz. Wir durften uns das Essen selbst zubereiten und gemeinsam die Mahlzeiten einnehmen.

Als wir die Kameraden wiedersahen, war es ein wahrer Festtag für uns. Ich hauste mit Dragos und Danulescu im selben Raum. Inzwischen hatte sich auch Garneatza, der Vorsitzende der Jassyer Studentenschaft, der Behörde gestellt, so daß unsere Zahl auf dreizehn gestiegen war: Mein Vater, völlig schuldlos, Motza, Garneatza, Tudose Popescu, Corneliu Georgescu, Radu Mironovici, Leonida Bandac, Vernichescu, Trajan Breazu und ich - wir alle des Komplotts angeklagt, ferner Dragos und Danulescu - diese beiden, weil wir uns in ihren Wohnungen getroffen und beraten hatten. Außer uns war noch Vladimir Frimu im Gefängnis. Wir hatten ihn hier angetroffen, denn er war schon früher bei der Kundgebung vor dem Innenministerium verhaftet worden.

Wir erhielten jetzt einen Spirituskocher. Mit den Lebensmitteln, die uns ab und zu von Verwandten und Bekannten zugeschickt wurden, begannen wir uns die Mahlzeilen selbst zuzubereiten. Die Verpflegung der Häftlinge war entsetzlich, das Elend, in dem sie lebten, unbeschreiblich.

Mein Vater hatte von der Gefängnisdirektion die Erlaubnis erwirkt, daß wir jeden Morgen um 7 Uhr in die Gefängniskirche gehen durften, um dort unsere Morgenandacht zu halten. Vor den Stufen des Altars knieten wir nieder und beteten das Vaterunser. Tudose Popescu sang ein „Gelobt seist Du“. Dort fanden wir Trost für unser Gefängnisleben und Kraft für kommende Tage.

Dann stellten wir ein Arbeitsprogramm zusammen. Motza beschäftigte sich mit unserem Prozeß, Danulescu bereitete sich für das medizinische Staatsexamen vor. Ich arbeitete an einem genauen Organisationsplan für die gesamte Jugend im Hinblick auf unseren völkischen Kampf. Diese Organisation sollte alle Studenten, die männliche Dorfjugend und die Mittelschüler umfassen. An dem Plan arbeitete ich bis Weihnachten. Bis in die kleinsten Einzelheiten arbeitete ich ihn aus, um ihn dann, wenn wir aus dem Gefängnis entlassen würden, sofort in die Tat umsetzen zu können. Wenn wir aber im Gefängnis blieben, wollte ich ihn jemand zukommen lassen, damit dieser nach diesem Plane mit der Organisierung der Jugend beginnen konnte. Dies halte unbedingt im Rahmen unserer „Liga“ zu geschehen. Die „Liga“ sollte die rein politische Organisation sein. Unsere große Jugendvereinigung aber war als Erziehungs- und Kampfgemeinschaft der ganzen Jugend gedacht.

Am 8. November, dem Tage der heiligen Erzengel Michael und Gabriel, berieten wir, welchen Namen wir unserer Jugendorganisation geben sollten. Da sagte ich: „Erzengel Michael.“ Mein Vater sagte: „In der Gefängniskirche hängt neben der Tür, links vom Altar, ein Bild des Erzengels Michael.“ „Laßt es uns sehen“, rief ich. Wir gingen hin, Motza, Garneatza, Corneliu Georgescu, Radumi Ronowici und Tudose Popescu. Wir betrachteten das Bild und waren überrascht. Es war von außergewöhnlicher Schönheit. Heiligenbilder machten sonst keinen Eindruck auf mich. Jetzt aber fühlte ich mich diesem Bilde aus ganzer Seele verbunden. Ich hatte den Eindruck, als stünde der heilige Erzengel lebend vor mir. Seitdem gewann ich das Bild lieb. Sooft wir die Kirche offen fanden, traten wir ein und beteten vor dem Bilde. Unsere Seele füllte sich dabei mit Ruhe und stolzer Freude.

Dann begann die Qual der endlosen Wege zum Gerichtshof. Zu Fuß, zwischen Bajonetten, durch morastige Vorstadtstraßen, mit zerrissenen Schuhen und nassen Füßen, zogen wir hin. Jüdische Schieber, die den Staat um viele hundert Millionen betrogen haben, werden in eleganten Automobilen zur Verhaftung geschafft. Wir mußten jedesmal zu Fuß wandern, durch Schmutz und Kälte. Häufig kamen wir vergebens ins Gerichtsgebäude und wurden nicht verhört. Man wollte uns durch diese Märsche quälen und demütigen. Mich hat der Untersuchungsrichter 25mal kommen lassen und nur zweimal verhört. An unseren ersten Erklärungen änderten wir nichts.

Ein Gedanke quälte uns unaufhörlich: Wer hat uns verraten? Nächtelang saßen wir, grübelten und versuchten dem Rätsel auf den Grund zu kommen. Wir verdächtigten schließlich einer den anderen.

Eines Morgens ging ich allein zum Gotteshaus, trat vor das Bild des Erzengels Michael, betete und bat Gott, uns den Verräter zu zeigen. Als ich am Abend desselben Tages mit den Kameraden am Tisch saß, sagte ich plötzlich zu ihnen: „Ich bin gezwungen, euch eine traurige Mitteilung zu machen. Der Verräter ist entlarvt. Er ist in unserer Mitte und sitzt mit an diesem Tisch.“ Da blickten sich alle schweigend an. Motza und ich beobachteten die Mienen eines jeden genau und versuchten irgendeine Bewegung zu erspähen, die uns einen, wenn auch nur schwachen Fingerzeig geben könnte.

Ich führte die Hand an meine Brusttasche und sagte: „Ich werde euch jetzt die Beweise vorlegen.“

In diesem Augenblick fuhr Vernichescu auf und stand einen Augenblick unschlüssig. Dann übergab er den Schlüssel zum Schrank mit den Lebensmitteln an Bandac und sagte: „Ich gehe.“

Uns erschien dieser plötzliche Aufbruch Vernichescus seltsam. Wir setzten unser Gespräch über die Belege des Verrates weiter fort. Nur weigerte ich mich, diese Belege herauszugeben und vorzuzeigen, denn ich besaß ja keine.

Als wir aufstanden und fortgehen wollten, fanden wir Vernichescu allein in einer Ecke. Er sagte zu uns: „Codreanu hat mich im Verdacht.“

Ich sagte ihm, daß ich gar keinen verdächtige.

Woche auf Woche war vergangen. Unser Gefängnisleben floß immer schwerer dahin. Jeden Tag zog ich mit einem Bleistift an der Wand über meinem Bett einen kurzen Strich. Draußen waren die Feinde des Volkes und erfreuten sich ihrer Ehre und aller Güter dieser Welt. Und wir? Abgesehen von allen seelischen Qualen, legten wir uns oft hungrig hin und zitterten die ganze Nacht vor Kälte auf den nackten Brettern.

Und doch gab es Freudentage auch für uns Gefangene. Nach zwei harten Gefängnismonaten erfuhren wir, daß mein Vater und Danulescu auf freien Fuß gesetzt werden sollten. Welche Freude war das für uns alle! Wir halfen ihnen ihr Bündel schnüren. Nach kurzer Zeit wurden sie herausgeführt. Wir sahen, wie sie das Gefängnis verließen, und blickten ihnen nach, bis das Tor sich hinter ihnen wieder schloß. Ich hatte meinen Vater gebeten, der Mutter und allen Lieben zu Hause zu sagen, sie sollten ohne Sorge sein.

Kurze Zeit darauf verließen uns auch Dragos, Bandac, Breatza und Vernichescu, da sie wie mein Vater und Danulescu aus dem Prozeßverfahren ausgeschieden worden waren. Wir waren also nur noch sechs, die des Komplotts gegen die Sicherheit des Staates angeklagt waren. Nach einigen Tagen erhielten wir von Dragos die Nachricht, daß Vernichescu der Verräter gewesen sei. Dragos hatte auch Vernichescus Aussagen aus dem Gerichtsakt genau abgeschrieben. Als wir diese Nachricht erhielten, waren wir aufs tiefste erschüttert.


Außerhalb der Kerkermauern

An allen Hochschulen hatten die Studenten den normalen Betrieb wieder aufgenommen. Einen Augenblick lang schien allgemeine Ratlosigkeit zu herrschen. Seit zwei Monaten lebten sie unter dem ständigen Terror der jüdischen Presse. Diese hetzte ununterbrochen gegen unseren Versuch, schreiendes Unrecht zu sühnen, und zeterte immer wieder über die katastrophalen Folgen für das ganze Land. Die Judenpresse heulte, wir hätten uns jedes Vertrauen der zivilisierten Welt verscherzt. Wir wären ein Staat, in dem balkanische Zustände herrschten. Ununterbrochen jammerte sie: Was wird Berlin sagen? Was werden Wien und Paris dazu sagen? Plötzlich entpuppten sich die Juden als die glühendsten Verteidiger der Lebensinteressen des Staates und bestürmten die rumänischen Politiker Tag für Tag, energische Maßnahmen gegen die nationale Bewegung zu ergreifen, die nach ihrer Meinung mit eiserner Hand erstickt werden mußte.

Als ein Jahr früher der Jude Max Goldstein im rumänischen Senat eine Bombe legte und die Sicherheitspolizei die kommunistischen Juden verhaftete, da heulte dieselbe Presse auf: „Ein Staat kann gegen den Willen des Volkes nicht mit Gewaltmitteln ankämpfen. Wo bleibt die Verfassung? Wo bleiben die Gesetze? Wo bleiben die Freiheiten, die uns von der Verfassung garantiert werden? Was wird das Ausland über einen Staat sagen, der sich zu solchen Gewaltmaßnahmen hinreißen läßt? Durch Verhaftungen, Gefängnisse, Bajonette und Terror kann sich kein Staat aufrechterhalten. Denn auf Gewaltmaßnahmen von Seiten des Staates wird das Volk oder werden die einzelnen ebenfalls mit Gewalt antworten. Auf Terror wird mit Terror geantwortet, und schuld werden nicht diese Menschen sein, sondern der Staat, der sie herausgefordert hat.“

Nun schrieb dieselbe Presse mit einer Schamlosigkeit, die nur der mit Blindheit Geschlagene nicht sah: „Mit der Tatsache, daß diese Terroristen verhaftet und eingesperrt wurden, ist noch nichts geschafft. Sie müssen so verurteilt werden, daß endlich einmal ein abschreckendes Beispiel gegeben wird. Aber nicht einmal das genügt: Es müssen sofort alle eingesperrt werden, die antisemitische Ideen verbreiten. Denn diese fügen unserem Lande unermeßlichen Schaden zu. Dieses antisemitische Unkraut muß endlich einmal mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Hier muß erbarmungslos und schonungslos durchgegriffen werden.“

Dieser Hochflut von Niedertracht setzte die völkische Presse einen festen Damm entgegen. Außer der großen Tageszeitung „Universul“, die in völkischen Fragen immer eine einwandfreie Haltung an den Tag gelegt hatte, besaß die nationale Bewegung noch acht Blätter, die in Bukarest, Jassy, Klausenburg, Czernowitz und Orastia (Broos in Siebenbürgen) erschienen.

Die Studentenschaft verstand die Notwendigkeit unseres Opfers. So kam es, daß die ganze Studentenbewegung sich immer stärker mit diesen Gefängnismauern von Vacaresti verbunden fühlte, hinter denen ihre Führer saßen.

Auch die Bauern begannen sich um uns zu sorgen. Sie schickten uns Geld und beteten in den Kirchen für uns. Besonders in den Wäldern des Buchenlandes und in Siebenbürgen, wo die ,,Libertatea“, das Blatt des Pfarrers Motza, verbreitet war. Hier als Beispiel ein Bericht aus der Zeitung „Cuvantul Studentesc“ vom 7. März 1924:

„Unter den Geldspenden, die die eingesperrten Studenten in Vacaresti von den Bauern vieler Dörfer aus allen Teilen des Landes erhalten haben, findet sich auch eine Spende, die kostbarer ist als alle anderen. Es ist das Scherflein, das die armen Bauern aus den westsiebenbürgischen Wäldern und Gebirgen gesandt haben. Zwei oder drei oder gar fünf Lei haben sie aus ihren zusammengeknoteten Taschentüchern oder aus ihren breiten Ledergürteln hervorgekramt und haben sich damit ins Tal aufgemacht, auf den schmalen Fußsteigen, auf denen einst der Held Jancu zu Tale zog. Sie sandten ihr Scherflein über die Berge, denn sie hatten gehört, daß dort die Blüte der Jugend eingekerkert lag, die Jungen, die sich vorgenommen hatten, das Volk zu befreien aus Not und Unrecht, aus Armut und Trübsal. Aus den ärmsten Winkeln des Landes, wo man mit soviel Trauer und Bitterkeit das Lied singt: ‚Unsere Berge stoßen funkelndes Gold hervor, aber bettelnd ziehn wir von Tor zu Tor’, aus diesen ärmsten Winkeln wurde die kostbare Gabe gesandt; eine Handvoll armseliger Geldstücke und eine Seele, die zwar in einem Leib sitzt, der hungrig und obdachlos umherzieht und sich in Lumpen und Fetzen hüllen muß, dabei aber den kostbarsten Schatz in sich birgt: die strahlende Gesundheit, diesen unversiegbaren Quell der Lebenskraft, aus welchem in Zeiten der Not dem Volke die Erlösung kommt. Die Bauern denken an die Studenten. Ihre Seele beginnt zu verstehen, sich zu regen, sich ein neues Ideal zu schmieden. Dies ist das beste und sprechendste Zeichen!“

Bald werden sich die Bauern mit uns verbünden. Bald werden ihre kraftvollen und geduldigen Seelen sich mit den unsrigen vereinen und auf die große Stunde der Gerechtigkeit warten.


Gedanken um ein neues Leben

Weihnachten naht. Wir waren allein zurückgeblieben und dachten in langen schlaflosen Nächten an unsere Lieben daheim. Unsere Gedanken quälten uns Tag und Nacht. Wir gingen einer unbekannten Zukunft entgegen. Diese Ungewißheit wollte uns schier verzehren. Alle wünschten wir, daß der Termin für unseren Prozeß festgelegt werde, damit wir endlich erfuhren, welches Los uns erwartete. Die ausgestandenen Strapazen und das gemeinsame Schicksal verband uns immer inniger miteinander. Die täglichen Aussprachen, die wir über alle möglichen Probleme hatten, führten uns zu denselben Schlußfolgerungen und erweckten in uns Schritt für Schritt die gleiche Art zu denken und zu fühlen. Die Fragen, die die nationale Bewegung betrafen, beschäftigten uns Tag und Nacht auf das eindringlichste. Hier erst, im Gefängnis, lernten wir das Judenproblem richtig durchdenken und bis in die letzten Einzelheiten verfolgen. Wir forschten nach seinen Ursachen und durchdachten die Möglichkeiten einer Lösung. Hier arbeiteten wir genaue Organisationspläne aus und setzten unsere spätere praktische Arbeit bis ins letzte fest. Nach einiger Zeit schlössen wir die Diskussionen ab. Wir waren zu festen Gesetzen, zu unerschütterlichen Wahrheiten gekommen.

Wir betrachteten die unbeholfenen Tastversuche jener Leute, die sich ohne Vorbereitung an völkische Fragen heranmachten. Bald gaben sie eine Zeitung heraus, bald ließen sie einen unmöglichen Organisationsplan an das Licht der Welt. Wir beobachteten die falschen Schlüsse, wir sahen ihre Unsicherheit auf dem Gebiete der Organisation und ihre Kopflosigkeit, wenn energisch gehandelt werden mußte.

Jetzt nach reiflicher Überlegung hatten wir folgendes klar erkannt:

1. Das Judenproblem ist kein Hirngespinst, sondern ein Problem, von dessen Lösung Leben oder Tod des rumänischen Volkes abhängt. Die Führer des Landes, die sich in den verschiedenen politischen Parteien des Landes betätigen, werden immer mehr zum Spielzeug in den Händen Judas.

2. Dieses „Politikastertum“ lastet wie ein furchtbarer Fluch auf unserem Land.

3. Das rumänische Volk ist außerstande, das Judenproblem zu lösen, bevor es das Problem dieses Politikastertums restlos geklärt hat. Der erste Schritt unseres Volkes auf dem Wege zur Niederwerfung der Macht Judas muß mit der völligen Beseitigung dieses verderblichen Politikastertums beginnen.

Jedes Land hat die Juden und Führer, die es verdient. Wie Blutegel nur im Sumpf leben können, so können auch diese nur im Sumpf unserer rumänischen Laster ihr Dasein finden. Um sie zu beseitigen, müssen wir zuerst unsere eigenen Laster ausrotten. Dies Problem greift tiefer, als Professor Cuza es uns aufgezeigt hatte. Die hohe Sendung zu diesem entscheidenden Kampf ist der rumänischen Jugend anvertraut. Wenn sie diese geschichtliche Sendung erfüllen will, wenn sie leben will, wenn sie noch ein Vaterland besitzen will, dann muß sie sich zu diesem Kampfe rüsten und alle Kräfte zusammenreißen, um den Sieg zu erringen. Wir beschlossen, wenn wir aus dem Gefängnis loskommen sollten und mit Gottes Hilfe nicht mehr voneinander getrennt würden, immer beisammenzubleiben und unser ganzes Leben diesem Ziele zu weihen.

Bis es dahin kam, daß wir uns mit den Fehlern des Volkes beschäftigen konnten, begannen wir, uns zunächst mit unseren eigenen Fehlern zu beschäftigen. Stundenlang saßen wir beisammen und hielten uns gegenseitig unsere Fehler vor, die wir aneinander beobachten konnten. Es war eine heikle Angelegenheit. Von seinen eigenen Fehlern hört keiner gern. Jeder glaubt, er sei vollkommen, oder gibt vor, es zu glauben. Wir aber sagen: „Zuerst müssen wir unsere eigenen Fehler erkennen und ablegen, und dann erst wird es sich zeigen, ob wir ein Recht haben, uns auch mit den Fehlern der anderen zu befassen.“

So ging Weihnachten vorüber. Der Winter ging, der Frühling kam. Über unser weiteres Schicksal wußten wir noch immer nichts. Nur so viel hatten wir erfahren, daß draußen im Volk eine gewaltige Strömung für uns und unsere Sache eingesetzt hatte, trotz der verzweifelten Versuche der Judenpresse, sie zu ersticken. Die Strömung war sowohl unter den Studenten als auch unter den Städtern und Bauern in stetem Wachsen begriffen und breitete sich mächtig aus, in Siebenbürgen, in Bessarabien, im Buchenland und im alten Königreich. Von allen Seiten erhielten wir Schreiben, die uns ermutigten und aufforderten, kompromißlos weiterzukämpfen.

Der Frühling bringt uns eine große Freude. Unser Prozeß ist auf den 29. März vor dem Schwurgericht Ilfov (Bukarest) angesetzt. Wir beginnen uns vorzubereiten. Wir werden von Rechtsanwälten besucht. Sie machen uns aufmerksam, daß unsere Lage wegen der abgegebenen Erklärungen schwierig sei. Sie raten uns, auf diese Erklärungen zu verzichten und unsere bisherige Haltung aufzugeben. Es wäre klüger, alles abzuleugnen. Wir lehnen dies Ansinnen kategorisch ab und bitten sie, wenn möglich, uns im Rahmen und auf Grund unserer abgegebenen Erklärungen zu verteidigen. Denn wir waren entschlossen, sie unter keinen Umständen zu ändern, gleichgültig, welchen Ausgang der Prozeß nehmen könnte.

Wenn wir aber wider alles Erwarten freigesprochen werden sollten, wie konnten wir uns trennen von unserem Bild, vor dem wir jeden Morgen gebetet hatten? Ich suchte unter allen Häftlingen, bis es mir gelang, einen Maler ausfindig zu machen. Ich sprach mit ihm, und im Laufe von zwei Wochen malte er uns ein großes Bild von zwei Meter Höhe. Es war eine genaue Kopie des Bildes in der Gefängniskirche, das den Erzengel Michael darstellte. Außerdem ließ ich mir ein kleines Bild anfertigen, um es immer bei mir zu tragen, und ein mittelgroßes, das ich meiner Mutter schenken wollte. Auch Motza ließ sich für seine Eltern ein Bild malen.

Dann machten wir unsere Rechnung und fanden, daß wir angesichts unserer Erklärungen wenigstens fünf Jahre Kerker zu erwarten hatten. Da beteten wir vor dem Bild: „Herr! Diese fünf Jahre halten wir für verloren. Wenn wir aber doch loskommen sollten, dann geloben wir, daß diese fünf Jahre Jahre heiligsten Kampfes sein sollen!“

Außerdem beschlossen wir, falls wir freigesprochen würden, alle nach Jassy überzusiedeln. Dort wollten wir unser Hauptquartier aufschlagen. Von dort wollten wir, getreu unseren fertig ausgearbeiteten Plänen, die ganze Jugend des Landes organisieren und erfassen. Die Schüler und Schülerinnen der Obergymnasien, ja sogar die Schüler und Schülerinnen der Unterstufe, bis hinab in die Volksschule, die Zöglinge der Gewerbeschulen, der Lehrerbildungsanstalten, der Handelsschulen, dazu die gesamte Dorfjugend. Zum Schluß hatte der Neuaufbau der Studentenschaft zu erfolgen. Sie alle müssen in demselben Glauben aufwachsen, der auch uns beseelt, damit sie einst, wenn sie auf der Kampfbahn der Politik antreten, wo sich schließlich das Schicksal unseres Kampfes entscheiden wird, Kolonne auf Kolonne bilden, wie die brausenden Wellen einer Sturmflut, die herandröhnen, einander ablösen und nimmer enden!

Das Politikastertum, dieses politische Strauchrittertum, vergiftet unser ganzes völkisches Leben. Darum ist die straffe Erfassung der Jugend, abgesehen von der Notwendigkeit der Selbsterziehung und Selbstführung unentbehrlich, um sie vor dem Politikastertum und seinem Gift zu bewahren. Denn das Eindringen dieses Giftes in die Reihen der Jugend wäre gleichbedeutend mit unserer Vernichtung und dem völligen Siege Israels.

Mehr noch! Diese neue Jugend wird berufen sein, von sich aus das Problem des Politikastertums zu erledigen, denn wenn den verschiedenen Parteien keine jungen Kräfte mehr zuströmen, sind sie zum Tode verurteilt, zum Tod durch Auszehrung. Die Losung der gesamten jungen Generation muß daher lauten: Kein junger Mensch in die bisherigen politischen Parteien! Wer trotzdem in politische Parteien eintritt, ist ein Verräter seiner Generation und seines Volkes!

Diese Gedanken und Entschlüsse hofften wir im Falle einer Freisprechung in die Tat umsetzen zu können. Unser Arbeitsplan war fertig und für jeden das Arbeitsfeld bis in die letzten Einzelheiten festgelegt. Das Blatt, das wir herausgeben wollten, sollte den Namen „Das neue Geschlecht“ tragen. Unsere Jugendorganisation aber sollte den Namen „Erzengel Michael“ erhalten. Alle Fahnen hatten jenes Bild des Erzengels Michael aus der Gefängniskapelle von Vacaresti zu tragen. Diese Organisation der rumänischen Jugend sollte, so sahen wir die Dinge an, die Jugendgruppe der „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“ sein. In dieser Jugendgruppe sollte das neue Geschlecht herangebildet werden und eine entsprechende Erziehung erhalten.

Für uns bedeutete dieser zwischen den Gefängnismauern von Vacaresti geborene Plan den Beginn eines neuen Lebens. Es war etwas völlig Neues und in sich Geschlossenes, sowohl was Gedanken und Organisation, als was den Arbeitsplan betraf, völlig verschieden von dem, was wir bisher gedacht hatten. Es war der Beginn einer neuen Welt, das Fundament, auf dem wir nun Jahr für Jahr aufbauen wollten.

Im Falle einer Freilassung wollten wir in die verschiedenen Universitätsstädte gehen und den Studenten unseren Entschluß mitteilen. Wir wollten ihnen klarmachen, daß alle Straßenkundgebungen, alle Zusammenstöße angesichts unseres neuen Planes keinen Sinn mehr hatten. Gewiß bekennen wir uns zu den großen Kundgebungen der Vergangenheit. Wir leugnen unsere Urheberschaft und unser Mitwirken nicht, wir schämen uns ihrer nicht, aber ihre Zeit ist vorbei. Wir werden alle an einer neuen Organisation bauen müssen, an einer großen Kampfgemeinschaft. Sie allein wird uns den Sieg bringen.


Die Bestrafung des Verräters und der Prozeß

In letzter Zeit sah ich Motza oft in tiefes Nachdenken versunken. Immer wieder begann er: „Selbst wenn wir loskommen, können wir keinen einzigen Schritt vorwärts tun, bevor der Verräter seine Strafe erhalten hat. Der Verrat hat immer wieder die Lebenskraft unseres Volkes erschüttert. Wir Rumänen haben niemals mit der Waffe in der Hand den Verräter gestellt. Darum wuchert der Verrat an allen Ecken, darum vermehren sich die Verräter auf allen Wegen. Deshalb ist auch unser ganzes Staatsleben nichts anderes als ein ständiger Volksverrat. Wenn wir dieses Problem nicht lösen, wird sich unser Werk niemals durchsetzen.“

Morgen in der Frühe beginnt unser Prozeß. Wir erwarten ihn mit großer Spannung. Endlich wird nun die langersehnte Entscheidung fallen.

Wir werden in die Gefängniskanzlei geführt, wo unsere Angehörigen auf uns warten. Die Eltern Corneliu Georgescus sind aus Hermannstadt gekommen. Dann geht die Tür auf, und Vernichescu betritt den Raum. Sogleich tritt Motza auf ihn zu, faßt ihn am Arm, als wollte er ihm etwas sagen. Er zieht ihn ins Nebenzimmer. Nach einigen Minuten hören wir sieben Revolverschüsse und lautes Schreien. Wir stürzen hinaus. Motza hat auf Vernichescu geschossen, um den Verrat zu rächen. Ich werfe mich vor Motza, um ihn zu schützen, denn schon ist er von Wärtern und Beamten umringt, die auf ihn eindringen. Nur langsam verebbt die Aufregung unter den Anwesenden. Wir werden augenblicklich gepackt und in Einzelzellen gesperrt. Durch das vergitterte Fenster sehen wir, wie Vernichescu, der Verräter, auf einer Tragbahre ins Krankenhaus geschafft wird.

Da begannen wir unser Kampflied zu singen. So geben wir ihm das Geleite, bis die Bahre hinter dem Gefängnistor verschwunden ist. Nach zwei Stunden erscheint der Untersuchungsrichter. Einzeln werden wir ihm vorgeführt. Wir alle billigen Motzas Tat und erklären uns mit ihm solidarisch.

Nachdem wir die Nacht auf nacktem Zementboden gelegen hatten, werden wir zum Gerichtshof geführt. Um 1 Uhr Mittag beginnt der Prozeß. Seit 10 Uhr stehen Tausende von Studenten und Bürgern vor dem Gerichtsgebäude. Um 12 Uhr marschieren sämtliche Regimenter der Hauptstadt vor dem Gebäude auf, um die unübersehbare Menschenmenge in Schach zu halten. Um 1 Uhr werden wir in den Saal vor das Schwurgericht geführt.

Vorsitzender ist Davidoglu, an seiner Seite Staatsanwalt Raicoviceanu. Auf der Bank der Verteidiger sitzen: Professor Paulescu, Paul Iliescu, Nelu Jonescu u. a. Die Geschworenen werden ausgelost. Es herrscht Totenstille im Saale, als die Anklageschrift verlesen wird. Wir hören zu. Wir wissen, daß es um unser Schicksal geht. Schließlich erteilt man jedem von uns das Wort. Es beginnt das Schlußverhör. Wir geben alles zu und bleiben bei unseren ersten Erklärungen, allerdings unterstreichen wir, daß wir einen genauen und endgültigen Entschluß noch nicht gefaßt hatten. Wir zeigen die Gründe auf, die uns zu diesem Entschluß gedrängt hatten. Wir weisen auf die jüdische Gefahr hin und erheben Anklage gegen die bisherigen Politiker, Anklage wegen Volksverrats und Bestechlichkeit. Trotzdem der Vorsitzende uns immer wieder unterbricht, führen wir unsere Erklärungen zu Ende.

Darauf folgen die scharfen Ausführungen des Staatsanwalts. Wir spüren: Die Waagschale neigt sich zu seinen Gunsten. Aber der Erfolg des Staatsanwaltes dauert nicht lange, denn nun erhebt sich Professor Paulescu und verliest seine Erklärung. Es ist still wie in einem Gotteshaus. Diese Atmosphäre schafft sein großes Ansehen. Wie ein Heiliger wird er verehrt. Seine Erklärung ist kurz, sie fegt die Anklage des Staatsanwaltes beiseite. Nervös drückt dieser sich tiefer in seinen hohen Sessel.

Hierauf wurde eine Pause eingeschoben. Es war inzwischen 8 Uhr abends geworden. Draußen staute sich das Volk in immer größeren Massen. Glänzend sprachen unsere Verteidiger: Nelu Ionescu, Tache Policrat usw., und schließlich Paul Iliescu. Sie sprachen die ganze Nacht hindurch.

Es war jetzt 5 Uhr morgens. Durch eine neue Anklage versucht der Staatsanwalt seine Position zurückzugewinnen und den Gerichtshof auf seine Seite zu ziehen. Es wird ihm entsprechend geantwortet. Um 6 Uhr früh erhalten wir das Schlußwort. Dann werden wir hinausgeführt. Die Geschworenen ziehen sich zurück und beraten. Über eine halbe Stunde lang warten wir draußen. Wie ein halbes Jahr erscheint uns diese halbe Stunde. Nach kurzer Zeit hören wir laute Hurrarufe.

Ein Offizier bringt uns die Nachricht:

„Freigesprochen!“

Wir werden wieder in den Saal geführt, wo der Freispruch verlesen wird. Draußen steht und wartet das Volk. Bei der Nachricht von unserem Freispruch bricht es in begeisterte Hurrarufe aus. Lieder erklingen. Wir werden in einen Kraftwagen gesetzt und durch unbekannte Straßen wieder nach Vacaresti gebracht, um die letzten Formalitäten der Entlassung zu erfüllen.

Dann packen wir unsere Habseligkeiten, nehmen unsere Bilder und bereiten uns vor, dieses düstere Grabgewölbe mit seinen qualvollen Nächten und Leiden zu verlassen. Nur der arme Motza muß noch hierbleiben. Weiß Gott, wann er loskommen wird. Nun wird er allein diese qualvollen Stunden tragen müssen. Wir müssen von ihm Abschied nehmen. Mit Tränen in den Augen umarmen wir ihn und trennen uns voneinander in tiefem Weh. Wir gehen in die Freiheit, er aber wandert wieder in die dunkle Zelle, um noch wochenlang allein auf kaltem Zementboden zu liegen.

Wir gingen zuerst zu Danulescu und Dragos, um ihre Angehörigen für alles Ungemach, das sie unsertwegen hatten erdulden müssen, um Verzeihung zu bitten und ihnen für ihre Fürsorge, mit der sie uns während unserer ganzen Haft so treu bedacht hatten, zu danken. Dann fuhren wir nach Hause. Unsere Mütter und unsere Lieben empfingen uns mit Freudentränen.


In Jassy

In Jassy erwarteten mich die jüngeren Kameraden mit großer Ungeduld. Von meinen früheren Kommilitonen traf ich keinen mehr an. Sie halten sich alle seit dem Herbst in ihre Städte zerstreut. Ich brachte das Bild des Erzengels Michael in die Kirche des heiligen Spiridon, ließ es weihen und auf den Altar stellen.

Ich suchte alte Bekannte auf, traf mich mit den jungen Studenten und freute mich über das Wiedersehen. Die Freude dauerte nicht lange. Als ich eines Tages auf der Lapuseanu-Straße mit meinen beiden Schwestern und etwa zehn Studenten spazierenging, stürzte sich die Polizei ohne jeden Grund auf uns und schlug uns mit Gummiknüppeln und Gewehrkolben über Gesicht und Kopf.

So wurde ich herausgefordert und ohne jede Schuld und Ursache in Jassy geschlagen. In demselben Jassy, für das ich so heiß gekämpft hatte, in dem ich den jüdischen Kommunismus auf der Universität in den Jahren 1919, 1920 und 1922 niedergeschlagen hatte. In dem Jassy, in dem ich die verheerende Flut der Juden und ihrer Presse jahrelang in Schach gehalten hatte.

Sollte ich in meinem eigenen Hause grundlos geschlagen werden? Da wandte ich mich und wollte mir gehörig Respekt verschaffen. Die Erbitterung verlieh mir Bärenkräfte. Aber die Studenten und Studentinnen, die um mich standen, hielten mich zurück. Einige packten mich au den Händen, andere hielten meine Füße fest. Ich konnte mich nicht bewegen und erhielt noch einige furchtbare Stöße mit dem Gewehrkolben. Die Vorübergehenden blieben stehen und begannen die Polizei zu beschimpfen. Ein wildes Geschrei entstand. Inzwischen gaben die Studenten mich frei. Aufs äußerste empört und erbittert, daß sie mich festgehalten, hatten, ging ich nach Hause.

Aber die Studenten eilten mir nach und beschworen mich: „Wir mußten dich halten! Die Polizei hat Befehl, dich überall herauszufordern und dich bei Gegenwehr niederzuschießen. Auf diese Art hoffen sie dich loszuwerden.“

Nach Tisch ging ich mit Garneatza und Radu Mironovici in ein Studentenheim, wo sich die Führer der Studentenbewegung zusammengefunden hatten. Sie berichteten über ihren Kampf im letzten Jahre, seitdem wir uns nicht mehr gesehen hatten. Sie schilderten, wie die Vorlesungen wieder eingesetzt hatten und wie eine Demütigung vermieden worden war. Am 1. November, zu Semesterbeginn, hatten sich Studentenschaft und Professoren in der Aula versammelt. Nach der religiösen Feierstunde vertrat Lazareanu den Standpunkt der Studenten in einer Rede, in der er etwa sagte: Wir werden die Vorlesungen wieder besuchen, aber jetzt noch nicht. Zuerst werden wir unseren Professoren und dem Universitätssenat eine Denkschrift unterbreiten und auf eine Antwort warten. Sie erzählten uns, wie sie die Denkschrift unterbreitet und wie die Universitätsprofessoren, mit Prof. Bacaloglu an der Spitze, die Mehrzahl aller Punkte angenommen hatten. Am 6. November fingen die Studenten an, die Vorlesungen wieder zu besuchen. Die Professoren hatten es verstanden, eine Demütigung der Studentenschaft, die ein volles Jahr für ihren Glauben gekämpft hatte, zu vermeiden.

Sie berichteten uns ferner, daß Minister Marzescu einen seiner Vertrauensleute als Polizeipräfekt in Jassy eingesetzt hatte. Er hatte die Aufgabe, die Studentenbewegung und die nationale Bewegung in Jassy zu ersticken und hatte bereits mit Hilfe seiner Untergebenen begonnen, die nationale Bewegung systematisch zu verfolgen. Da Jedoch die Studenten in Ruhe die Vorlesungen besuchten und der Polizeipräfekt nicht wußte, wie er sich Lorbeeren holen und klingende Münze verdienen sollte, begann er die Studenten herauszufordern.

So waren die Studentinnen am 10. Dezember, als sie auf dem Weg zur Kathedrale waren, von angetrunkenen Polizeimännern angerempelt und mit Gummiknüppeln mißhandelt worden. Dann hatten diese Hüter der Ordnung sie vor den Augen der Universitätsprofessoren an den Haaren gepackt und durch die Straße geschleift. Die Studenten wurden blutig geschlagen. Am selben Tage hatte man den Studenten Gheorghe Manoliu, den Chorleiter der Studentenschaft, mit Stöcken auf die Fußknöchel geschlagen und verhaftet. In unbeschreiblichem Elend wurde er auf dem Polizeipräsidium in Gewahrsam gehalten, bis er erkrankte und im Spital elend zugrunde ging. In diesem letzten halben Jahre hatten die Jassyer Studenten schwere Stunden durchlebt.

Dann kam die Reihe zu erzählen an uns. Wir berichteten, was wir erlebt hatten, und machten ihnen klar, daß es unser aller Pflicht sei, dafür zu sorgen, daß Motza so bald als möglich das Gefängnis verlassen könne. Wir gaben ihnen einen Überblick über unsere zukünftige Arbeit und erklärten ihnen, wie wir unsere Jugend in einem heldischen Geist zu heldischer Haltung erziehen wollten. Wir setzten ihnen auseinander, wie das verderbliche Politikastertum isoliert werden müsse. Kein junger Mensch dürfe mehr in die Parteien eintreten. Wenn diese Seuche einmal überwunden sei, dann würde die „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“ mit Professor Cuza an der Spitze die Regierung übernehmen. Wir machten ihnen klar, daß nur durch eine bewußte nationale Regierung, die der Ausdruck unserer Haltung, unserer Gesundheit und unserer Kraft ist, das Judenproblem befriedigend gelöst werden könne. „Wir aus Vacaresti“, sagten wir zum Schluß, „haben beschlossen, uns alle in Jassy niederzulassen, um hier das Hauptquartier unseres Kampfes aufzuschlagen und von hier den Kampf zu leiten. Unsere Arbeit aber stellen wir unter den Schutz des Erzengels Michael.“

Die Kameraden nahmen unsere Pläne mit großer Freude auf. Dann besuchten wir die Professoren Cuza, Gavanescul und Sumuleanu und teilten auch ihnen unsere Gedanken mit.


EIN JAHR HARTER PRÜFUNGEN
Mai 1924-Mai 1925

Für unser neues Heim

Da wir kein eigenes Heim besaßen, wo wir unsere Besprechungen abhalten konnten, waren unsere Zusammenkünfte ziemlich schwierig. Wir besaßen noch nicht einmal so viel Geldmittel, um uns zwei kleine Zimmer zu mieten, in denen wir an unserem Plan zur Organisierung der Jugend hätten arbeiten können. Unsere Zusammenkünfte hielten wir in einer armseligen Holzbaracke ab, die im Hofe der Frau Ghica stand und noch aus der Kriegszeit stammte.

Eines Tages beschlossen wir, uns selbst ein eigenes Heim zu bauen.

Ich rief für den 6. Mai 1924 etwa sechzig Jungen zusammen, Studenten und Gymnasiasten, Mitglieder der ersten „Kreuzbrüderschaft“, die damals in Jassy gegründet worden war. Ich sagte zu ihnen: „Liebe Kameraden! Bisher hatte die rumänische Studentenschaft das Recht, ihre Versammlungen im Universitätsgebäude abzuhalten. Man hat uns daraus vertrieben. Bis vor kurzem konnten wir wenigstens in den Studentenheimen zusammenkommen. Nun hat man uns auch dort hinausgeworfen. Heute sind wir so weit, daß wir uns in dieser zerfallenen Bretterbude treffen müssen. In anderen Städten wird die Studentenschaft in ihren Bestrebungen unterstützt. Hier kümmert sich niemand um uns. Die Umwelt besteht aus einer uns feindlichen jüdischen Bevölkerung und aus seelisch verderbten politischen Seiltänzern. Unsere rumänischen Volksgenossen sind an die Peripherie der Stadt verdrängt worden, wo sie in Not und Elend leben. Wir stehen ganz allein. Die Kraft, uns ein neues Schicksal zu schmieden, werden wir jederzeit einzig und allein in uns selbst finden. Wir müssen uns endlich mit dem Gedanken vertraut machen, daß außer Gott niemand bereit ist, uns zu helfen. Deshalb gibt es keine andere Lösung als die, daß wir uns dieses Heim, das wir so dringend brauchen, mit unseren eigenen Fäusten selbst schaffen. Gewiß, noch keiner von uns hat Häuser gebaut und Lehm für Ziegel geknetet. Wir müssen aber den Mut aufbringen, mit der überlieferten Denkart aufzuräumen. Der junge Schüler, kaum daß er recht Student geworden ist, schämt sich heute, irgendein Paket in der Hand zu tragen, wenn er über die Straße geht. Wir müssen den Mut und den Willen aufbringen, aus dem Nichts etwas zu schaffen! Wir brauchen einen eisernen Willen, um alle Hindernisse aus dem Wege zu räumen und alle Schwierigkeiten zu überwinden!“

Ein kleiner Unternehmer mit großer Seele, der in Ungheni ein Haus besaß, bestärkte mich in meinem Vorhaben. Dieser Mann, Olimpiu Lascar mit Namen, sagte eines Tages zu mir: „Herrschaften, geht doch an den Pruthfluß hinab, nach Ungheni, und beginnt dort Ziegel auszustechen. Ich besitze ein Grundstück mit gutem Lehm. Da könnt ihr arbeiten, soviel ihr wollt. Mein Haus stelle ich euch gern zur Verfügung.“

Wir nahmen den Vorschlag freudig an, doch besaßen wir nicht einmal das Fahrgeld nach Ungheni. Wir brauchten etwa 300 Lei (7-8 Mark) für ungefähr zwanzig Personen. Olimpiu Lascar besorgte uns auch diesen Betrag.


Das erste Arbeitslager
Mai 1924

Am 8. Mai zogen wir los. Einige fuhren mit dem Zug, andere gingen zu Fuß. Im ganzen waren wir 26 Kameraden.

Wir besaßen nichts, weder Spaten noch irgendein Handwerkszeug, weder Geld noch Nahrungsmittel. Wir gingen zu Lascar und wurden freudig aufgenommen. Er rief uns zu: „Herzlich willkommen, meine Herren! Seht, dieses Ungheni ist ein großes Judennest. Vielleicht wird die Unverschämtheit der Hebräer durch eure Anwesenheit jetzt ein wenig gedämpft. Wir sind hier kaum eine Handvoll Christen und werden von den Juden terrorisiert.“

Wir teilten uns in mehrere Gruppen und gingen zu den Christen, um einige Spaten, Hacken und anderes notwendige Handwerkszeug zu leihen. Am folgenden Tag marschierten wir hinaus zu unserer Arbeitsstätte an das Ufer des Pruth. Der Ortsgeistliche las ein kurzes Gebet, dann begannen wir mit der Arbeit. Mehr als eine Woche lang gruben wir, Mann für Mann, um auf brauchbare Erde zu stoßen. Unterstützt von einigen Fachleuten, unter denen ich besonders an den alten Chirosca gern zurückdenke, begannen wir den Lehm zu kneten und Ziegel zu streichen. Wir waren in fünf Gruppen zu je fünf Mann eingeteilt. Jede Gruppe stach täglich sechshundert Ziegel. Als später unsere Mannschaft wuchs, leisteten wir noch mehr. In der Frühe um 4 Uhr begannen wir zu arbeiten und schafften ununterbrochen bis zum Abend. Das Hauptproblem war unsere Verpflegung. Anfangs unterstützten uns die Einwohner Unghenis, auch wurden uns aus Jassy ab und zu Lebensmittel zugeschickt. Die Alten, sowohl Professor Cuza als auch Professor Sumuleanu, betrachteten unser Beginnen mit einigem Mißtrauen. Sie erblickten darin etwas Kindisches und waren überzeugt, daß bei der ganzen Sache nichts Gescheites herauskommen werde. Sehr bald aber begannen sie unsere Arbeit zu verstehen und uns zu unterstützen.

Als Corneliu Georgescu, der in Klausenburg ein Jahr lang Arzneikunde studiert hatte, wieder nach Jassy übersiedelte, besprachen wir uns mit den übrigen Kameraden aus Vacaresti und steckten auch die 17000 Lei, etwa 400 Mark, die man uns ins Gefängnis nach Vacaresti als Spenden gesandt hatte, in unsere Ziegelei. Trotzdem war das Problem der täglichen Verpflegung auch damit nicht gelöst. Wir mieteten daher in Jassy von Frau Ghica einen Garten im Ausmaße von einem Hektar, um ihn mit Gemüse zu besäen, wie wir es in Ungheni brauchten. So war unsere Arbeit von jetzt ab geteilt. Ein Teil der Studenten arbeitete in Ungheni, der andere Teil arbeitete in Jassy in unserem Gemüsegarten. Wir wechselten alle drei bis vier Tage unsere Arbeitsstätten, bald arbeiteten die einzelnen Gruppen in der Ziegelei, bald im Garten.

Unser erstes Arbeitslager bedeutete geradezu eine Revolutionierung des damaligen Denkens. Die Bauern, die Arbeiter und nicht weniger die Studenten der Umgebung kamen in Scharen und konnten über unsere Arbeit nicht genug staunen. Sie waren alle gewohnt, die Studenten elegant gekleidet auf der Hauptstraße Jassys auf und ab spazieren zu sehen. In freien Stunden saßen die Herren Studenten vor den Biertischen und sangen feuchtfröhliche Lieder. Nun sahen sie hier Studenten, die mit bloßen Füßen Lehm kneteten, lehmbespritzt bis hinauf zum Gürtel, sahen Studenten, die in Eimern Wasser aus dem Pruth holten und in der glühenden Sonne Lehm stachen. Diese Menschen erlebten hier den Zusammenbruch einer Denkungsart, die bis dahin alles beherrscht hatte. Bis jetzt hatte es allgemein als Schande gegolten, wenn Intellektuelle gezwungen waren, mit den Händen zu arbeiten, ganz besonders dann, wenn es eine schwere und schmutzige Handarbeit war, eine Arbeit, die früher nur von verachteten Klassen verrichtet wurde. Die ersten, die den Wert unseres Arbeitslagers erkannten, waren diese Volksschichten. Die Bauern und Arbeiter, die von den anderen Klassen verachtet wurden, weil ihre Arbeit angeblich wenig wertvoll und „hochstehend“ sei, kamen mit leuchtenden Augen und sahen vom ersten Augenblick an in unserem Vorgehen ein Zeichen dafür, daß man auch ihre schwere und harte Arbeit zu schätzen gewillt war und daß damit sie selbst höher eingeschätzt wurden. Sie fühlten sich durch unser Vorgehen erhoben und erhofften eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder. Deshalb brachten sie uns von dem Wenigen, das sie hatten, und teilten es gerne mit uns.

Das studentische Leben floß ruhig dahin. Kundgebungen und Zusammenstöße gab es nicht mehr. Wir arbeiteten mit viel Freude und Eifer. Unsere Hoffnungen waren groß und in Gedanken sagten wir uns immer wieder: Bald haben wir unser eigenes Heim.

Ein neuer Schlag

Eines Tages erfuhr ich, mein Vater sei nach Jassy gekommen. Ich machte mich auf, um ihn zu besuchen. Es mag gegen 10 Uhr abends gewesen sein, als ich wieder nach Hause ging. Aus einer Gastwirtschaft auf dem Hauptplatz drang wüster Lärm. Ich blieb stehen, um nachzusehen, was es gab. Zwei Studenten, die Brüder Tuloveanu aus Barlad, waren mit Professor Constantinescu in Streit geraten. Es war zu einer erregten Auseinandersetzung gekommen. Der Polizeipräfekt war persönlich erschienen und hatte den beiden Studenten Handschellen angelegt, um sie zur Präfektur zu schaffen. Nun schlug er wie unsinnig auf die beiden ein. Ohne ein Wort zu sprechen, blieb ich stehen und betrachtete empört diese Szene.

Da sah ich, wie der Polizeikommissar Clos, begleitet von drei oder vier Wachleuten, auf mich zukam. Zwei Schritte vor mir blieb er stehen und schrie mich an: „Was suchst du um diese Zeit auf der Straße, du Tagedieb?“ Ich blieb ruhig und blickte ihn verwundert an. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß dieser Mensch, der mich doch seit Jahren gut kannte, es wagte, mich in diesem Ton anzufahren. Zuerst dachte ich: er verwechselt dich bestimmt mit jemand anderem. Da fühlte ich mich auch schon an der Kehle gepackt und zurückgestoßen. Wieder schrie er mir ins Gesicht: „Du glotzt mich auch noch an? Du Strolch! Du Hochstapler!“

Ich spreche kein Wort. Ruhig bleibe ich stehen und blicke ihn unverwandt an. Da packen mich die Wachleute und zerren mich unter Schlägen und Fausthieben etwa dreißig Meter weit bis an eine Straßenecke. Dort geben sie mir einen Stoß und lassen mich frei.

Mit blutender Seele, kochend vor Scham und Zorn, ging ich heim. Ich konnte keinen Schlaf finden. Die ganze Nacht lag ich wach, und tausend Gedanken peinigten mich. Nun war ich schon zum zweitenmal in meinem Leben geschlagen worden.

Nur mit Mühe hatte ich mich vor dem Polizeikommissar beherrschen können.

Am nächsten Tage erzählte ich meinem Vater mein nächtliches Erlebnis. „Laß ihn“, sagte er. „Einer solchen Kreatur Ohrfeigen zu geben, heißt sich die Hände beschmutzen. Es wird schon sein Zahltag kommen. Wahrscheinlich haben sie Befehl, dich herauszufordern. Du mußt jetzt ruhig Blut bewahren. Vor allen Dingen darfst du nicht mehr allein ausgehen.“

Ich folgte dem Rate meines Vaters. Aber ein Mann, der Schläge erhalten hat, fühlt sich aufs tiefste beschimpft und entehrt. Er kommt sich vor, als sei er überhaupt kein Mensch mehr. Wie ein Felsblock lastete diese Beleidigung auf meiner Seele.

Aber nach einigen Tagen sollte es noch schlimmer kommen.


Niedergeknüppelt

Eben waren wir mit dem Umgraben unseres Gartens fertig geworden. Wir kamen aus Ungheni und wollten Tomaten pflanzen. Am 31. Mai waren um 5 Uhr morgens etwa fünfzig Studenten zur Arbeit erschienen. Ich ließ sie zum Appell antreten. Kaum hatte ich den Appell beendet, sah ich Militär hinter unserem Garten auftauchen. Gleich darauf nahmen sie — es waren etwa zwanzig Soldaten - den Hof im Sturm, luden die Gewehre und umzingelten uns. Ich rief meinen Jungens zu: „Ruhig stehenbleiben! Keiner rührt sich!“

Im selben Augenblick sehe ich etwa vierzig Menschen durch das Hoftor eindringen. Sie stürzen mit vorgehaltenen Pistolen fluchend auf uns zu. Es ist der Polizeipräfekt Manciu mit seinen Wachleuten. Mit einigen wilden Sätzen steht er neben uns. Zwei Polizeikommissare und ein Polizeidirektor setzen mir gleichzeitig Pistolen an die Stirne. Mit haßerfüllten Augen funkeln sie mich an und beschimpfen mich.

„Bindet ihm die Hände auf den Rücken!“

Manciu stürzt auf mich zu und versetzt mir Hieb auf Hieb. Zwei andere werfen sich über mich, reißen mir den Gürtel vom Leibe und binden damit meine Hände auf den Rücken. Ich erhalte einen furchtbaren Schlag in den Rücken. Einer der Polizeileute, Vasile Voinea, zischelt mir ins Ohr: „Bis zum Abend bringen wir dich um. Du wirst nicht mehr dazukommen, die Juden aus dem Lande zu jagen.“ Er beschimpft mich und gibt mir einen Fußtritt. Dann reißen sie mich herum und mißhandeln mich. Schließlich speien sie mir ins Gesicht.

Während dieses ganzen Auftritts stand unsere Mannschaft unbeweglich zwischen Gewehrläufen und Revolvern und mußte zusehen, ohne mir helfen zu können. Von oben stürzt Frau Ghica aus der Wohnung und ruft: „Herr Präfekt, was bedeutet das alles?“ Dieser antwortet: „Ich lasse auch Sie noch verhaften!“ An seiner Seite sehe ich jetzt den Staatsanwalt Buzea, der dabeisteht und alles mit ansieht. Dann werden die Jungen mit vorgehaltenen Revolvern durchsucht. Wenn sich einer von ihnen bewegt, wird er geschlagen und zu Boden geworfen. Hierauf werde ich etwa zehn Meter vorgeführt und von acht Gendarmen mit aufgepflanztem Gewehr umgeben. Die Arbeitsgemeinschaft wird von zweihundert Gendarmen in die Mitte genommen.

So ziehen wir los. Ich gehe voran. Meine Hände sind auf den Rücken geschnürt. Mein Gesicht ist vollgespien. Die anderen folgen.

Wir werden durch die Hauptstraßen Jassys geführt, vorbei an der Universität bis zur Polizeipräfektur. Der Polizeipräfekt und seine Leute gehen neben uns auf dem Bürgersteig und reiben sich vergnügt die Hände. Voll hämischer Schadenfreude treten die Juden aus ihren Haustoren und Geschäften und grüßen ihn ehrerbietig. Vor Zorn kann ich fast nicht mehr aus den Augen schauen. Ich habe das Gefühl, daß jetzt alles zu Ende ist.

Da kommen einige Schüler aus den oberen Klassen. Sie bleiben stehen und grüßen mich. Auch sie werden sofort gepackt, geschlagen und von den Gendarmen mitgenommen.

Nachdem wir in diesem Aufzug tiefer Erniedrigung fast zwei Kilometer durch die belebtesten Stadtteile und die Judenviertel geführt wurden, werden wir zur Polizeipräfektur gebracht.

Mich stieß man gebunden in ein ekelerregendes, dunkles Loch. Die anderen Kameraden werden im Hofe der Polizeipräfektur gefangengehalten.

Im Arbeitszimmer des Präfekten

Die verhafteten Jungen wurden einzeln aufgerufen und ins Amtszimmer des Präfekten zum Verhör hinaufgeführt. Der Polizeipräfekt saß am Schreibtisch. Etwa dreißig andere Personen saßen auf Stühlen um ihn herum.

„Was hat euch Codreanu gesagt?“

„Er hat uns nichts gesagt, Herr Präfekt“, antwortet ein junger Student.

„Du wirst augenblicklich alles gestehen, was er euch gesagt hat!“

Dem Verhörten werden die Schuhe ausgezogen, die Füße mit Ketten zusammengebunden. Dann wird ihm ein Gewehr zwischen die Füße geschoben, das von zwei Soldaten auf die Schulter gehoben wird, so daß die Fußsohlen des Unglücklichen freiliegen. Der Polizeipräfekt Manciu wirft den Rock ab, ergreift einen schweren Ochsenziemer und beginnt damit auf die Fußsohlen zu schlagen. Der arme Junge, der mit dem Kopf nach unten hängt und die furchtbaren Hiebe auf die nackten Fußsohlen erhält, kann die Schmerzen nicht mehr aushalten und beginnt zu schreien. Da stößt der Polizeikommissar Vasiliu den Kopf des Jungen in einen Wassereimer, daß seine Schmerzensschreie gurgelnd vom Wasser verschlungen werden.

Als schließlich die wahnsinnigen Schmerzen ihren Höhepunkt erreicht haben und die Jungens fühlen, daß ihr Körper diese Schläge nicht mehr aushalten kann, sind sie bereit, alles zu gestehen, was man verlangt.

Der Polizeipräfekt tritt an den Schreibtisch und erwartet ihre Erklärungen. Den Jungen werden die Ketten von den Füßen gelöst. Verstört und betäubt blicken sie sich um. Dann brechen sie in Schluchzen aus und fallen vor dem Polizeipräfekten auf die Knie:

„Verzeihung, Herr Polizeipräfekt, Verzeihung, aber wir wissen nicht, was wir aussagen sollen!“

„So? Ihr wißt nichts? Ihr wißt immer noch nichts? Los! Hebt ihm die Füße nochmals in die Höhe!“ schreit er den Wachleuten zu.

Mit zitternden Herzen sehen die Jungen, wie man von neuem die Folterwerkzeuge heranholt. Wieder werden sie mit Ketten gebunden, mit dem Gewehr aufgehoben, daß ihr Kopf nach unten hängt. Wieder sausen klatschende Hiebe mit dem Ochsenziemer auf die blutenden Fußsohlen. Der Polizeipräfekt kennt kein Erbarmen. Die Fußsohlen werden schwarz von geronnenem Blut. Die Füße schwellen an. Unter den Gefolterten befinden sich auch der Sohn des jetzigen Staatsanwaltes von Bukarest, Dimitriu, der Sohn des Majors Ambrosie, dem das Trommelfell zerrissen wird, und andere.

Als die Folterung zu Ende ist, werden die Jungen von den Soldaten in ein neben dem Amtszimmer liegendes Geheimkabinett getragen.

Gegen 9 Uhr werde ich aufgerufen. Zwei Gendarmen führen mich gefesselt in das Zimmer. Dort steht der Präfekt vor seinem Schreibtisch, umgeben von etwa dreißig Personen, Kommissaren, Unterkommissaren, Polizeiagenten und anderen.

Ich blicke in ihre Augen. Vielleicht entdecke ich wenigstens in einem Auge menschliches Erbarmen. Nichts. Eine allgemeine Genugtuung liegt auf ihren Zügen. Hämisch grinsen sie mir ins Gesicht, der Chef der Sicherheitspolizei Botez, der Polizeidirektor Dimitriu, der Kommissar Vasile Clos und die anderen.

Der Polizeipräfekt ergreift einen Bogen Papier.

„Wie heißen Sie?“

„Ich heiße Corneliu Zelea Codreanu, Doktorand an der juristischen Fakultät. Ich bin Rechtsanwalt in derselben Advokatenkammer wie Sie.“

Der Präfekt befiehlt kurz: „Legt ihn nieder!“

Drei Wachleute stürzen sich auf mich und werfen mich vor dem Schreibtisch zu Boden.

„Schuhe herunter!“

Zwei reißen mir die Schuhe von den Füßen.

„Ketten anlegen!“

Sie binden meine Füße mit Ketten.

Da sage ich: „Herr Präfekt! Jetzt sind Sie der Stärkere. Heute sind Sie Herr über Leben und Tod. Wenn ich morgen von hier fortgehe, werde ich mich rächen an Ihnen und allen, die mich beschimpft und so schmachvoll behandelt haben.“

Im selben Augenblick hört man Lärm und erregte Stimmen im Flur. Es kommen Professor Cuza, Professor Sumuleanu und die Eltern der gefolterten Jungen: Oberst Nadejde, Major Dimitriu, Butnariu, Major Ambrosie und andere. Mit ihnen kommen der Staatsanwalt und der Gerichtsarzt, Professor Bogdan.

Der Präfekt und die anderen springen auf und gehen auf den Flur. Ich höre den Präfekten rufen:

„Was suchen Sie hier? Ich bitte Sie, das Gebäude sofort zu verlassen!“

Dann höre ich die Stimme des Professors Cuza:

„Wen wollen Sie hinausjagen, wen? Sind wir denn zu Ihnen zu Besuch gekommen? Wir stehen als Ankläger vor Ihnen und haben den Staatsanwalt gleich mitgebracht!“

Der Polizeipräfekt schreit:

„Gendarmen, führt sie sofort hinaus!“

Da stellt sich Professor Sumuleanu vor die Tür, hinter der die geschlagenen Jungen liegen, und sagt: „Herr Staatsanwalt, wir gehen von hier nicht fort, bis dieses Nebenzimmer geöffnet wird!“

Wie aus einem Munde rufen die Polizeikommissare: „Es ist niemand drin. Es ist leer!“

Professor Sumuleanu: „Ich verlange, daß dieses Zimmer sofort geöffnet wird!“

Auf die Aufforderung des Staatsanwaltes muß das Zimmer geöffnet werden. Sechs Jungen werden von ihren Eltern in den Armen herausgetragen und ins Zimmer des Präfekten gebracht. Der Gerichtsarzt untersucht sofort jeden einzelnen und stellt die ärztlichen Zeugnisse aus. Nach einigen Stunden werden auch die übrigen Jungen im Hofe freigelassen.

Ich werde noch zwei volle Tage zurückbehalten und zum Untersuchungsrichter geschickt. Der Untersuchungsrichter gibt mich schließlich frei. Ich sage ihm: „Herr Untersuchungsrichter, wenn mir jetzt nicht zu meinem Recht verholfen wird, dann werde ich es mir selbst nehmen. Wenn das Gericht nicht richtet, werde ich selbst richten!“

Dann gehe ich heim. Professor Cuza und Liviu Sadoveanu besuchen mich und sagen: „Wir haben gehört, du willst selbst den Richter spielen. Laß das bleiben. Wir werden selbstverständlich alles an das Ministerium berichten und eine genaue Untersuchung des Falles fordern. Es ist völlig undenkbar, daß man uns nicht volle Genugtuung gibt.“


Auf dem Rareu

Ich war seelisch völlig niedergebrochen. Ich überließ Ziegelei und Garten ihrem Schicksal und fuhr mit dem ersten Zug in das Buchenland nach Kimpolung. Von hier aus stieg ich auf grünen Waldespfaden langsam höher und höher in die Berge. Auf meiner Seele lasteten die erduldeten Demütigungen. Zugleich verzehrte mich die Ungewißheit über das, was kommen sollte. Mir war, als hätte ich in der ganzen Welt keinen Freund mehr als diesen stillen Berg Rareu mit seinem alten Kloster. In 1500 Meter Höhe hielt ich an. Ich blickte über Berg und Hügel, Hunderte von Kilometern ins Land hinein. Kein noch so herrlicher Ausblick konnte das Bild der Schande und der Demütigung, die ich mit meinen jungen Kameraden hatte erfahren müssen, von meinem inneren Auge nehmen. Immer noch klangen mir ihre Schmerzensrufe in den Ohren und schnitten mir durch die Seele.

Der Abend sank schweigend herab. Keine Menschenseele weit und breit. Nur stille Tannen und königliche Adler, die über den Felsen ihre Kreise zogen. Ich hatte nichts bei mir als den Mantel und ein Stück Brot. Ich aß einige Bissen und trank aus einem kalten Gebirgsquell, der kristallklar zwischen den Steinen dahinsprudelte. Dann sammelte ich Tannenzweige und Reisig und baute mir eine kleine Hütte.

In diesem Unterschlupf aus frischen Tannenzweigen brachte ich anderthalb Monate zu. Die wenigen Nahrungsmittel, die ich brauchte, brachten mir Hirten von der Sennhütte des alten Piticaru. In schweren Gedanken lebte ich dahin. Ich schämte mich, hinabzuwandern unter die Menschen. Ich grübelte Tag und Nacht. Welche Schuld hatte ich auf mein Haupt geladen, daß der Herrgott soviel Ungemach schickt, gerade jetzt, wo ich mich anschickte, einen so großen und herrlichen Plan in die Tat umzusetzen?

In einem Brief an Motza schrieb ich: „Ich weiß nicht, was mit mir geschehen ist. Mir ist, als sei ich nicht mehr der alte. Das Glück hat mich verlassen. Seit einiger Zeit verfolgt mich das Unglück auf Schritt und Tritt. Was ich auch immer anpacke, es schlägt fehl. Wenn Dich einmal im Kampf das Unglück verfolgt, dann verlassen Dich bald alle Freunde. In dreißig Siegen hast Du sie zusammengebracht und zusammengehalten. Eine einzige Niederlage - und sie sind in alle Winde zerstoben.“

Wieder stand ich an einem Scheidewege. Zweifel fraßen an meiner Seele. Wir hatten für unser Vaterland gekämpft und waren wie Feinde des Volkes behandelt worden. Wir wurden verfolgt und niedergeknüppelt. Sollen auch wir Gewalt anwenden? Sie sind der Staat. Sie sind Zehntausende, Hunderttausende! Wir sind eine Handvoll junger Menschen. Unsere Leiber sind zerschunden und ausgemergelt von Schlägen, Hunger, Kälte und Gefängnis. Welche Macht bilden wir denn, um auch nur die geringste Aussicht auf Sieg zu besitzen? Zuletzt wird das Volk, von der Judenpresse aufgehetzt, sagen, wir seien Wahnsinnige gewesen. Wäre es nicht besser, wir wandern aus und nehmen für ewig Abschied vom Vaterland? Wäre es nicht besser, sie alle zu verfluchen und davonzuziehen, hinauszuwandern in die weite Welt? Besser noch, wir ziehen als Bettler von Land zu Land, als daß wir auf unserer Heimatscholle bis auf die unterste Stufe der Demütigung hinabgezwungen werden.

Oder es bleibt als letzter Ausweg nur dieser: Mit der Waffe in der Hand steige ich hinab aus dem Gebirge und schaffe mir Recht und Gerechtigkeit! Aber was wird dann aus unseren Plänen? Ich werde das Leben lassen, entweder sofort oder langsam in der Gefängniszelle zugrunde gehen. Ich weiß: Dieser tödlichen Gefängnisluft kann ich nicht mehr lange Widerstand leisten. Ich liebe die Freiheit, für die Freiheit bin ich geboren. Wenn ich sie nicht besitze, muß ich vergehen und sterben. Was wird dann aus Motza? Die Hoffnung, ihn freizubekommen, wird dann für immer zusammenbrechen. Unsere ganze Schar wird zersprengt werden. Dann wären all unsere Gedanken, all unsere Pläne vergeblich gewesen. Es wäre der völlige Zusammenbruch, das Ende.

Anderthalb Monate blieb ich auf den stillen Höhen des Rareu. Die Gedanken bestürmten mich, und doch konnte ich keine Lösung finden. Von Sorgen und Ungewißheit gepeinigt, begann meine Brust heftig zu schmerzen. Ich fühlte, daß meine Kräfte mehr und mehr abnahmen und mich verließen. Ich war früher ein kräftiger Mensch, dem keiner so leicht Widerstand leisten konnte. Ich hatte ein unerschütterliches Vertrauen und einen felsenfesten Glauben auf meine eigene Kraft. Wo immer ich hinkam, errang ich den Sieg. Jetzt hatte die Schwere des Lebens mich gebeugt.

Ich verlasse den Rareu und steige hinab. Ich überlasse nun alles dem Schicksal selbst. Ich kann jetzt noch keine klare Lösung finden. Von nun an trage ich stets eine geladene Pistole bei mir. Ich bin entschlossen, bei der ersten Herausforderung zu feuern und den Herausforderer niederzuschießen. Von diesem Entschluß wird mich niemand mehr abbringen.

In Ungheni ging ich zuerst zur Ziegelei. Hier hatte Grigore Ghica, den ich als Lagerführer zurückgelassen hatte, seine Pflicht vorbildlich getan. Die Anzahl der ausgestochenen Ziegel war gewaltig gewachsen. Zwei große Ziegelöfen mit je vierzigtausend Ziegeln waren fertig. Es war Mitte Juli, als ich wieder ins Arbeitslager kam. Schweigend und gedrückt empfingen mich die Jungen. Im Lager hatte sich während meiner Abwesenheit nichts Besonderes ereignet.

In Jassy dagegen hatte sich manches geändert. Die Polizeikommissare, die früher kaum ein Paar ordentliche Schuhe an den Füßen getragen hatten, waren jetzt vom Scheitel bis zur Sohle neu eingekleidet. Die Judenschaft hatte sie großzügig beschenkt. Die Polizeipräfektur besaß einen neuen Kraftwagen, den die Juden zur Verfügung gestellt hatten. Die Kinder Israels fühlten sich jetzt als die Herren Jassys. Sie waren so frech, wie ich es seit 1919 nicht mehr erlebt hatte. Damals, in der Zeit kommunistischer Umtriebe, hatten sie eine ähnliche Unverfrorenheit an den Tag gelegt, als sie sich am Vorabend der Weltrevolution wähnten und jeder Judensprößling aus Bessarabien oder aus Jassy sich in der Rolle eines Volkskommissars sah.


Der Versuch, unsere feste Gemeinschaft zu zerschlagen

Den jüdisch-liberalen Machthabern blieb unser Orden und unser Gelöbnis von Vacaresti nicht unbekannt. Sie empfanden ganz richtig, daß sich einmal die ganze Studentenschaft geschlossen um diesen Orden scharen würde. Nichts aber entsetzt die Juden mehr als eine stahlharte Einigkeit, eine ordensmäßige, seelische Geschlossenheit einer großen Bewegung, eines ganzen Volkes. Deshalb werden die Juden immer für die Demokratie eintreten, denn sie spaltet die seelische Einheit eines Volkes. Angesichts der Solidarität des Judentums, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Landesgrenzen, wird das Volk in verschiedene demokratische Parteien aufgespalten und mit Leichtigkeit von den Juden überrannt.

Ähnlich verhält es sich mit der Studentenbewegung. Da es bis jetzt zu keiner wirklichen Einheit unter den Studenten gekommen war, fanden die Juden immer wieder einzelne Führer oder Gruppen, die sie auf dem Wege über die Freimaurerei einfingen und denen sie Ideen einflüsterten, die keinen anderen Zweck hatten, als die Spaltung noch tiefer greifen zu lassen. Unsere Gruppe aber stand in unerschütterlicher Einigkeit mit der Möglichkeit, die gesamte studentische Bewegung um sich zu scharen.

Wir sahen uns indessen einem sorgfältig gesponnenen Netz von Lügen und Intrigen gegenüber, die alle das Ziel hatten, Motza und mich auseinanderzubringen. Die Juden fanden unter den Studenten dunkle Elemente, die sie zu ihrem Werkzeug machten, ohne daß diese etwas davon merkten. Dies ging schließlich so weit, daß sogar die Eltern der Studenten davon erfaßt wurden und einige von ihnen Parteigänger der Juden wurden und von ihren Söhnen den Abbruch aller Beziehungen zu unserer Gruppe verlangten.

Nur dank unseren Maßnahmen, die wir schon in Vacaresti getroffen hatten, gelang es uns, hier wirklich durchzugreifen. Auf diesen Angriff der Juden und Freimaurer waren wir vom ersten Augenblick an gefaßt und hatten uns vorgesehen. Als nun der Angriff einsetzte, schlugen wir sofort zu und setzten selbst unseren nächsten Verwandten entschlossenen Widerstand entgegen. Sobald wir davon Wind bekamen, daß irgendeine Intrige im Gange war, traten wir sofort zusammen und teilten es der ganzen Gefolgschaft mit.

Bei dieser Gelegenheit und im Zusammenhang mit diesem System, das immer und überall von unseren Feinden angewendet wird, will ich allen Organisationen einen guten Rat geben:

Um den Angriff abzuwehren, darf man niemals sofort und blindlings etwas glauben, woher auch immer die Nachricht kommen mag.

Und: Geplante Intrigen der Gegner muß man stets sofort der ganzen Gefolgschaft und den betreffenden Personen und Führern mitteilen.


Verlobung

Im Arbeitslager in Ungheni feierte ich am 10. August 1924 inmitten der Kameraden meine Verlobung. Meine Braut, Elena Ilinoiu, war die Tochter des Eisenbahnbeamten Constantin Ilinoiu. Mein zukünftiger Schwiegervater war ein Mensch von großer Herzensgüte und seelischem Zartgefühl. Sie nahmen mich mit offenen Armen zu ihren fünf Kindern auf. In meinem Kampf ist mir diese Familie durch ihre Fürsorge und durch den Unterhalt, den sie mir gewährte, zu einer dauernden und starken Stütze geworden.

Am 13. September fuhr ich heim nach Husi und leierte im Elternhaus meinen Namenstag und Geburtstag. Ich war jetzt 25 Jahre alt.


Der Prozeß Motza-Vlad

Für den 26. September 1924 war endlich der Prozeß Motzas angesetzt worden. Außer ihm war noch der Student Leonida Vlad angeklagt, weil er Motza den Revolver verschafft hatte. Leonida Vlad hatte sich kurz nachher den Behörden gestellt und war die ganze Zeit über mit Motza zusammen in Untersuchungshaft.

Ich fuhr nach Bukarest. Dort fand der Prozeß vor dem Schwurgericht statt. Motza verteidigte kraftvoll seine Auffassung, daß Verrat unter allen Umständen bestraft werden müsse. Die breite Öffentlichkeit, die von den Verrätern genug hatte, verfolgte mit lebhafter Anteilnahme und großer Begeisterung den Verlauf des Prozesses. Sie sah in der Tat Motzas den Beginn einer Abrechnung mit allen Verrätern und den Beweis moralischer Gesundung. Seine Haltung erschien wie ein strahlendes Licht inmitten der Dunkelheit des öffentlichen Lebens, denn die besten und edelsten Kampfer sind im Verlaufe der rumänischen Geschichte fast immer durch Verräterhand gefallen. Die Studenten sämtlicher Universitäten veranstalteten große Kundgebungen und forderten Motzas Freispruch. In Bukarest drängten sich um das Gerichtsgebäude Tausende und aber Tausende, die mit heißem Herzen ein neues Leben für ihr Volk herbeisehnten und stürmisch die Freilassung Motzas verlangten.

Im Morgengrauen fällte das Volksgericht das Urteil: Freispruch! Im ganzen Land wurde Motzas Freilassung mit großer Begeisterung aufgenommen.

Nachdem Motza auf freien Fuß gesetzt worden war, besuchte er seine Eltern, dann verließ er Klausenburg, um gemäß unserer Vereinbarung nach Jassy zu übersiedeln.


Die Öffentlichkeit
zu den Ereignissen in unserem Garten

Die Mißhandlungen, denen wir ausgesetzt waren, die Schläge, die Demütigung, die entehrende Behandlung, die Schmach, die man uns angetan, hatten unsere Seele aufs tiefste verletzt. Es war wie eine offene Wunde. Es zehrte an unserer Lebenskraft.

Wenn jemand mit seinen Kameraden auf gemeine Art entehrt und gedemütigt wird, überkommt ihn ein Gefühl tiefsten Schmerzes. Es kommt so weit, daß er der ganzen Welt aus Scham den Rücken kehrt und nichts mehr von ihr wissen will. Ihm scheint es, als verachte ihn die ganze Welt, als lache ihm jeder frech ins Gesicht, weil er nicht Manns genug war, seine Ehre zu verteidigen.

Dieser verhaltene, schmerzliche Zorn wuchs in dem Maße, als unsere Versuche, auf gesetzlichem Wege Sühne und Genugtuung zu erlangen, mit einem Zynismus zurückgewiesen wurden, der uns fast zur Verzweiflung trieb. Bei jedem Gerichtsverfahren, das die Betroffenen gegen ihre Peiniger anstrengten, liefen sie Gefahr, von neuem von der Polizei geschlagen zu werden, jetzt sogar öffentlich im Gerichtsgebäude vor den Augen der Richter. Das Schlußergebnis? Die mißhandelten Kläger wurden verurteilt!

Die Niedertracht vom 31. Mai aber blieb in der Öffentlichkeit nicht ohne Widerhall. Weiteste Kreise versuchten, uns Genugtuung zu verschaffen. Im „Universul“ wurden mehrfach das Verhallen und der Terror des Polizeipräfekten Manciu angegriffen. In einer Sonderausgabe der Zeitung „Unirea“ protestierte Professor Cuza. Die Studentenschaft von Jassy richtete ein Protestschreiben an das Innenministerium. In den Zeitungen „Tara Noastra“ und „Actiunea Romaneasca“ wurde die sofortige Entlassung Mancius gefordert und gegen den Terror protestiert. Major Ambrosie, dessen Sohn sich unter den Gefolterten befand, richtete eine Denkschrift an den Verwaltungsinspektor Vararu, der mit der Untersuchung des Falles beauftragt worden war. Von den Protestversammlungen in Jassy am 3. und 5. Juni wurden folgende Telegramme abgeschickt:

„An Seine Majestät König Ferdinand:

Angesichts der Ungesetzlichkeiten des Polizeichefs Manciu gegen die Studenten und unsere Jungen, die Tag für Tag geschlagen und angerempelt werden, wollten wir eine Protestversammlung einberufen, wurden daran aber durch Polizei und Gendarmerie gehindert, obwohl der Staatsanwalt die Versammlung genehmigt hatte.

Ehrfurchtsvoll unterbreiten wir unsere Klage Eurer Majestät und bitten um Schutz.“

Es folgen 1200 Unterschriften.

„An das Innenministerium:

Unsere Jungen wurden auf offener Straße verhaftet und in bestialischer Weise von dem Polizeipräfekten Manciu gefoltert. Wir fordern sofortige Untersuchung und strenge Maßnahmen. Als Eltern dieser Jungen fühlen wir uns aufs tiefste getroffen und sind nicht gewillt, weiter zuzuschauen. Wir erwarten, daß uns unverzüglich Recht geschehe!

Major Dimitriu, Major Ambrosie, Butnariu und andere.“

Das Schlußergebnis der vom Innenministerium angeordneten Untersuchung des Falles war kurz folgendes:

Erstens: Der Polizeipräfekt Manciu wird ausgezeichnet und erhält das Kommandeurskreuz des Ordens „Stern von Rumänien“.

Zweitens: Alle Polizeikommissare, die uns eigenhändig gefoltert hatten, werden befördert.

Drittens: Durch diese Auszeichnungen ermutigt, entfesselten sie eine neue Verfolgungswelle gegen uns, die sich über das ganze Moldaugebiet ausbreitete.

Jeder Polizeikommissar wollte sich nun ebenfalls seinen Lohn verdienen und von den Juden entsprechende Geschenke erhalten. Dazu brauchte er nur die Hand auf einen Studenten zu legen, ihn auf offener Straße oder auf der Polizeipräfektur blutig zu schlagen. Dann hatte er Aussicht befördert zu werden. Um die Folgen scherte er sich nicht, denn für seine Taten war er keinem Menschen verantwortlich!


Der Unglückstag: der 25. Oktober 1924

So also lagen die Dinge, als ich mich in starker Erregung Sonnabend früh zum Bezirksgericht begab, um als Rechtsanwalt zusammen mit dem Kollegen Dumbrava in einem Prozeß den Kameraden und Studenten Comarzan zu vertreten, der ebenfalls in niederträchtiger Weise von Manciu gefoltert worden war.

Der Präfekt Manciu erschien mit seinem gesamten Polizeistab. In offener Gerichtssitzung, angesichts der Rechtsanwälte und des Gerichtsvorsitzenden Spiridoneanu, stürzte er mit seinen Leuten auf mich zu.

In dieser Situation, wo die Gefahr bestand, von den zwanzig bewaffneten Polizisten erdrückt zu werden, zog ich den Revolver und gab Feuer. Als erster brach Manciu zusammen. Als zweiter wurde der Polizeiinspektor Clos getroffen, die dritte Kugel riß den Kommissar Husanu zu Boden, der kaum irgendwelche Schuld an all diesem trug. Die anderen waren verschwunden.

In wenigen Minuten sammelten sich vor dem Gerichtsgebäude Tausende von Juden. Mit drohenden Fäusten und vor Haß verkrampften Fingern erwarteten sie mich, um mich vor dem Gebäude in Stücke zu reißen. Ich nahm die Pistole, in der ich noch fünf Kugeln hatte, in die rechte Hand, während ich mit der Linken den Jassyer Rechtsanwalt Victor Climescu am Arm packte und ihn bat, mich zum Tribunal, dem Gerichtshof der zweiten Instanz, zu begleiten.

So traten wir auf die Straße und schritten mitten durch die tobenden Judenhaufen. Sie pfiffen und brüllten und gebärdeten sich wie toll. Als sie in meiner Rechten den geladenen Revolver sahen, zogen sie es vor, uns Platz zu machen.

Auf halbem Weg erreichten mich die Gendarmen. Sie rissen mich von der Seite Dr. Climescus und zerrten mich in den Hof der Polizeipräfektur. Hier stürzten sich die Kommissare auf mich und suchten, mir den Revolver zu entreißen. Er war mein einziger Freund, der mir inmitten dieser unglücklichen Vorkommnisse geblieben war. Ich nahm alle meine Kräfte zusammen und leistete fünf Minuten lang verzweifelten Widerstand, um den Revolver zu behalten. Schließlich gab ich nach. Sie überwältigten mich und legten mich sofort in Ketten. Vier Soldaten mit aufgepflanztem Gewehr bewachten mich.

Nach kurzer Zeit wurde ich aus dem Büro, in das man mich gebracht hatte, abgeführt und im Hofe der Präfektur vor eine graue Mauer gestellt. Die Gendarmen zogen sich zurück und ließen mich allein. Da überkam mich die Ahnung, daß sie mich erschießen wollten. So stand ich stundenlang bis zum späten Abend und wartete darauf, daß sie mich erschössen.

Inzwischen hatte sich in der Stadt die Kunde von meiner tragischen Vergeltung an dem Polizeipräfekten und seinen Leuten wie ein Lauffeuer verbreitet. In den Studentenheimen wirkte diese Nachricht wie eine Bombe. Aus allen Heimen und Speisehäusern stürzten die Studenten und Studentinnen auf die Straße und sammelten sich in Scharen auf der Piata Unirii. Hier veranstalteten sie eine große Kundgebung und sangen erregt unsere Kampflieder. Sie versuchten zur Polizeipräfektur vorzustoßen. Inzwischen war Militär aufmarschiert. Mit schwerer Mühe gelang es den Soldaten, die Demonstranten zurückzuschlagen. Ich hörte die Kampflieder der Studenten, und obwohl ich in Ketten lag, freute ich mich, daß wenigstens sie frei waren.

Spät am Abend wurde ich in das mir wohlbekannte Folterkabinett des Präfekten geführt. Jetzt saß hier am Tisch der Untersuchungsrichter Eseanu, derselbe, bei dem ich mich vier Monate früher über die Brutalitäten Mancius beklagt und den ich gebeten hatte, mir zu meinem Recht zu verhelfen. Er legte mir nur einige knappe Fragen vor. Dann stellte er den Haftbefehl aus.

Ich wurde in ein Polizeiauto gestoßen und ins Gefängnis nach Galata gebracht, das auf einem Hügel liegt, der sich vor Jassy erhebt. Dieses Gefängnis war früher ein Kloster und ist seinerzeit von dem moldauischen Fürsten Petre Schiopul erbaut worden. Ich kam in einen Raum, in dem sich noch zehn andere Verhaftete befanden. Hier wurden mir die Ketten abgenommen. Einer von den Verhafteten gab mir Tee, dann legte ich mich hin.

Am nächsten Tage kam ich in Einzelhaft. Man brachte mich in eine Zelle mit Zementboden, in der nichts als eine Holzpritsche war. Die Zelle wurde mit schweren Schlössern versperrt. Mein neues Heim besaß zwei kleine Fenster, die von außen mit Kalk übertüncht waren, so daß ich nicht hinaussehen konnte. Es war so feucht, daß das Wasser an den Wänden hinablief. Am ersten Tage brachte mir ein Wärter, der alte Matei, ein Schwarzbrot. Er schloß die Tür auf und hielt mir von außen das Brot hin. Er durfte meine Zelle nicht betreten. Ich verspürte keinen Hunger. Als es dunkel wurde, legte ich mich auf die Bretter und wickelte mich in den Mantel ein. Die Nacht hindurch fror ich.

Am Morgen wurde ich für zwei Minuten herausgeholt und gleich wieder eingesperrt. Während des Tages gelang es dem Studenten Miluta Popovici, der auch verhaftet war, sich dem Fenster meiner Zelle zu nähern und den Kalk einen Finger breit abzuschaben. Durch diesen schmalen Spalt konnte ich nun hinaussehen. Der Student entfernte sich, stellte sich etwa zwanzig Meter vor meinem Fenster auf und gab von dort mit den Fingern Morsezeichen. So erfuhr ich, daß auch die übrigen Kameraden aus „Vacaresti“ verhaftet waren: Motza, Garneatza, Tudose Popescu, Radu Mironovici, außer Corneliu Georgescu, den sie nicht gefaßt hatten. Sie waren gleichfalls in dieses Gefängnis nach Galata gebracht worden. Weiter erfuhr ich, daß auch mein Vater hierher gebracht worden war.

Die folgende Nacht wurde noch schlimmer. Es war in der Zelle eisigkalt. Ich konnte kein Auge zutun. Fast die ganze Nacht ging ich in meiner Zelle hin und her. Am Morgen wurde ich wieder für zwei Minuten herausgebracht und gleich wieder hinter Schloß und Riegel gesetzt. Der alte Matei reichte mir Brot. Um 12 Uhr wurden mir Handschellen angelegt. Ich wurde in das Polizeiauto geladen und zum Gerichtshof geschafft, wo mein Haftbefehl bestätigt werden sollte. Nach der Bestätigung wurde ich wieder ins Gefängnis nach Galata zurückgebracht und in meine Zementzelle gesperrt.

Draußen war das Wetter umgeschlagen. Der Winter hielt seinen Einzug. In meiner Zelle gab es kein Feuer. Die eisige Kälte fraß sich in meine Glieder. Ich legte mich auf die Bretter und versuchte einzuschlafen. Der Zementboden der Zelle strömte eisige Kälte aus. Ich fühlte, wie sie an mir heraufkroch. Ich sah, wie meine Kräfte schwanden. Da riß ich mich zusammen und begann zu turnen. Von Stunde zu Stunde erhob ich mich, betrieb etwa zehn Minuten lang ununterbrochen Gymnastik und versuchte mit Verbissenheit, mich bei Kräften zu erhalten.

Am nächsten Tage fühlte ich mich matt und elend. In der folgenden Nacht wurde die Kälte noch schlimmer. Mein Wille wollte nicht mehr. Ich war gebrochen. Es wurde mir schwarz vor den Augen, ich sackte zusammen. Solange mein Wille mich gehalten hatte, kannte ich keine Sorge. Jetzt sah ich, daß es schlimm um mich stand. Mein Körper zitterte in Schauern, ohne daß ich dem irgendwie Einhalt gebieten konnte. Es waren harte, fürchterliche Nächte. Wie eine Ewigkeit schienen sie mir.

Am nächsten Tag kam der Staatsanwalt in meine Zelle. Ich versuchte meinen Zustand vor ihm zu verbergen.

„Wie geht es Ihnen?“

„Ausgezeichnet, Herr Staatsanwalt!“

„Haben Sie nichts vorzubringen?“

„Nein!“

Dreizehn Tage ließ man mich in diesem Zustande. Schließlich machte man Feuer an. Man gab mir Decken und Matten, die an die Wände gehängt wurden. Auch erhielt ich die Erlaubnis, täglich eine Stunde draußen zu verbringen. Eines Tages entdeckte ich Motza und Tudose. Sie standen ganz hinten im Gefängnishof. Ich gab ihnen Zeichen und erfuhr, daß mein Vater inzwischen auf freien Fuß gesetzt worden war. Mit ihm hatte man Liviu Sadoveanu, Ion Sava und einen Studenten aus der Haft entlassen.


Hungerstreik

Zehn Tage vor Weihnachten traten Motza, Garneatza, Tudose und Radu Mironovici in Hungerstreik, weil sie schon sechzig Tage unschuldig im Gefängnis saßen. Sie erklärten: „Entweder Freiheit oder Tod!“ Der Versuch verschiedener Behörden, ihnen gütlich zuzureden, schlug fehl. Sie verbarrikadierten sich in ihrer Zelle und ließen niemanden mehr hinein.

Diese jungen Kameraden waren in kurzer Zeit gleichsam das Symbol der gesamten rumänischen Studentenschaft geworden. Als die Nachricht von ihrem Hungerstreik ins Volk drang, waren sich die Studenten über den Ernst dieses Schrittes im Klaren. Sie kannten die eiserne Entschlußkraft ihrer Kameraden. Sollten diese jungen Menschen in den Gefängnismauern von Galata elend zugrunde gehen? In Jassy und in Klausenburg bemächtigte sich der Gemüter eine ungeheure Erregung, die zu einer furchtbaren Rache an den Schuldigen hätte führen können. Nicht nur junge Studenten, sondern auch alte und angesehene Männer erklärten: „Wenn diese Jungen im Gefängnis sterben, dann gebt auch uns einen Revolver, daß wir die Schuldigen suchen!“ Die Regierung begann allmählich zu spüren, daß sie einer allgemeinen Entschlossenheit gegenüberstand. Sie sah, daß dies Volk sich auf seinen Willen und seine Ehre zu besinnen begann.

Mein Vater veröffentlichte in Jassy einen Aufruf folgenden Inhalts:

„Rumänen!

Die Studenten Ion Motza, Ilie Garneatza, Tudose Popescu und Radu Mironovici, die seit zwei Monaten im Gefängnis in Galata sitzen, sind Montag mittag um 1 Uhr in Hungerstreik getreten. Sie haben diesen ersten Schritt getan, weil sie völlig unschuldig eingekerkert sind, wie sie auch seinerzeit im Gefängnis Vacaresti unschuldig gefangengehalten wurden und sehen mußten, daß gewisse rumänische Politiker, ihre Gesundheit und ihr Leben durch fortdauernde Haft zerrütten und zerstören wollten. Diese jungen Helden, diesen heiligen Frühling einer stolzen, rumänischen Zukunft, hat Gott aber mit einem eisernen Willen ausgerüstet. Darum ist ihr Entschluß, durch Hunger und Durst umzukommen, um gegen die ihnen angetanen Ungerechtigkeiten und gegen das Joch, das die Juden mit Hilfe gewisser rumänischer Politiker unserem Volk aufbürden wollen, zu protestieren, kein Scherz, sondern ein ernster Entschluß. Entweder Freiheit oder Tod!

Rumänen! Sollen wir darauf warten, daß die entseelten Leiber dieser jungen Kämpfer nach einiger Zeit in Särgen an uns vorbeigetragen werden? Denkt alle daran, daß dann in diesen vier Särgen nicht die Leichen jener vier Studenten, sondern die entseelten Leiber Eurer eigenen Kinder vorbeigetragen werden!

Unsere Pflicht ist es, unverzüglich einzuschreiten und gegen diese Regierung zu protestieren. Durch diesen friedlichen und gesetzlichen, aber um so schärferen und unerbittlichen Protest wollen wir den Ungesetzlichkeiten endlich einmal einen Riegel vorschieben und Verbrechen und Mord an unseren Kindern verhüten.“

Nach elf Tagen Hungerstreiks wurden die Kameraden zu Weihnachten aus der Haft entlassen. Sie waren so geschwächt und mit ihren Kräften heruntergekommen, daß sie auf Tragbahren aus dem Gefängnis sofort ins Spital geschafft werden mußten. Einige von ihnen waren erst einige Monate vorher aus schwerer Haft entlassen worden. Motza befand sich erst seit einem Monat auf freiem Fuß nach einjähriger ununterbrochener Haft. So ist es kein Wunder, daß ihre Kräfte sie verlassen hatten.

An den Folgen dieses Streikes und den ewigen Verhaftungen haben einige von ihnen auch heute noch, nach zehn Jahren, zu tragen. Der arme Tudose Popescu erholte sich davon nicht mehr. Die ausgestandenen Strapazen rissen ihn frühzeitig von unserer Seite ins Grab.


Allein in Galata

Ich sitze immer noch in der feuchten und finsteren Zelle. Ich stelle mich vor die Pritsche, verschränke die Arme über der Brust. Der Kopf sinkt mir, von schweren Gedanken gequält, tief herab. So schleicht die Zeit lautlos dahin.

Furchtbare Einsamkeit! Voll Trauer denke ich an das alte Lied: „Gaudeamus igitur, juvenes dum sumus!“ Freuen sollen wir uns unserer Jugend!

Die Jugend hat ein Recht darauf, sich zu freuen, das Leben zu kosten, bevor das Alter herankommt.

Mir freilich ist dies alles nicht geschenkt worden. Ich habe keine Zeit gehabt zu Vergnügung und Heiterkeit. Das Studentenleben, das allen Lieder und Frohsinn schenkt, liegt hinter mir. Ich weiß nicht einmal, wann es versunken ist. Vor der Zeit brachen über meine Jugend Sorgen und harte Kämpfe herein und haben diese Jugendzeit wie der Reif die Blume geknickt. Was mir davon blieb, das vernichten und erwürgen jetzt diese kalten und finsteren Gefängnismauern. Sogar die Sonne hatte man mir genommen. Seit Wochen sitze ich hier im Dunkeln und darf mich täglich kaum eine armselige Stunde lang der Sonne freuen.

Immer sind meine Knie eiskalt. Ich spüre, wie die Kälte aus dem Zementboden in meine Glieder kriecht, höher und höher. Langsam, unendlich langsam schleichen die Stunden dahin. Mittags und abends nehme ich einige Bissen zu mir. Ich würge sie mühsam hinab, denn ich habe keinen Hunger. In der Nacht aber beginnt dann eine wahre Höllenqual. Erst gegen 3 Uhr morgens schlafe ich auf kurze Zeit ein. Draußen peitscht der Sturmwind über das Land. Hier, auf dem Gipfel des Hügels, braust er mit doppelter Macht. Durch die Ritzen in der Tür fegt der Sturm Schnee in die Zelle. Ein Viertel des Zementbodens ist mit einer dicken Schneeschicht bedeckt. Jeden Morgen sehe ich, wie die Schneedecke zugenommen hat. Die drückende Stille der Nacht wird nur durch das Geschrei der Eulen unterbrochen, die in dem alten Gemäuer der Kirche hausen. Ab und zu ertönt der Ruf der Wachen, die vor unseren Zellen auf und ab gehen. Mit lauter Stimme rufen sie in den heulenden Sturm: „Nummer eins!“ Antwort: „Gut!“ „Nummer zwei!“ Antwort: „Alles in Ordnung!“

Ich sitze und zermartere mein Hirn und kann doch zu keinem Ende finden: Einen Monat! Zwei? Ein Jahr? oder zwei? Vielleicht ein ganzes Leben lang? Hier in dieser Todeszelle? Der Haftbefehl kündet mir lebenslängliche Zwangsarbeit an. Wird es überhaupt zum Prozeß kommen? Zweifellos! Es muß! Aber es wird ein schwerer und harter Prozeß werden, denn gegen mich haben sich drei Mächte verbündet.

Die Regierung ist die erste Macht. Mit allen Mitteln wird sie versuchen, durch meine Bestrafung ein Exempel zu statuieren. Ganz besonders, weil es der erste Fall in Rumänien ist, daß jemand mit der Pistole in der Hand auf den Menschen zutritt, der seine Manneswürde mit Füßen treten und ihn im Namen der Staatsautorität bei lebendigem Leibe schinden will. Die zweite Macht sind die Juden. Sie werden alles aufbieten, mich nicht aus den Fängen meiner Feinde zu lassen. Die dritte ist die jüdische Macht im Ausland. Sie wird mit ihrem Geld, mit ihren Anleihen und ihrem politischen Druck nachhelfen.

Diese drei Mächte haben ein großes Interesse daran, mich nicht mehr hinauszulassen. Gegen sie erhebt sich die Studentenschaft und die nationale Bewegung. Wer wird Sieger bleiben? Ich bin mir dessen bewußt, daß mein Prozeß ein Ringen zwischen diesen beiden Kräften sein wird, ein Ringen auf Leben und Tod. Wie sonnenklar auch das Recht auf meiner Seite liegen mag, wenn die gegnerischen Kräfte auch nur um ein Gramm schwerer sind, werden sie nicht einen Augenblick zögern, mich erbarmungslos zu vernichten. So viele Jahre liegen sie nun schon auf der Lauer und passen auf, mich zu fassen, weil ich ihnen immer im Wege stand und ihre Pläne durchkreuzte. Sie werden alle Kräfte anspannen, mich nicht entkommen zu lassen.

Zu Hause traf meine Mutter Schlag auf Schlag. Jahraus, jahrein mußte sie immer wieder die entsetzlichen Nachrichten über mich hören. Oft wurde sie mitten in der Nacht aufgeschreckt durch Staatsanwälte und brutale Kommissare, die das ganze Haus durchsuchten und durchwühlten. Um mich in meiner Einsamkeit zu trösten und meinen Glauben zu stärken, sandte sie mir ein Gebetbuch und bat mich, jede Nacht darin zu lesen. Ich tat es. Je länger ich las, um so mehr schien es, als ob die Kräfte draußen sich zu meinen Gunsten verstärken wollten. Die Widersacher schienen zurückzuweichen und die Gefahren zu schwinden.


Verlegung des Prozesses nach Focsani

Im Januar wurde ich verständigt, daß mein Prozeß von Amts wegen nach Focsani verlegt worden sei. Focsani war die Hochburg der liberalen Partei. Aus dieser Stadt stammten drei liberale Minister der gegenwärtigen Regierung: Vaitoianu, Saveanu und Chirculescu. Focsani war die einzige Stadt im ganzen Land, wo bisher die nationale Bewegung noch keinen festen Fuß fassen konnte. Unsere Bemühungen, auch in Focsani vorzudringen, waren immer wieder fehlgeschlagen. Wir hatten weit und breit keinen Anhänger. Einzig und allein Frau Pavelescu, eine alte Kämpferin, stand mit ihrem Blättchen „Die Schildwache“ zu uns, aber sie predigte einer tauben Welt. Als die Bevölkerung von Jassy von der Verlegung des Prozesses nach Focsani hörte, erfaßte sie große Besorgnis.

Auf allen Bahnhöfen im Umkreis Jassys erwarteten Gruppen von Studenten die Züge und suchten sie nach mir ab, weil sie mich nach Focsani begleiten wollten. Es hieß nämlich, daß die Wache, die mich nach Focsani bringen sollte, versuchen würde, mich auf dem Wege zu erschießen unter dem Vorwand, ich hätte ihr entfliehen wollen. [Am 30. November 1938 wurde C. Z. Codreanu angeblich „auf der Flucht“ erschossen! D. Übers.]

Zwei Wochen vergingen in ungeduldigem Warten. Da erschien eines Tages Botez, der Chef der Sicherheitspolizei, mit einigen Polizeiagenten. Sie brachten mich in einem Automobil, das von einem zweiten Polizeikraftwagen begleitet wurde, zum Bahnhof Cucuteni, außerhalb der Stadt Jassy. Dort erwartete mich eine Gruppe von Studenten. Mit dem einlaufenden Zuge traf noch eine zweite Gruppe ein. Es war aber unmöglich, mit ihnen zu sprechen. Als die Wachleute mich in den Polizeiwagen brachten, umringten uns die Studenten und jubelten mir begeistert zu. Die ganze Nacht über rollte der Zug dahin. Als wir endlich in Focsani eintrafen, war ich überzeugt davon, daß sie mich erbarmungslos verurteilen würden. Auf dem Bahnhof wurde ich von der Polizei und dem Gefängnisdirektor erwartet. Sie führten mich sofort ab und setzten mich hinter Schloß und Riegel.

Anfangs wurde ich hier noch schlechter behandelt als in Jassy. Der Bezirkshauptmann Gavrilescu, der ein boshafter und gemeiner Mensch war, verlangte, ohne daß er dazu berechtigt gewesen wäre, für mich eine besonders harte Behandlung. Er kam auch zu mir in die Zelle. Das Gespräch, das wir miteinander führten, war alles andere als herzlich.

Da geschah ein Wunder, das weder ich noch meine Kameraden erwartet hatten: ich war noch nicht zwei bis drei Tage in Focsani, als die gesamte Bevölkerung ohne jede Rücksicht auf Parteizugehörigkeit und trotz aller Versuche der Regierung, sie gegen mich aufzuhetzen, wie ein Mann auf meine Seite trat. Die Mitglieder der liberalen Partei wurden nicht nur von ihren Freunden, sondern sogar von ihren eigenen Familienmitgliedern im Stiche gelassen. So schickten mir zum Beispiel die Töchter des liberalen Ministers Chirculescu, Schülerinnen des Obergymnasiums, Nahrungsmittel und stickten mir, zusammen mit anderen Mädchen, ein rumänisches Trachtenhemd. Ich hörte, daß sie sich geweigert hatten, mit ihrem Vater gemeinsam an einem Tisch zu sitzen.

Hier lernte ich General Dr. Macridescu, einen hervorragenden Menschen kennen. Hier lernte ich den Gutsbesitzer Hristasche Solomon, der von bescheidenem Äußeren war, aber durch seine moralische Größe auch seine Feinde bezwang, schätzen und verehren. Hier machte ich die Bekanntschaft des Obersten Blezu, dessen Töchterchen, „der Schmetterling“, mir selbst in meine Zelle das Essen brachte. Und noch viele andere liebe Freunde gewann ich, die sich meiner annahmen und mich betreuten. Trotzdem war ich gesundheitlich stark heruntergekommen. Ich fühlte heftige Schmerzen in der Nierengegend und in der Brust. Auch die Knie schmerzten mich und machten mir zu schaffen.

Der Prozeß wurde auf den 14. März 1925 angesetzt. Im Hinblick darauf wurden in allen Universitätsstädten, aber auch in anderen Städten, Tausende von Flugblättern gedruckt und verbreitet. In Klausenburg ließ Hauptmann Beleutza zehntausend Stück drucken und verbreitete sie im ganzen Land. Sein Haus, das den nationalen Vorkämpfern jederzeit offenstand, wurde nun geradezu das Hauptquartier dieser Bewegung. In Orastia in Siebenbürgen ließ Pfarrer Motza Zehntausende von Flugblättern drucken. In derselben Stadt veröffentlichten meine Kameraden einige meiner Briefe, die ich aus dem Gefängnis von Vacaresti geschrieben hatte. Sie erschienen in einer Broschüre unter dem Titel: „Studentenbriefe aus dem Gefängnis.“

Die Regierung ließ ihrerseits gleichfalls Flugblätter und Schriften in großen Massen unter das Volk verteilen. Sie hatte aber nicht den geringsten Erfolg, weil die Wogen der völkischen Bewegung riesenhoch schlugen und alles erdrückten. Zwei Tage vor Beginn des Prozesses trafen Hunderte von Menschen aus allen Landesteilen und Tausende von Studenten in Focsani ein. Aus Jassy allein kamen über dreihundert Menschen in einem Sonderzug.

Ich wurde in einem Wagen zum Nationaltheater gebracht, wo der Prozeß stattfinden sollte. Die Geschworenen waren schon ausgelost. Da wurde der Prozeß auf Befehl der Regierung verschoben. Wieder wurde ich in meine Zelle gebracht. Unter dem Volke rief die völlig ungerechtfertigte Verschiebung des Prozesses helle Empörung hervor, die in einer Riesenkundgebung auf der Straße zum Ausbruch kam. Sie begann am Vormittag und dauerte bis tief in die Nacht. Vergeblich waren alle Versuche des Militärs, die erregten Gemüter zu dämpfen. Die Kundgebung richtete sich gegen die Juden und gegen die Regierung. Die Juden mußten einsehen, daß jeder Druck, den sie auf den Ausgang des Prozesses ausübten, sich letzten Endes nur gegen sie selbst richtete.

Diese Kundgebung war für den weiteren Verlauf des Prozesses von entscheidender Bedeutung.

Die Juden wurden an die Wand gedrückt und ausgeschaltet. Sie begannen zu ahnen, daß meine Verurteilung für sie katastrophale Folgen haben könnte, und entschlossen sich, die Regierung nicht mehr so stark wie bisher unter Druck zu setzen. Immerhin hielten sie aber noch die Hand am Hebel. Mir wurde von verschiedener Seite nahegelegt, ich solle doch ein Gesuch einreichen und bitten, mich auf freien Fuß zu setzen. Man versprach, das Gesuch zu befürworten. Ich lehnte es ab. Das Osterfest kam. Ich feierte es allein in meiner Zelle. Als die Glocken von den Kirchtürmen der ganzen Stadt erklangen, sank ich auf die Knie und betete für meine Braut, für meine Mutter und für alle meine Lieben. Ich betete für die Gefallenen und für die, die draußen im harten Kampfe standen. Ich bat den Allmächtigen, sie zu segnen, sie mit stolzer Kraft auszurüsten und ihnen endlich den Sieg über alle Feinde zu schenken.


In Turnu-Severin

Eines Nachts fuhr ich aus dem Schlafe auf. Es mochte gegen 2 Uhr gewesen sein. Ich hörte, wie jemand am Schloß meiner Zelle arbeitete und die Tür öffnete. Wieder wurde ich von den Behörden abgeholt. Auf Betreiben der Regierung war der Prozeß unerwartet nach Turnu-Severin, ans andere Ende des Landes verlegt worden.

In aller Eile mußte ich meine wenigen Habseligkeiten zusammenraffen. Von einer Wache umgeben, wurde ich in einer Kutsche aus Focsani hinausgebracht. Neben dem Bahngeleise, außerhalb der Stadt, hielt der Kutscher an. Nach kurzer Zeit kam ein Zug heran. Auf offenem Felde blieb er vor uns stehen. Ich wurde sofort in den Polizeiwaggon gebracht.

So verließ ich diese Stadt, die trotzig allen Beeinflussungen der Regierung die Stirne geboten hatte. Die Bewohner Focsanis hatten einmal alle Bindungen zu ihren Parteien von sich geworfen und standen in kraftvoller Geschlossenheit wie ein Mann auf meiner Seite. Unterwegs dachte ich: Wie werden wohl die Leute in Turnu-Severin sein? Ich war noch niemals in dieser Stadt gewesen. Ich hatte dort keinen einzigen Bekannten.

In den Bahnhöfen hörte ich sprechen und lachen. Menschen stiegen ein und aus. Ich konnte nichts sehen, denn mein Waggon besaß kein Fenster. Eine dünne Wand nur schied mich von der Welt mit ihrer Freiheit. Vielleicht waren viele von denen, die ich umhergehen und sprechen hörte, Bekannte oder sogar Freunde. Aber sie alle hatten keine Ahnung davon, daß ich ihnen so nahe war und in diesem grauen Waggon im Dunkel saß. Jeder reist irgend wohin. Nur ich weiß nicht, wohin es eigentlich geht. Alle schreiten leicht und munter dahin, nur ich trage in meiner Seele schwerer als an einem Mühlstein an der Last dieser zermürbenden Ungewißheit, die immer vor mir steht. Werde ich jemals diese häßlichen, schwarzen Kerkermauern verlassen, oder ist es mir vom Schicksal bestimmt, in ihnen zu sterben? Ich weiß sehr wohl: Mein Prozeß ist keine Angelegenheit des formalen Rechts und der Justiz mehr. Hier ringen zwei Mächte miteinander auf Leben und Tod. Auf der Seite der stärkeren wird schließlich auch das Recht stehen. Welche Partei wird siegen? Wir oder die jüdisch-liberale Macht?

Je länger der Zug dahinrollte, um so mehr krampfte sich mein Herz zusammen. Mir war, als sei meine Seele mit jedem Stein der Moldau innig verbunden. Je mehr ich mich von ihr entfernte, desto mehr fühlte ich, wie alles von mir gerissen wurde.

Den ganzen Tag fuhr ich allein im dunkeln Waggon. Gegen Abend hielten wir in einer kleinen Station. Ich glaube, es war Balota. Ein Offizier betrat in Begleitung einiger Polizeiagenten meinen Waggon und forderte mich auf auszusteigen.

Man brachte mich hinter das Bahnhofsgebäude, setzte mich in einen Kraftwagen. So fuhren wir los. Meine Begleiter schienen ordentliche und anständige Menschen zu sein. Sie versuchten, ein Gespräch mit mir anzuknüpfen und mit mir zu scherzen. Ich hatte andere Gedanken und Sorgen und war zu Spaßen wenig aufgelegt. So blieb ich einsilbig und gab freundliche, aber kurze Antworten.

Wir kamen in die Stadt Turnu-Severin. Wir fuhren durch einige Straßen. Es war eine Erquickung für meine Seele und meine Augen, zufriedene Menschen auf den Gehsteigen zu sehen. Dann hielten wir vor dem Gefängnistor. Nur Gott weiß, zum wievielten Male sich schon die Türen und Schlösser vor mir auftaten, um sich von neuem hinter mir zu schließen.

Der Direktor und die Gefängnisbeamten empfingen mich wie einen hohen Gast und gaben mir eine ordentliche Zelle, die nicht wie bisher einen Zementfußboden, sondern ordentlichen Bretterboden besaß. Wie überall, so kamen mir auch hier die Gefangenen mit Zutrauen entgegen. Ich habe ihnen meinerseits später in ihrem materiellen und seelischen Elend geholfen, so gut ich es vermochte.

Am folgenden Tag trat ich in den Hof. Man konnte von hier auf die Straße sehen. Um die Mittagszeit sah ich, wie sich vor dem Gefängnis eine Menge von etwa zweihundert Kindern ansammelte. Die Kinder waren durchschnittlich sechs und sieben Jahre alt. Als sie mich erblickten, begannen sie mir mit ihren Händchen Zeichen zu geben. Einige winkten mir mit Taschentüchern und Mützen zu. Es waren kleine Abc-Schützen, die gehört hatten, daß ich nach Turnu-Severin gekommen war und im Gefängnis saß. Es verging nun kein Tag, an dem die Kinder nicht vor das Gefängnis kamen, um mir zuzuwinken. Sie warteten regelmäßig auf mich, und wenn ich im Hof erschien, hoben sie ihre kleinen Hände und bezeugten so ihre Zuneigung zu mir.

Ich wurde dem Gerichtshof vorgeführt. Der Gerichtspräsident Varlam, ein Mensch von großer Güte, behandelte mich sehr freundlich und fast väterlich. Weniger freundlich kam mir der Staatsanwalt Constantinescu entgegen. Es hieß, er habe sich mit dem Bezirkspräfekten Vorvoreanu ins Einvernehmen gesetzt und wolle unter allen Umständen meine Verurteilung erzwingen. Ich schenkte diesen Gerüchten keinen Glauben. Anfangs behandelte man mich sehr streng. Hinter dieser Strenge glaubte ich auch einige Bosheit zu erkennen. Aber Schritt für Schritt taute auch hier das Eis auf und schmolz vor der Begeisterung, die alle erfaßt hatte. Jetzt fühlten sie ihr rumänisches Herz erwachen und sahen in unserem Ringen einen heiligen Kampf, der der Zukunft des Volkes galt. Sie kannten mein Ungemach und sahen in meiner Haltung eine Auflehnung des menschlichen Ehrgefühls. „Jeder freie Mensch würde an seiner Stelle auch so gehandelt haben“, sagten sie.

Die Landsleute Iancu Jianus und Tudor Vladimirescus, deren Pistolenschüsse einst für die Ehre des Volkes gefallen waren, um eine jahrhundertealte Demütigung auszutilgen, begriffen schnell, was in Jassy vorgefallen war und worum es ging. Nichts vermochte sie mehr zum Wanken zu bringen. Vergeblich versuchten Staatsanwalt und Regierungsvertreter die Menschen gegen mich einzunehmen. Im Gefängnis wurde ich von der Liebe und Sorge aller Familien aus Turnu-Severin umhegt. Männer, die im öffentlichen Leben eine Rolle spielten, wie etwa der Bürgermeister Corneliu Radulescu, nahmen sich meiner an. Ich werde ihm dafür immer dankbar sein.

Am meisten aber waren es die Kinder, die mich mit ihrer rührenden Liebe umgaben und an meiner Haft und meinem harten Schicksal innigen Anteil nahmen. Sie waren es, die mir die erste Sympathiekundgebung in Turnu-Severin bereiteten. Mit einiger Wehmut denke ich daran zurück, wie die ganz Kleinen aus den Vorstädten herankamen, als sie die älteren Kinder Tag für Tag vor dem Gefängnis sahen. Täglich kamen sie genau zur festgesetzten Stunde aus allen Stadtteilen herbei, als ob sie ein Programm auszuführen hätten. Immer waren sie brav und schwiegen still. Sie sangen nicht, sie spielten nicht. Sie hielten mit großen Augen nach mir Ausschau und warteten, daß ich irgendwo vorbeiging. Schweigend winkten sie mir zu, dann gingen sie wieder von dannen. Ihr Kindersinn hatte begriffen, daß dies Gefängnis etwas Trauriges war, und ihr Taktgefühl verbot ihnen, hier zu spielen oder laut zu lachen. Eines Tages fuhren die Gendarmen sie barsch an und jagten sie auseinander. Seitdem sah ich sie nicht mehr. Es wurden Wachposten aufgestellt. Die Kleinen kamen nicht mehr.


Die Verhandlung

Der Termin wurde nunmehr auf den 20. Mai festgesetzt. Der Gerichtspräsident erhielt aus dem ganzen Land 19300 Zuschriften, in denen sich Leute zu meiner Verteidigung meldeten. Zwei Tage vor der Verhandlung trafen zahlreiche Sonderzüge mit Studenten in Turnu-Severin ein. Jassy war mit über dreihundert Mann vertreten. Ebenso zahlreich erschienen die Bukarester, Klausenburger und Czernowitzer. Unter den Abordnungen war auch eine aus Focsani. An ihrer Spitze Carasch, der Vorsitzende des Geschworenengerichts, vor dem am 14. März in Focsani mein Prozeß hätte stattfinden sollen und der sich jetzt zu meiner Verteidigung angemeldet hatte. Auch die Zeugen der Gegenseite erschienen: die Polizeibeamten aus Jassy.

Die Verhandlungen unter dem Vorsitz Varlams begannen im Nationaltheater. Neben mir saßen auf der Anklagebank: Motza, Tudose Popescu, Garneatza, Corneliu Georgescu und Radu Mironovici. Auf der Bank der Verteidigung befanden sich: Professor Cuza, Professor Gavanescul, Paul Iliescu, Professor Sumuleanu, Vasiliu, Graur und alle Rechtsanwälte aus Turnu-Severin.

Der große Saal des Nationaltheaters war überfüllt. Draußen standen über zehntausend Menschen. Die Geschworenen wurden ausgelost. Sie legten den Eid ab und nahmen ihre Plätze ein. Die Anklageschrift wurde verlesen. Es folgten die Verhöre. Ich erklärte die Dinge, wie sie sich wirklich zugetragen hatten. Die fünf andern sagten ebenfalls wahrheitsgetreu aus, daß sie in keiner Weise in die Ereignisse, über die hier gerichtet werden sollte, verwickelt waren. Die Augenzeugen waren ein Jude und die Polizeibeamten aus Jassy. Während der Verhandlung stritten sie alles ab. Was wir ausgesagt hätten, sei unwahr. Die Mißhandlungen seien reine Erfindung unsererseits. Die ärztlichen Zeugnisse und Atteste des Gerichtsarztes Professor Dr. Bogdan seien Lügen. Das alles, nachdem sie vorher den Eid abgelegt und geschworen hatten, die volle Wahrheit zu sagen. Der Saal kochte vor Empörung.

Einer der Hauptschuldigen war der Polizeikommissar Vasiliu. Hier vor Gericht hatte er sich plötzlich in ein Unschuldslamm verwandelt und wollte nichts getan haben. Er konnte sich auf nichts besinnen. Da erbat ich mir vom Vorsitzenden die Erlaubnis, diesem Herrn einige Fragen vorzulegen. Ich erhob mich, bebend vor Entrüstung, und fragte ihn mit lauter Stimme:

„Sind Sie nicht derjenige, der mich im Garten der Frau Ghica mit der Faust ins Gesicht geschlagen hat?“

„Nein, das habe ich nicht getan!“

„Sind Sie nicht derjenige, der den Studenten die Gesichter in die Waschschüssel stieß, als sie mit dem Kopf nach unten hingen und auf die Fußsohlen geschlagen wurden?“

„Ich war nicht dabei. Ich war damals in der Stadt.“

An seinem Gesicht, an seinen Handbewegungen, an seiner ganzen Haltung sah man, daß er log. Er hatte aufs Kreuz geschworen und log.

Die Menge im Saal kochte vor Wut. Als Ausdruck dieser allgemeinen Empörung sprang ein Herr aus dem Zuschauerraum - Tilica Joanid - auf, packte ihn am Arm und zerrte ihn zum Saale hinaus. Wir hörten noch, wie er den Kommissar die Stufen hinunterstieß und rief: „Kanaille! Mach, daß du weiterkommst, sonst ist dein Leben verwirkt!“

Dann erschien er wieder und rief den Jassyer Polizeikommissaren erregt zu: „Ihr habt mit eigener Hand diese Jungen viehisch gemartert und gefoltert! Wenn ihr das in Turnu-Severin getan hättet, hätten wir euch auf offener Straße in Stücke gerissen. Eure schmutzige Anwesenheit besudelt unsere ganze Stadt. Schaut, das ihr weiterkommt! Packt euch! Mit dem ersten besten Zug verlaßt die Stadt, sonst wehe euch!“

Die Stimmung im Zuschauerraum war bis zum Siedepunkt gestiegen. Der Zwischenfall brachte eine gewisse Entspannung der schwülen Atmosphäre.

Die Jassyer Polizeikommissare wurden auf der Straße von dem wartenden Volk empfangen. Geknickt und demütig schlichen sie einher. Alle, die ein blaugelbrotes Bändchen im Knopfloch trugen, wurden von ihnen um Gehör angebettelt: „Sind wir denn nicht auch gute Rumänen? Versteht uns doch, daß wir nicht anders konnten! Wir hatten Befehl! Wir mußten ihn ausführen!“

„Nein! Ihr habt kein Herz gehabt, weder für diese Jungen noch für euer Volk. Ihr habt keine Achtung vor der Ehre eures Mitmenschen gehabt! Ihr habt die Landesgesetze mit Füßen getreten! Befehl? Nein! Nichts da! Verräter!“

Zwei volle Tage dauerte die Zeugenvernehmung. Unter den Zeugen befand sich auch der alte Jassyer Universitätsprofessor Ion Gavanescul, der selbst als Vorsitzender des Verbandes rumänischer Hochschulprofessoren von Manciu angerempelt worden war. Dann wurden die Offiziere und meine Lehrer von der Militär- und Infanterieoffiziersschule verhört. Endlich erschienen der Reihe nach die mißhandelten Jungen mit ihren Eltern und wiederholten fast weinend die Szenen der Peinigung, der sie ausgesetzt gewesen waren.

Die Zivilklage gegen mich wurde von Costa-Foru, dem Vorsitzenden einer Bukarester Freimaurerloge, vertreten.

Es folgten die Plädoyers der Verteidiger: Paul Iliescus, Tache Policrats, Valer Romans, Valer Pops und vieler anderer. Zum Schluß sprachen die Professoren Sumuleanu, Gavanescul und Cuza.

Eine Reihe kurzer Erklärungen, die von Offizieren, Pfarrern, Ärzten und anderen abgegeben wurden, schloß sich an. Dann sprachen die Vertreter der Studentenschaft aller vier Universitäten, nach denen ich das Schlußwort erhielt.

Ich erhob mich und sagte: „Meine Herren Geschworenen! Wir haben gekämpft. Alles, was wir taten, haben wir aus Liebe zu unserem Vaterland und im Glauben an unser Volk getan. Wir schwören auch in dieser Stunde, daß wir weiterkämpfen werden, kämpfen bis zum Siege! Dies, meine Herren, ist mein letztes Wort!“

Es war am Nachmittag des sechsten Verhandlungstages, am 26. Mai 1925.

In einem Nebenzimmer warteten wir auf das Urteil. Nach einigen Minuten brausten durch den Saal Hurrarufe, donnernder Beifall. Geschrei. Wir hatten keine Zeit zum Überlegen, schon werden die Türen stürmisch aufgerissen. Man zieht uns jubelnd in den Sitzungssaal. Wir werden auf die Schultern gehoben. Die Anwesenden springen von den Bänken, jubeln uns zu und schwenken die Taschentücher. Sogar den Vorsitzenden hat der Begeisterungssturm mitgerissen. Die Geschworenen sitzen auf ihren Sesseln. Jeder trägt auf der Brust ein blaugelbrotes Band mit dem Hakenkreuz. Dann wird mir das Urteil verlesen: Freispruch!

Ich werde abermals auf die Schultern gehoben und auf die Straße getragen. Hier erwarten uns Zehntausende. Sofort bildet sich ein Zug. Auf den Gehsteigen stehen die Menschen und werfen uns Blumen zu. Von dem Balkon des Hauses von Tilica Joanid danke ich in kurzen Worten allen für die herzliche Liebe, die sie mir während dieser ganzen Zeit in Turnu-Severin erwiesen hatten.


Nach Jassy

Nachdem ich einige Besuche gemacht und mich bei den Turnu-Severinern für ihre freundliche Haltung bedankt hatte, fuhr ich am nächsten Tag mit einem Sonderzug nach Jassy. Tausende waren mit Blumen auf dem Bahnhof erschienen, um uns das Geleit zu geben und unsere Eisenbahnwagen zu schmücken. Der Sonderzug gehörte den dreihundert Jassyern, die zum Prozeß erschienen waren. An den Zug wurden noch die Sonderwagen der Focsanier, der Barlader und der Vasluier angehängt. So fuhren wir los. Die Zurückbleibenden hoben die Taschentücher und bekundeten durch Rufe ihren Willen zum weiteren Kampf. Immer wieder brausten uns Heilrufe entgegen, daß die Luft erdröhnte. Ich stand am Wagenfenster und sah auf die unübersehbare Menschenmenge. Als ich in Turnu-Severin ankam, hatte ich keine Menschenseele gekannt. Jetzt standen diese Menschen, die hellen Tränen in den Augen, als wären wir schon seit vielen, vielen Jahren gute Freunde. In Gedanken dankte ich dem Allmächtigen für diesen unerwartet großen Sieg.

Später ging ich von Wagen zu Wagen und begrüßte meine Jassyer Kameraden. Mit jedem wechselte ich einige Worte. Alle freuten wir uns, daß Gott uns den Sieg geschenkt hatte und daß wir einer Gefahr entronnen waren, aus der es nach Meinung unserer Feinde keine Rettung mehr für uns gegeben hatte. In einem Abteil traf ich Professor Cuza und Professor Sumuleanu mit seiner Frau. Sie waren beide zufrieden und glücklich. Wir konnten ihnen nicht genug danken. Alle Abteile waren aufs prächtigste geschmückt. Auf der ersten Bahnstation nach Turnu-Severin erwarteten uns Bauern und Pfarrer, Lehrer und Schulkinder, alle in rumänischer Tracht, und überschütteten unseren Zug von neuem mit Blumen.

Auf allen Bahnhöfen stand das Volk in hellen Scharen und erwartete unseren Zug. Das war keiner jener kalten, offiziellen und befohlenen Empfänge. Weder Pflicht noch Furcht, noch eigenes Interesse führte die Leute her. Unter den Jubelnden sah ich Greise und alle Mütterchen, die weinten. Warum nur? Sie kannten keinen einzigen von denen, die in diesem Zuge an ihnen vorbeifuhren. Es war, als ob etwas Unsichtbares sie triebe und ihnen zuriefe: Kommt, kommt zum Bahnhof, denn unter all den vorbeifahrenden Zügen gibt es einen, einen einzigen, blumengeschmückten, der auf der Schicksalsspur unseres Volkes fährt. Alle anderen Züge fahren zum Nutzen der Reisenden. Dieser aber fährt auf der Linie des Volkes für das Volk. Manchmal geht durch solche begeisterte Massen ein heiliger Schauer, und für einen Augenblick treten sie in Verbindung mit der ewigen Seele des Volkes. Das ist ein übermenschlicher und überwältigender Augenblick. Die begeisterten Massen schauen das ewige Volk mit all seinen Toten und seiner Vergangenheit. Dann erleben sie alle vergangenen Tage der Größe und die dunklen Stunden der Niederlagen. Und sie fühlen das Brausen und Wehen einer neuen Zukunft. Dieses Ergriffenwerden von der ewigen Größe des Volkes erfüllt uns mit heiligem Schauer.

Das war es, weshalb den Leuten die Tränen in den Augen standen. Dies wird wohl die Mystik des Volkstums sein. Einige lehnen sie ab, weil sie nicht wissen, was Mystik des Volkstums ist. Andere wieder können sie nicht erklären, weil sie sie niemals erlebt haben. Wenn die christliche Mystik auf ihrem Gipfelpunkt, in dem heiligen Rausch, die unmittelbare Berührung des Menschen mit Gott „durch einen Aufschwung aus dem menschlichen ins göttliche Wesen“ (Crainic) verkündet, dann bedeutet die Mystik des Volkstums die Mystik des Blutes, nichts anderes als die unmittelbare Berührung des einzelnen oder der begeisterten Massen mit dem ewigen Wesen, mit dem Genius des Volkes.

Als der mit Fahnen und Birkengrün geschmückte Zug in den Bahnhof von Craiova rollte, standen auf dem Bahnsteig mehr als zehntausend Menschen. Sie hoben uns auf die Schultern und trugen uns auf den Bahnhofsplatz. Hier wurden wir in einer Ansprache begrüßt. Professor Cuza dankte für den Empfang, dann sprach auch ich einige kurze Worte. Auf gleiche Weise wurden wir auf allen großen und kleinen Stationen empfangen. Besonders festlich war der Empfang in Piatra-Olt, in Slatina und in Pitesti. In den meisten Orten, die an der Bahnlinie lagen, besaßen wir keine völkischen Organisationen. Niemand hatte Flugzettel und Flugschriften verteilt. Trotzdem standen auf den Bahnsteigen Tausende von Menschen.

Es war 8 Uhr abends, als wir in Bukarest eintrafen. Wieder wurden wir auf die Schultern gehoben und aus dem Bahnhof getragen. Hier erwartete uns auf dem riesigen Platz ein Menschenmeer. Ich schätze, es waren fünfzigtausend Menschen zu unserem Empfang erschienen. Eine unbeschreibliche Begeisterung erfaßte die Massen, als wir uns zeigten. Alle riß die Woge des Jubels fort. Professor Cuza sprach. Nach ihm ergriff ich das Wort.

Das ganze Land hatte ein gewaltiger Zug völkischen Erwachens ergriffen. Die Bewegung war so machtvoll, daß sie die „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“ sicher an die Regierung und Führung des Landes gebracht hätte. Man ließ jedoch den Augenblick der großen politischen Aussichten dieser Partei verstreichen. Professor Cuza verstand es nicht, ihn auszuwerten, diesen großen Augenblick, der einer politischen Bewegung so selten geschenkt wird. Für jeden objektiv denkenden Beobachter, der mit politischen Kämpfen vertraut war, stand es von da an fest, daß das Schicksal der „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“ besiegelt war.

Wir fuhren weiter. Sogar in der Nacht standen die Menschen auf den Bahnsteigen und erwarteten uns. In Focsani erwarteten uns über tausend Menschen. Es war 3 Uhr nachts. Seit 4 Uhr nachmittags standen sie und erwarteten uns. Alle drangen in uns, doch wenigstens einen Tag lang in Focsani zu bleiben. Eine Abordnung bestieg den Zug, die von Hristache Solomon geführt wurde. Sie traten in mein Abteil, und Solomon sagte zu mir: „Da es uns nicht vergönnt war, den Prozeß in Focsani zu erleben, so bitten wir Sie nun, hier bei uns Hochzeit zu halten. Am Morgen des 14. Juni müssen Sie hier sein. Es ist schon alles vorbereitet.“

Ich versprach, am 14. Juni pünktlich in Focsani einzutreffen. Beruhigt und erfreut stieg die Abordnung in Marasesti aus.

Am Morgen kamen wir endlich todmüde in Jassy an. Am Bahnsteig erwarteten uns die Studenten. Sie nahmen uns auf die Schultern und trugen uns im Triumphzug durch die Straßen bis zum Universitätsgebäude. Dort bildeten Gendarmen Absperrketten. Im Nu hatte die Menge sie durchbrochen und stürmte in die Universität. Sie trugen uns in die Aula, wo Professor Cuza eine Rede hielt. Dann ging die Menge in Ordnung wieder auseinander.

Auch wir machten uns auf den Heimweg. Gerührt erblickte ich mein Häuschen in der Blumengasse, aus dem ich vor acht Monaten zum letzten Male zur Stadt gegangen und in das ich nicht mehr zurückgekehrt war. Am nächsten Tag fuhr ich nach Husi. An der Schwelle des Hauses empfing mich die Mutter. Weinend sank sie an meine Brust.

Nach einigen Tagen ließ ich mich vor dem Standesamt in Husi trauen.


Meine Hochzeit

Am 13. Juni fuhr ich mit meinen Eltern und Geschwistern, mit meiner Braut und meinen Schwiegereltern nach Focsani, wo uns General Macridescu gastfreundlich beherbergte. Am Abend erschien der Ausschuß, der die Hochzeit vorbereitet hatte, und meldete, daß alles in bester Ordnung sei. Aus der Umgebung und anderen Städten waren dreißigtausend Hochzeitsgäste in Focsani eingetroffen. In der Nacht erwartete man die Ankunft weiterer Gäste. Ganz Focsani war bereit, alle freudig aufzunehmen.

Am nächsten Morgen wurde mir ein Pferd gebracht. Ich schwang mich in den Sattel und ritt am Hause meiner Braut vorüber. Dann trabte ich an der Spitze einer Reiterabteilung zur Stadt hinaus in den nahen Wald. Die Landstraße war zu beiden Seiten von Menschen eingesäumt. In prächtig geschmückten Wagen folgten die Trauzeugen mit Professor Cuza und General Macridescu an der Spitze. Dann kam der Wagen mit der Braut. Er wurde von sechs schönen Ochsen gezogen und war ganz mit Blumen geschmückt. Darauf folgten die Wagen mit den Hochzeitsgästen. Im Hochzeitszuge fuhren zweitausenddreihundert blumengeschmückte Wagen, Kutschen und Autos mit den Gästen in Nationaltracht. Ich war schon sieben Kilometer weit aus der Stadt geritten und im Wald angelangt, als die letzten Wagen des Hochzeitszuges die Stadt noch nicht verlassen hatten.

Die kirchliche Trauung fand im Walde statt vor etwa hunderttausend Menschen. Nach der religiösen Feier folgten Volkstänze, Spiele und Belustigungen. Dann begann das gemeinsame Hochzeitsmahl im Grünen. Jeder hatte sich sein Essen mitgebracht. Die Gastgeber aus Focsani hatten aufs beste für die auswärtigen Gäste gesorgt.

Die farbenbunte Pracht der rumänischen Bauerntrachten und der rumänischen Bauernwagen, das frohe Treiben mit seiner Begeisterung und seinem Trubel wurde gefilmt. Nach einigen Wochen wurde der Film in Bukarest vorgeführt. Er konnte nur zweimal gezeigt werden, da das Innenministerium ihn sofort beschlagnahmen ließ. Negativ und Kopie wurden verbrannt.

Am Abend fand die Hochzeitsfeier in großer Begeisterung und brüderlicher Eintracht der Zehntausende ihr Ende. Noch in der gleichen Nacht fuhr ich mit meiner jungen Frau und einigen Kameraden nach Herkulesbad. Wir wohnten bei alten Bekannten und blieben zwei Wochen dort.

Motza aber fuhr nach Jassy und begann mit einigen Studenten Erde für das Fundament unseres Heimes auszuheben. Ingenieur Grigore Bejan hatte uns dazu einen Bauplatz geschenkt.

Am 10. August stand ich Pate in Cioresti bei Focsani bei der Taufe von hundert Kindern, die in dieser Zeit im Bezirk Putna zur Welt gekommen waren.

Die Taufe hätte eigentlich in Focsani stattfinden sollen. Um sie zu verhindern, hatte die Begierung über Focsani Belagerungszustand verhängt. So waren wir nach Cioresti gegangen. Nach vielen Hindernissen gelang es uns schließlich doch, die hundert Kinder zu taufen. Zahlreiche Bajonette standen dabei Pate.


Zu neuer Arbeit

Bald darauf fuhr ich nach Jassy zurück, um Seite an Seite mit den Kameraden beim Bau unseres Heimes mitzuhelfen. Wir hatten unseren alten Plan nicht aufgegeben und wollten uns unter allen Umständen ein eigenes Heim schaffen. Auch die straffe Organisation und Zusammenfassung der gesamten Jugend mußte erfolgen. Beide Arbeiten waren durch Schicksalsmacht fast ein volles Jahr unterbrochen worden.

Von allen Seiten erhielten wir nun Unterstützung. Die Familie Moruzzi schenkte uns hunderttausend Lei. General Cantacuzino spendete uns drei Waggon Zement. Die Rumänen aus Amerika sandten uns den ansehnlichen Betrag von vierhunderttausend Lei. Sogar aus den entlegensten Dörfern schickten uns die Bauern ihr Scherflein. Alle diese Gaben flössen uns jetzt zu, weil unsere Bewegung bis in die letzten Volksschichten vorgedrungen war und sich großer Beliebtheit erfreute. Besondere Begeisterung lösten unsere Lichtbilder aus, die Studenten und Studentinnen bei der Arbeit zeigten. Es war etwas vollkommen Neues, das man bisher noch nicht gesehen hatte. Unsere Tat rief in Jassy so viel Begeisterung und Zustimmung hervor, daß sogar die Beamten nach Schluß der Amtsstunden zur Arbeitsstätte kamen, den Rock abwarfen und mit Hand anlegten. Sie packten Spaten und Schaufel oder Betonträger und halfen mit. Bei dieser Arbeit trafen sich Studenten aus Klausenburg, Bessarabien, dem Buchenland und Bukarest. Unter Motzas Führung waren in vielen Städten Kreuzbruderschaften, ein Kampfbund unserer Mittelschüler, entstanden. Nun kamen aus allen Teilen des Landes Jungen und Schüler herbei und traten zur Arbeit an. Hier wurden sie entsprechend geschult und verließen straff ausgerichtet und wohlorganisiert unsere Arbeitslager.

Zwei Jahre, reich an Kämpfen, reich an gemeinsam erlebten Leiden hatten ein großes Wunder bewirkt: Diese zwei Jahre stellten die große seelische Einheit des Volkes wieder her, die durch die Unfähigkeit der alten Generation, sich der großen Gemeinschaft des Volkes anzuschließen, ständig hintertrieben worden war.

Nun trat das neue Geschlecht an. Durch die Arbeitslager, die dem Wohle des Vaterlandes galten, wurde diese seelische Einheit des Volkes gefördert, gestärkt und geheiligt.


Gefahren, die einer politischen Bewegung drohen

Gewaltig war der völkische Aufbruch im ganzen Land. Ich glaube nicht, daß es auf rumänischem Boden jemals eine Bewegung von solcher ungeteilten Begeisterung gegeben hat. Und doch wollte es mit der „Liga“ nicht recht vorwärtsgehen. Es fehlte an entsprechendem Organisationsvermögen. Es fehlte vor allem ein einheitlicher Kampfplan. Dazu erstand, da die Bewegung außerordentlich schnell volkstümlich geworden war, eine neue Gefahr: Es schlichen sich alle möglichen dunklen und gefährlichen Elemente ein.

Niemals geht eine Bewegung an ihren äußeren Feinden zugrunde. Immer ist es der Feind im Innern, der sie zu Fall bringt. Mit einer Bewegung ist es wie mit dem Einzelmenschen. Von tausend Menschen stirbt vielleicht nur einer durch äußere Umstände und Unglücksfälle. Die meisten Menschen sterben an inneren Giftstoffen. Sie gehen an Vergiftung zugrunde.

Nach den Prozessen von Vacaresti, Focsani und Severin war in die Bewegung eingetreten, wer wollte. Jeder wurde aufgenommen. Einige kamen, um ihre Geschäfte in Gang zu bringen, andere kamen direkt, um zu betrügen. Sie kassierten Monatsgelder ein, verkauften alle möglichen Flugschriften und heimsten Anleihen ein. Wo immer diese Leute auftauchten, brachten sie die ganze Bewegung in Verruf. Andere wieder kamen, weil sie bei uns ein entsprechendes politisches Betätigungsfeld witterten und hofften, einen einträglichen politischen Posten zu erhalten. Sie begannen sich innerhalb der Bewegung zu befehden und gegenseitig zu verklagen. Einer versuchte den anderen schlecht zu machen. Jeder wollte Führer sein oder zumindest Mitglied des Parlamentes werden. Andere besaßen wohl den guten Willen, wollten sich aber keinem Befehl fügen. Gehorchen zu müssen, war ihnen unerträglich. Sie sträubten sich, ihren Führern und den Anordnungen Folge zu leisten. Jede Anordnung wurde von ihnen bis zur Bewußtlosigkeit durchgesprochen. Das Schlußergebnis war, daß jeder nach seinem eigenen Kopf Weisungen gab und nach Gutdünken handelte.

Dann gab es Menschen, die guten Willen zeigten, aber nicht imstande waren, sich in die Bewegung einzufügen. Wenn sie es trotzdem versuchten, sprengten sie die ganze Gemeinschaft. Andere wieder sind geborene Intriganten. Wo sie auftauchen, zerstören sie durch ihre Zuträgerei und Angeberei die Einheit und Geschlossenheit einer Bewegung und vernichten sie durch Ohrenbläserei und Verdächtigungen.

Eine andere Kategorie von Menschen sind jene, die von einer fixen Idee besessen sind. Jeder hat seine besondere Idee und ist felsenfest davon überzeugt, daß er den Schlüssel zu allen Lösungen gefunden hat. Nun haben sie tagaus, tagein nichts anderes zu tun, als die anderen von dem einzigartigen Wert ihrer Person zu überzeugen. Einige wiederum haben die Zeitungskrankheit, sie leiden sozusagen an „Zeitungsmanie“. Sie wollen um jeden Preis Zeitungsdirektor werden oder wenigstens ihren Namen unter einem Aufsatz in der Zeitung gedruckt lesen. Andere legen innerhalb der Gemeinschaft ein Benehmen an den Tag, daß sie, wo sie auch immer erscheinen, den ganzen Kampf der Bewegung bloßstellen und den Glauben an die Bewegung zerstören. Und schließlich gibt es solche, die einfach bezahlt sind, um Intrigen anzuzetteln, um zu spionieren und zu spitzeln und jeden Aufschwung der Bewegung in Verruf zu bringen.

Mit wieviel Sorgfalt und Aufmerksamkeit muß ein Führer zu Werke gehen, um all dieser auseinanderstrebenden Elemente, die sich seiner Führung unterstellen, Herr zu werden. Wieviel Schulungsarbeit wartet auf ihn. Wie muß er unermüdlich, Tag für Tag auf Wache stehen! Ohne dies ist jede Bewegung unrettbar verloren.

Nun war aber Professor Cuza alles andere als ein kraftvoller Führer. Er stand diesen Dingen und Tatsachen völlig fremd gegenüber. Seine Losung hieß: „In die ‚Liga’ kann jeder eintreten, und er bleibt in ihr, solange er will und kann.“

Diese Losung war katastrophal. Sie konnte zum Zusammenbruch der ganzen „Liga“ führen. In eine Bewegung kann nicht eintreten, „wer will“, sondern nur der, den wir brauchen, der darum eintreten muß! Und er bleibt so lange, solange er ein anständiger, arbeitsamer, disziplinierter, treuer und gläubiger Mensch ist.

Es waren kaum einige Monate vergangen, als die „Liga“ ein wahrer Hexenkessel von Intrigen und Ränken geworden war. Damals war ich folgender Meinung, und ich habe sie bis zum heutigen Tage nicht geändert:

Wenn sich in einer Bewegung die ersten Anzeichen solcher Zersetzungserscheinungen einstellen, müssen sie sofort isoliert und rücksichtslos beseitigt werden. Wenn das nicht gelingt und sie sich wie ein Krebs in das ganze Gewebe der Bewegung einfressen, ist die Bewegung unrettbar verloren. Die Zukunft und die Sendung der Bewegung sind damit unweigerlich moralisch erledigt. Die Bewegung muß daran zugrunde gehen, oder sie wird zwischen Leben und Sterben dahinsiechen, ohne etwas Entscheidendes leisten zu können.

Alle unsere Bemühungen, Professor Cuza zum Einschreiten zu bewegen, schlugen fehl. Er stand den Grundsätzen, die für den Führer einer Bewegung unerläßlich sind, hilflos und fremd gegenüber. Zugleich aber setzte das Intrigenspiel ein, schloß uns von ihm ab und hintertrieb unsere Versuche zum energischem Durchgreifen.

Als wir sechs „Vacarestier“ dies erkannten und wir die Intrigen dunkler Elemente zwischen uns und Professor Cuza nicht mehr ertragen konnten, gingen wir zu Professor Cuza selbst. Wir gelobten ihm aufs neue Gefolgschaft und baten ihn, er solle volles Vertrauen in uns setzen. Wir versprachen, alles zu tun, um die Bewegung in Ordnung zu bringen. Auch dieser Versuch blieb erfolglos. Es zeigte sich, daß Professor Cuza die Dinge anders ansah und beurteilte als wir, und zwar sowohl was die Organisation betraf als auch die Arbeit der „Liga“ selbst. Sogar in grundsätzlichen, weltanschaulichen Dingen waren wir nicht mehr einer Meinung mit Professor Cuza.

Wir gingen von der Idee aus, daß der Mensch als moralischer Wert aufgefaßt werden muß und niemals als reine Zahl, als Wählermasse, als demokratische Nummer! Professor Cuza meinte: „Ihr redet euch etwas ein, weil ihr selbst Opfer einer Intrige geworden seid.“


Wer soll eine Bewegung führen?

Wer ist schuld an einem solchen Zustand? Die Schuld an all diesen unglücklichen Erscheinungen trifft allein den Führer. Eine solche mächtige Bewegung hätte einen großen Führer gebraucht und nicht einen großen Gelehrten und Theoretiker, dem die Wogen der Bewegung über dem Kopf zusammenschlugen und der von ihnen verschlungen wurde. Diese Bewegung hätte einen Führer gebraucht, der sie kraftvoll am Zügel gehalten und beherrscht hätte.

Nicht jeder ist für dieses Amt bestimmt. Dazu gehört ein berufener Mann mit angeborenen Fähigkeiten, der die Gesetze der Organisation, der Entwicklung einer Volksbewegung genau kennt und wie ein Feldherr den Kampfplan entwerfen und ausarbeiten kann. Es genügt nicht, Universitätsprofessor zu sein. Hier braucht man den Lotsen oder den Schiffskapitän, der sicher durch die Wogen führt, dem die Gesetze und Geheimnisse dieser Führung geläufig sind, der die Winde und die gefährlichen Untiefen genau kennt, dem die Klippen und Felsenriffe wohl bekannt sind und der schließlich unbedingter Meister seiner Fähigkeiten und Kräfte ist.

Es genügt nicht, daß jemand den theoretischen Beweis erbringt, Siebenbürgen gehöre den Rumänen, um deshalb auch sofort das Oberkommando über die Truppen zu erhalten. Genau so, wie es nicht genügt, daß jemand theoretisch die Juden-Gefahr richtig erkannt hat, um deshalb nun auch gleich das Oberkommando einer großen politischen Bewegung zu übernehmen, die dieses Problem zu lösen hat.

Wir befinden uns hier auf zwei vollkommen verschiedenen Gebieten. Sie erfordern auch Menschen mit vollkommen verschiedenen Eigenschaften und Anlagen.

Das erste Gebiet kann man sich in einer Höhe von tausend Metern vorstellen. Hier ist die Welt der Theorien, die Welt der abstrakten Gesetze. Hier beschäftigt sich der Mensch, der dazu das Zeug hat, mit dem Aufsuchen und den theoretischen Formulierungen der Wahrheit. Er geht dabei von gegebenen Tatsachen auf der Erde aus und erhebt sich zur Höhe der ewigen Gesetze. Hier aber, in dieser Höhenluft ist seine Heimat, hier liegt sein Arbeitsfeld, auf dem er Großes zu schaffen vermag.

Das andere Gebiet liegt auf der Erde. Hier wird der Mensch verlangt, der für dieses Arbeitsfeld die Fähigkeiten hat. Denn er soll der Wahrheit, die der andere in seiner Sphäre gefunden und formuliert hat, hier auf Erden durch das Spiel der Kräfte zum Siege verhelfen. Wohl steigt auch er empor zu den Sphären der ewigen Wahrheit, um sich mit den ewigen Gesetzen in Einklang zu bringen, aber der Kaum, wo er schöpferisch wirken kann, liegt unten auf der Erde, liegt auf dem Schlachtfelde der taktischen und strategischen Ebene.

Der erste deutet hohe Ziele an, stellt Ideale auf. Der zweite aber erreicht und verwirklicht sie. Es entspringt einem natürlichen Grundsatz der Arbeitsteilung, daß Männer und Führer, die beides erfüllen, für beides entsprechende Fähigkeiten besitzen, äußerst selten sind.

Professor Cuza ist in dem ersten Gebiet zu Hause. Hier strahlt sein Ruhm. Hier liegen sein Werk, seine große Leistung. Er untersucht und umreißt die ewigen Gesetze des Volkstums. Er entdeckt und entlarvt den Feind des Volkes: den Juden. Er setzt die Lösung des Judenproblems fest. Das ist ungeheuer viel! Denn, obwohl die Wissenschaft auf seiner Seite steht, sind die Wissenschaftler doch alle gegen ihn. Von allen Seiten rennen sie gegen ihn an und suchen die Wahrheiten, die er gefunden hat, umzustoßen. Er aber steht unerschütterlich wie ein Felsen da. Dieses Arbeitsgebiet Cuzas erfordert keine Personen und keine menschlichen Kräfte. Im Gegenteil, der Erforscher dieses Gebietes flieht eher die Menschen und bleibt in einsamer Höhe.

Das zweite Betätigungsfeld aber verlangt in erster Linie: Menschen. Es verlangt Menschen, die in Kraftquellen umgewandelt werden. Das heißt:

1. Organisation (Kenntnis aller ihrer Gesetze),

2. Die Ausrichtung und heldische Erziehung zur Zusammenballung der Kräfte, was Menschen in Kraftquellen umzuwandeln bedeutet.

3. Führung dieser organisierten und geschulten Kräfte im strategischen und taktischen Kampf gegen andere menschliche Kräfte oder im Kampf gegen die Mächte der Natur.

Wenn vom Theoretiker verlangt wird, daß er das Gebiet der Wissenschaft mit ihren festen Gesetzen und Wahrheiten vollkommen beherrscht, so fordern wir von dem Führer einer Bewegung, daß er Herr sei über die Wissenschaft und Kunst der Organisation, der Erziehung und Führung.

Unübertrefflich und hervorragend auf dem ersten Gebiet, wurde Professor Cuza unsicher und unbeholfen, sobald er sich auf das andere Gebiet begab. Er war naiv und hilflos wie ein Kind. Unfähig, zu organisieren oder eine wirklich heldische Erziehung durchzuführen und die freigewordenen Kräfte zu führen. Der Sieger, der auf dem ersten Gebiet niemals eine Niederlage erlitten hat, wird auf diesem Schlachtfeld des Alltags niemals einen Sieg erringen. Er wird besiegt zu Boden brechen oder sich im besten Falle mit bescheidenen Erfolgen zufrieden geben müssen, die ihm seine Unterführer erringen.

Welche geistigen Fähigkeiten muß der Führer einer politischen Bewegung unbedingt mitbringen? Meiner Meinung nach sind es folgende:

1. Eine gewaltige seelische Anziehungskraft.

In dieser Welt gibt es keine völlig unabhängigen Menschen. So wie in der Sternenwelt jeder einzelne Stern seinen Kreislauf genau einhält, den ihm die Anziehungskraft eines größeren Sternes vorschreibt, so kreisen auch die Menschen, ganz besonders, was die Politik betrifft, um ein menschliches Zentralgestirn, dessen Anziehungskraft sie in seinem Banne hält. Dasselbe findet auch in der Welt der Gedanken statt. Außerhalb dieses Gravitationsfeldes stehen alle, die sich weder bewegen noch denken wollen. Ein Führer muß also eine solche Anziehungskraft besitzen. Einige besitzen so viel Kraft, um damit zehn Menschen an sich zu ziehen und um sich zu scharen. Sie können deshalb auch nicht mehr als zehn Menschen führen. Andere wieder besitzen so viel Anziehungskraft, um ein ganzes Dorf, eine ganze Stadt, einen ganzen Bezirk oder sogar einen Landesteil zu führen. Einige haben die Kraft, ein ganzes Land in ihren Bann zu ziehen. Ganz wenige greifen über die Grenzen ihres Vaterlandes und schlagen die Welt in ihren Bann. So weit diese seelische Anziehungskraft reicht, so weit reicht die Führerbegabung. Es handelt sich um eine magnetische Kraft der Seele. Wer sie besitzt, kann Menschen führen. Wer sie nicht besitzt, vermag niemals Führer zu sein.

2. Liebe.

Ein Führer muß seine Kameraden und Kampfgenossen wirklich lieben können. Das Fluidum der Liebe des Führers muß seine ganze Bewegung bis zum letzten Mann durchpulsen und durchströmen.

3. Die Fähigkeit zu organisieren.

Die Menschen, die von der Anziehungskraft einer Bewegung ergriffen wurden, müssen entsprechend organisiert werden.

4. Menschenkenntnis.

Er muß innerhalb seiner Bewegung darauf achten, daß eine entsprechende Arbeitsteilung eingehalten wird und jeder auf den Posten gestellt wird, den er wirklich ausfüllen kann. Wer überhaupt keine Fähigkeiten besitzt, kann auch nicht in die Bewegung aufgenommen werden.

5. Kraft, Menschen zu heldischer Lebenshaltung zu erziehen.

6. Beherrschung aller Gesetze, die eine Führung verlangt.

Wenn ein Führer sich eine Truppe organisiert und herangebildet hat, muß er sie auch auf politischem Gebiet im Kampf mit anderen Mächten erfolgreich führen können.

7. Fingerspitzengefühl für den Kampf.

Ein Führer muß ein eigenes Fingerspitzengefühl haben, das ihm sagt, wann der Augenblick zum Losschlagen gekommen ist. Es gibt in seinem Innern eine Befehlsstelle, die ihm zuruft: Jetzt! In diesem Augenblick erst darf er zupacken, nicht früher und nicht später.

8. Mut.

Wenn ein Führer diesen inneren Befehl vernimmt, dann muß er auch den Mut besitzen, das Schwert zu ziehen.

9. Das Bewußtsein, einer gerechten Sache und einem großen Ziel mit anständigen Mitteln zum Siege zu verhelfen.

Einen wirklichen dauerhaften Sieg außerhalb dieser Richtlinien gibt es nicht. Schließlich muß der Führer alle Tugenden eines guten Kämpfers besitzen: Opfermut, Widerstandskraft, Einsatzbereitschaft usw.


Eine Gewissensfrage

Es war nicht Professor Cuzas Schuld, daß sich die „Liga“ in einem solchen Zustand befand. Ich glaube, daß Cuza, als er sich mit Händen und Füßen gegen eine straffe Organisation sträubte, klar erkannt hatte, daß seine Fähigkeiten auf anderem Gebiete lagen, eben auf dem Gebiet der Theorie. Daß es mit der „Liga“ nicht vorwärts wollte, war allein unsere eigene Schuld, und ich trug wohl die Hauptschuld daran. Wir waren immer in Professor Cuza gedrungen und hatten ihn bestürmt, einen Weg zu beschreiten, dem er sich nicht gewachsen fühlte. Bei allen bedeutenden Ereignissen der letzten zwei Jahre war er nicht anwesend gewesen. Alle Kämpfe, die damals das Land aufwühlten und die Volksmassen bewegten, fanden ohne Teilnahme und selbständiges Eingreifen Professor Cuzas statt. Er war überall unentbehrlich. Immer aber kam er erst zum Abschluß. Der Impuls ist niemals von ihm ausgegangen.

Wir allein waren also schuld. Wie es keinen Fehler gibt, der sich schließlich nicht gegen den richtet, der ihn beging, so sollte sich auch dieser Fehler bald gegen uns selbst kehren. Aber er sollte sich auch gegen die gesamte Bewegung richten. Und dies von dem Augenblick an, da Professor Cuza uns nicht mehr verstehen konnte und ohne unsere Mitarbeit auf eigene Faust zu arbeiten begann.

Dieses Jahr war auch für ihn nicht leicht gewesen. Nach dreißigjähriger wahrer Apostelarbeit an der Jassyer Universität ließ sich die Regierung zu unerhörten Ungesetzlichkeiten hinreißen und versuchte mit allen Mitteln, ihn seines Lehrstuhls zu berauben und ihn von der Universität zu entfernen. Als man ihm beim Verhör vorwarf, er wiegle die Gemüter auf, antwortete er: „Ich bin ein Aufwiegler, jawohl! Ich wiegle die nationale Lebenskraft meines Volkes auf!“ Ein Leben unentwegten Kampfes und glänzender Vorlesungen im Dienste seines Volkes wurde von den jüdisch-politischen Führern dieses Volkes mit solchem Dank quittiert.

Zu diesem Schlag kam ein zweiter. Als der alte Mann eines Tages allein über die Straße ging, wurde er von einem Juden angefallen und mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Als die Studenten von diesem niederträchtigen Überfall hörten, drangen sie in alle Gaststätten und Cafes ein und schlugen jeden Juden, den sie antrafen, ins Gesicht. Bei dieser Gelegenheit wurden zehn Studenten, mit Motza an der Spitze, verhaftet und zu einmonatiger Kerkerstrafe verurteilt. Sie wurden in Galata eingesperrt. Der Student Urziceanu feuerte mehrere Schüsse auf den Urheber des Angriffs gegen Professor Cuza ab, aber die Kugeln verfehlten ihr Ziel.


Studium in Frankreich

Am 13. September 1925 legten wir den Grundstein zum Bau unseres Heimes. Bald standen die Mauern einen Meter hoch. Da überlegte ich, nachdem ich der Bewegung alles gegeben hatte, was ich ihr in meinem Alter hatte geben können, ob es nicht geraten wäre, wieder ins Ausland zu gehen und mein Studium zum Abschluß zu bringen. Dies um so mehr, als es auch mit meinem Gesundheitszustand, nach all dem, was ich durchgemacht halte, nicht zum besten stand. Zu diesem Entschluß trug der Umstand bei, daß ich mich in meinen Anschauungen über Organisation und Kampfmethoden einer Bewegung ein wenig einsam und verlassen fühlte. Ich sagte mir: Es ist durchaus möglich, daß du dich irrst. Dann ist es zweifellos besser, du ziehst dich zurück und stehst der Entwicklung nicht im Wege. Vielleicht erweist sie sich schließlich trotz allem als die richtige Linie.

Die „Liga“ hatte in letzter Zeit Zuwachs und frische Kräfte erhalten. Die „Actiunea Romaneasca“ unter der Führung Professor Catuneanus, zu der sich eine große Zahl siebenbürgischer Intellektueller, mit Valer Pop an der Spitze, zählte, hatte sich ihr angeschlossen. Dazu kam die „Fascia Nationala“, eine kleine, aber gesunde und kräftige Bewegung. Vielleicht wurden die unverschuldeten Mängel der Führung nun wettgemacht durch den Beitritt so vieler hervorragender Menschen. Unter ihnen befand sich unser Verteidiger Iliescu, General Macridescu aus Focsani, der alte Kämpfer Traian Braileanu, Professor der Soziologie an der Universität Czernowitz, und unser berühmter Professor Gavanescul von der Jassyer Universität, der sich bisher unserer Bewegung noch nicht angeschlossen hatte, obwohl auch er ein Leben lang vom Katheder herab die völkische Erneuerung verkündet hatte. Dazu kam, daß die Bewegung in dem Bukarester Physiologen Professor Nicolae Paulescu einen glänzenden und unübertroffenen Kenner der jüdisch-freimaurerischen Machenschaften besaß.

Zu diesen Gestalten, die der Bewegung zur Ehre gereichten und ihr einen unvergleichlichen Ruf verschafften, trat noch der siebenbürgische Pfarrer Motza mit seinem Volksblatt „Libertatea“, das auf dem Lande außerordentlich verbreitet war.

Sein Sohn Ion Motza, der im zweiten Studienjahr stand, wurde von der Klausenburger Universität für immer ausgeschlossen. Da beschloß Motza, mit mir ins Ausland zu gehen, um seine Studien ebenfalls zum Abschluß zu bringen. Wir wollten nach Frankreich reisen und hatten uns für eine kleine Stadt entschieden. Wir wählten Grenoble. Von dem Erlös meiner „Studentenbriefe aus dem Gefängnis“ besaß ich rund 60000 Lei (etwa 1500 Mark). Motza erhielt von daheim einen Monatswechsel. Wir fuhren noch einmal nach Hause, dann verabschiedeten wir uns von unsern Eltern, von Professor Cuza und von unsern Kameraden. Noch einmal stiegen wir zu zweit auf meinen Lieblingsberg, den Rareu. Wir kehrten im stillen Kloster ein und sammelten uns im Gebet. Dann brachen wir auf. Ich fuhr mit meiner Frau voraus. Nach zwei Wochen wollte Motza uns nachfolgen.


In Grenoble

Nach einer langen Reise durch die Tschechoslowakei und Deutschland, wobei wir uns in Berlin und Jena einige Tage aufhielten, betraten wir französischen Boden.

In Straßburg ruhten wir uns einige Zeit aus. Was mich, entgegen meinen Erwartungen, erschütterte, war die Erkenntnis, daß diese altehrwürdige Stadt zu einem schmutzigen Judennest geworden war. Vergeblich sah ich mich nach Menschen um, die der gallischen Rasse angehörten, jener Rasse, deren Tapferkeit durch alle Jahrhunderte in der Geschichte gerühmt wurde. Nur krummnasige, gewinngierige Judengesichter kamen mir zu Gesicht. Aufdringlich faßten sie mich am Rockärmel und nötigten mich in ihren Laden oder in ihre Gaststätte. Die Mehrzahl aller Restaurants auf der Hahnstraße war in jüdischen Händen. Ich mußte von Gasthof zu Gasthof wandern, bis ich endlich einen Christen fand. In jedem sah ich das bekannte Täfelchen, auf dem in hebräischen Zeichen „Koscheres Restaurant“ geschrieben stand. Nach langem Suchen fand ich schließlich einen französischen Gasthof und setzte mich hungrig zu Tisch. Zwischen den Juden des Jassyer Kuckucksmarktes und den Juden hier in Straßburg konnte ich nicht den geringsten Unterschied entdecken: die gleiche Gestalt, das gleiche Benehmen, derselbe Tonfall, dieselben teuflischen Augen, mit den schmeichelnden Lippen, von denen man die nackte Gier ablesen konnte.

Nach einer Nachtfahrt trafen wir in Grenoble ein. Welch ein Wunder tat sich jetzt vor meinen Augen auf. Welch ein köstlicher Anblick! Grenoble ist eine Stadt am Fuße der Alpen, die schon in grauer Vorzeit angelegt wurde. Ein riesiger Felsblock stößt in die Stadt vor, als ob er sie zerteilen wollte. Grau, rauh und übermächtig überragt er die Dächer der Häuser, die trotz ihrer zahlreichen Stockwerke neben ihm wie Ameisenhaufen erscheinen. Etwas weiter, aber noch in unmittelbarer Nähe der Stadt, erhebt sich ein zweiter Berg, auf dem sich zahlreiche alte Bollwerke, Gräben und Schanzen erheben und ein gewaltiges Fort bilden. Im Hintergrund aber, alles überragend, leuchten weiß und rein die hohen, ewig schneebedeckten Häupter der Alpen.

Alles machte einen tiefen Eindruck auf mich. Wie durch eine verzauberte Märchenburg schritt ich durch die Straßen und sagte mir immer wieder: „Dies ist die Stadt der Tapferkeit!“ Als ich weiterging, konnte ich mich bald überzeugen, daß ich mich nicht getäuscht hatte. Auf einem Denkmal las ich: „Bayard, Chevalier sans peur et sans reproche“ - Bayard, der Ritter ohne Furcht und Tadel. Dieser Bayard war ein großer, sagenhafter Held aus dem 15. Jahrhundert. Nach einem Leben voller Kämpfe starb er an einer Wunde, die er in der Schlacht empfangen hatte. Sterbend hielt er sein Schwert in den Händen, dessen Griff zum Kreuze geworden war. Dieses Kreuzschwert segnete ihn in seiner Todesstunde.

Wir mieteten ein Zimmer in der Altstadt, die mir besser gefiel als das neue, moderne Grenoble. Bald traf auch Motza ein. Wir ließen uns auf der Universität immatrikulieren. Er meldete sich für das Hauptexamen an, ich arbeitete an meiner Doktorarbeit in Volkswirtschaft. Wir belegten eine Reihe von Vorlesungen des ersten und zweiten Studienjahres. Anfangs verstanden wir nur hier und da ein einzelnes Wort. Wir besuchten die Vorlesungen weiter und blieben hartnäckig bei der Sache. Gegen Weihnachten waren wir so weit, daß wir dem Gang der Vorlesungen schon sehr gut folgen konnten. Für das Doktorat arbeiteten nur acht Studenten. So trugen diese Vorlesungen einen familiären Charakter. Lehrer und Hörer bildeten gleichsam eine große Familie. Unsere Professoren waren hervorragende Lehrer, die sich nur mit ihrer Arbeit beschäftigten und keine Abgeordnetensorgen kannten.

Die Mahlzeiten bereitete meine Frau selbst. An freien Tagen unternahmen wir kleine Ausflüge in die nächste Umgebung der Stadt. Die alten Türme und Schlösser machten auf mich einen großen Eindruck. Wer hat wohl in verflossenen Jahrhunderten in ihnen gewohnt? Sie sind gewiß vergessen und verschollen. So will wenigstens ich ihnen einen Besuch abstatten. Ich betrat die Ruinen und hielt wohl über eine Stunde lang, in jahrhundertealter Stille, stumme Zwiesprache mit den Toten.

Eines Tages besichtigte ich am Rande der Stadt ein altes Kirchlein aus dem 4. Jahrhundert. Es war dem heiligen Laurentius geweiht. Mein Erstaunen war groß, als ich an der hellblauen Decke etwa Fünfzig vergoldete Hakenkreuze entdeckte. An den Hauptgebäuden der Stadt, an der Präfektur, am Justizpalais und andern Gebäuden prangte der Stern der Freimaurer, das Zeichen der jüdischen Hydra, die ihre Fänge unerbittlich über ganz Frankreich gebreitet hat. Mit gutem Grunde hatte ich mich in die Altstadt eingemietet. Hier standen die alten, grauen Kirchen mit ihren geschwärzten Kreuzen, von allen vergessen und verlassen. Ich verzichtete gern auf Kinos, auf Theater und Kaffeehäuser. Meine „Vergnügungsstätten“ waren die gewaltigen Ruinen, in denen wohl vor langer Zeit der Held und Ritter Bayard gelebt haben mochte. Ich versank dort in eine andere Zeit und vergaß alles um mich her. Hier lebte ich im Frankreich der Vergangenheit, im christlichen Frankreich, im nationalen Frankreich. Das erfüllte mich mit tiefer Freude. Hier war ich nicht im jüdisch-freimaurerischen, atheistischen, internationalen Frankreich! Hier war ich im Frankreich des Ritters Bayard! Nicht im heutigen Frankreich des Herrn Leon Blum!

Auf dem Platz „Marché des puces“, dem „Flohmarkt“, wie die Franzosen ihn nennen, wimmelte es von Juden. Man hätte ihn „Wanzenmarkt“ taufen können. Übrigens war die Universität von Juden überlaufen. Aus Rumänien allein studierten sechzig Juden hier. Außer ihnen gab es nur fünf rumänische Studenten in Grenoble. Ich besichtigte auch das uralte, berühmte Kloster „Grande Chartreuse“, aus dem der atheistische Staat die Mönche vertrieben hatte. Auf vielen Bildern sah ich die Spuren spitzer Steine, mit denen die wildgewordenen Volksmassen in der Revolutionszeit nach Gott geworfen hatten.

Nach einiger Zeit begannen uns die Sorgen um unser tägliches Brot zu drücken. Mein Geld ging zur Neige. Von daheim konnte ich kaum etwas erhoffen, und mit dem, was Motza erhielt, konnten wir zu dritt trotz strengster Sparsamkeit nicht durchkommen. Lange überlegten wir hin und her und zerbrachen uns den Kopf, wie wir ein wenig Geld verdienen könnten, ohne dabei die Vorlesungen auf der Hochschule zu versäumen. Da wir erfahren hatten, daß schöne Handarbeiten in Frankreich geschätzt und gut bezahlt wurden, beschlossen wir, unter Anleitung meiner Frau diese Arbeit zu erlernen. Wir wollten rumänische Trachtenstücke sticken und sie dann verkaufen. In einigen Wochen hatten wir das Handwerk erlernt. In unserer freien Zeit arbeiteten wir an rumänischen Stickereien und stellten sie dann in einem Schaufenster aus. Es gelang uns auch, die Trachtenstücke zu verkaufen. Den kleinen Erlös, den wir erzielten, legten wir zu Motzas Monatswechsel. So schlugen wir uns schlecht und recht durch. Es war ein sehr bescheidenes Leben, das wir führten.


Parlamentswahlen Mai 1926

Zu Ostern erfuhren wir aus Briefen und den heimischen Zeitungen, die man uns regelmäßig schickte, daß die liberale Regierung gestürzt und General Averescu mit der Bildung einer neuen Regierung betraut worden sei. Die Neuwahlen sollten Mitte Mai stattfinden. Nun hatte die „Liga“ einen harten Kampf vor sich.

Ich sagte mir: Du mußt sofort in die Heimat fahren und am Wahlkampf teilnehmen. Danach kannst du deine Studien hier in Grenoble wieder aufnehmen und zum Abschluß bringen. Ich setzte mich hin und schrieb sofort an Professor Cuza einen Brief, in dem ich ihn bat, mir das nötige Reisegeld zu schicken. Ich erhielt aber keine Antwort. Da schrieb ich an Hristache Solomon nach Focsani, der mir 10000 Lei sandte. Davon ließ ich einen Teil meiner Frau zurück, mit dem Rest machte ich mich auf und fuhr nach Hause.

Ich kam in Bukarest in den ersten Maitagen an. Der Wahlkampf hatte seinen Höhepunkt erreicht. Ich ging sofort zu Professor Cuza und stellte mich ihm zur Verfügung. Aber Cuza schien von meiner Anwesenheit nicht sehr erfreut. Er sagte mir, es sei gar nicht nötig gewesen, mich herzubemühen, denn die Bewegung schaffe es auch ohne mich. Das schmerzte mich ein wenig, aber ich überwand es und nahm es nicht weiter übel. In einer Kampftruppe hat es kein Gekränktsein zu geben, wenn der Führer einmal eine Bemerkung macht, die einem nicht angenehm ist. Sie kann gerecht sein, sie kann ungerechtfertigt erscheinen, aber Gekränktheiten gibt es grundsätzlich nicht. Das ist der erste Grundsatz, den sich jeder, der in einer Organisation steht und Kämpfer ist, zu eigen machen sollte.

Ich fuhr in den Bezirk Dorohoi in der Moldau, um Professor Sumuleanu im Wahlkampf zu unterstützen. Von dort reiste ich dann in andere Kreise, nach Kimpolung, Jassy, Braila usw. Auf einen Brief Professor Paulescus und eine Aufforderung General Macridescus hin, entschloß ich mich, im Kreise Focsani als Abgeordneter zu kandidieren. Ich geriet dadurch in eine mir widerwärtige Lage: Sollte ich mir nun Stimmen zusammenbetteln? Wo sollte ich beginnen? Sollte ich mich aufmachen wie jeder andere Wahlagent und vor die Wählermassen treten mit tönenden Worten?

Man weiß doch nur zu gut, wie es in der Wahlzeit bei uns zugeht. Statt daß die Wähler in diesen großen Augenblicken, wo vom Vaterland und seiner Zukunft die Rede ist, von heiligen Gefühlen beseelt sind, schwanken sie, betrunken von den Getränken, die ihnen die verschiedenen Wahlagenten reichlich verabreichen, über die Straßen und werden vom Taumel der wildesten Leidenschaften, die der böse Geist der Politiker über sie losgelassen hat, hingerissen. In solchen Wahlzeiten senken sich auf die ruhige und reine Welt unserer Dörfer die Giftschwaden und der Pesthauch des Politikastertums. Diesem Hexenkessel entsteigt dann die neue Regierung des Landes, für ein, zwei, höchstens für vier Jahre.

Aus welchem Sumpf an Verkommenheit und des Lasters läßt doch die Demokratie, die „heilige“ Demokratie, die Führung des Landes hervorgehen.

Ich kam in Focsani an. Seit der Taufe von Cioresti war hier noch immer Belagerungszustand. Um auf dem Lande Wahlpropaganda betreiben zu können, mußte man einen vom Ortskommandanten ausgestellten Erlaubnisschein besitzen. Ich ging zur Kommandantur und ließ mir einen Schein ausstellen.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit Hristache Solomon und andern Herren in zwei Automobilen los. Wir waren kaum fünfhundert Meter aus der Stadt gefahren, da fanden wir die Landstraße durch zwei Wagen, die quer über den Weg gestellt waren, gesperrt. Neben den Wagen standen einige Gendarmen. Wir hielten an. Die Gendarmen traten auf uns zu und erklärten uns, wir dürften hier nicht weiterfahren. Ich griff in die Tasche, zog den Erlaubnisschein heraus und zeigte ihn. Sie lasen ihn durch. Dann sagten sie: „Trotzdem dürfen Sie nicht weiterfahren!“ Da gab ich meinen Begleitern Befehl, die Wagen augenblicklich zur Seite zu stoßen. Nach kurzem Handgemenge mit den Gendarmen war die Straße frei. Langsam fuhren unsere Automobile vor. Die Gendarmen hatten sich in den Straßengraben zurückgezogen und eröffneten von dort das Feuer auf uns. Ich sagte meinen Leuten: „Fahrt ruhig weiter. Sie geben ja doch nur Schreckschüsse ab.“ In diesem Augenblick traf eine Kugel den Kotflügel des Kraftwagens, eine zweite schlug neben mir ein. Wir setzten unseren Weg fort. Da schlugen zwei weitere Kugeln in unseren Wagen. Eine durchbohrte den Benzintank, die andere traf einen Autoreifen. Nun lagen wir mit unserem zerschossenen Wagen auf der Straße. Weiterzufahren war unmöglich. Wir stiegen aus und gingen zu Fuß in die Stadt zurück.

Sofort meldeten wir uns bei dem General, der uns den Erlaubnisschein ausgestellt hatte. Ich erzählte ihm kurz, was vorgefallen war. General Macridescu war dabei auch anwesend. Der General sagte: „Sie können gehen, wohin Sie wollen. Ich habe meinen Leuten keinerlei Befehle gegeben, Ihnen den Weg zu versperren. Vielleicht haben das die Verwaltungsbehörden veranlaßt.“

Darauf begaben wir uns mit General Macridescu zum Präfekten. Der Präfekt Chitulescu war ein brutaler Mensch. Sehr ruhig betraten wir sein Kabinett. General Macridescu erzählte ihm, was sich auf der Landstraße ereignet hatte. Der Präfekt unterbrach ihn und behandelte uns gleich von Anfang an grob und ausfallend. Er begann uns anmaßende Lehren zu geben und ließ einen Schwall hohler Phrasen los.

„Meine Herren, die höheren Interessen des Staates verlangen...“

Wir unterbrachen ihn: „Es gibt Gesetze in diesem Staat, wir handeln im Rahmen dieser Gesetze.“

„Wir haben recht“, versuchte General Macridescu zu erklären.

Der Präfekt unterbrach ihn sofort: „Das Land verlangt in diesen schweren Augenblicken ...“

Wieder versuchte General Macridescu zu erklären.

Der Präfekt: „Der Wille des Landes ist...“

Da wurde mir die Sache zu bunt.

„Hören Sie, Herr Präfekt“, sagte ich erregt, „ich sehe, bei Ihnen kommt man mit guten Worten nicht weit. Merken Sie sich deshalb: Ich werde morgen wieder aufs Land fahren, um zu sprechen. Wenn Ihre Gendarmen wieder auf mich schießen, komme ich augenblicklich hierher und schieße auf Sie, Herr Präfekt.“

Ohne eine weitere Antwort abzuwarten, kehrte ich ihm den Rücken und verließ das Zimmer. Die andern blieben zurück. Nach einigen Stunden wurde ich aufgefordert, sofort vor dem Kriegsgericht zu erscheinen. Ich machte mich augenblicklich auf den Weg. Ein Staatsanwalt verhörte mich. Ich legte schriftlich genau alles nieder, was sich auf der Landstraße und im Zimmer des Präfekten ereignet hatte. Darauf wurde ich verhaftet und in das Militärgefängnis eingeliefert. Ich sagte den Anwesenden: „Meine Herren! Dem, der mir Kugeln nachschicken läßt, geschieht nichts. Mich lassen Sie verhaften, weil ich gedroht habe zu schießen, wenn man mich wieder am Sprechen hindern will.“

Wieder einmal saß ich in der Zelle! Nach drei Tagen wurde ich zum General geführt. Ein Offizier begleitete mich und brachte mich in das Kabinett des Generals.

„Herr Codreanu, Sie müssen die Stadt Focsani verlassen!“

„Herr General, ich kandidiere in diesem Kreis. Was Sie von mir verlangen, ist gegen das Gesetz. Ich werde mich Ihren Maßnahmen nicht widersetzen, weil ich das nicht kann. Aber ich bitte Sie, mir Ihren Befehl schriftlich zu geben.“

„Das kann ich nicht.“

„Dann werde ich nach Bukarest fahren, um Klage gegen Sie zu erheben.“

Der General gab mich frei, nahm mir aber das Ehrenwort ab, daß ich die Stadt mit dem nächsten Zug verlassen werde.

Ich fuhr mit dem nächsten Zug nach Bukarest. Am folgenden Tag war ich beim Innenminister Octavian Goga in Audienz. Ich wurde freundlich empfangen und erzählte das Geschehene. Ich bat ihn, mir zu meinem Recht zu verhelfen. Er versprach mir, den ganzen Fall durch einen Inspektor untersuchen zu lassen. Ich sollte am nächsten Tag wiederkommen.

Am folgenden Tag erschien ich wieder und wurde auf den nächsten Tag vertröstet. So verstrich ein Tag nach dem andern, und die Wahlen kamen immer näher. Mir blieben nur noch wenige Tage. Schließlich, am vierten Tag, fuhr ich nach Focsani zurück. Wieder ließ ich mir vom General einen Schein ausstellen und wieder fuhren wir im Kraftwagen los. Es waren nur noch zwei Tage bis zu den Wahlen. Wir trafen im ersten Dorf ein. Einige Männer standen in kleineren Gruppen beisammen, wie das in der Wahlzeit üblich ist. Sie waren durch den Terror der Behörden verschüchtert. Sofort erschienen die Gendarmen und erklärten uns:

„Sie dürfen zu den Leuten sprechen, aber nur eine Minute lang! So lautet unser Befehl!“

Wir sprachen eine Minute lang und fuhren sofort weiter. So ging es in allen Dörfern. Überall durften wir nur eine Minute sprechen.

Arme Gerechtigkeit in diesem Land! Man gibt mir Stimmrecht. Man ruft mich zur Abstimmung. Wenn ich nicht erscheine, werde ich zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Erscheine ich aber, fällt man mit Knüppeln über mich her. Die rumänischen Politiker, gleichviel ob sie Liberale, Averescaner oder Nationale-Bauernparteiler sind, sind nichts als eine Bande Tyrannen. Unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Menschenrechte treten sie ein ganzes Land und seine Gesetze, Freiheiten und Rechte mit Füßen. Welcher Weg bleibt uns für die Zukunft offen?

Am Wahltag wurden unsere Leute aufgehalten, blutig geschlagen und am Eintritt in die Wahllokale gehindert. Ganze Dörfer wurden abgeriegelt und konnten nicht zur Wahl erscheinen. Das Ergebnis war klar: Ich fiel durch. Obwohl ich in der Stadt alle Parteien geschlagen hatte, fiel ich doch durch. Tut nichts, tröstete ich mich, wäre ich durchgedrungen, so hätte ich mein Studium wieder abbrechen müssen.

Nach zwei Tagen erfuhr ich das Gesamtergebnis des ganzen Landes und freute mich von ganzem Herzen. Unsere „Liga“ hatte 120000 Stimmen erhalten und zog mit 10 Abgeordneten ins Parlament: Professor Cuza, Professor Gavanescul, Professor Sumuleanu, mein Vater, Paul Iliescu und fünf andere. Alle waren in der Moldau und im Buchenland gewählt worden.

Es war wirklich eine Gruppe hervorragender Männer, die unserer Bewegung Ehre machten. Tausende und aber Tausende schauten voller Hoffnung und mit grenzenloser Liebe zu ihnen auf. Die 120000 abgegebenen Stimmen waren gleichsam eine Auslese der besten und reinsten Kräfte unseres Volkes. Diese Wähler hatten sich durch nichts beirren lassen. Trotz Drohungen, trotz Versprechungen und allen möglichen Hindernissen waren sie unbeirrt zur Wahlurne vorgedrungen. Daneben gab es sehr viele, die sich nicht bis zum Wahllokal hatten durchschlagen können. Wenigstens 120000 weitere Stimmen sind uns verlorengegangen, weil die Wähler verhindert wurden, ihre Summe abzugeben, oder man einfach die für uns abgegebenen Stimmzettel aus den Urnen stahl.

Zufrieden mit dem erzielten Ergebnis fuhr ich wieder nach Frankreich zurück. Auf der Fahrt grübelte ich unablässig. Ich fragte mich: Wie sollen wir jemals einen vollen Sieg erringen, wenn die Regierungen die Wahlen in dieser Art aufziehen und Bestechung, Diebstahl und die ganze Staatsgewalt gegen den Willen des Volkes einsetzen?


In den Alpen

Nach Frankreich zurückgekehrt, konnte ich mich zu den Prüfungen, die im Juni stattfanden, nicht mehr melden. Eine neue Schwierigkeit stellte sich ein: Motza mußte nach Hause fahren, da er sein Militärjahr abzudienen hatte. Wie sollte ich mich nun allein in Frankreich durchschlagen? Von den Stickereien allein konnte kaum ein einzelner Mensch leben, geschweige denn wir beide. Ich versuchte in der Stadt Arbeit zu finden, ganz gleich welcher Art. Es war unmöglich. Da sagte ich mir: „Vielleicht findest du auf dem Lande in unmittelbarer Nähe der Stadt eher etwas.“

Wir machten uns mit Motza auf die Suche nach Arbeit. Wir fragten überall an. Am Abend kehrten wir ohne Ergebnis nach Hause zurück. Eines Tages fuhren wir mit der Straßenbahn los. In Uriages les Bains, das etwa zehn Kilometer weit von Grenoble liegt, stiegen wir aus. Auf Waldespfaden stiegen wir in die Berge. Nach einer halben Stunde kamen wir nach Saint Martin, ein großes Dorf mit einer schönen, gepflasterten Dorfstraße, mit sauberen Häusern, die aus Stein erbaut waren, mit einigen Geschäftsläden und einer stattlichen, schönen Kirche. Wir wanderten weiter. Nach einer weiteren Stunde kamen wir erhitzt in dem kleinen Flecken Pinet d'Uriage an. Dieser Ort lag etwa acht- bis neunhundert Meter hoch. Von hier hatte man einen unbeschreiblich schönen Ausblick auf die Alpen mit ihren schneebedeckten Häuptern. Die Region des ewigen Eises schien nur wenige Kilometer weit. Links öffnete sich ein wundervolles Tal auf Château de Vizile, zur Rechten ein zweites nach Grenoble. Das Tal entlang lief eine Asphaltstraße, die wie ein sonnenbeglänzter Fluß heraufblitzte und funkelte.

Die Menschen waren alle auf dem Feld bei der Arbeit. Wir staunten, daß so hoch in den Bergen und so nahe der Region des ewigen Schnees Korn wuchs und Manneshöhe erreichte. Neben Weizen gab es Gerste und Hafer, alle Arten von Gemüse. Auch hier zerbrachen wir uns den Kopf, wie wir mit den Leuten ein Gespräch anknüpfen und ihnen sagen sollten, daß wir Arbeit suchten. Wir grüßten und gingen an ihnen vorüber, denn wir getrauten uns nicht, sie anzusprechen. Weiter oben standen noch einige vereinzelte Häuser. Aber auch hier stockten wir.

Schließlich stehen wir vor dem letzten Haus. Hier ist das Dorf zu Ende. Bis empor zum schneebedeckten Massiv Beldona gibt es außer einigen Schutzhütten nun keine menschliche Behausung mehr. In unmittelbarer Nähe dieser Hütte mäht ein alter Mann Gras. Wir müssen mit ihm sprechen, es bleibt uns jetzt einfach keine Wahl. Wir wünschen ihm „guten Tag“ und beginnen ein Gespräch. Er sieht, daß wir Ausländer sind, und fragt, woher wir kommen. Wir sagen ihm, daß wir Rumänen sind. Es gefalle uns hier ganz großartig. Wir seien auf der Suche nach einem Zimmer, um uns hier in dieser herrlichen Gegend für einige Monate einzumieten.

Der Alte ist redselig. Da er zu glauben scheint, daß er in uns jemanden gefunden hat, von dem er Neuigkeiten erfahren kann, bittet er uns, an dem Tisch, der im Freien vor dem Häuschen steht, ein wenig Platz zu nehmen. Er bringt inzwischen eine Flasche starken, schwarzen Weines und drei Gläser herbei und schenkt ein. Er trinkt uns zu und wir leeren die Gläser. Dann beginnt er uns neugierig auszufragen und lauscht unseren Antworten mit großem Interesse: „Ihr seid also Rumänen?“ „Ja, wir sind aus Rumänien.“ „Ist dies Rumänien weit von hier?“ „Es dürften wohl dreitausend Kilometer sein.“ „So? Gibt es bei Ihnen auch Bauern, so wie hier hei uns?“

„Sogar sehr viele, père Truk“, so hieß nämlich der Alte.

„Macht man dort auch Heu? Gibt es Ochsen, Kühe, Pferde?“

Kurz und gut: wir geben ihm auf alles genaue Antwort und sind bald gute Freunde. Aber von dem, was uns drückt, sagen wir ihm kein Wort, denn der Alte hat gesehen, daß wir „studierte Herren“ sind, und wenn er nun erfährt, daß wir bei ihm Arbeit suchen wollen, wird er sehr enttäuscht sein. Wir fragen ihn nur, ob er uns nicht ein Zimmer beschaffen könne. Er gibt uns eine Anschrift und schärft uns immer wieder ein: „Sagen Sie nur, daß père Truk Sie schickt.“ Wir verabschieden uns und danken ihm. Dabei versprechen wir, wiederzukommen und ihm beim Mähen zu helfen.

Einige Häuser talabwärts fanden wir das empfohlene Haus und lasen: Chenevas Paul, Pensionär.

Wir traten ein. Ein wohlgekleideter Alter von einigen siebzig Jahren trat uns entgegen. Er war der Gesuchte. Paul Chenevas war früher Feldwebel gewesen. Jetzt war er wie gesagt Pensionär. Er war sehr stolz darauf, daß er der einzige Pensionär im ganzen Dorfe war. Er besaß zwei aneinandergrenzende Häuser, die er ganz allein bewohnte, denn er hatte niemanden mehr. Alle seine Angehörigen waren gestorben. So vermietete er uns das kleine Haus ganz. Es bestand im Erdgeschoß aus Stube und Kammer und hatte im ersten Stock noch ein zweites Zimmer. Im unteren Zimmer befand sich ein Herd. Im oberen Raum stand ein denkbar einfaches Bett mit einer derben Bettdecke. Das Ganze machte einen öden Eindruck. Man sah, daß diese Zimmer seit langer Zeit nicht mehr betreten worden waren. Wir einigten uns über die Miete für die Zeit bis Weihnachten, also für sechs Monate, auf vierhundert Franken. In Grenoble bezahlte ich für einen einzigen Monat hundertfünfzig Franken. Ich zahlte für drei Monate im voraus.

In einigen Tagen wollten wir mit unseren Habseligkeiten kommen, unser neues Heim beziehen und uns häuslich niederlassen. Im Herzen froh, fuhren wir nach Grenoble zurück. Ich dachte im stillen: „Hier wirst du prächtig für deine Doktorarbeit arbeiten können. Die Testate über die Vorlesungen hast du. Du brauchst also diese Berge nur noch zu verlassen, um in das Examen zu steigen.“

Nach einigen Tagen kletterten wir mit unserem Gepäck denselben Weg wieder empor, Motza, meine Frau und ich. Unsere Sachen schleppten wir auf dem Rücken. Wir bezogen unser neues Heim und richteten uns ein, so gut wir konnten. Dann nahm Motza Abschied von uns und fuhr in die Heimat. Wir blieben mit einigen Franken zurück. Es war keine angenehme Lage. Nachdenklich ging ich am nächsten Morgen zu père Truk. Ich half ihm bis zum Abend mähen und Heu einfahren. Zu Mittag lud er mich zu Tisch, und ich aß mit ihm. Am Abend saß ich wieder an seinem Tisch. Wenn ich meiner Frau etwas hätte mitnehmen dürfen, wäre alles in schönster Ordnung gewesen. Aber ich kam mit leeren Händen heim. Am folgenden Morgen ging ich wieder zur Arbeit. Der Alte hatte noch einen zweiten Mann zur Aushilfe. Er war klein von Gestalt, hatte rotes Haar und sah verwahrlost aus. Seine Augen liefen ewig hin und her. Ich konnte in ihnen keinen Funken menschlicher Güte entdecken. Er schien ein boshafter, verbissener Mensch zu sein und hieß Corbela.

Zu Mittag wurden wir alle drei von der Frau des pére Truk zu Tisch gerufen. Hier essen die Bauern zu Mittag nicht Maisbrei mit Zwiebel wie bei uns. Ihre gewöhnliche Mahlzeit besteht aus einer Gemüsevorspeise, dann folgt der Braten und als Nachtisch gibt es Käse. Dazu gab es immer ein Glas Wein. Ich kam heran, dankte und sagte, ich wollte nicht mitessen. Sie waren der Meinung, ich zierte mich nur, und nötigten mich. Da sagte ich: „Heute ist Freitag, da faste ich und esse bis zum Abend nichts.“ Es war dies eine alte Gewohnheit, die ich seit drei Jahren, seit meiner ersten Haft in Vacaresti, angenommen und bis jetzt regelmäßig eingehalten hatte.

Als Corbela dies hörte, fragte er mich grob: „Und warum fasten Sie denn?“

„Weil ich an Gott glaube.“

„Woher wissen Sie überhaupt, ob es einen Gott gibt?“ fuhr Corbela gehässig fort, „haben Sie vielleicht Christus persönlich gesehen?“

„Ich habe ihn nicht gesehen, aber ich glaube nicht Ihnen, der Sie Gottes Dasein leugnen, sondern ich glaube der langen Reihe von Zeugen und Märtyrern, die, als sie mit Nägeln ans Kreuz geschlagen wurden, ausriefen: Ihr könnt uns töten, aber wir haben Gott erlebt!“

Da rief Corbela wütend: „Ach, diese Pfaffen! Diese Heuchler und Schwarzkünstler! Ich könnte sie mit meinem Fuß zerdrücken und an der Erde zertreten, wie man einen giftigen Käfer zertritt!“

Als ich sah, wie er Gift und Galle spie, brach ich das Gespräch ab.

Am Abend ging ich heim. Diesmal brachte ich einen Korb voll Kartoffeln und ein gutes Stück Speck mit, die mir der Alte mitgegeben hatte.

Am Sonnabend ging ich wieder zur Arbeit. Sonntag ging ich zum Gottesdienst. Das ganze Dorf war versammelt. In einem Betstuhl saß andächtig wie ein Heiliger ein Mensch, der mir große Ähnlichkeit mit Corbela zu haben schien. Ich sah genau hin. Voll Aufmerksamkeit folgte er den Bewegungen des Priesters. Plötzlich eilte er unterwürfig auf den Priester zu und war ihm bei der Messe behilflich. Da erkannte ich ihn: es war wirklich Corbela! Er war Küster, Ministrant und Glöckner!

Später, als ich mich mit den Leuten angefreundet hatte, erzählte ich ihnen mein Abenteuer mit Corbela. Sie hatten großen Spaß, als sie es vernahmen und riefen: „Es gibt auch bei uns solche Narren! Sie haben es ja von den großen Herren gelernt. Die sind alle gegen die Kirche. Aber wir französischen Bauern glauben an Gott, wie unsere Väter es uns gelehrt haben!“

Der Priester, ein Mann von hoher Bildung, Doktor der Theologie und Philosophie, lebte in großer Armut und erhielt von dem atheistischen, gottlosen Staat, der die Geistlichen wie Feinde verfolgte, keinen Pfennig. Die Priester sind ganz auf ihre Gläubigen angewiesen und leben von den freiwilligen Gaben, die sie hier und dort erhalten.

In der nächsten Woche arbeitete ich bei einem anderen Bauern. Wir gruben Kartoffeln. Ich bekam eine Menge Kartoffeln für meine Arbeit, die dann lange Zeit den Hauptbestandteil unserer Mahlzeiten bildeten. Bei einem dritten Bauern half ich Garben binden. Auch beim Dreschen half ich aus.

Nach einem Monat hatte sich das Dorf an mich gewöhnt. Ich war allgemein unter dem Namen „le roumain“ bekannt. Sie hatten inzwischen gehört, daß ich an meiner Doktorarbeit schaffte und kamen am Abend herbei, um sich zu unterhalten. Sie interessierten sich für Philosophie, politische Fragen, für die internationale Lage. Aus dem Gebiete der Volkswirtschaft interessierten sie am meisten die Gesetze der Preisbildung, das Gesetz der Wechselwirkung von Angebot und Nachfrage. Sie forschten nach dem Grund, warum Preise steigen und wieder fallen, über die günstige Zeit für den Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Die Bauern zwischen fünfundzwanzig und vierzig Jahren waren auf diesem Gebiet sehr wohl beschlagen. Man konnte mit ihnen die schwierigsten Fragen besprechen. Sie wußten immer Bescheid und gingen aufmerksam mit.

Gleichzeitig begann ich mich für die Prüfungen vorzubereiten. Motza hatte seine Prüfungen schon im Juli mit Auszeichnung bestanden. Tagsüber schaffte ich auf den Feldern, und in der Nacht studierte ich bis zum Morgengrauen. Für das erste Jahr hatte ich mich auf vier Fächer vorzubereiten: Volkswirtschaft, Geschichte der Volkswirtschaftslehre, Gewerbe- und Finanzgesetzgebung. Nach drei Monaten aber spürte ich, wie meine Kräfte schwanden. Ich war unterernährt. In letzter Zeit hatten wir nichts anderes als Kartoffeln gegessen. Einmal in drei Tagen kauften wir uns einen Liter Milch. Fleisch aßen wir höchstens einmal in der Woche. Ab und zu erhielt ich etwas Käse. Mehr konnte ich durch meine Feldarbeit nicht verdienen. Noch schlimmer als um mich stand es um meine Frau. Sie litt sichtbar unter den armseligen Verhältnissen und war körperlich erschreckend heruntergekommen.

Im Oktober meldete ich mich zu den Prüfungen. Ich fiel durch, obwohl ich im Hauptfach, in Volkswirtschaftslehre, mit der besten Note abgeschnitten hatte und in den anderen Fächern zufriedenstellende Erfolge erzielt hatte. In Finanzgesetzgebung erhielt ich nur neun Punkte. Um das Doktorat zu erwerben, wurden zehn Punkte verlangt. Einen Augenblick lang war ich fassungslos. Gewiß, ein großer Bücherwurm bin ich nie gewesen, aber ich war noch niemals bei einer Prüfung durchgefallen und hatte immer zu den guten Schülern gezählt.

Angesichts meiner materiellen Lage war dies ein harter Schlag. Die Schwierigkeit lag hauptsächlich darin, daß ich mich erst nach drei Monaten wieder zum Examen melden konnte und dabei alle Fächer wiederholen mußte. Aber ich wollte den Kampf nicht aufgeben und nahm die ganze Arbeit von neuem wieder in Angriff.

Die Feldarbeit war beendet. Es hatte zu schneien begonnen. Nur im Wald bei der Holzarbeit konnte ich noch Arbeit finden. Für meine Hilfe beim Fällen bekam ich einen Wagen voll Holz.

Da erhielt ich unerwartet Hilfe aus der Heimat. Die Eltern schickten etwas Geld. Außerdem hatte der Vater Motzas bei einer Bank eine Anleihe für mich aufgenommen.

Den Winter und die Weihnachtsferien verbrachte ich bei den Bauern und verkehrte besonders gern bei der Familie Belmain.

Im Februar meldete ich mich dann abermals zum Examen und bestand in allen Fächern des ersten Doktoratsjahres.

Sofort machte ich mich an das zweite, letzte Jahr und begann mich vorzubereiten auf Verwaltungsrecht, Rechtsphilosophie, Geschichte des französischen Rechts und internationales öffentliches Recht.

Im Frühjahr mietete ich einen kleinen Gemüsegarten, den ich auf eigene Rechnung bebaute und bepflanzte.

Da erhielt ich im Mai 1927 von Motza einen verzweifelten Brief. Briefe aus Studentenkreisen, die ähnlich klangen, folgten nach. Alle baten, ich möchte doch augenblicklich in die Heimat zurückkehren, es sei ein großes Unglück geschehen, die „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“ habe sich gespalten und sei in zwei Gruppen zerfallen.

Motza und Hristache Solomon schickten mir das Reisegeld. Bis zu den Prüfungen hätte es noch einen vollen Monat gedauert. Deshalb sprach ich beim Dekan der Fakultät vor und erklärte ihm, ich müsse sehr dringend nach Rumänien zurückkehren, man möge mir erlauben, die Schlußprüfungen früher abzulegen. Meine Bitte wurde erfüllt. So stieg ich schon am 16. Mai ins Examen und bestand in allen Fächern. Dann nahm ich herzlichen Abschied von meinen Freunden und Bekannten aus Pinet, in deren Mitte ich fast ein Jahr lang gelebt hatte, und fuhr am 18. Mai heimwärts. Die Alten standen weinend und drückten mir die Hand. Die Jungen begleiteten mich bis zum Bahnhof nach Grenoble.

Ich war seinerzeit nach Frankreich gekommen und hatte gefürchtet, ein unmoralisches und angefaultes Volk anzutreffen, wie es die Meinung der Welt ist. Ich hatte nun selbst gesehen, daß das französische Volk, sowohl Bauern als auch Städter, ein sittlich hochstehendes Volk ist. Die berühmte Unmoral kommt von den Fremden, von den Geldsäcken aller Länder, die von Paris und den anderen großen Städten angezogen werden.

Die französische Führerschicht ist meiner Meinung nach völlig verdorben. Ihr ganzes Fühlen, Denken und Handeln steht unter dem jüdisch-freimaurerischen Einfluß der Bankiers. Das Judentum und die Freimaurerei haben in Paris ihren Hauptsitz aufgeschlagen. London mit seinem schottischen Ritus ist lediglich eine Filiale von Paris. Die führende Schicht ist durch eine unüberbrückbare, tiefe Kluft sowohl von der französischen Geschichte, als auch vom französischen Volke getrennt. Deshalb machte ich nun bei meiner Abreise einen genauen Unterschied zwischen dem französischen Volk und dem französisch-jüdischen Freimaurerstaat.

Mit warmer Liebe für das französische Volk im Herzen nahm ich Abschied von Frankreich. Ich nahm zugleich den Glauben mit, daß dies Volk einmal auferstehen und die giftige jüdisch-frei-maurerische Schlange, die es heute umschlungen hat, zertreten werde. Diese Giftschlange frißt an seinem Lebensmark, verdunkelt seine Gedanken und bringt seine Ehre und seine Zukunft in Verruf.


In Bukarest
Zusammenbruch der „Liga zu Christlich-Nationaler Verteidigung“

Ich kam in Bukarest an und stand vor einem Trümmerfeld. Die Katastrophe war eingetreten. Die „Liga“ war entzweigebrochen. Die Hoffnungen eines ganzen Volkes waren damit gescheitert. Ein Volk, das seine erschöpften Kräfte in einem schweren Augenblick seiner Geschichte im Kampf mit seinem Todfeind zusammengerafft hatte, brach nun mit all seinen vernichteten Hoffnungen zu Boden. Tausende von tapferen Kämpfern wurden dadurch aus dem Geleise geworfen und erlitten seelisch Schiffbruch. Sie sahen, daß alle ihre Opfer umsonst gewesen und alle Hoffnungen gescheitert waren. Da kam eine tiefe, schmerzliche Verzagtheit über alle, selbst über jene, die unserer Bewegung ferner gestanden hatten. Eine solche allgemeine Ratlosigkeit, einen solchen dumpfen Schmerz hatte ich noch nicht erlebt. Die hellen Wogen der Begeisterung von Severin, von Focsani, von Kimpolung und von Klausenburg hatten sich mit einem Schlage in Wogen der Hoffnungslosigkeit verwandelt.

Ich ging sofort ins Parlament und suchte Professor Cuza. Zu meiner größten Überraschung fand ich inmitten dieses allgemeinen Durcheinanders und der Niedergeschlagenheit einen einzigen heiteren und hoffnungsseligen Menschen: Professor Cuza. Ich gebe hier wörtlich wieder, was wir miteinander sprachen.

Als Professor Cuza mich erblickte, rief er:

„Willkommen, willkommen, lieber Corneliu!“ Er trat auf mich zu und streckte mir die Rechte entgegen: „Bist ein braver Junge! Nur so weiter wie bisher - und alles wird großartig gehen!“

„Herr Professor! Ich bin erschüttert von dem furchtbaren Unglück, das über unsere Bewegung hereingebrochen ist!“

„Unglück? Es ist doch gar kein Unglück geschehen! Unsere ‚Liga’ ist stärker denn je. Ich komme eben von Braila. So etwas ist noch nie dagewesen! Das Volk hat mich mit ungeheurem Jubel empfangen, mit Musik und Trommeln und brausenden, nicht endenwollenden Hurrarufen. Du wirst Augen machen über das, was du in unserem Lande erleben wirst. Du weißt ja nicht, wie es hier steht. Das ganze Land marschiert mit uns!“

Wir wechselten noch einige Worte, dann verabschiedete ich mich. Ich war sprachlos. Ich fragte mich, wie kann es möglich sein, daß sich ein Führer, der seine Gefolgschaft von Schmerz und Ratlosigkeit zerrissen, auseinandergebrochen und in völliger Verzweiflung sieht, so heiter und bei bester Laune befinden kann? Sah er denn nicht das Chaos, das unter ihm brodelte? Wenn er es aber wußte, wie in aller Welt konnte es ihn unberührt lassen?


Was war geschehen?

Die zehn Abgeordneten der „Liga“ hatten, so glaube ich, während ihrer ganzen einjährigen Tätigkeit viel zu wünschen übriggelassen. Waren sie unfähig? Sicher nicht! War es Böswilligkeit? Noch viel weniger! Sie hatten den besten Willen, trotz einiger kleiner Unzulänglichkeiten. Die jungen Abgeordneten waren, was die Judenfrage betrifft, nicht genügend geschult. Die älteren hingegen waren nicht beweglich genug und im Handeln ein wenig schwerfällig. Dies kommt jedoch innerhalb einer großen Bewegung immer wieder vor und muß von der Führung wettgemacht werden.

Was war der wahre Grund für diese Lage? Meiner Ansicht nach sind es zwei Gründe gewesen: Es fehlte die Gleichschaltung ihres parlamentarischen Auftretens mit ihrer gesamten Tätigkeit außerhalb des Parlaments. Es fehlte an einer wirklichen seelischen Einheit. Diese Einheit ist aber in einer Bewegung ganz und gar unerläßlich. Denn aus der geringsten innerparteilichen Unklarheit und Unstimmigkeit sucht der Gegner Kapital zu schlagen. Diese beiden Mängel aber fanden ihre Beweggründe in einem dritten Versagen, das waren die Fehler und Mängel des Führers.

Ein Führer muß, will er eine weltanschaulich geschlossene Gefolgschaft hinter sich haben, alle seine Kämpfer unaufhörlich in seinem Geiste schulen und immer wieder auf das Ziel ausrichten. Außerdem muß er einen genauen Plan ausgearbeitet haben, nach dem er seine Befehle geben muß. Er muß ein unermüdlicher Diener der Einheit seiner Bewegung sein. Er muß mit Liebe, mit Verweis, mit Aufklärung und mit Strafen immer wieder danach trachten, Mißverständnisse und Zwiespältigkeiten, die nun einmal jeder Bewegung anhaften, zu überbrücken und auszugleichen. Er muß allen ein unermüdlicher Mahner zu strenger Pflichterfüllung sein. Er muß mit peinlicher Gerechtigkeit vorgehen und muß selbst haargenau die Richtlinien seiner Führung befolgen, die er sich selbst aufgestellt und mit denen er die Menschen um sich gesammelt hat.

Von all diesen Forderungen hatte Professor Cuza nicht eine einzige erfüllt. Er hatte seine Leute nicht geschult. Nicht einmal Beratungen wollte er abhalten. Seine Unterführer kamen und sagten: „Wir müssen unbedingt einmal zu einer Beratung zusammenkommen, Herr Cuza. Wir müssen wissen, welche Haltung wir im Parlament einnehmen sollen.“ Cuza hatte darauf immer nur die Antwort: „Wir brauchen keine Beratungen, denn wir sind keine politische Partei!“

Er halte niemals schriftliche Richtlinien herausgegeben. Man wird wertvolle Bücher finden, die Professor Cuza geschrieben hat. Man wird unzählige Flugschriften und Hunderte von Aufsätzen lesen können, die aus seiner Feder stammen. Aber es wird keinen Menschen geben, der mir aus der Zeit vom März 1923, als die „Liga“ gegründet wurde, bis zu ihrer Auflösung am 20. Mai 1927 auch nur drei Rundschreiben, Richtlinien oder Organisationsbefehle Cuzas an seine vom Sturm hin und her gerissene Bewegung zeigen könnte.

Professor Cuza konnte nur anregen, aber er konnte niemals wirklich mitreißen. Er bestrafte auch, aber wo er es tat, rief er eine Katastrophe hervor, denn er strafte ohne Größe und ohne Liebe.

Man wird es verstehen, wenn aus den oben angeführten Gründen einige Abgeordnete, die die unhaltbaren Zustände sahen, zusammentraten und ihre Unzufriedenheit äußerten. Sie sahen, daß die Bewegung von Tag zu Tag mehr dem Zusammenbruch entgegentrieb, besonders als Cuza von der Rednertribüne des Parlaments herab Erklärungen abgab, die eine geradezu katastrophale Wirkung in den Reihen der Bewegung auslösten und die Gemüter lähmten. Als etwa nach der Eröffnung des Parlamentes ein Abgeordneter der „Liga“ gegen den Terror der Regierung in Focsani protestierte und die Aufhebung des Belagerungszustandes und Beseitigung der Zensur forderte, erhob sich Professor Cuza und erklärte, die Regierung sei im Recht gewesen, als sie den Belagerungszustand einführte. Er selbst wäre genau so vorgegangen, denn durch die Juden seien die Gemüter aufgehetzt worden und die Lage äußerst gespannt gewesen. Als er gegen die Bauernpartei polemisierte, die damals im Lager der Opposition stand, erklärte er: die Volkspartei des Generals Averescu könnte ein Regierungsfaktor werden, wenn sie sich der liberalen Partei eingliedern würde und General Averescu sich die weltanschaulichen Ansichten der „Liga“ zu eigen machte. Derartige Dinge äußerte er im Parlament zu einer Zeit, da Tausende von niedergeknüppelten und vergewaltigten Menschen fieberhaft auf eine öffentliche Verurteilung und Brandmarkung der Gewaltmethoden der Regierung warteten. Er rief dadurch eine allgemeine Enttäuschung und Entmutigung hervor.

Diese Haltung des Führers einer nationalen Bewegung war unverantwortlich und unglaublich. Er verteidigte und verherrlichte die Parteien, die von der nationalen Bewegung als ein Unglück für das Land gebrandmarkt wurden. Gegen diese Parteien kämpfte die nationale Bewegung unter schwersten Opfern, um dem Lande eine neue Zukunft zu geben.

Damit hatte Professor Cuza seiner eigenen Bewegung das Urteil gesprochen. Wenn man dieses parlamentarische System der Wechselwirkung von liberaler Partei und Volkspartei, die man ein Leben lang als Volksfeinde gebrandmarkt und angeprangert hatte, plötzlich in alle Himmel hob, nahm man der nationalen Bewegung, deren Führer man war, von vornherein jede Möglichkeit und jede Aussicht auf einen Sieg. Durch diese Haltung bewies man nur, daß man als Führer an den Sieg seiner Bewegung selbst nicht glaubte. Was würde man aber von einem Feldherrn tapferer und opferbereiter Truppen halten, wenn er am Vorabend der Schlacht die feindlichen Truppen verherrlichen und ihren Sieg voraussagen würde? Was würde mit den Soldaten geschehen, die statt siegesfroher Worte ihres Kommandeurs nur von den Siegesaussichten der Feinde hörten? Die Truppe würde verzweifeln und in alle Winde auseinanderlaufen.

So geschah es auch. Viele Kämpfer für die nationale Bewegung verloren die Hoffnung und zerstreuten sich. Die unerhörte Haltung Cuzas rief den Unwillen unserer Abgeordneten hervor, dem sie offen und rückhaltslos Ausdruck gaben. Das war falsch. Sie durften ihre Unzufriedenheit nur vor dem Parteiführer und im engsten Rahmen der Parteileitung ausdrücken. Sie hatten aber diesen Rahmen überschritten und waren in die Öffentlichkeit gegangen. In einer solchen Lage bedeutet jedes hingeworfene Wort ein neues Unglück und macht das vom Führer heraufbeschworene Durcheinander nur noch größer. Dies dauerte so lange, bis eines Tages der Abgeordnete Paul Iliescu ohne begründeten Anlaß und ohne Untersuchung, also gegen die Bestimmungen, aus der „Liga“ ausgeschlossen wurde. Damit nicht genug. Ohne daß Professor Cuza auch nur einen von den Abgeordneten zu Rate gezogen hätte, verkündete er vom Rednerpult des Parlaments, er habe den Abgeordneten Paul Iliescu aus der „Liga“ ausgeschlossen. Dann verlangte er, daß diesem das Mandat aberkannt werde und das Mandat des Kimpolunger Kreises als offen zu erklären sei. Die Erklärung brach wie ein Blitz über die Abgeordneten der „Liga“ herein. Zwei Tage später überreichte Professor Sumuleanu der Kammer eine Denkschrift, die von vier weiteren Abgeordneten, Professor Ion Zelea Codreanu, Valer Pop, Dr. Haralamb Vasiliu und Professor Carlan unterzeichnet war. In der Denkschrift erklärten die Unterzeichneten die Mitteilung Professor Cuzas als verfrüht, da die Statuten der „Liga“ vorsahen, daß ein Ausschluß nur vom Parteiausschuß ausgesprochen werden könne. Der Ausschuß aber habe im vorliegenden Falle von der ganzen Angelegenheit nichts gewußt. Der Ausschuß habe weiter keine Kenntnis davon, daß Iliescu sich etwas habe zuschulden kommen lassen. Er verlange, daß Iliescu erst gehört werde, damit er sich verteidigen könne. Der Ausschuß forderte also Achtung der Statuten und Gesetze der Bewegung, auf die alle den Eid abgelegt hatten. Gleichzeitig sprach er in ähnlichem Sinne bei Professor Cuza vor.

Das Ergebnis dieser Vorstellungen? Alle Abgeordneten, die die Denkschrift unterzeichnet hatten, wurden ebenfalls aus der „Liga“ ausgeschlossen, an der Spitze Professor Sumuleanu und mein Vater. Es gab unter ihnen einige, die mehr Verdienste um die „Liga“ hatten als Professor Cuza selbst. Professor Sumuleanu war Vizepräsident der „Liga“. Auch diese Abgeordneten wurden ohne jede Untersuchung aus der „Liga“ ausgeschlossen.

Nach meiner Meinung war das Vorgehen Professor Cuzas, der als Vorsitzender die Pflicht gehabt hätte, bei jeder Maßnahme mit äußerster Aufmerksamkeit eine Gefährdung der Bewegung zu vermeiden, vollkommen verfehlt. Es war ungerecht und unstatthaft, zumal im Hinblick auf die Persönlichkeiten, die es traf. Diese Männer waren selbst die Begründer der „Liga“ und bildeten den Ausschuß. Außerdem waren die Maßnahmen unüberlegt, da Professor Cuza nicht an die Folgen gedacht hatte, die der Bewegung daraus erwachsen mußten.

Sofort nach diesem Ausschluß wurde in der Zeitung der Liga, „Apararea Nationala“, behauptet, daß diese Männer, voran Professor Sumuleanu und Ion Zelea Codreanu, sich den Juden verkauft hätten. Diese Lüge wurde überall im Volk verbreitet. Sumuleanu, der seit einem halben Menschenalter der unzertrennliche Freund Cuzas gewesen war und immer eine vorbildliche Haltung an den Tag gelegt hatte, wurde in der „Apararea Nationala“, die von Cuza herausgegeben und geleitet wurde, in gemeiner Weise angegriffen. Als Antwort auf diese Angriffe veröffentlichte Sumuleanu eine Flugschrift mit dem Titel: „Die Niedertracht einiger Freunde“.

Dieser Kampf spielte sich vor den Augen der verzweifelten Gefolgschaft unter dem Freudengeheul und Jubel der Juden ab.

So weit waren die Dinge fortgeschritten, als ich in Rumänien ankam. Im Parlament wurde eben darüber verhandelt, ob ein nationaler Abgeordneter, der aus der „Liga“ ausgeschlossen wurde, damit auch sein Mandat verlor. Heute noch frage ich mich: War Professor Cuza, als er diese Maßnahmen ergriff, vielleicht das Opfer einer Intrige geworden, oder war er wirklich überzeugt, daß sie am Platze waren?

Nach einigen Tagen versuchte eine Reihe weiterer Mitglieder, die nicht unmittelbar zur Parteileitung gehörten, dazwischenzutreten. Bestürzt über die mehr als willkürlichen Maßnahmen Cuzas forderten sie, daß man die Ausschließungen rückgängig mache und sich streng an die Statuten halte. Darauf erlebten wir eine dritte Maßnahme: Auch diese Mitglieder wurden kurzerhand ausgeschlossen und an die Luft gesetzt. Es befanden sich darunter: General Macridescu, Professor Traian Braileanu, Hristache Solomon, Professor Catuneanu und andere.

Zielbewußt wurde ausgestreut, auch diese Ausgeschlossenen hätten sich den Juden verkauft.

Die Ausgestoßenen schlössen sich in der „Salzungstreuen Liga“ zusammen. Durch den Namen wollten sie zum Ausdruck bringen, daß sie und nicht mehr Cuza die eigentliche gesetzliche Bewegung der „Liga“ waren.

Darauf setzte Professor Cuza in Jassy eine Volksversammlung an. Es waren rund tausend Menschen anwesend. Die Ausschließungen wurden zur Kenntnis genommen und unter der Begründung bestätigt, daß sich die Ausgeschlossenen den Juden verkauft hätten.

An diesem Punkt will ich stehenbleiben. Ich glaube, meine bisherigen Ausführungen genügen vollauf, um zu verstehen, in welcher Lage sich unsere Bewegung befand. Nur soviel möchte ich noch hinzufügen: Die Zeit hat gezeigt - es sind seither neun Jahre vergangen -, daß Professor Cuza im Unrecht war. Denn weder Professor Sumuleanu, der so niederträchtig in seiner Ehre getroffen wurde, hatte sich den Juden verkauft, noch mein Vater, der von den Juden fast erschlagen worden war. Dasselbe gilt für die anderen, General Macridescu, Professor Catuneanu, Dr. Vasiliu, Professor Carlan, Pfarrer Motza usw.

Später, nach einer Reihe von Jahren, als die „Liga“ durch diese Katastrophe schon längst in einen Trümmerhaufen verwandelt war, erschien Professor Cuza eines Tages bei seinem einstigen Freund, Professor Sumuleanu, und sagte zu ihm:

„Lieber Sumuleanu! Ich habe doch nichts gegen dich. Komm, laß uns wieder gute Freunde sein!“

Professor Sumuleanu kehrte ihm den Rücken.

Im Fortgehen sagte er zu Cuza: „Jetzt ist es zu spät!“

Er sagte das nicht, weil er über die erlittene Schändung seiner Ehre unversöhnlich grollte, sondern weil er auf ein Trümmerfeld blickte, weil eine völkische Bewegung mit all ihren Hoffnungen vernichtet am Boden lag.


Unser Eingreifen

Ich war aus Frankreich zurückgekehrt, um aus diesem Chaos zu retten, was noch zu retten war. Ich berief sofort die „Vacarestier“ und die Vertreter der Studentenschaft aller vier Universitäten nach Jassy zu einer dringenden Beratung. Meine Absicht war, den Brandherd in der Bewegung zu lokalisieren und in der Jugend eine geschlossene Einheit zu schaffen. Ich wollte das Eindringen dieser Atmosphäre des gegenseitigen Hasses, in der die Reihen der Alten aufgerieben und zermürbt wurden, in die Jugend entschlossen unterbinden. Dieser jungen Mannschaft wollte ich einhämmern, daß Haß und Uneinigkeit für unsere Bewegung den Tod bedeuten. Sobald diese geschlossene Mannschaft hinter mir stand, wollte ich die Fronten der Alten überrennen und auf beide Teile einen entsprechenden Druck ausüben. Dadurch hoffte ich die Einheit wiederherzustellen und die Lage zu retten.

Aus meinem Plan wurde nichts. Die Jugend war ebenfalls schon erfaßt von den Flammen des Hasses.

So kam es, daß mein Vorschlag selbst in Jassy, wo ich doch so enge Bindungen zu der Jassyer Jugend hatte, keinen Widerhall in den jungen Herzen weckte. An der Spitze der Jassyer Studentenschaft, die in jenen unseligen Stunden das Zeichen zum rettenden Schritt hätte geben können, standen schwache Leute, Elemente, die zu Niedertracht und Schlechtigkeit neigten.

Von all diesen Jungen stand keiner auf, trat keiner für meinen Vorschlag ein. Nur die Vacarestier Gruppe stand wie ein Mann zu mir. Dazu kamen noch zehn junge Jassyer Studenten und einige wenige Siebenbürger mit Ion Banea an der Spitze. Das war alles, was von der rumänischen Jugend zu mir stand.

Ich ließ aber nicht locker, sondern hielt zäh an meinem Plan fest. Ich fuhr mit der ganzen Gruppe nach Bukarest und wollte vor beide Richtungen der „Liga“ treten. Zuerst forderten wir von den sogenannten „Satzungstreuen“, also den Ausgeschlossenen, daß sie zu jedem Opfer bereit sein müßten, um die Einheit der Bewegung wiederherzustellen. Nach einigen Stunden hatte ich sie mürbe gemacht. Sie stimmten mir zu und waren bereit, unter Hintansetzung persönlicher Kränkungen wieder mitzuarbeiten, unter der Bedingung, daß in Zukunft die Satzungen der Bewegung respektiert würden. Sodann gingen wir zu Professor Cuza. Trotz unserer ernsten Gründe und Bitten lehnte er unseren Vorschlag ab und wollte nichts davon wissen.

Alles, was wir im Laufe der Zeit aufgebaut hatten, der Glanz, der von dieser Bewegung ausgegangen war, war uns nicht mühelos zuteil geworden. Alles war in hartem Kampf gewachsen, Schritt für Schritt. Wieviel Entschlüsse hatten wir lassen müssen, einen schwerer als den anderen, wie vielen Gefahren hatten wir getrotzt, wieviel Wagnisse hatten wir auf uns genommen, wieviel seelische und körperliche Schmerzen hatten wir getragen und freiwillig erduldet. Wie hatten diese Leiden uns ausgehöhlt! Was war unser bisheriges Leben gewesen! Blut, Kampf, Einsatz und Opfer Tag für Tag. Und nun verwandelte sich alles vor unseren Augen in Staub und Asche. Wir standen vor dem Nichts.


DIE LEGION „ERZENGEL MICHAEL“

Die Gründung

Angesichts der oben geschilderten Zustände beschloß ich, weder dem einen noch dem anderen Lager zu folgen. Andrerseits war ich auch nicht entschlossen, dem Kampf zu entsagen und mich zurückzuziehen. So begann ich, auf meine eigene Verantwortung, auf meine seelische Kraft bauend und nach meinem eigenen Kopf die Jugend zu organisieren. Ich war entschlossen, den Kampf weiterzuführen und auf keinen Fall die Waffen zu strecken. Mitten in diesem Durcheinander und in diesen Stunden voll Sorgen und Kümmernissen erinnerten wir uns des Bildes, das uns seinerzeit im Gefängnis von Vacaresti Kraft gegeben hatte.

Wir schlössen die Reihen fester zusammen und führten den Kampf im Zeichen dieses Bildes weiter. Der Erzengel Michael sollte uns Vorbild und Schirmherr sein. So wanderte nun dieses Bild aus der Kirche des heiligen Spiridon, wo es drei Jahre lang als Altarbild das Gotteshaus geziert hatte, nach Jassy in unser neues Heim. Wie ein Mann standen die Vacarestier auf meiner Seite. Ich berief sie und einige wenige Studenten, die noch zu uns standen, für Freitag, den 24. Juni 1927, nach Jassy. Abends um 10 Uhr trafen wir uns in meiner Wohnung in der Blumenstraße.

Wenige Minuten, bevor wir zusammentrafen, hatte ich in ein Buch unter „Nummer 1“ folgenden Tagesbefehl geschrieben:

“Heute Freitag, den 24. Juni 1927, am Tage Johannes des Täufers, 10 Uhr abends, wird die Legion ‚Erzengel Michael’ unter meiner Führung gegründet.

Wessen Glaube keine Grenzen kennt, der trete in unsere Reihen. Wer aber zweifelt und schwankt, der bleibe uns fern. Zum Führer der ständigen Wache des heiligen Bildes ernenne ich Radu Mironovici.

Corneliu Zelea Codreanu.“

Dieser erste Appell dauerte genau eine Minute, das heißt so lange, bis ich den oben angeführten Tagesbefehl verlesen hatte. Darauf zogen sich alle Anwesenden zurück. Jeder einzelne sollte mit sich zu Rate gehen und sich genau prüfen, ob er seelisch stark genug und ernstlich entschlossen war, dieser neuen Gemeinschaft beizutreten.

Hier gab es zunächst überhaupt kein Programm. Das einzige Programm war: mein kämpferisches Leben und die heldische Haltung meiner Kameraden, die mit mir im Gefängnis gelitten hatten.

Aber selbst diesen gab ich Bedenkzeit. Es sollte sich jeder in seinem Inneren prüfen, ob nicht doch vielleicht noch ein leiser Zweifel in ihm lebte und ihn unsicher machte. Denn wer in diesem Augenblick zu uns kam, für den hieß es: Dein Leben gehört jetzt nicht mehr dir. Für dich gibt es von nun an kein Wanken und kein Zurück! Unsere seelische Haltung, aus der die Legion geboren wurde, war diese: Es ist uns völlig gleichgültig, ob wir siegen, oder ob wir zusammenbrechen und das Leben hingeben müssen. Wesentlich für uns ist, daß wir in eiserner Geschlossenheit vorgehen! Wenn wir geschlossen vorwärts marschieren, Gott und das Lebensrecht unseres Volkes im Herzen tragen und unerschütterlich in eine neue Zukunft schreiten, dann wird unser Schritt, ganz gleich ob er den Sieg, die Niederlage oder den Tod bringt, vom Schicksal gesegnet sein und unserem Volke reiche Früchte bringen.

In derselben Nacht noch verfaßte ich zwei Briefe und schrieb beide in das Tagebuch unter den Befehl. Der eine war an Professor Cuza, der andere an Professor Sumuleanu gerichtet. Am nächsten Tage in der Frühe um 10 Uhr traten wir Vacarestier wieder zusammen und gingen zu Professor Cuza.

Nach vielen Jahren härtesten Kampfes und schwerster Prüfungen, die wir gemeinsam Schulter an Schulter durchlebt hatten, gingen wir nun, um für immer von Professor Cuza Abschied zu nehmen. Wir wollten ihn bitten, uns von dem Eide, den wir ihm geleistet hatten, zu entbinden.

Professor Cuza empfing uns in demselben Zimmer, in dem er mich vor 28 Jahren als mein Taufpate getauft hatte.

Hier stand er nun aufrecht an seinem Schreibtisch, als ich ihm folgendes Schreiben vorlas:

„Herr Professor! Heute kommen wir zum letzten Male zu Ihnen, um für immer von Ihnen Abschied zu nehmen. Wir bitten Sie, uns von unserem Eide zu entbinden. Auf dem Wege, den Sie eingeschlagen haben, können wir Ihnen nicht mehr folgen, weil wir an diesen Weg nicht mehr glauben. Aber ohne Glauben können wir nicht mitmarschieren, denn der Glaube allein war es, der uns Kraft und Schwung in unserem bisherigen Kampfe verliehen hat. Darum bitten wir Sie, uns von unserem Eide zu entbinden. Wir wollen allein weiterkämpfen und wollen uns in diesem Kampfe auf unsere eigene Kraft und unser eigenes Herz verlassen.“

Darauf gab uns Professor Cuza folgende Antwort:

„Meine Lieben! Ich entbinde euch von dem Eide, den ihr mir geschworen habt, und gebe euch zugleich einen Rat mit auf euren weiteren Lebensweg, den ihr von nun an allein gehen sollt: Seht euch vor, daß ihr keine Fehler macht, denn besonders in der Politik rächt sich jeder Fehler bitter. Haltet euch die Fehler Petre Carps vor Augen, ihr wißt, daß sie ihm zum Verhängnis geworden sind. Ich wünsche euch alles Gute für euren weiteren Lebensweg.“

Darauf reichte er jedem die Hand, und wir gingen fort.

Wir waren überzeugt, daß wir damit korrekt und anständig gehandelt hatten. Wir waren den Weg der Ehre gegangen, als Kämpfer konnten wir keinen anderen Weg gehen.

Von Professor Cuza gingen wir zu Professor Sumuleanu und lasen auch ihm einen Brief vor, der ähnlich abgefaßt war. Wir teilten ihm darin mit, daß wir auch seiner „satzungstreuen“ Gruppe nicht folgen könnten. Wir hätten uns entschlossen, einen eigenen Weg, unseren Weg; einzuschlagen.

Als wir sein Haus verlassen hatten, fühlten wir in unserem Herzen eine große Einsamkeit. Von nun an mußten wir uns unseren Lebensweg selbst bahnen und durften uns dabei nur auf unsere eigene Kraft verlassen. Wir schlössen uns noch fester um unser Symbol zusammen. Je stärker uns Schwierigkeiten bedrängten und Hiebe und Schläge von allen Seiten auf uns niederhagelten, desto unerschütterlicher standen wir unter dem Bild und Schutz des göttlichen Streiters, des Erzengels Michael, und unter dem Blitzen seines flammenden Schwertes. Für uns war er kein totes Bild mehr. Lebendig und kraftvoll erschien er uns, wir spürten seinen Geist in unserer Gruppe.

Vor seinem Bilde und seinem flammenden Schwerte aber hielten wir abwechselnd Tag und Nacht Wache.


Die Materie

Als wir im Zimmer unseres Heimes zusammentraten, wir fünf Vacarestier und zehn andere Studenten, um einige Briefe an unsere Bekannten zu schreiben und ihnen unseren Entschluß mitzuteilen, merkten wir erst, wie arm wir waren. Alle zusammen besaßen wir nicht einmal so viel Geld, um Briefumschläge und Briefmarken zu kaufen. Bis jetzt waren wir, wenn uns etwas fehlte, zu unseren älteren Kameraden gegangen, jetzt aber hatten wir keinen Menschen, von dem wir Hilfe erwarten konnten. Eine politische Organisation ins Leben zu rufen, ohne einen Pfennig in der Tasche zu haben, ist immerhin eine gewagte Sache. Wir leben in einer Zeit, in der das Geld allmächtig ist. Niemand wagt es, auch nur das geringste zu unternehmen, ohne sich vorher zu fragen: „Wieviel Geld hast du?“

Aber der Allmächtige wollte der Welt zeigen, daß im Kampf und Sieg der Legionäre das Geld, die Materie, keine Rolle spielt.

Durch unsere wagende Tat sagten wir uns los von einer Denkungsart, die bisher Welt und Zeitläufte allmächtig beherrscht hat. Wir bringen in uns eine Welt zum Absterben und setzen an ihre Stelle eine andere hohe Welt, die emporreicht bis an die Sterne.

Die Alleinherrschaft des Stoffes ist gestürzt. An ihre Stelle tritt die Herrschaft des Geistes und der sittlichen Werte. Wir werden niemals das Dasein, den Zweck und die Notwendigkeit des Stoffes in der Welt bestreiten, aber wir bestreiten jetzt und für alle Ewigkeit die „Alleinherrschaft“ des Stoffes.

Wir trafen damit eine Denkungsart mitten ins Herz, die das goldene Kalb errichtet hatte, und die es als Sinn und Mittelpunkt des Lebens ansah.

Wir erkannten, daß eine Umkehrung des natürlichen Verhältnisses von Stoff und Geist alle Kraft, allen Glauben und jede Hoffnung in uns getötet hätte.

Bei diesem Beginn fanden wir unsere stärkste sittliche Kraft in dem unerschütterlichen Glauben, daß wir, wenn wir uns in den ursprünglichen Sinn der Welt einfügen - und der ist die Unterordnung des Stoffes unter den Geist -, alle Widerstände überwältigen und die satanischen Mächte, die sich zu unserer Vernichtung zusammengefunden haben, siegreich zu Boden werfen werden.


Das Geistige

Außer dem Geld fehlte ein zweites: Das Programm. Wir besaßen überhaupt kein Programm. Das wird ebenfalls viele in Erstaunen setzen. Eine politische Bewegung ohne ein genaues Programm? Wir aber waren nicht Menschen, die dadurch zueinander gefunden hatten, daß sie das gleiche dachten, sondern wir standen zusammen, weil wir das gleiche fühlten, weil wir alle die gleiche seelische Haltung und Verfassung mitbrachten.

Diese seelische Haltung war ein Zeichen dafür, daß die Statue der Göttin „Vernunft“ im Begriff war, von ihrem Sockel zu stürzen. Das, was die Welt gegen den Willen des Allmächtigen aufgerichtet hatte, werden wir, ohne es zu entwerten oder zu verwerfen, an den Platz stellen, der ihm nach diesem Willen zukommt: Es hat im Dienste des Allmächtigen und im Dienste des wahren Lehens zu stehen! Wenn wir also weder Geld noch Programm besaßen, so trugen wir doch Gott selbst in unseren Herzen, und er rüstete uns aus mit unbesiegbarer Glaubenskraft.


Gegen die Niedertracht

Unser erstes Auftreten wurde mit einer Sturmflut von Haß und Spott überschüttet. Beide Lager der „Liga“ brachen alle Beziehungen zu uns ab. Die Jassyer Studenten verließen uns. Die Angriffe der „Cuzisten“, die bisher den „Satzungstreuen“ gegolten hatten, richteten sich nun gegen uns wie giftige Pfeile. Diese Wunden schmerzten uns nicht, aber wir waren im Innersten entsetzt über das, was wir in diesen Menschen an Niedertracht und Gemeinheit aufkeimen sahen. Binnen kurzer Zeit erhielten wir den Lohn für alles, was wir bisher für die „Liga“ geleistet hatten, in Gestalt von Angriffen und schwersten Beleidigungen. Wir fühlten nicht nur den blinden Haß, sondern wir erkannten auch zum ersten Male die unverhüllte Charakterlosigkeit.

Man nannte uns „Ausbeuter der völkischen Idee zu persönlichen Vorteilen“. Wir hatten es nicht für möglich gehalten, daß die, die sich vor einem Jahre in die Brust geworfen und für angebliche Leiden Belohnung gefordert hatten, jetzt die Dreistigkeit haben könnten, uns gerade diese Anschuldigung ins Gesicht zu schleudern. Bald wird die staunende Welt erfahren, daß wir uns „den Juden verkauft“ haben. Es werden niederträchtige Schmähartikel gegen uns losgelassen, und es wird sicher Bauern geben, die das glauben und uns den Rücken kehren werden. Schmähungen, die unsere Feinde uns aus Furcht niemals zu bieten gewagt hätten, schleuderten uns jetzt unsere einstigen Freunde ins Gesicht, ohne vor Scham zu erröten.

Wenn es wirklich wahr wäre, daß wir, die wir soviel durchgemacht und erduldet hatten, zu einer solchen Ruchlosigkeit imstande waren, uns geschlossen dem Feinde zu verkaufen, dann bliebe überhaupt nur noch eins übrig: Dynamit gelegt an dieses Volk und das Ganze erbarmungslos in die Luft gesprengt! Denn ein Volk, das solche Schufte hervorbringt, wie wir sie sein sollten, ist nicht wert, auch nur eine Stunde weiterzuleben.

Wenn es aber nicht wahr ist, was über uns ausgestreut wurde, dann waren die Erfinder und Verbreiter dieser Lügen Schufte, die den Glauben des Volkes an seine Zukunft und an seine Sendung untergraben und erschüttern. Für ihr Verbrechen ist darum keine Strafe zu schwer und zu hart. Welchen Glauben soll das Volk denn an seinen Sieg und an seine Zukunft haben, wenn es mitten im Getümmel des Kampfes um seine Lebensrechte hört, daß wir, die es auf den Händen getragen und denen es seine heiligsten Hoffnungen anvertraut hat, es verkauft und verraten haben. Ich überlasse die Erinnerungen an diese dunklen Tage denen, die sie erleben mußten. Ihnen, meinen Kameraden und Zeugen jener Stunden, sagte ich damals:

„Vor diesen Zwergen braucht ihr euch nicht zu fürchten, denn wer eine so schmutzige Seele hat, wird niemals siegen! Diese Leute werden euch allen noch einmal zu Füßen fallen und vor euch auf den Knien liegen. Dann werdet ihr aber kein Mitleid kennen! Denn selbst dann wird sie nicht das Bewußtsein begangener Schuld vor euch auf die Knie zwingen, sondern die Niedertracht! Und wenn alle Teufel und bösen Geister der Hölle über uns kommen, wir werden unerschütterlich in unserer Haltung verharren  und Tod und Teufel überwinden!“

Die Finsternis in dieser Welt kann nicht durch das Dunkel überwunden werden, sondern nur durch das klare Licht, das aus der Seele eines heldischen und aufrechten Menschen strahlt, dem die Ehre mehr ist als Sieg oder Tod.

Trotzdem aber fanden durch dieses Sperrfeuer des Hasses und der Niedertracht vom ersten Tage an eine Reihe Menschen zu uns und sammelten sich in unserer Legion wie in einem sicheren Hafen. Sie fanden bei uns neue Hoffnungen. Es waren dies Männer wie Hristache Solomon, jener an Rat und Tat, an Einsatz und Ehre so reiche Mann. Neben ihm eine Reihe wertvoller Männer, Dipl.-Ing. Clime, Blanaru, Rechtsanwalt Mille Lefler und viele andere.

Alle waren sie einst hervorragende und alte Kämpfer der „Liga“ gewesen. Jetzt machten sie auf mich den Eindruck von Schiffbrüchigen, deren Schiff die wilden Wogen verschlungen hatten. Sie wurden erschöpft und verstört auf unser kleines Eiland geworfen. Hier hoffen sie innere Ruhe und neuen Glauben an die Zukunft zu gewinnen, General Macridescu sagte zu uns:

„Obwohl ich alt bin, so gehe ich doch mit euch und werde euch helfen und fördern, aber nur unter einer Bedingung: Ihr dürft jenen Ehrlosen nicht mehr die Hand zur Versöhnung reichen. Das würde mich anwidern und bitter enttäuschen.“

Auch Professor Gavanescul begann sich für uns und unsere Arbeit zu interessieren.


Die ersten Anfänge unseres Legionärlebens

Vier Pflugrillen waren es, die unseren Weg im Anfang zeigten:

Zuerst: Der Glaube an Gott. Wir alle glaubten an Gott. Es gab keinen Gottlosen unter uns. Je mehr wir von allen Seiten angegriffen wurden, je einsamer wir uns fühlten, um so fester glaubten wir an Gott und hielten Zwiesprache mit den großen Toten unseres Volkes. Dies verlieh uns ungeahnte Kraft und ließ uns mit ruhiger Gelassenheit alle Schläge hinnehmen.

Dann: Der Glaube an unsere Sendung. Wir konnten niemandem auch nur den geringsten Beweis für die Möglichkeit eines Sieges erbringen. Wir waren so wenige, wir waren so jung, so arm, so verhaßt und verfolgt von aller Welt, daß alles gegen uns sprach und nach der damaligen Lage der Dinge kaum eine Aussicht bestand, jemals zu siegen. Und doch marschierten wir vorwärts, weil wir an unsere Sendung glaubten und unser Vertrauen in unsere Kräfte und in die Lebenskraft unseres Volkes keine Grenzen kannte.

Ferner: Die gegenseitige Liebe. Einige Kameraden kannten sich schon seit langer Zeit, es verband sie ein herzliches Verhältnis. Die anderen waren zum großen Teil Schüler und Studenten im ersten oder zweiten Semester, die sich vorher nicht gekannt hatten. Vom ersten Augenblick an vereinigte uns ein Band herzlicher Liebe, als ob wir Brüder wären und schon von Kindesbeinen an immer zusammengehört hätten. Wir brauchten ein seelisches Gegengewicht, um durchhalten zu können. Diese gegenseitige Liebe innerhalb unserer Legion mußte eine Kraft sein, die in ihrer Stärke und Fülle dem Druck des Hasses, der von außen gegen unser Haus schlug, Widerstand leisten konnte. Das Leben in unserer „Zelle“ war kein offizielles und kaltes Leben. Es gab keine strenge Scheidung von Führer und Gefolgsmann mit Schaustellungen, schwungvollen Reden und Vorgesetztenallüren. In unserer Legion herrschte ein brüderliches Verhältnis. Die Legion war eine große Familie. Hier gab es keinen groben Kasernenton. Bei uns fühlte sich jeder wie zu Hause im Kreise seiner Familie. Man kam zu uns nicht nur, um Befehle zu erhalten, bei uns gab es mehr. Bei uns gab es brüderliche Liebe, ein Freundeswort, eine Stunde seelischer Erholung, ein Wort der Ermunterung und des Ansporns, einen kameradschaftlichen Trost und Hilfe in Unglück und Not. Von den Legionären wurde nicht eine Kasernenhofdisziplin verlangt, sondern in erster Linie Anständigkeit, Treue, Einsatzbereitschaft und Arbeitswilligkeit.

Endlich: Das Lied. Wir waren aufgebrochen, ohne vorher Probleme zu wälzen, ohne uns nächtelang über Programmpunkte den Kopf zu zerbrechen, ohne stundenlang erhitzte Diskussionen zu führen, ohne tiefgründige philosophische Erwägungen, ohne Vereinssitzungen und dergleichen mehr. Vielleicht weil wir dies alles beiseite gelassen hatten, war die einzige Möglichkeit, unsere seelische Haltung und Verfassung zum Ausdruck zu bringen: das Lied. Wir sangen Lieder, die uns lagen und unserer Haltung entsprachen. Diese Lieder gaben uns Kraft. Wir sangen alte Heldenlieder und Kampflieder, deren Melodie aus der Zeit Stefans des Großen, aus dem 15. Jahrhundert, stammte und sich von Geschlecht zu Geschlecht fortgeerbt hatte. Es heißt, daß Stefan der Große unter den Klängen dieser Lieder vor fünfhundert Jahren als Sieger in Suczawa eingeritten sei. Beim Klange dieser Lieder erlebten wir jene verklungenen Zeiten rumänischer Größe und rumänischer Siege wieder. Wir übersprangen gleichsam ein halbes Jahrtausend und lebten einige Augenblicke zusammen mit den alten Soldaten und Bogenschützen Stefans des Großen und sogar mit ihm selbst. Wir sangen die Lieder Michaels des Tapferen, die Lieder Avram Jancus, die Lieder, unter deren Klängen die jungen Kameraden unserer Offiziersschule im Jahre 1917 in das Feld gezogen waren, und wir sangen das flammende Lied der Studenten: „Erwacht, Rumanen!“ Dieses Lied erhoben wir zur Hymne der Legion.

Um singen zu können, braucht man eine bestimmte seelische Verfassung, braucht man eine Harmonie der Seele. Derjenige, der auf Raub ausgeht oder Unrecht tun will, kann nicht singen, ebensowenig der, dessen Herz erfüllt ist von Zorn und Leidenschaften und dessen Seele die Kraft zum Glauben nicht aufbringt.

Darum, Ihr Legionäre der Gegenwart und der Zukunft, sooft Ihr es nötig habt, Euch von neuem auszurichten auf die Linie und den Geist unserer Legion, kehrt zu diesen vier Grundpfeilern unseres Lebens zurück und richtet Euch nach ihnen aus.

Das Lied aber soll Euch jedesmal der rechte Maßstab sein. Wenn Ihr nicht mehr singen könnt, dann wißt, daß Krankheit an der Wurzel Eures Lebens frißt, daß der Alltag Staub und Schuld auf Eure reine Seele geladen hat. Und wenn sich Eure Seele nicht mehr zum Singen schicken will, dann seid Ihr für uns verloren! Dann tretet ab und laßt die vortreten und Euren Platz einnehmen, die noch singen können!

Indem wir nach den oben angeführten Grundsätzen lebten, begannen wir vom ersten Augenblick an auch schon zu wirken. Ich ernannte Unterführer, die Befehle erhielten und weitergaben.

Wir begannen nicht mit Gott weiß was für großen Taten. So wie die Probleme und Aufgaben in uns herantraten, faßten wir sie an und lösten sie.

Das erste war zunächst die entsprechende Herrichtung des Baumes in unserem Heim, in dem das Bild des Erzengels Michael hing. Wir malten den Baum selbst aus und scheuerten den Fußhoden. Die Kameradinnen nähten Vorhänge, während die Legionäre einige Wandsprüche schrieben, die ich zusammengestellt hatte. Ich hatte sie aus der Heiligen Schrift und aus anderen Büchern zusammengesucht. Mit diesen Sprüchen schmückten wir nun die Wände. Diese Sprüche lauteten:

„Gott führt uns in seinem Siegeswagen.“

„Wer siegen wird, dessen Herr werde ich sein.“

„Wer kein Schwert besitzt, der gehe hin und verkaufe sein Kleid und kaufe sich ein Schwert.“

„Kämpfe tapfer für den Glauben.“

„Hütet Euch vor den Sünden des Fleisches, denn sie töten die Seele.“

„Wachet!“

„Laß den Helden in Dir niemals sterben.“

„Brüder in guten und in bösen Tagen.“

„Wer zu sterben versteht, wird niemals Sklave sein.“

„Ich glaube an die Auferstehung meines Volkes und erwarte die Vernichtung seiner Verräter.“

Eine zweite Maßnahme war die Festlegung unserer Haltung gegenüber allen Angriffen von außen. Wir beschlossen, auf keinen dieser Angriffe zu antworten. Freilich fiel uns dies nicht gerade leicht. Wir wurden in der Presse der Gegner in Stücke gerissen. Mit allen Mitteln versuchten sie, uns moralisch zu vernichten. Für uns aber war diese Zeit eines heldischen und überlegenen Ausharrens sehr heilsam.

Eine dritte Maßnahme: Es darf niemand überredet werden, um jeden Preis in die Legion einzutreten. Das allgemein übliche Ködern neuer Mitglieder hat mir seit je mißfallen. Dieses System des Mitgliederfanges ist unserem Geist bis auf den heutigen Tag genau entgegengesetzt. Wir ködern keinen, wir legen unseren Standpunkt klar, wir stellen unsere Haltung lest und damit genug. Mehr geschieht nicht. Wen es zu uns zieht, der tritt heran. Aber nur der tritt ein in unsere Reihen, den wir annehmen.

Wer kam nun eigentlich zu uns? Es waren Menschen, die seelisch genau so waren wie wir. Waren es viele? Es waren sehr wenige! In Jassy waren wir nach einem vollen Jahr nur um zwei Kameraden mehr geworden. Auf dem Lande aber kamen sie zahlreicher heran und traten in dem Maße, wie sie von unserer Arbeit erfuhren, unserer Gemeinschaft bei. Alle, die zu uns kamen, zeichneten sich durch zwei besondere Merkmale aus: durch große seelische Sauberkeit und Geradheit, und: sie hatten keine persönlichen Interessen.

Bei uns gab es nichts zu verdienen, es gab nicht die leiseste Hoffnung auf Gewinn. Wer zu uns kam, mußte geben und opfern und einsetzen können: seelische Kraft, Hab und Gut, Leben, Liebe und Treue! Selbst wenn sich ein Unwürdiger einschlich, konnte er doch nicht unter uns bleiben. Unsere Art behagte ihm nicht. Er ging von selbst wieder dahin, woher er gekommen war. Nach einem Monat schon oder nach einem Jahre, ja selbst nach zwei oder drei Jahren. Sie desertierten oder wurden Verräter.


Unser Programm

Diese enge Gemeinschaft, ich nenne sie „Nest“, bildete den Beginn und Grundstein der Legion und des Legionären Lebens. Dieser Grundstein mußte auf festem und gesundem Boden stehen. Deshalb gab es keine hochtrabenden Befehle, wie: „Macht euch auf und erobert Rumänien! Geht hinaus in die Dörfer, stellt euch hin und schreit: eine neue politische Partei ist gegründet worden! Jeder muß ihr schleunigst beitreten!“

Nichts Derartiges! Wir stellten kein neues politisches Programm neben die zehn anderen, die es in Rumänien schon gab und die alle nach der Meinung ihrer Schöpfer oder Parteigänger ausgezeichnet waren. Wir sandten auch keine Legionäre aus, um die Dörfer abzugrasen und die Leute für uns zu begeistern, daß sie mit uns zögen und das Land retteten.

In diesem Punkte unterschieden wir uns von Grund auf von allen bisherigen politischen Parteien, die „Liga“ nicht ausgenommen. All diese Leute sind nämlich überzeugt, unser Land werde zugrunde gehen, weil ihm ein entsprechendes Programm fehle. Deshalb werden ausgezeichnet zusammengestellte Programme angefertigt und den neugierigen Menschen vorgelegt. So fragen die Leute schon aus alter Gewohnheit: „Welches Programm bringt ihr uns?“

Dieses Land aber geht nicht zugrunde am Mangel an Programmen, sondern an dem Mangel an Menschen. Es ist unsere Meinung, daß es nicht darauf ankommt, geistreiche Programme auszuklügeln, sondern Menschen zu schaffen, neue Menschen!

Mit den heutigen Menschen, die das „Politikertum“ durch und durch verdorben, die das Judentum verseucht hat, wird man das beste und schönste Programm niemals durchführen können. Diesen Menschentyp, der heute das öffentliche und politische Leben Rumäniens beherrscht, haben wir in der Geschichte schon angetroffen. Unter der Herrschaft solcher Menschen sind ganze Völker zugrunde gegangen und Staaten zusammengebrochen.

Das schlimmste, was Juden und Politiker über uns gebracht haben, die größte Gefahr, der sie unser Volk ausgeliefert haben, liegt nicht darin, daß sie die Reichtümer und Bodenschätze unseres Landes zusammenraffen, liegt nicht darin, daß sie die rumänische Mittelschicht vernichten, liegt nicht in der großen Zahl, in der sie unsere Schulen und freien Berufe überfallen, liegt nicht in dem verderblichen Einfluß, den sie auf unser gesamtes politisches Leben ausüben, obwohl dies alles schon Todesgefahren für ein Volk darstellen. Ihre größte völkische Gefahr liegt vielmehr darin, daß sie uns rassisch zersetzen, daß sie die rassische, dakoromanische Struktur unseres Volkes zerstören und einen Menschentyp ins Leben rufen, der nichts anderes mehr ist als ein rassisches Wrack. Sie bescheren uns diesen Typ des Politikers, der nichts mehr von dem Adel unserer Rasse in sich trägt, sondern unsere Rasse nur entehrt, beschmutzt und zugrunde richtet!

Wenn dieser Menschenschlag unser Land noch lange führt, dann wird das rumänische Volk die Augen bald für ewig schließen. Rumänien wird zusammenbrechen trotz allen großartigen Programmen, mit denen diese Gauner dem unglücklichen Volk die Augen zuschmieren und verkleistern wollen.

Von allen Übeln, die uns die Juden gebracht haben, ist dies das furchtbarste und entsetzlichste!

Alle Völker, mit denen wir Rumänen seit der Völkerwanderung bis auf diesen Tag in Berührung gekommen sind und mit denen wir gekämpft haben, haben uns in unserem materiellen, körperlichen und politischen Bestand angegriffen. Unsere Seele aber und unser innerstes sittliches Wesen ließen sie unberührt. Aus der Kraft dieser rassischen Ungebrochenheit brach dann früher oder später unser Sieg hervor und brachte uns die Befreiung. Und selbst wenn sie in großer Anzahl über uns herfielen, selbst wenn sie uns alle Reichtümer nahmen, selbst wenn sie uns sogar politisch beherrschten: Die Befreiung kam doch!

Zum ersten Male in unserer Geschichte treffen wir Rumänen auf ein Volk, das uns nicht mit dem Schwerte angreift. Deshalb fühlen wir uns entwaffnet und taumeln besiegt zu Boden. Dieses Volk greift uns mit den ihm eigenen Waffen der jüdischen Rasse an, mit denen es zuerst das moralische Gefühl der Völker trifft und lahmlegt. Dies Volk verbreitet planmäßig und zielbewußt alle moralischen Übel und Erkrankungen und vernichtet dadurch von vornherein jede Widerstandskraft in den heimgesuchten Völkern.

Darum also ist der Grundstein, von dem die Legion ausgeht, der Mensch, nicht aber das politische Programm!

Reformation, Erneuerung des Menschen - aber niemals Aufstellung von zugkräftigen Programmen!

Die Legion „Erzengel Michael“ wird in erster Linie ein Orden und ein Regiment und nicht eine politische Partei sein.

Das rumänische Volk braucht heute nicht einen großen Politiker, wie man fälschlicherweise glaubt. Das rumänische Volk braucht heute einen großen Erzieher und Führer, der die Mächte der Finsternis überwindet und die Höllenbrut zerschmettert! Um dazu fähig zu sein, muß er zuerst das Böse und Finstere in seiner eigenen Brust und in den Herzen seiner Kameraden überwinden und ausrotten. Aus dieser eisernen Selbsterziehung der Legionäre wird ein neuer Mensch strahlend erstehen, wird der heldische Mensch geboren werden! Dieser Mensch wird in unserer Geschichte dastehen wie ein Riese, der gegen alle Feinde des Vaterlandes kämpft und siegt. Sein Kampf und sein Sieg aber erstrecken sich auch auf jene unsichtbaren Feinde, die mit den Mächten der Finsternis im Bunde stehen.

Alles, was sich unser Geist an vollendeter Schönheit vorstellen kann, alles, was unsere Rasse an Stolz, an Erhabenheit, an Rechtschaffenheit, an Kraft, an Klugheit, Reinheit, Fleiß und Heldentum hervorzubringen imstande ist, das muß wachsen aus der eisernen Schule und Zucht der Legionäre!

Ein Legionär muß ein Kämpfer sein, in dem alle Anlagen menschlicher Größe und rassischen Adels, mit denen Gott das Blut unseres Volkes beschenkt hat, bis zu höchster Vollkommenheit ausgebildet und entwickelt sind!

Dieser heldische Mensch, der aus der harten Schule der Legion hervorgeht, wird dann auch das richtige Programm schaffen. Er wird das Judenproblem lösen. Er wird den Staat entsprechend aufbauen können, und er wird auch die übrigen Rumänen von der Richtigkeit seines Weges überzeugen. Und wenn man sich nicht überzeugen lassen will, dann wird der Legionär zu siegen wissen, denn darum ist er Legionär, darum vertritt er heldisches Führertum!

Dieser heldische, adlige Mensch, dieser Legionär der Tapferkeit, des Fleißes und der Rechtschaffenheit wird göttliche Lebenskraft in seinem Herzen tragen und unser Volk auf die Höhen des Ruhmes führen.

Eine neue politische Partei, und sei es selbst die Partei Professor Cuzas, kann im günstigsten Falle eine neue Regierung und neue Regierungsmaßnahmen bringen. Die Schule der Legion allein kann unserem Volke einen neuen Menschen aus eigener Art schaffen.

Die Legion wird etwas ans Licht bringen, was bisher noch nicht da war, etwas, das vielleicht unsere ganze Geschichte in zwei Hälften teilt und den Grundstein legt zum Beginn einer neuen rumänischen Geschichte, auf die dieses Volk ein Recht hat auf Grund jahrtausendelanger Leiden und Geduld und seines Seelenadels. Es ist vielleicht das einzige Volk der Welt, das im Verlauf seiner ganzen Geschichte die Sünde der Bedrückung und Versklavung anderer Völker nie kennengelernt hat.

Wir werden die seelischen und moralischen Voraussetzungen dafür schaffen, daß ein neuer Mensch geboren werde und ihm alle Entfaltungsmöglichkeiten offenstehen. Dieser Mensch aber wird das Antlitz des kämpferischen, des heldischen Menschen tragen!

Der Boden, aus dem ein neues Geschlecht heranwächst, muß Tag und Nacht bewahrt werden vor dem Einbruch einer feindlichen Welt. Er muß geschützt werden von den gefährlichen Wirbelstürmen der Feigheit, der Käuflichkeit und aller anderen Laster, die den Völkern das Grab schaufeln und die einzelnen Völker zugrunde richten. Wenn der Legionär auf einer so geschützten Scholle seine Erziehung genossen und durch die harte Schule des „Nestes“, des Arbeitslagers, der Organisation und der Familie der Legion hindurchgegangen ist und gefestigt und kraftvoll als ein neuer Mensch dasteht, dann erst wird er hinausgeschickt in die Welt. Dort muß er nun leben, um in Sauberkeit zu bestehen. Dort muß er kämpfen, um Tapferkeit zu lernen. Dort muß er arbeiten, um sich an Arbeit zu gewöhnen und die tägliche Mühsal der Arbeitenden zu verstehen und zu schätzen! Er wird leiden lernen, um stahlhart zu werden, und er wird opfern müssen, um im Dienste des Volkes stehend hinauszuwachsen über sich selbst und sein vergängliches Einzelwesen.

Wo immer er hinkommen wird, wird er eine ähnlich gestaltete Umwelt schaffen. Er wird Vorbild sein, dadurch wird er neue Legionäre werben. Die Menschen aber werden, wenn sie ihn sehen, alle Hoffnungen auf eine stolze und starke Zukunft wiedergewinnen und ihm folgen. Die neu Hinzukommenden aber müssen dann ebenfalls diese strengen Richtlinien des Legionärlebens befolgen. Alle zusammen aber werden schließlich das heilige Heer bilden, das kämpfend und herrlich siegen wird! Dieses Heer aber heißt: Legion „Erzengel Michael“.


Bilder aus dem öffentlichen Leben Rumäniens

Im folgenden Kapitel mache ich den Versuch, in einigen groben Strichen die allgemeine Lage der politischen Umwelt zu zeichnen, in deren Mitte die Legion „Erzengel Michael“ stand und gegen die sie anzukämpfen hatte.

Seit einem Monat war die Regierung des Generals Averescu gestürzt. Am 7. Juli 1927 waren die Liberalen wieder ans Ruder gekommen. Sie schrieben Neuwahlen aus. Dabei erhielt die Regierung wie gewöhnlich die Mehrheit. Trotzdem mußte sie mit allen Mitteln die große Volkstümlichkeit der nationalen Bauernpartei brechen. Die bedauernswerte breite Masse des rumänischen Volkes irrte von einer Partei zur anderen, von einer Versprechung zur andern und knüpfte bald an diese, bald an jene Partei die heiligsten und reinsten Hoffnungen. Aber sie kehrte immer wieder mit betrogenen Erwartungen, enttäuscht und erbittert zurück. Dies wird sich so oft wiederholen, bis das Volk endlich einsehen wird, daß es einer Bande von Gaunern in die Hände gefallen ist, die nur auf Raub und Gewinn ausgehen.

Es gab drei größere Parteien: die liberale Partei, die Nationale Bauernpartei und die Partei des Generals Averescu. Außer diesen gab es eine Reihe kleinerer Parteien. Im Grunde bestand zwischen diesen drei großen Parteien kein Unterschied. Sie unterschieden sich nur durch Namen und Interessen der einzelnen voneinander. Es war dieselbe Sache in anderer Verkleidung. Sie besaßen nicht einmal die Rechtfertigung entgegengesetzter Anschauungen. Ihr einziger, wirklicher Beweggrund war der Kult des persönlichen Interesses. Diese persönlichen Interessen überwogen jede Sorge um die Zukunft des Bodens und des Volkes. Schon der bloße Anblick des politischen Tagesgezänkes mußte anwidern. Die Jagd nach Geld, nach persönlichen Vorteilen, nach Reichtum und Vergnügungen, nach Eroberung und Beute drückte diesen politischen Kämpfern den Stempel unsäglicher Roheit auf. Die Parteien gebärdeten sich wie organisierte Banden, die sich gegenseitig haßten, sich um die Beute balgten und einander wüst befehdeten. Einzig und allein der Kampf für sein Volk oder für ein Ideal, das die persönlichen Interessen und Gelüste des einzelnen überragt, ist edel. Dieser Kampf ist gewiß glühend und flammend, aber es fehlt ihm die niedere und blinde Raserei.

Schon die bodenlosen Gemeinheiten, mit denen diese Kämpfe geführt werden, sind ein Beweis dafür, daß nicht um ein hohes und heiliges Ideal, ja, nicht einmal um Grundsätze gekämpft wird, sondern daß man sich hier in einem trüben Sumpf persönlicher Interessen befindet.

Die große Mehrzahl der Politiker lebt in Luxus, Ausschweifung und Lasterhaftigkeit auf Kosten eines Landes, das immer mehr der Auflösung entgegentreibt.

Kein Hund fragt nach den Nöten des Volkes!

Diese Politiker, ihre Familien und ihre zahlreichen Agenten brauchen Geld. Geld für ihre Vergnügungen, Geld um sich die politische Anhängerschaft geneigt zu erhalten, Geld für die Wahlen, Geld, um menschliche Gewissen zu kaufen. Der Reihe nach wirft sich die Meute dieser Politiker auf das Land, um es auszusaugen. Das bedeutet dann letzten Endes für sie „regieren“, das nennen sie „für das Volk schaffen“. Sie rufen eine verheerende Ebbe in den Kassen des Staates hervor.

Sie fressen sich wie Zecken in die Verwaltungsräte aller großen Unternehmungen hinein und heimsen, ohne einen Finger zu rühren, Millionen an Tagegeldern ein, Gelder, die der erschöpfte Arbeiter mit sauerem Schweiß für diese Schmarotzer schaffen muß. Sie sitzen in den Verwaltungsräten der jüdischen Großbanken und werden für ihren Volksverrat abermals mit Millionen und aber Millionen bezahlt. Sie bieten Stoff zu Finanzskandalen größten Stils, über die sich alle Welt entsetzt.

Die Bestechlichkeit fällt wie eine Pest jeden Politiker an, angefangen vom obersten Minister bis herab zu seinem letzten Diener. An jeden werden sich diese Leute schamlos verkaufen. Wer Geld hat, ist imstande, alle zu bestechen. Damit aber hat er das Land selbst gekauft. Sobald aber das ausgepreßte Land ihnen keine Gelder mehr geben kann, übergeben diese Politiker der Reihe nach alle Schätze des Landes fremden Bankgesellschaften und geben damit unsere nationale Unabhängigkeit preis.

Rumänien wird von einem wahren Netz von Geschäftemachern und Schiebern umgarnt. Diese Schmarotzer arbeiten nicht, schaffen überhaupt keine Werte mehr, sondern zehren am Lebensmark des Bodens und saugen das Volk aus.

So sieht Parteiwirtschaft aus.

In den breiten Volksmassen aber halten Elend, Unmoral und Verzweiflung Einzug. Zu Zehntausenden kommen Kinder um, werden sie dahingerafft von Krankheit und Elend. Dadurch wird die Widerstandsfähigkeit des Volkes geschwächt. Es steht verlassen da und muß allein kämpfen gegen das wohlorganisierte Judentum, das von volksverräterischen Politikern mit dem ganzen Staatsapparat gestützt und gefördert wird.

Die wenigen noch ehrlichen Politiker, vielleicht sind es sogar Parteiführer, werden dagegen nichts mehr ausrichten können. Sie sind armselige Strohpuppen in den Händen der jüdischen Presse. Die ausländischen jüdischen Großfinanziers und ihre eigenen politischen Parteifreunde wachsen ihnen über den Kopf.

Diese Verhöhnung, dieser sittliche Niedergang, dieser Sumpf wird von der gesamten jüdischen Front bewußt gefördert, um uns als Volk zu vernichten und uns das Land und seine Bodenschätze zu rauben. Durch ihre Presse, die sich als rumänische Presse ausgibt, durch eine gottlose und unmoralische Literatur, durch aufpeitschende Filme und Bühnenstücke, die zu Lasterhaftigkeit verführen, durch Bankbetrieb und Wucher ist der Jude Herr über unser Land geworden.

Wer soll sich ihm widersetzen? Heute, da sie die Wegbereiter des Zusammenbruches sind, bedeutet ihr Auftauchen die Todesahnung für unser Volk. Gibt es überhaupt noch jemand, der sich ihnen entgegenstellt?

Die völkische Bewegung war zusammengebrochen. In den folgenden Wahlen verlor die „Liga“ 70000 Stimmen und konnte es kaum auf 50000 bringen. Damit hatte sie nicht einmal zwei Prozent aller abgegebenen Stimmen erhalten. Von den zehn Abgeordneten, die sie einst besessen hatte, war der „Liga“ kein einziger geblieben.

Einst wird der Tag kommen, da der Legionär Auge um Auge kämpfen wird mit diesem Ungeheuer des Politikertums. Dann wird es einen furchtbaren Kampf geben, einen Kampf auf Leben und Tod. Der Legionär wird ihn aufnehmen und wird ihn siegreich durchfechten.

Er allein!


Gedanken um Welt und Zukunft

Wir waren eine Handvoll gegenüber diesen alles beherrschenden übermächtigen Kräften. Oft fragten wir uns: Was geschieht, wenn wir außerhalb des Gesetzes gestellt werden? Wenn diese Giftschlangen merken, was wir vorbereiten, werden sie uns alle möglichen Hindernisse in den Weg legen und mit allen Mitteln versuchen, uns zu vernichten. Ihre Blicke sind ja unerbittlich auf uns gerichtet. Sie können uns zu jeder Zeit herausfordern. Wir sind schon einmal herausgefordert worden, als wir ruhig und ohne Lärm nach Ungheni marschieren wollten. Dabei sollte alles, was wir aufgebaut hatten, in einen bodenlosen Abgrund stürzen. Was tun wir, wenn sie uns nun abermals herausfordern? Sollen wir wieder die Pistolen herausreißen und feuern, damit nachher unsere Knochen in den Todeszellen der Gefängnisse vermodern und unsere Pläne für ewig zunichte werden?

Angesichts dieser Aussichten hatten wir den Gedanken: Wir wollen uns in die Berge zurückziehen, in die Wälder, wo seit Urzeiten unsere Ahnen den Kampf mit den feindlichen Haufen aufgenommen und ausgefochten haben. Der Wald und das Gebirge waren schon seit langer Zeit unzertrennlich mit uns und unserm Leben verbunden. Wir kannten einander gut. Es ist besser und schöner, wir sterben in unseren Wäldern für unsern Glauben, als daß unsere Leiber zwischen häßlichen Gefängnismauern langsam zugrunde gehen. Auf keinen Fall wollten wir uns von neuem in Ketten legen und demütigen lassen.

Solange es geht, werden wir aus den Wäldern aufbrechen und die jüdischen Wespennester angreifen. Oben in den ewigen und heiligen Höhen der Berge werden wir das Leben unserer Wälder bewachen und sie vor jüdischer Ausbeutung und Plünderung schützen. Aber unten in den Ebenen werden wir denen den Tod bereiten, die es verdienen, und denen Gerechtigkeit schaffen, die sie brauchen. Dann werden sie in Scharen kommen, um uns zu fangen und zu erschießen. Wir werden uns zurückziehen und in den Wäldern verbergen. Wir werden kämpfen bis zum letzten Atemzuge. Aber wir werden schließlich doch erliegen. Wir sind n